Ob Kieber tatsächlich der Informant des Bundesnachrichtendienstes ist, lassen die deutschen Behörden weiter offen. Die Theorie ist aber insofern plausibel, als dass Kieber zwischen April 2001 und November 2002 Zugang zu allen wichtigen Daten der LGT hatte. Dabei hat er offenbar auch eigene Kopien angefertigt. Nach Angaben der LGT sind ihm auf diesem Wege Daten von gut 1400 Kunden - davon 600 aus Deutschland - in die Hände gefallen. Die aktuellsten dieser Daten stammen aus dem Jahr 2002.
Um diese Daten zu aktualisieren, sollen sich deutsche Fahnder nach Berichten verschiedener Boulevardmedien auch nach weiteren Informanten im Alpen-Fürstentum umgeschaut haben. Angeblich sollen Liechtensteiner Bankmitarbeiter sogar vom BND unter Druck gesetzt worden sein, auszupacken. Ob sie dabei erfolgreich waren, ist unklar. Während der BND entsprechende Berichte als "Unsinn" bezeichnet, berichtet die Süddeutsche Zeitung von einem zweiten Informanten. Dieser habe den deutschen Steuerfahndern weitere 700 mögliche Steuerbetrüger aus der Kundenkartei einer anderen Liechtensteiner Bank geliefert.
Infografik: Die Liechtenstein Connection
Für Heinrich Kieber dürfte das alles mittlerweile egal sein. Er hat seine Heimat in Liechtenstein offenbar schon vor zwei Jahren verlassen. Wo er sich derzeit aufhält, dürfte nur der Bundesnachrichtendienst wissen. Der hat den auskunftsfreudigen Banker nach Spiegel-Erkenntnissen mit einem neuen Namen ausgestattet und ihn an einen unbekannten Ort gebracht. Amerikanische Medien spekulieren, dass Kieber sich in Australien aufhalten, in Schweizer Zeitungen ist von einem Refugium bei den Eidgenossen die Rede. Mit den gut fünf Millionen Euro Honorar im Gepäck dürfte der Neuanfang jedenfalls nicht so schwer fallen.
Links zum Thema im Web:
» LGT-Group: "Informationen zum Datenklau"
» Blick: "Wie kam der Schnorrer an die Steuerdaten?"
» The Wall Street Journal: "Theft of Tax Data Hits Bank Clients Around Globe "
» Financial Times: "UK turned down Liechtenstein tax list"
