All das ist für Menschen wie Hans Uehlinger-Martin angeblich eine fremde Welt. Der Kommunikationschef der LGT Bank musste am 14. Februar, als Zumwinkel verhaftet wurde, seinen Urlaub abbrechen, und jetzt schiebt er Schichtdienst rund um die Uhr. Uehlinger ist ein freundlicher, älterer Herr mit Paisley-Krawatte und Goldknöpfen am Jackett, der jeden Satz erstmal überdenkt, bevor er ihn ausspricht.
Alle angebliche Schuld weist er von sich. "Wir weisen unsere Kunden explizit darauf hin, dass sie sich um die Besteuerung in ihrem Domizilland kümmern müssen", sagt er. "Wir sind aber nicht der verlängerte Arm der deutschen Steuerbehörden." Für die Bank gehe es nun darum, das Vertrauen ihrer Kunden zu behalten. Bislang hätten nur vereinzelte Kunden ihre Verbindung zur Bank beendet, schließlich seien nur vier Prozent der Kunden der LGT Treuhand betroffen vom Diebstahl ihrer Daten durch Ex-Mitarbeiter Heinrich K. und den Weiterverkauf an den BND. Und es gebe inzwischen eine Ansprechstelle für Mitarbeiter, die "wie der Herr K. persönliche Probleme haben". Der Finanzplatz sei mehr als eine "Stiftungsmaschine", sagt Uehlinger und verweist auf die Auslandsfilialen der LGT, die fast alle unbedenkliche und erfolgreiche "Onshore"-Geschäfte machten. Dann muss er weiter.
Wenig Zeit haben alle Betroffenen in diesen Tagen in Vaduz, auch Regierungssprecherin Gabriele Manz-Christ hetzt von einem Termin zum nächsten. Sie erklärt ihre Sicht der Dinge: Dass das deutsche Vorgehen "ungerecht" sei, weil Liechtenstein "seit zehn Jahren Reformen umgesetzt habe", ein europäisches Land sei und dass "Steuerhinterziehung in Deutschland die Liechtensteiner eigentlich ja nichts angehe", auch wenn sie, aber natürlich doch, wollten, dass Gesetze eingehalten werden. Die Regierung werde den eingeschlagenen Weg weiter gehen aber in einer direkten Demokratie bräuchten Reformen eben Zeit. Und vielleicht sei es mittelfristig sogar eine Chance, dass das kleine Land ohne Armee, ohne Geheimdienst und ohne großen Bahnanschluss nun so im Fokus der Welt stehe. "Der Liechtensteiner an sich", sagt Manz-Christ, "ist sehr pragmatisch. Wir werden schon eine Lösung finden."
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Sie wollen ja den Dialog, sie wollen die Zusammenarbeit, den Kompromiss, die Reformen. Das sagen sie immer wieder. "Ich verstehe auch die Situation in Deutschland. Es gibt wohl kein wirklich gerechtes Steuersystem", sagt Michael Lauber, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Bankenverbandes. Nein, es kämen keine Kunden mit Geldkoffer mehr über die Grenze, das habe es vielleicht noch in den 80er Jahren gegeben. Ja, die Banken würden über die "Steuerthematik" aufklären, sonst wären sie zu Schadensersatz verpflichtet.
Im März wird er zu einem Austausch nach Berlin fliegen und "ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich verstecken muss", sagt Lauber. Ohnehin müsse man die Debatte in einem großen Kontext sehen. Subprime, Managergehälter, "es geht darum, wie die europäischen Finanzplätze wettbewerbsfähig sein können." Liechtenstein sei da nur ein ganz kleiner Spieler und die Konkurrenz in Fernost schon sehr stark.
