Zentralregister startet am 1. August
Das Patienten-Testament geht online

Diese Situation fürchtet jeder: man hat einen schweren Autounfall, liegt im Koma, man erleidet einen Schlaganfall oder wird Opfer einer Demenzerkrankung - plötzlich kann man nicht mehr selbst über sich bestimmen. Der Firma fehlt der Entscheidungsträger, und die Familie weiß nicht weiter. Am Ende müssen die Vormundschaftsgerichte ran - und einen Betreuer suchen.

HB DÜSSELDORF. Damit diese ungewollte Fremdbestimmtheit immer seltener wird, tritt deshalb jetzt am 1. August ein Gesetz in Kraft, dass eine neuartige Einrichtung offiziell zum Leben erweckt: das so genannte Zentrale Vorsorgeregister. "Damit schaffen wir ein Institut, auf das die Gerichte im Fall der Fälle schnell und bequem zugreifen können", sagt Hans Sorge, -Ulrich Geschäftsführer der Landesnotarkammer Bayern.

Hinter dem Register verbirgt sich eine Datenbank, die von der Bundesnotarkammer in Berlin geführt wird. Dort eingestellt werden so genannte Vorsorgevollmachten und Betreuungsverfügungen, aber auch Patiententestamente, die die Vormundschaftsgerichte künftig online abrufen können. Die "kleinen Testamente" sollen gewährleisten, dass auch hilflose Menschen das Heft in der Hand behalten. "Ein ganz wichtiges Thema", findet auch Elmar Herrler, Mitglied im Präsidium des Deutschen Richterbundes und selbst Familienrichter am Oberlandesgericht Nürnberg. "Man kann nicht oft genug darüber aufklären".

Aus Sicht der Richter macht das Zentralregister in jedem Fall Sinn. "Eine Vorsorgevollmacht bringt nur etwas, wenn man sie im Ernstfall auch schnell parat hat", sagt Herrler. "Nur dann wird der Wille des Betroffenen wirklich effektiv".

Vorsorgevollmacht bietet sich bei kleinen Familienbetrieben an

Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung - beide haben den Zweck, dass Menschen vorab auf eine mögliche spätere Betreuung oder Vertretung Einfluss nehmen können. Entmündigt wird heutzutage niemand mehr, wer aber geistig verwirrt oder körperlich hilflos ist, der erhält einen Betreuer. Über eine Millionen Menschen werden derzeit betreut, mal von Profis, mal von Familienangehörigen. Und Experten erwarten, dass die Zahl mit zunehmender Alterung der Gesellschaft deutlich steigt.

Ein Thema, das also jeden angeht. Nicht nur Arbeiter und Angestellte, sondern auch Firmenchefs: "In größeren Betrieben sind diese Fälle natürlich schon im Gesellschaftsvertrag geregelt", sagt Günter Schmaler, Chef der Arbeitsgemeinschaft Anwaltsnotariat im Deutschen Anwaltverein und selbst Anwalt und Notar in Emden. "Aber in kleinen Familienbetrieben, da bietet sich in jedem Fall die Vorsorgevollmacht an."

Die Vorsorgevollmacht soll die Anordnung einer Betreuung vermeiden. "Ein gerichtlich bestellter Betreuer ist laut Gesetz nämlich dann nicht erforderlich, wenn ein vom Betroffenen vorab bestimmter Bevollmächtigter dessen Angelegenheiten regeln kann", erklärt Sorge.

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