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20.02.2008 

Eine unschöne Begleiterscheinung dieses Trends: Mit dem Anzeigenvolumen ist auch die Zahl der haltlosen Vorwürfe gestiegen. Zwar müssen die Beamten nicht jeden hanebüchenen Hinweis bearbeiten. Doch Experten kritisieren, dass Finanzbeamte häufig trotz mangelhafter Informationen aktiv werden. "Sie leiten zunehmend schon bei vagen Verdächtigungen ein Ermittlungsverfahren ein", sagt Jens Wolff, Steueranwalt in der Kanzlei Holthausen & Partner in Köln. "Das Klima ist in den vergangenen Jahren deutlich rauer geworden."

Bei Unternehmern oder Geschäftsführern könne es dann bisweilen Jahre dauern, bis das Verfahren abgeschlossen und ihre Unschuld bewiesen sei. "Der Ruf ist womöglich trotzdem ruiniert." Wolff rät deshalb auch unschuldig Verdächtigten, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, wenn die Steuerfahnder vor der Tür stehen. Das Wichtigste sei zunächst, keine Angaben zu machen, bevor nicht abschließend geklärt und geprüft ist, weshalb die Beamten ermitteln. Zudem sollten Betroffene Geschäftspartner und Banken von sich aus informieren, wenn ein Verfahren läuft. "Es ist möglich, dass die Fahnder auch dort auftauchen und Dokumente einsehen wollen", sagt Wolff.

Keinen Sinn macht es dagegen, zu versuchen, den Informanten zu entlarven. Denn das Steuergeheimnis gilt auch für den Anzeigeerstatter, wenn er nicht sowieso anonym ist. Betroffene haben nur eine Chance, an den Namen des Informanten zu kommen, wenn dieser vorsätzlich falsche Angaben gemacht hat. Und das muss man erstmal beweisen können, daran scheitern Klagen wegen übler Nachrede oft.


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Doch die Unternehmer sind keineswegs nur Opfer, sie machen selbst fleißig mit und wenden sich immer öfter an die Fahnder. Der Grund ist wohl der durch die Globalisierung gestiegene Wettbewerbsdruck. So schreibt ein Mittelständler aus dem Ruhrgebiet, dass er mit seiner Anzeige das illegale Steuersparmodell eines Konkurrenten und damit "dessen andauernde Wettbewerbsverzerrung" stoppen wolle. Denn auf dem "immer schwerer werdenden Markt für Mittelständler in Deutschland" hätten solche Verzerrungen oft "Existenzvernichtungen und den Verlust von Arbeitsplätzen" zur Folge. Wohl wahr.

Ein Sonderfall beim unternehmerischen Protest sind die professionellen Ebay-Händler, die seit einiger Zeit besonders eifrig Tipps geben. Sie haben Konkurrenten im Visier, die unter dem Deckmantel des Privatverkäufers steuerfreie Online-Geschäfte machen. "Die Zahl solcher Anzeigen ist bei uns besonders stark gestiegen", berichtet Clemens Teschendorf von der Senatsverwaltung für Finanzen in Berlin.

Ob Hartz-IV-Empfänger, Angestellter oder Unternehmer: "Den Menschen wird zunehmend klar, dass es direkte Auswirkungen auf ihren Geldbeutel hat, wenn andere Steuern hinterziehen", meint Hesse. Hartz IV, Nullrunden bei der Rente, Kürzung von Sparerfreibetrag und Pendlerpauschale - das alles hat den Fahndern regen Zulauf beschert. Ein interessantes Phänomen, das sie beobachtet haben: "Wenn die Presse groß über Sozialbetrug berichtet, steigt in der Regel die Zahl der Anzeigen", berichtet der Essener Sachgebietsleiter Pötz. So sei es zum Beispiel im Jahr 2003 während der Boulevard-Kampagne gegen "Florida-Rolf" gewesen, der sein süßes Leben in Miami mit deutscher Sozialhilfe finanzierte.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: "Familienstreit mit allen Mitteln"

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