Der Auslöser des Skandals um den illegalen Handel mit Bankdaten hat nach eigenen Angaben noch viel mehr Datensätze als er der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein zugespielt hat. Die CD mit 17 000 Kundendaten ist demnach nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Auf einer CD hatte ein Informant der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein 17.000 Kundendaten zugespielt. Foto: dpa
HAMBURG/BERLIN. "Das war nur ein erster Datensatz, tatsächlich habe ich die Adressen und Bankdaten von 1,5 Millionen Kunden gesichert", zitiert "Der Spiegel" den 36 Jahre alten Mann, der angibt, rund drei Wochen lang in einem Lübecker Call- Center gearbeitet zu haben. Der Mann hatte in der vergangenen Woche eine CD mit 17 000 Kundendaten samt Bankverbindungen an die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein geschickt und damit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ausgelöst.
Der Informant habe am vergangenen Mittwoch seinen Arbeitsvertrag bei dem Call-Center gekündigt. Dessen Geschäftsführer habe den Angestellten die offenbar illegal beschafften Daten mit dem Auftrag gegeben, den Angerufenen unter Hinweis auf eine frühere Teilnahme an einer Lotterie ein neues Angebot zu unterbreiten. Zu seiner Motivation, die Daten-CD an die Verbraucherzentrale zu geben, sagte er dem "Spiegel": "Ich will, dass solche Machenschaften aufhören, deshalb mache ich sie jetzt öffentlich."
Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ermittelt wegen des Falles gegen eine Firma aus Viersen. Nach Angaben der Behörde hat inzwischen auch ein Mann bei der Polizei in Hannover eine Aussage zu einem Datendiebstahl gemacht. Diese sei allerdings für die eigenen Ermittlungen nicht von Bedeutung, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, der Redaktion seien von einem Datenhändler 50 000 Adressen mit Telefonnummern und Bankverbindungsdaten zum Kauf angeboten worden. Die Daten stammen laut "Focus" von zwei Lotterieveranstaltern, einem Mobilfunkanbieter und einer Spendenorganisation. Branchenüblich seien Preise von fünf Cent bis ein Euro pro Datensatz.
Bei den 17 000 Daten aus Lübeck soll es sich um Kunden der Süddeutschen Klassenlotterie handeln. In der Call-Center-Branche sollen die Datensätze dazu missbraucht worden sein, Vertragsabschlüsse vorzutäuschen und bei den Opfern Geld abzubuchen. In Viersen und Lübeck durchsuchten Ermittler zwei Call-Center.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte angesichts des Skandals eine neue Kultur des Datenschutzes. Die Verbraucher müssten beim Schutz ihrer persönlichen Angaben umdenken, sagte Schaar dem Deutschlandradio Kultur. Der Missbrauch von Daten müsse zudem schärfer bestraft werden. Nicht nur geringfügige Bußgelder, sondern massive Strafen in Millionenhöhe seien nötig.
Der Verbraucher müsse einen sorglosen und unangemessenen Umgang mit Daten bestrafen, sagte der Datenschützer. Möglich sei beispielsweise, bei bestimmten Unternehmen nicht mehr einzukaufen oder die Bank zu wechseln. "Wir brauchen eine Datenschutzkultur und ein Bewusstsein darüber, dass Daten, die im Internet preisgegeben werden, eine andere Qualität haben als in der herkömmlichen Welt", erklärte Schaar laut Deutschlandradio Kultur. Die Unkenntnis vieler Menschen über die Möglichkeiten des Datenaustausches erschwere oft den Schutz persönlicher Informationen.
