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11.03.2008 

Lupe

Den Nimbus absoluter Diskretion pflegen Banken aus Steuerparadiesen trotz der Kompromisse ihrer Regierungen weiter, zumal in diesen Wochen: Ein Heer von Bankern und Vermögensverwaltern ist derzeit in Deutschland unterwegs, um auf Anlegerseminaren und Roadshows betuchte Sparer zu überzeugen, ihr Geld ins Ausland zu schaffen, bevor 2009 die Abgeltungsteuer zuschlägt. Das Angebot der Stunde sind Lebensversicherungsmäntel (siehe "Mantel des Schweigens"). Was die Emissäre gerne verschweigen: Wer in Deutschland bleibt, muss auch weiter die hiesigen Steuern zahlen - egal, wo sein Geld liegt und in welchen Anlagen es steckt.

Nicht selten geht es den Bankern darum, Steuersünder anzulocken. "Schwarzgeld ist hochwillkommen, weil das Geheimnis den Kunden an die Bank kettet", sagt Experte Lüdemann. Außerdem werde von den Schwarzgeld-Kunden oft "die Rendite und die Höhe der Gebühren vernachlässigt, weil ja schon die Steuer gespart wird".

Viele Banker aus dem Ausland stellen die Abgeltungsteuer undifferenziert als steuerliches Teufelswerk hin - was nicht stimmt. "Gerade Gutverdiener können mit der Abgeltungsteuer ihre Steuerlast deutlich senken", sagt Jesco Idler, Steuerberater von der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg. Schließlich ist bei Zinseinnahmen künftig statt des Spitzensatzes von bis zu 42 Prozent nur die 25-prozentige Abgeltungsteuer fällig. Wer früh investiert, kann die verschärfte Spekulationssteuer auch jetzt noch für immer vermeiden, und das völlig legal.


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Dass es den Auslandsbanken oft um Schwarzgeld geht, verraten einige Zusatzangebote, die sie hinter vorgehaltener Hand offerieren. Eines davon: Offizielle Bargeldtransporte über die Grenze, deklariert als Devisenzufuhr - da haben selbst die gerissensten Zollfahnder keine Chance. Ein weiteres Spezialangebot für die Schwarzgeld-Klientel: Konten in Singapur, also außer Reichweite der EU-Zinssteuer, aber inklusive Zugriffsmöglichkeiten auf das Geld von der Schweiz oder Liechtenstein aus. Seit 2005 sind wegen solcher Offerten hohe Summen nach Fernost geflossen. Kommissar Kovacs drängt Singapur deshalb verzweifelt, eine Quellensteuer für europäische Kunden einzuführen.

Doch der asiatische Kleinstaat bleibt hart und will auch an seinem strikten Bankgeheimnis nicht rütteln. Kein Wunder: Der Liechtenstein-Skandal dürfte den Banken erhebliche Zuflüsse von Seiten europäischer Steuerhinterzieher bescheren. Schweizer Institute haben sich längst damit abgefunden, dass Singapur das Steuerparadies der Zukunft ist und ihre Präsenz massiv ausgebaut. Der Einstieg von Singapurs Staatsfonds GIC bei der Schweizer UBS belegt die enge Symbiose zwischen alter und neuer Schwarzgeld-Welt.

Die Idylle in Fernost muss aber nicht ewig währen. Barack Obama heißt der Schrecken aller Steuersünder, auch in Singapur. Denn der US-Präsidentschaftsanwärter will im Fall seines Wahlsiegs gegen die Offshore-Zentren vorgehen. Eine US-geführte internationale Offensive könnte Erfolg haben. In der Vergangenheit haben es die US-Regierungen immer wieder geschafft, Steueroasen zur Kooperation zu zwingen. Das Druckmittel, das sie stets gezielt einsetzen, sind Sanktionen gegen Banken dieser Länder auf dem wichtigen US-Markt.

So gibt Liechtenstein schon seit 2002 Daten an US-Fahnder raus, wenn Amerikaner im Verdacht des schweren Steuerbetrugs stehen - gegenüber Ermittlern aus der EU schweigen die Beamten aus dem Fürstentum dagegen, jedenfalls bis November dieses Jahres. Und auch bei den von Amerikanern bevorzugten Paradiesen in der Karibik haben die USA längst aufgeräumt. So finden sich auf der OECD-Liste der "unkooperativen Steuerparadiese" keine Karibik-Staaten mehr, dafür aber Liechtenstein, Andorra und Monaco.

Karibische Länder wie die Bahamas oder die Niederländischen Antillen haben ihre Strategien geändert: Statt mit strengen Bankgeheimnissen um Schwarzgeld zu werben, locken sie mit niedrigen Sätzen und transparenten Abgabesystemen legale Steuersparer. Ein Kurswechsel, den Länder wie Liechtenstein verschlafen haben.


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