Steuerparadies Liechtenstein: Klaus Zumwinkel, der frühere Post-Chef, ist der Prominente unter jenen vielen Hundert Sündern, die aufflogen, weil sie ihr Vermögen am deutschen Fiskus vorbei in liechtensteinischen Stiftungen gesteckt hatten. Bis heute gingen bei den Finanzämtern 250 Selbstanzeigen ein, 56 Millionen Euro sind nachgezahlt worden. Laut dem Bochumer Oberstaatsanwalt Eduard Güroff wird gegen 700 Verdächtige ermittelt.
Am Freitag aber wird nicht Zumwinkel auf der Anklagebank in Saal C 140 des Landgerichts Platz nehmen. In Bochum wird ein weniger bekannter, dafür ähnlich reicher und gieriger Mann sitzen. Elmar S. hat zwischen 2001 und 2006 rund 7,5 Millionen Euro Einkommensteuer und noch einmal 400 000 Euro Solidaritätszuschlag hinterzogen, so steht es in der Anklageschrift. Sein Geld soll er in den 90er-Jahren gemacht haben, über elf Millionen Euro soll er in zwei Stiftungen gebunkert haben. Teils ererbtes, teils erwirtschaftetes Vermögen.
Und obwohl er das Geld mittlerweile an den Fiskus nachgezahlt haben soll, erregt der Fall gleichwohl Interesse: Denn Prozessbeobachter wie Anwälte erhoffen sich daraus Erkenntnisse, wie das Gericht damit umgehen wird, dass das Belastungsmaterial vom BND für 4,5 Millionen Euro "eingekauft" wurde - von einem ehemaligen Mitarbeiter der LGT-Bank des liechtensteinischen Fürsten Hans-Adam. Der Mitarbeiter hatte die Daten gestohlen. Einige Kanzleien haben bereits angekündigt, Zuschauer in den Gerichtssaal zu schicken.
Die Aufregung dürfte allerdings verfrüht sein. Zwar betonen die Strafverfolger stets, dass sie mit breiter Brust in die Verfahren gehen. Die umstrittene Erlangung der geklauten CD sei von diversen Gutachtern juristisch als unbedenklich eingestuft worden. Tatsächlich hat die 6. Strafkammer aber nur einen Verhandlungstag für diesen ersten Prozess anberaumt - klares Zeichen dafür, das weder Gericht noch Verteidigung die Frage der Informationserlangung thematisieren werden.
Wahrscheinlich ist genau das Part des Deals, der Anwalt Matt so schweigsam macht. Die Justiz bekommt ein schnelles, unkompliziertes Verfahren, um zu demonstrieren, dass man den Liechtenstein-Komplex voll im Griff hat. Dafür bekommt Elmar S. ein akzeptables Urteil und keinen langen Presserummel. Aus Justizkreisen verlautet, dass der 66-Jährige trotz hoher Hinterziehungssummen noch mit einer Freiheitsstrafe auf Bewährung davonkommen wird.
Die Männer, die das ausgehandelt haben, Matt und der Vorsitzende der 6. Strafkammer, Gerd Riechert, gelten unter Kollegen jedenfalls als "stets gesprächsbereit". Das offenbar aber nur hinter den Kulissen.
