Immer wieder haben Betuchte den Weg über ihre deutsche Bankfiliale gewählt. Warum sind sie nicht gleich ohne Umwege nach Vaduz gefahren? "Die Kunden erwarten von uns, dass wir ihnen einen Kontakt herstellen", sagt der Bankinsider. Handschriftlich, so seine geheime Faustregel, würde er niemals einen solchen Kontakt notieren. Dem Kunden wird die Gesellschaft, an die er sich wenden kann, diktiert, damit er den Namen mit eigenem Stift und auf eigenem Papier notieren kann. Die üblichen Blätter mit Aufdruck des klangvollen Banknamens werden plötzlich ganz weit weg gelegt. "Oder ich drucke beispielsweise eine Adresse aus. Dann kann ich später, wenn es Probleme gibt, immer behaupten, dass der Kunde nur kurz an meinem PC etwas ausdrucken wollte", sagt der Berater.
Denn dass es später Probleme gibt, ist gar nicht selten. Wenn die Kunden ihr Geld in Fonds investieren und Verluste erleiden, "dann stehen sie bei mir auf der Matte." Dann heiße es, "Sie haben mir das doch empfohlen". Dass solche Fälle öffentlich werden, wollen die Banken mit aller Macht vermeiden. In solchen Fällen suche die Bank deshalb immer einen Kompromiss mit dem Kunden und übernimmt teilweise sogar komplett die Verluste, nur um Aufsehen zu vermeiden - eine Art Schweigegeld. Der Hinweis eines Kunden vor Gericht, "die Bank hat mir das empfohlen", wäre der Killersatz für das Institut. Die Spurenverwischung, wie sie der Bankberater schildert, gleicht der Story eines schlechten Tatorts aus den achtziger Jahren.
Ebenso der Weg des Geldes - bar und über die Grenze. Natürlich gibt es immer mehr Bargeldkontrollen des Zolls. Selbst der zwischen den Weinbergen südlich von Freiburg dahinschaukelnde Intercity nach Basel SBB wird inzwischen von Uniformierten durchkämmt. Die Antwort reisenden Geldschleicher ist darauf ebenso simpel: Die Kunden heben über Monate kleinere Summen von ihren Konten ab - so dass der Transfer möglichst nicht auffällt. In Vaduz wird der Geldberg dann sorgfältig am Schalter durchgezählt und aufgestapelt.
Bild für Bild: Die spektakulärsten Fälle von Steuerhinterziehung
Ein anderer Geldkanal sind manipulierte Geschäfte. Bankmitarbeiter reden mittlerweile offener über dieses Transportsystem: So würden Kunstwerke zu völlig überteuerten Preisen aus Liechtenstein angekauft. Mit dem Ziel, die zu viel gezahlte Summe auf dortigen Konten verschwinden zu lassen.
Tragisch, dass bei manchen Kunden das Thema Steuerhinterziehung eine fixe Idee ist. Der anonyme Bankberater hat direkt Mitleid mit seiner Klientel: "Sie schaufeln Schwarzgeld und schaffen es außer Landes - auch dann, wenn es gewinnbringender wäre, das Geld ordnungsgemäß zu versteuern und dann anzulegen." Und Martin Lausterer, Partner und Steuerrechtsexperte bei der Kanzlei Linklaters sagt: "Es wird gern übersehen, welche Transaktionskosten mit solchen Manövern verbunden sind und dass sie sich ja nach betriebenem Aufwand gleich mehrfach der Steuerhinterziehung schuldig machen."
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