Anleger werden die Zeichen der Zeit nach Meinung der Experten aber doch noch erkennen und vor dem Ende des Jahres vermehrt in Aktien umschichten. "In der zweiten Jahreshälfte wird die nahende Abgeltungsteuer die Aktienmärkte stützen", sagt Helmut Kaiser, globaler Chef-Anlagestratege im Privatkundengeschäft bei der Deutschen Bank.
Dass die Aktienmärkte in diesem Jahr so abgetaucht sind, ist dabei nach Meinung der Fachleute sogar positiv für die Anleger, weil der Einstieg auf den gesunkenen Kursniveaus attraktiver wird. Zudem bestehe mittelfristig wenig Grund zur Sorge, so der Tenor. "Die Stimmung hat sich gedreht, aber letztlich betrachten wir die jüngsten Entwicklungen an den Aktienmärkten als normale Korrektur", sagt Klaus Holschuh, der bei der DZ Bank den Bereich Research und Volkswirtschaft leitet.
Ulrich Kater empfiehlt den Anlegern gerade mit Blick auf die Abgeltungsteuer grundlegende Entscheidungen unabhängig von der kurzfristigen Entwicklung der Märkte. "Der Dax ist für Privatanleger in diesem Jahr nicht so entscheidend wie die Frage: Wo will ich mit meinem Vermögen hin?", betont der Chefvolkswirt der Dekabank. Für das Desinteresse vieler Bundesbürger mit Blick auf die Geldanlage und die Abgeltungsteuer hat er eine einfache Erklärung: "In unserem Rentenversicherungssystem fehlen uns 50 Jahre Erfahrung mit Aktien." Diese Erfahrung aufzubauen sei aber wichtig, denn das deutsche Rentensystem geht nach Ansicht von Kater in Richtung der USA, Großbritannien oder der Schweiz. Dafür brauchten die Anleger dann auch den entsprechenden Aktienanteil.
