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15.12.2007 
Steuerparadiese

Kantone unterbieten sich

Schweiz: Der Alpenstaat ist ein steuerlicher Mikrokosmos, der Wettbewerb ist dort kein internationales, sondern ein regionales Phänomen.

Kantone und Gemeinden konkurrieren: Derzeit planen elf der 26 Kantone Steuersenkungen für Privatleute. Mit großen Schritten voran marschiert der zentralschweizerische Kanton Obwalden, der im kommenden Jahr einen einheitlichen Tarif von 1,8 Prozent (Flat Tax) einführen und so die Nachbarn Zug und Schwyz unterbieten will. Zusammen mit Bundes- und Gemeindesteuern läge die durchschnittliche Spitzenbelastung in Obwalden dann weit unter 20 Prozent.

Die Steuerlast im Lande schwankt massiv, da sich Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern addieren. So ergibt sich in Zürich ein kumulierter Spitzensatz von 40,4 Prozent - der allerdings erst ab einem Jahreseinkommen von mehr als 500 000 Euro greift (siehe Tabelle: "Günstige Angebote"). Mehr Einigkeit unter den Regionen herrscht bei der Erbschaftsteuer: 25 Kantone haben sie für Ehegatten abgeschafft, 21 davon gleich auch noch für Kinder.



Zauberhaft ist das Land besonders für reiche Zuwanderer, und das Zauberwort lautet "Pauschalistenstatus". Wer den genießt, darf seine pauschale Steuer individuell mit den Behörden aushandeln; ein erheblicher Vorteil, der etliche Vermögende angelockt hat.

Den Nachbarstaaten ist das Privileg für die Reichen und Schönen ein Dorn im Auge - besonders den Franzosen. Nachdem der französische Rocksänger Johnny Hallyday nach Gstaad ins Berner Oberland gezogen war, beschimpfte ein Berater der französischen Präsidentschaftskandidatin Segolène Royal die Schweiz im Wahlkampf PR-wirksam als "Ganovenstaat", der seine Nachbarn mit "Raubtiermethoden" ausplündere.

Doch auch unter den streitbaren Eidgenossen regte sich Kritik: Bundesrätin Doris Leuthard monierte, dass der heimische Tennisstar Roger Federer zehnmal mehr Steuern zahle als ein ausländischer Pauschalist. Der Schweizer Anwalt Thomas Gehrig glaubt jedoch nicht, dass eine Abschaffung des begehrten Status zur Debatte steht. Er kann sich "allenfalls eine Erhöhung der Mindeststeuer" von im Durchschnitt 75 000 Franken pro Jahr und Pauschalist vorstellen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Druck von der EU

Die EU sieht erst mal an anderer Stelle im Alpenland Handlungsbedarf: Seit drei Wochen verhandelt EU-Steuerkommissar Lászlo Kóvacs mit Finanzminister Hans Merz-Rudolf und den Kantonsvertretern über das so genannte Holdingprivileg. Die EU moniert, dass ausländische Holdings in den Kantonen Zug und Schwyz kaum Steuern zahlen. Das Privileg würde viele Unternehmen aus EU-Staaten in die Schweiz locken und sei somit eine "unzulässige staatliche Beihilfe".

Merz sieht darin dagegen "normalen Steuerwettbewerb". Womöglich muss die Schweiz trotzdem Zugeständnisse machen, denn für den freien Zugang ihrer Unternehmen zum europäischen Markt hat sie sich verpflichtet, wichtige EU-Regeln einzuhalten. Eine mögliche Lösung: Die Schweizer streichen die Vorteile ausländischer Holdings und senken im Gegenzug für alle Unternehmen die Steuersätze. Ein hübscher Kniff: So wären die EU-Forderungen pro forma erfüllt - ohne dass die Attraktivität des Landes litte.

Zu einem Zugeständnis war der Finanzminister schon bereit: Sobald die Schweiz im nächsten Jahr dem Schengen-Raum beitritt, wird sie bei hinterzogenen Mehrwertsteuern enger mit ausländischen Finanzbeamten kooperieren. Eine Änderung, die erhebliche Wellen schlagen dürfte. "Solche Einfallstore können für Steuerfahnder ungeheuer effektiv sein", sagt Steuerberater Jesco Idler von der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg.

Quelle: Wirtschaftswoche, Nr. 50, 10.12.2007

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