Zwischenbilanz der Steueraffäre
120 Steuerfälle, 200 Millionen Euro

In der Affäre um Steuerhinterziehungen in Millionenhöhe hat die Bochumer Staatsanwaltschaft am Dienstag erstmals konkrete Zahlen genannt. Danach sind bisher 120 Verfahren gegen 150 deutsche Steuersünder eingeleitet worden, weitere sollen folgen.

Gleichzeitig rücken nach der LGT-Bank des liechtensteinischen Fürsten weitere Kreditinstitute ins Fadenkreuz der Ermittler, wie das Handelsblatt aus Justizkreisen erfuhr. Und auch in zahlreichen europäischen Nachbarländern laufen Untersuchungen gegen Liechtensteiner Stiftungen an. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück rechnet schon jetzt mit "mehreren Hundert Millionen Euro an Steuernachzahlungen".

Die Staatsanwaltschaft Bochum zog am Dienstag eine erste Zwischenbilanz der Großfahndung, die am 14. Februar mit der Razzia bei Post-Chef Klaus Zumwinkel angelaufen war. Danach haben 91 Steuersünder ihr Vergehen gestanden, weitere 72 gaben bei den Finanzämtern Selbstanzeigen ab. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf die Großräume München (34 Fälle), Frankfurt (17), Stuttgart (24), Hamburg (30) und Nordrhein-Westfalen (15). Acht Staatsanwälte und 139 Steuerfahnder allein aus NRW waren dabei im Einsatz.

Die bisher überprüften Stiftungen, mit deren Hilfe deutsche Steuerzahler Gelder vor dem Fiskus versteckten, verfügten über weit mehr als 200 Millionen Euro Kapital. Bereits enttarnte Täter überwiesen in den letzten Tagen 27,8 Millionen Euro Abschlagszahlungen auf die zu erwartenden Steuernachforderungen, um Strafmilderungen in späteren Gerichtsverfahren zu erreichen. "Weitere freiwillige Zahlungen in ähnlicher Höhe sind bereits avisiert", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Krück. -Ulrich

Im Zuge der Ermittlungsverfahren durchsuchten die Staatsanwälte der "Einsatzkommission Liechtenstein II" bisher drei deutsche Banken. In Liechtenstein selbst geht es vor allem um Stiftungen bei der LGT-Bank. Nach Informationen des Handelsblatts liegen den Staatsanwälten aber auch Daten aus der liechtensteinischen Tochtergesellschaft der Schweizer Bank Vontobel vor. Das Kreditinstitut erklärte am Dienstag, anders als bei der LGT-Bank seien in ihrer Filiale aber keine Kundendaten entwendet worden.

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