Zertifikate stehen vor dem Neustart
Ab 1.Januar endet steuerliche Benachteiligung für Derivate

Ab 2009 sind Derivate steuerlich nicht mehr benachteiligt, wenn die Abgeltungsteuer greift. Dann herrscht wieder Chancengleichheit zwischen Fonds und Zertifikaten. Doch Kurseinbrüche an den Börsen hemmen das Geschäft.

FRANKFURT. Eigentlich sollte der 1. Januar 2009 für die deutschen Emittenten von Zertifikaten ein Freudentag werden. An diesem Tag endet die sonderbare Übergangsregelung für die synthetischen Wertpapiere im Vorfeld der Steuerreform, die sie im Wettbewerb um Anlegergelder monatelang benachteiligt hat. Seit 1. Juli sind steuerfreie Erträge mit neu erworbenen Zertifikaten faktisch nicht mehr möglich. Bei Konkurrenzprodukten wie Fonds greift die Abgeltungsteuer hingegen erst ab Anfang 2009. Erst dann herrscht für Zertifikate wieder Chancengleichheit mit Fonds und anderen Wertpapieren. Einige Regelungen des neuen Steuersystems begünstigen die Derivate sogar gegenüber der Konkurrenz.

Schon jetzt ist allerdings klar, dass die Jubelfeiern der Branche an Neujahr ausfallen werden. Denn in der Kommunikation mit den Kunden ist die Abgeltungsteuer schon lange kein Thema mehr. Die Frage, die Anleger an ihre Berater richten, ist zurzeit nicht, mit welchem Produkt sie sich optimal für die Abgeltungsteuer positionieren, sondern wie sie möglichst ungeschoren durch die Finanzkrise kommen. Die befürchtete Abwanderungswelle von Zertifikate-Kunden zu Investmentfonds ist dadurch zwar ausgeblieben. Doch für Schadenfreude bleibt keine Zeit. Denn auch das eigene Geschäft läuft bei den meisten Zertifikateemittenten zurzeit noch schlechter als befürchtet. Und die Aussichten für die kommenden Monate sind ebenfalls mau.

Denn bei den Anlegern ist nach den heftigen Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten Sicherheit Trumpf. Gefragt sind Geldmarktanlagen, Gold oder Bundeswertpapiere. Zertifikate dagegen werden wegen ihres starken Aktienbezugs ebenso gemieden wie Aktienfonds und Dividendenpapiere selbst. Die Sicherheitspuffer, mit denen viele Zertifikate ausgestattet sind und die entscheidend zum Boom der Branche in den vergangenen Jahren beigetragen haben, kommen bei den Anlegern jetzt nicht mehr an. Vielen ist durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers das Ausfallrisiko von Zertifikaten schlagartig bewusst geworden. Die öffentlich ausgetragene Debatte über die Sicherheit der Produkte hemmt das Geschäft zusätzlich.

Vor diesem Hintergrund spielen Steuern für die meisten Anleger ebenso wie für die Derivatebranche selbst eine bestenfalls untergeordnete Bedeutung. Der Fokus liegt auf Schadensbegrenzung durch gezielte Anlegeraufklärung. Außerdem schauen die Emittenten gebannt auf 2009 und hoffen auf bessere Märkte, die Derivate wieder auf den Wachstumspfad zurückbringen könnten.

Dass die Steuer ab Januar kein weiteres Hemmnis mehr darstellt, macht die Lage immerhin etwas einfacher. Ab 2009 kommen Zertifikate unter dem neuen System insgesamt also gut weg. Zwar entfällt bei einigen beliebten Produktklassen wie Bonus- oder Discount-Zertifikaten die Möglichkeit, Kursgewinne nach Ablauf der Spekulationsfrist von einem Jahr steuerfrei zu vereinnahmen. Diese Regelung gilt für Aktien und Fonds, die grundsätzlich die gleichen Anleger ansprechen wie Zertifikate, aber ebenso. Generell macht die gleichmäßige Besteuerung aller Zertifikate die Kommunikation der Branche mit dem Anleger auch einfacher.

Außerdem werden einige Zertifikatetypen, die bisher als Finanzinnovationen galten, künftig steuerlich sogar attraktiver. Bisher mussten Anleger die Erträge aus Garantie-Zertifikaten und Aktienanleihen, die in diese Kategorie fallen, stets mit dem individuellen Einkommensteuersatz versteuern. Da dieser in der Regel höher liegt als der künftige Abgeltungsteuersatz, werden Anleger bei den Papieren daher ab 2009 entlastet.

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