Zertifikate begrenzt steuerfrei
Finanzminister fürchten „Steuergestalter“

Eine Steuerlücke soll geschlossen werden, bevor sie überhaupt aufreißt: Im Zuge der Unternehmenssteuerreform sollte eine grundsätzliche Steuerfreiheit für lang laufende Zertifikate beschlossen werden. Auf Drängen des Bundesrats werden nun Beschränkungen geprüft.

BERLIN. Die Finanzminister von Bund und Ländern fürchten, dass die Anbieter von Zertifikaten die Einführung der Abgeltungsteuer gezielt für Steuergestaltungen nutzen wollen. Auf Bitten des Bundesrates prüft daher zur Zeit das Bundesfinanzministerium, die Steuerfreiheit für lang laufende Zertifikate, die bis zum 31.Dezember 2008 gekauft werden, zu begrenzen. Zur nächsten Sitzung des Bundestagsfinanzausschusses am kommenden Mittwoch soll ein Vorschlag des Bundesfinanzministeriums vorliegen: Dann verabschiedet der Finanzausschuss letzte Formulierungsänderungen an der Unternehmensteuerreform.

Geplant ist, dass ab 1. Januar 2009 auf alle Kapitalerträge die Abgeltungsteuer von 25 Prozent fällig wird. Für Zinsgewinne etwa ist dies von Vorteil für den Anleger, wenn sein Steuersatz heute höher liegt. Für Kursgewinne aus Wertpapieren, die länger als ein Jahr gehalten werden, entfällt dann allerdings die heutige Steuerfreiheit. Bei Aktien sollen die Kursgewinne vor dem 1. Januar 2009 gekaufter Titel jedoch weiter nach dem alten System besteuert werden. Nach Aussage von Länderfinanzministern hat die Zertifikatebranche in jüngster Zeit geradezu einen Steuerschlussverkauf inszeniert und Zertifikate mit sehr langen Laufzeiten aufgelegt, deren Basiswert aber veränderbar sein sollte.

Unbestritten ist nach Aussage von Bankenexperten, dass die Zahl langlaufender Zertifikate stark zugenommen hat - völlig unbekannt, wie es die Finanzminister unterstellen, waren sie allerdings auch vor der Debatte um die Abgeltungsteuer nicht. Das Derivate-Forum, das neun Zertifikate-Anbieter vertritt, kritisiert, dass die Politik breitflächig alte Investments treffe, obwohl sie eigentlich nur die flexiblen Produkte meine. Finanzpolitiker von Union und SPD erwarteten, dass es zu einer Einschränkung für Zertifikate kommen werde. Sie werde aber nicht so hart ausfallen wie es der Bundesrat vorgeschlagen hat, hieß es in Unionskreisen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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