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Versicherungen: Gefährliche Billig-Policen gegen Berufsunfähigkeit

Mit günstigeren Tarifen wollen Berufsunfähigkeitsversicherungen neue Kunden locken. Verbraucherschützer sind skeptisch und raten genau hinzusehen, in welchen Fällen die Versicherung leistet.

Das Unglück kommt immer unerwartet. Wer sich dagegen versichern will, sollte genau in die Verträge schauen. Quelle: obs
Das Unglück kommt immer unerwartet. Wer sich dagegen versichern will, sollte genau in die Verträge schauen. Quelle: obs

FrankfurtNur jeder vierte Deutsche hat eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Viele meinen, der Staat werde schon ausreichend für sie sorgen, wenn sie nicht mehr arbeiten können – ein schwerwiegender Trugschluss. Doch auch einige von denen, die eigentlich selbst vorsorgen wollen, erhalten keinen Schutz, weil sie schwere Vorerkrankungen haben. Andere stellen im Gespräch mit ihrem Versicherungsvermittler fest, wie teuer der private Schutz ist. Dann lieber doch nicht.

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Als eine günstigere Alternative ohne große Gesundheitsprüfung präsentieren inzwischen einige Versicherer neue Policen wie die Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Während die Berufsunfähigkeitsversicherung einspringt, wenn man seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kann, zahlen diese Versicherungen meist allerdings nur dann, wenn man gar keine Arbeit mehr ausüben kann.

FAQ – die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Berufsunfähigkeitsschutz

  • Welche Leistungen bieten gute Tarife?

    Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht in der Regel nicht, um den Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Eine private Berufsunfähigkeitspolice kann die Lücke schließen. Bei einem guten Tarif sollte die Rente mindestens 75 Prozent des alten Einkommens erreichen. Die Wahl der Versicherungssumme hängt aber auch von der wirtschaftlichen und familiären Situation ab. Außerdem sollten sich die Leistungen mit höheren Lebenshaltungskosten nach oben entwickeln.

    Je früher der Vertrag abgeschlossen wird, desto günstiger sind die Beiträge und desto einfacher ist es, sie tatsächlich zu bekommen. Denn mit zunehmendem Alter und bei ersten Vorerkrankungen ist ein Versicherungsschutz oft nur mit hohen Zuschlägen oder überhaupt nicht mehr erhältlich.

  • Wo drohen gefährliche Deckungslücken?

    Der Versicherungsvertrag sollte die Zeit bis zum voraussichtlichen Rentenbeginn abdecken. Bei einer kürzeren Versicherungsdauer besteht zwischen dem Vertragsende und dem Beginn der Altersrente eine Lücke, die die Versicherten im Ernstfall mit eigenen Ersparnissen decken müssen. Ein weiterer wichtiger Punkt: Empfehlenswert sind Tarife, bei denen die Berufsunfähigkeitsrente dynamisch nach oben angepasst wird. Nur so lässt sich ein steigender Kapitalbedarf und Lebensstandard abbilden. Das ist zum Beispiel nach einer Familiengründung wichtig.

  • Was sollte im Vertrag festgelegt sein?

    Der private Berufsunfähigkeitsversicherer sollte auch dann zahlen, wenn der eigene Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. Oft finden sich Klauseln in den Vertragsbedingungen, die die Versicherung von dieser Leistungspflicht freistellen – abstrakte Verweisung genannt. Dabei versucht der Versicherer, den Kunden auf einen anderen Beruf zu verweisen. Diese Klausel sollte nicht in den Vertragsbedingungen stehen.

    Wichtig ist auch, dass der Versicherer die Berufsunfähigkeit anerkennt, wenn ein Arzt sie für voraussichtlich sechs Monate prognostiziert. Denn viele Ärzte halten sich mit längerfristigen Prognosen zurück. Der Versicherer sollte zudem auch rückwirkend bezahlen, wenn die Berufsunfähigkeit zunächst nicht eindeutig feststand, aber ein Arzt sie nach mehr als sechs Monaten attestiert. Eine rückwirkende Zahlung von bis zu drei Jahren ist möglich.

    Der Vertrag sollte auch eine Nachversicherungsgarantie enthalten. Demnach kann der Versicherte seinen Vertrag ohne erneute Gesundheitsprüfung erweitern. Ein Grund wäre zum Beispiel eine Familiengründung.

  • Welche Pflichten hat der Versicherte?

    Zu den Pflichten des Versicherten zählt die wahrheitsgemäße Angabe von Krankheiten beim Abschluss des Vertrages. Wer Krankheiten oder Risiken verschweigt, riskiert im Ernstfall den Verlust des Versicherungsschutzes. Denn Versicherer prüfen im Leistungsfall fast immer nach, ob eine Vorerkrankung schon vor dem Vertragsabschluss vorlag.

    Außerdem muss der Versicherte den möglichen Leistungsfall unverzüglich nachweisen. Er muss den Grund für seine Berufsunfähigkeit angeben sowie ausführliche Berichte der Ärzte vorlegen. Er muss die behandelnden Ärzte von ihrer Schweigepflicht entbinden. In der Regel schalten die Versicherer Gutachter ein. Entzieht sich der Versicherte der Aufforderung zur Nachuntersuchung und hat dafür keine triftigen Gründe, dann ist der Versicherer für den Zeitraum der Verweigerung von der Leistungspflicht befreit.

  • Wann lohnt sich ein Anbieterwechsel?

    Ein Wechsel macht nur Sinn, wenn sich bei ansonsten gleichen Bedingungen eine Beitragsersparnis ergibt. Das ist durchaus möglich, allerdings wird bei einem Wechsel des Anbieters der Gesundheitszustand erneut überprüft. Zudem richtet sich die Höhe der Beiträge auch nach dem Eintrittsalter des Versicherungsnehmers. Zwischenzeitlich eingetretene Erkrankungen erschweren den Wechsel zu besseren Konditionen. In einem solchen Fall kann es zu hohen Risikozuschlägen, dem Ausschluss von Krankheiten oder gar zu einer Ablehnung kommen. Die Kündigung der alten Police sollte auf jeden Fall erst dann erfolgen, wenn die Aufnahmeerklärung der neuen vorliegt. Andernfalls laufen Versicherte Gefahr, keinen Versicherungsschutz mehr zu haben.

  • Welche Alternativen gibt es?

    Ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung durch eine Vorerkrankung ausgeschlossen, bleiben als Alternative noch andere Versicherungsarten. Allerdings können sie die Risiken nicht so umfassend abdecken wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
    Bei der Dread-Disease-Versicherung werden vor dem Versicherungsbeginn Krankheiten wie zum Beispiel Krebs oder Schlaganfall definiert. Treten diese Krankheiten ein, zahlt die Versicherung einen eimaligen Geldbetrag – unabhängig von einer eventuellen Genesung. Die private Erwerbsunfähigkeitsversicherung springt ein, wenn der Versicherte überhaupt keine Tätigkeit mehr ausüben kann. Wer teilweise berufsunfähig ist, bekommt kein Geld.

    Eine weitere Alternative ist die Grundfähigkeitenversicherung. Hier wird eine monatliche Rente bezahlt, wenn zum Beispiel eine Erblindung eingetreten ist. Als Alternative zur Berufsunfähigkeitspolice wird oft die Unfallversicherung genannt. Allerdings sind Unfälle nur in zehn Prozent der Fälle die Ursache einer Berufsunfähigkeit. 

  • Wie kann man die Versicherung kündigen?

    Gekündigt werden kann jeweils zum Ende des Versicherungsjahres. Bei Ratenzahlung ist auch eine Kündigung zum Ende jedes Zahlungsabschnitts möglich – allerdings erst nach Ablauf des ersten Versicherungsjahres. Die Kündigungsfrist beträgt einen Monat. Bei einer Zusatzversicherung, wenn also der Vertrag beispielsweise an eine Risikolebenspolice gekoppelt ist, ist die Zusatzpolice an den Hauptvertrag gebunden. Beide Verträge können nur gemeinsam beitragsfrei gestellt werden. Eine separate Kündigung ist im Prinzip möglich, aber in der Regel nicht mehr in den letzten fünf Jahren vor Vertragsablauf.

    Eine Kündigung sollte in jedem Fall gut überlegt sein. Zum einen werden die bereits bezahlten Beiträge meist nicht erstattet. Zum anderen ist der Abschluss einer neuen Berufsunfähigkeitspolice in der Regel teurer, weil sich die Beiträge auch nach dem Eintrittsalter richten. Zudem muss eine erneute Gesundheitsprüfung durchgeführt werden. Und ab einem gewissen Alter und bei chronischen Krankheiten besteht die Gefahr, dass Versicherer Anträge ablehnen.

    Versicherte achten daher auf einen nahtlosen Übergang. Wer beispielsweise die alte Versicherung fristgerecht kündigt und die neue Police nicht rechtzeitig abschließt, steht unter Umständen ohne Versicherungsschutz da.

Die Anzahl der Anbieter ist noch recht übersichtlich. Der Versicherer Generali bietet seit Jahresbeginn eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung an, bei der Kunden nur zwei Fragen zur Gesundheit beantworten müssen. Rund 10 000 Kunden haben seitdem einen solchen Vertrag abgeschlossen – im Vergleich zu 110 000 Berufsunfähigkeitsversicherungen im gleichen Zeitraum. Ein 30-jähriger Bankkaufmann zahlt im „Klassik“-Tarif 37,35 Euro, um im Ernstfall eine monatliche Rente von 1000 Euro zu erhalten, ein 30-jähriger Handwerker 55,43 Euro. Für eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlen Kunden bei vielen Versicherern oft mehr als hundert Euro pro Monat.

Ein etwas anderes Modell bietet Axa seit 2010 mit der sogenannten Existenzschutzversicherung an. Sie zahlt bei Unfällen und besonders schlimmen Krankheiten, etwa bei schweren Schädigungen von Herz, Lunge oder Gehirn oder wenn man nicht mehr sehen, hören oder sprechen kann. „Das Produkt wird sehr gut angenommen“, sagt eine Sprecherin. Genaue Zahlen nennt Axa aber nicht. Bei dieser Versicherung gibt es eine Gesundheitsprüfung, aber da nicht alle Krankheiten abgedeckt werden, werden mehr Personen aufgenommen als bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Ratgeber Versicherung Versicherungs-Tipps

Wie sichere ich mich optimal gegen Risiken ab? Der Handelsblatt Versicherungs-Ratgeber beantwortet die wichtigsten Fragen.

  • 05.03.2013, 20:49 Uhrtarantel11

    Hallo,
    mich würde hier einmal eine echte Meinung zur Existenzschutzversicherung der Axa interessieren. Ich hatte letztes Jahr eine Herz-OP und wurde als geheilt entlassen. Außerdem habe ich Rückenprobleme und allergisches Asthma. Das ist die einzigste Alternative, allerdings hat man alle Probleme mit Muskeln, Sehnen und Bindegewebsschwäche ausgeschlossen. Für mich ist diese Versicherung wertlos, da meiner Meinung nach die meisten Gebrechen, die im Alter zur Erwerbsunfähigkeit führen, damit zusammenhängen.
    Wie ist dazu die Meinung hier? Besten Dank!

  • 03.11.2011, 13:15 UhrGratian

    Ja es kommt hier wirklich auf die objektive, bedarfsgerechte und nicht provisionsgesteuerte Beratung eines renomierten Versicherungsmaklers an.

    Und für Streitfälle gibt auch noch dem Ombudsmann für außergerichtliche Einigungen

    Versicherungsombudsmann e.V.,
    Postfach 08 06 32, 10006 Berlin, www.versicherungsombudsmann.de

    Ombudsmann Private Kranken- und Pflegeversicherung,
    Kronenstrasse 13, 10117 Berlin, www.pkv-ombudsmann.de

  • 03.11.2011, 13:02 UhrPhillip_Poltrock

    Zur BU-Absichrung gibt es keine Alternative (siehe Bundesverfassungsgericht: 1 BvR 2027/02 Abs. 39). Jeder, der eine Absicherung bekommen kann, sollte sich für eine BU-Absicherung entscheiden (selbst mit Ausschlüssen).

    Ja, es gibt schwarze (oder zumindest leicht gräuliche) Schafe - diese sind guten Beratern jedoch bekannt. Lässt sich der Kunde unabhängig beraten und erkennt, dass die billigste Absicherung selten die beste sein kann, gibt es nur noch eins, weshalb ein Versicherer im Leistungsfall nicht zahlt: Schummeln bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen.

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