Die EU sieht erst mal an anderer Stelle im Alpenland Handlungsbedarf: Seit drei Wochen verhandelt EU-Steuerkommissar Lászlo Kóvacs mit Finanzminister Hans Merz-Rudolf und den Kantonsvertretern über das so genannte Holdingprivileg. Die EU moniert, dass ausländische Holdings in den Kantonen Zug und Schwyz kaum Steuern zahlen. Das Privileg würde viele Unternehmen aus EU-Staaten in die Schweiz locken und sei somit eine "unzulässige staatliche Beihilfe".
Merz sieht darin dagegen "normalen Steuerwettbewerb". Womöglich muss die Schweiz trotzdem Zugeständnisse machen, denn für den freien Zugang ihrer Unternehmen zum europäischen Markt hat sie sich verpflichtet, wichtige EU-Regeln einzuhalten. Eine mögliche Lösung: Die Schweizer streichen die Vorteile ausländischer Holdings und senken im Gegenzug für alle Unternehmen die Steuersätze. Ein hübscher Kniff: So wären die EU-Forderungen pro forma erfüllt - ohne dass die Attraktivität des Landes litte.
Zu einem Zugeständnis war der Finanzminister schon bereit: Sobald die Schweiz im nächsten Jahr dem Schengen-Raum beitritt, wird sie bei hinterzogenen Mehrwertsteuern enger mit ausländischen Finanzbeamten kooperieren. Eine Änderung, die erhebliche Wellen schlagen dürfte. "Solche Einfallstore können für Steuerfahnder ungeheuer effektiv sein", sagt Steuerberater Jesco Idler von der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg.
