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05.03.2006 
Garantiefonds

Teures Ruhekissen fürs Depot

von Anke Rezmer

Ertrag erzielen ohne Risiko einzugehen – dieser Gedanke lässt private Anleger seit dem Ende des Aktienhypes zu Beginn des Jahrtausends offenbar nicht mehr los. Investoren sollten aber genau prüfen, ob ein solches Puffer-Produkt zu ihrer Strategie passt, oder sie einfach ein Sicherheitsgefühl bedienen, meint Heiko Nitzsche, Analyst beim Fonds-Researchhaus Standard & Poor’s Investment Services. Denn wegen der Garantie können diese Produkte nur verringerte Ertragschancen bieten.

FRANKFURT/M. Diese Bedienung des Sicherheitsgefühls erklärt den Absatzerfolg von Nischenprodukten wie Garantiefonds, die einerseits Rendite-Chancen, andererseits die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals versprechen. In den vergangenen fünf Jahren verdoppelten sich die Zahl der angebotenen Produkte und das dort gemanagte Vermögen. In mehr als 80 Fonds stecken derzeit gut siebend Mrd. Euro, hat der deutsche Fondsverband BVI errechnet. „So lange Anlegern eine psychologischen Sicherheit fehlt, bleiben solche Produkte beliebt“, sagt Heiko Nitzsche, Analyst beim Fonds-Researchhaus Standard & Poor’s Investment Services.

„Einen Super-Gau im Sinne eines Kapitalverlusts werden Investoren hier zwar nicht erleben“, sagt Thomas Bieler, Experte für Finanzfragen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein- Westfalen. „Sie könnten sich aber nach zwei Jahren fragen, warum sie zum Beispiel nicht stärker an der Erholung der Aktienmärkte partizipiert haben“, sagt Harald Norbisrath, Vertriebsleiter für private Kunden bei der Frankfurter Sparkasse.

Garantiefonds werden im Prinzip als zwei Grundkonstrukte angeboten. Mit dem ersten Typus setzt ein Anleger auf den Aktienmarkt und sichert sich über Verkaufsoptionen oder Futures gegen Verluste ab. Mit dem zweiten Typus investiert er in den Rentenmarkt und nimmt etwa über Kaufoptionen Rendite-Chancen war. Dabei können Kapitalgarantie, Partizipationsgrad und der Einsatz von Derivaten variiert werden: Die Kapitalgarantie kann 100 Prozent oder weniger betragen. Entsprechend partizipieren Anleger weniger oder mehr an Gewinnen des gewählten Börsenindexes. Während einfachere Fonds-Typen Derivate enthalten, die bis zum Ende der Laufzeit des Fonds laufen, werden sie in anderen Fonds kürzerfristig eingesetzt, was mehr Flexibilität bedeutet.

Da die Fonds dem Anleger die Rückzahlung des Kapitals fest zusagen, sind diese Produkte als Laufzeitfonds konstruiert. Bei Anlagen am Kapitalmarkt oder den Börsen mit ihren systemimmanenten Wertschwankungen ist es unmöglich, fortlaufend eine bestimmte Summe zu garantieren. Dies erfolgt daher erst zum Ende der Laufzeit. Um die Strategien mit Derivaten abbilden können, werden die Fonds geschlossen, wenn ein bestimmtes Volumen erreicht wird oder die Märkte sich so ungünstig entwickeln, dass Anleger nicht mehr einsteigen sollten.

Wer sich ein solches Ruhekissen für das Depot gönnt, muss dafür allerdings direkt und indirekt bezahlen. So sind die laufenden Gebühren für das Fondsmanagement höher als bei Aktien- oder Anleihefonds. Auch wenn ein Garantiefonds geschlossen ist und sich die Strategie - bei einfachen Konstrukten - nicht ändert, muss der Fondsmanager Liquidität für die Rückgabe von Fondsanteilen bereit halten und zugleich das Verhältnis von Kapitalgarantie und versprochener Partizipationsrate ausgewogen halten. S&P-Mann Nitzsche schätzt, dass die laufenden Gebühren je nach Ausrichtung bei ein bis zwei Prozent des Vermögens liegen dürften. Die Renditechancen bleiben allerdings relativ gering, weil die Kapitalgarantie einen Teil aufzehrt. Eine volle Kapitalgarantie kann im Vergleich zu einer 95 Prozent-Absicherung die Partizipationsrate um 25 Prozentpunkte drücken (siehe Grafik). Außerdem wetten die Fondsmanager beim Einsatz von Derivaten auf bestimmte Marktszenarien. Treten diese nicht ein, sinken die Renditechancen.

Daraus folgt: Auch bei Garantieprodukten ist ein realer Verlust möglich. Selbst wenn ein Anleger 100 Prozent des eingesetztes Kapital zurück bekommt, macht er Minus in Höhe des gezahlten Ausgabeaufschlages von bis zu fünf Prozent. Außerdem lohnt es, die Wertentwicklung der Fondsanteile zu verfolgen. Wenn nämlich das zu Grunde liegende Marktszenario eintritt und der Fonds an Wert zulegt, lohnt es, Fondsanteile vor dem Laufzeitende zu verkaufen. So verhielten sich auch professionelle Anleger, sagt Min Sun, Geschäftsführer des Fonds-Research- Hauses Feri Trust.

In jedem Fall sollten sich Anleger die Produkte genau anschauen. Gut sei es, wenn sich das Marktszenario, das der Fondsstrategie zu Grund liegt, mit den Erwartungen des Anlegers deckt, meint Sun. Auch ein Blick auf die Wertentwicklung der Fonds helfe, selbst wenn es viele nicht mehr zu kaufen gebe, meint Nitzsche. Oft würden ähnlich gestrickte Folgefonds aufgelegt.

Schließlich können Anleger die Garantiefonds auch nachbilden: „Wer die Verkaufsprospekte der Fonds versteht, kann das nachbauen“, meint Verbraucherschützer Bieler. Wer etwa 90 Prozent des Portfolios in Anleihen investiert und dazu eine Kaufoption auf einen Aktienindex stellt, erhält ein simples Garantieportfolio.

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