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13.06.2007 
Straftat Steuerdelikt

Wenn Cash direkt am Körper klebt

von Daniel Schönwitz und Wirtschaftswoche

Mitte Juni wird der Schwarzgeldtransfer in die Schweiz wegen neuer Regeln noch riskanter.Wie eine Bankfiliale am Flughafen Zürich Kunden lockt, die Geld vor dem Fiskus verstecken wollen und welche neuen Quellen die Steuerfahnder haben.

Die bare Steuerflucht wird künftig deutlich riskanter. Am 15. Juni treten mit einer neuen EU-Verordnung strengere Regeln für Bargeldtransfers in Kraft.

Die bare Steuerflucht wird künftig deutlich riskanter. Am 15. Juni treten mit einer neuen EU-Verordnung strengere Regeln für Bargeldtransfers in Kraft.

Der junge Mann hinterm Schalter nickt freundlich, sein Lächeln wirkt fast verschwörerisch. Diese Frage hört er nicht zum ersten Mal. "Ja", antwortet er mit bedächtigem Schweizer Akzent, "das Bankgeheimnis hier ist streng, wir geben keine Auskünfte über unsere Kunden." Und ja, natürlich könnten auch Deutsche hier kurzfristig ein Konto eröffnen und bar einzahlen. "Sie müssen sich aber ausweisen." Anonym geht selbst bei den Eidgenossen nichts mehr.

Der Bankberater mit dem gepflegten Kurzhaarschnitt arbeitet nicht irgendwo in der Schweiz, sondern in der Credit-Suisse-Filiale im Terminal des Flughafens Zürich-Kloten. Direkt gegenüber geht?s zum Abflugbereich, täglich kommen hier Tausende potenzielle Kunden vorbei. Der Standort zwischen Espressobars und Modeboutiquen ist geschickt gewählt - und wie geschaffen für Deutsche, die Geld vor dem Finanzamt in Sicherheit bringen wollen. Binnen weniger Stunden lässt sich Erspartes außer Reichweite des Fiskus deponieren; dort, wo das Bankgeheimnis noch was zählt und Steuerfahnder auf Granit beißen.

Doch die bare Steuerflucht wird künftig deutlich riskanter. Am 15. Juni treten mit einer neuen EU-Verordnung strengere Regeln für Bargeldtransfers in Kraft. Wer mit 10 000 Euro oder mehr in die Schweiz will, muss an der Grenze die Zöllner von sich aus informieren und ein zweiseitiges Formular ausfüllen, samt genauer Angaben zur Herkunft des Geldes. Bisher waren 15 000 Euro erlaubt, und höhere Summen mussten nur auf Nachfrage gemeldet werden. Flankiert wird die Offensive an den Grenzen von einschneidenden Gesetzesänderungen, die Steuerfahndern auch im Inland neue Quellen öffnen und Steuersünder endlich zum Umdenken zwingen sollen.

Die Jagd auf Hinterzieher soll dem Fiskus Milliardenbeträge bringen. Das ist keine Utopie: Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung BBW horten die Deutschen 480 Milliarden Euro Schwarzgeld im Ausland, der Löwenanteil von 175 Milliarden Euro soll in der Schweiz liegen.

Eine anonymisierte Erhebung des Essener Finanzamts für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung bestätigt das Faible der Deutschen für alpine Konten. So meldeten reuige Steuersünder aus dem Raum Essen/Duisburg/Oberhausen während der Steueramnestie 2004/05 rund 196 Millionen Euro hinterzogene Kapitaleinkünfte nach, "davon 45 Prozent aus der Schweiz", berichtet Amtsleiter Hans-Joachim Hesse.


»Großes Special: Alles, was man zum Thema Abgeltungsteuer wissen muss.


Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Fahnder kennen ihre Pappenheimer

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