Wettbewerbsfähigkeit
Abgeltungssteuer schadet Finanzstandort Deutschland

Im internationalen Vergleich hat sich Deutschland mit der Einführung und Ausgestaltung der Abgeltungssteuer einen Bärendienst erwiesen. Andere wichtige europäische Länder verfügen über deutlich attraktivere Regelungen für die Besteuerung von Kapitalerträgen. Das ist der Tenor der zu diesem Thema befragten Experten.

Milde drückt es Lothar Siemers, Partner bei der Wirtschaftsprüfergesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) aus: "Die Abgeltungssteuer lädt nicht dazu ein, Kapitalanlagen im Ausland wieder nach Deutschland zurückzuführen." Professor Ekkehard Wenger von der Universität Würzburg liebt es drastischer: "Die Abwanderung vermögender Aktienanleger wird sich dramatisch verstärken ?", heißt es in einem Zeitungsbeitrag Wengers zu den Folgen der Steuer.

Dabei besticht die Abgeltungssteuer auf den ersten Blick durch ihre Einfachheit. Schließlich wird ab dem 1. Januar 2009 eine einheitliche Steuer in Höhe von 25 Prozent (plus Soli und ggf. Kirchensteuer) auf Zinsen, Dividenden und private Wertpapierveräußerungsgewinne erhoben und an der Quelle einbehalten. Doch selbst der Bundesverband deutscher Banken (BdB), der seit langem eine Quellensteuer befürwortet, ist bedingt erfreut. Zwar wird die Vereinfachung der Besteuerung gelobt, doch auch BdB-Geschäftsführer Heinz-Udo Schaap sieht einen "Rückstand gegenüber anderen Finanzplätzen".

So wird der Abgeltungsteuersatz von 25 Prozent schlicht für zu hoch gehalten. Die Kreditwirtschaft hat sich stets für einen Satz von maximal 20 Prozent ausgesprochen. Können Anteilseigner bislang noch Veräußerungsgewinne steuerfrei realisieren, sofern sie ihre Aktien mindestens ein Jahr gehalten haben, unterliegen die nach dem 1. Januar 2009 gekaufte Papiere ausnahmslos der Abgeltungssteuer. Der Bankenverband spricht sich für eine "Abmilderung" dieser geplanten Regelung aus. Schließlich würden auch die Anleger darunter leiden, die langfristig in Aktien investiert sind und dieses Engagement als Teil ihrer privaten Altersvorsorge betrachten.

Zu den Nutznießern der Neuregelung gehören dagegen die Bezieher von Zinseinkünften. Diese unterliegen derzeit noch der vollen Einkommensteuerpflicht. In vielen Fällen mindert die Abgeltungssteuer die Steuerlast.

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