
Der Dinosaurier lebt. 250 Jahre schon. Und wenn es nach dem führenden Versicherer in Deutschland geht, sollen noch viele glückliche Jahre folgen. „Wir gehen davon aus, dass aller Kritik zum Trotz Lebens- und Rentenversicherungen nicht zuletzt aufgrund einer rapide alternden Bevölkerung langfristig wichtige Bausteine der privaten Vorsorge bleiben werden“, stellt die Allianz vollmundig fest.
Optisch illustriert der Versicherer diese These mit einem Baby und dem Hinweis: „Die Welt altert.“.
Wohl wahr. Doch blicken wir zurück. Das Licht der Welt erblickte die Lebensversicherung 1762. Friedrich der Große regierte in Preußen, in Europa tobte der Siebenjährige Krieg, und in England gründeten ein paar clevere Geschäftsleute die erste Gesellschaft, die die Lebensversicherungen anbot. „Die erste Lebensversicherung der Geschichte war eine Wette zwischen zwei Londonern auf den Tod eines kranken Mannes. Es ging um 382 Britische Pfund“, stellt der WDR in einem Beitrag fest.
Schon von Anfang an ein Glücksspiel also. Das passt gut zur aktuellen Debatte um den Bestseller der Versicherungswirtschaft. „Die gegenwärtige Finanzkrise und die damit verbundenen niedrigen Kapitalmarktzinsen stellen Lebens- und Rentenversicherungen auf den Prüfstand“, stellt der Marktführer fest. Aber nicht nur das: „Auch neue aufsichtsrechtliche Regelungen wie Solvency II und die Einführung von Unisextarifen machen dem Produkt zum derzeitigen Zeitpunkt das Leben schwer.“
in Prozent
Im Schnitt hat jeder Deutsche mehr als eine Lebensversicherung gekauft. Insgesamt laufen noch mehr als 90 Millionen Verträge. Doch Jahr für Jahr werden es weniger.
Das kann auch die Branche selbst nicht ignorieren: „Lebensversicherungskunden haben im Jahr 2011 Verträge im Gesamtwert von 13,95 Milliarden Euro vorzeitig gekündigt. Auf sie entfielen 18 Prozent der Auszahlungen. Das Stornovolumen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent. Dies geht aus der jüngsten Statistik des Branchenverbandes GDV hervor“, berichtet die Zeitschrift „Finanztest“.
Als Desaster beurteilen manche gar Zahlen des Arbeitsministeriums. Vor Jahren verkauften die Versicherungen ihre Riester-Renten noch wie warmes Brot. Doch im zweiten Quartal 2012 machten die Menschen einen weiten Bogen um diese Variante der staatlich geförderten Altersvorsorge: Schlusslicht in der Verkaufsstatistik – mit einem verschwindend geringen Marktanteil. 84.000 Menschen entschieden sich neu für eine Riester-Rente. Nur 2.000 der Verträge entfielen auf förderfähige Versicherungen.
Seit dem dem 1. Januar 2012 liegt der Garantiezins nur noch bei 1,75 Prozent. Das ist ein Rekordtief. Bis Ende des vergangenen Jahres lag der Satz noch bei 2,25 Prozent. Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent, ab 2007 bei 2,25 Prozent.
Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.
Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Real liegt der Garantiezins ab dem nächsten Jahr je nach Kostenquote der Versicherer zwischen 1,2 bis 1,4 Prozent. Damit dürfte die garantierte Summe in Zukunft unterhalb der Inflationsrate liegen. Versicherte müssen daher auf die Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.
Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für 2012 und 2013 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung, darunter Branchengrößen wie Allianz. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung. Die Renditen variieren je nach Laufzeit, unter dem Strich können Kunden in der Regel nicht einmal vier Prozent per Anno rechnen.
Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. Bei Direktversicherern gehen gut sieben bis acht Prozent der Beiträge dafür drauf, bei vertriebstarken Gesellschaften 12 bis 15 Prozent. Die teuersten Gesellschaften verlangen sogar bis zu 18 Prozent. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.
Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.
Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) wollte die Absenkung unter die psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent verhindern. Lebenpolicen werden unter Renditegesichtspunkten in Zukunft noch weniger attraktiv. Die Branche fürchtet vor allem Probleme beim Vertrieb. Kurzfristig dürfte die Zahl der die Abschlüsse aber steigen. Die Vermittler dürften die baldige Absenkung als Verkaufsargument nutzen und hoffen auf eine Sonderkonjunktur für vor allem in den letzten Monaten des Jahres.
Eher nicht. Ratingagenturen wie Assekurata oder Morgen & Morgen rechnen nicht mit einer weiteren Absenkung. In den nächsten Jahren könnte der Garantiezins bei steigenden Zinsen sogar tendenziell wieder steigen - aber nur, wenn auch die Zinsen am Kapitalmarkt wieder steigen.
Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil sein. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.
Auch für Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten.
Ebenfalls Problematisch: Bei einer Verrentung ist die von den Versicherern angenommene Lebenserwartung enorm hoch – und die monatliche Rente deshalb niedrig. Eine zwanzig Jahre alte Frau soll laut Sterbetafel aktuell im Schnitt hundert Jahre alt werden.
Das Ministerium stellt dazu nüchtern fest: „Erkennbar wird daran ein Trend zu mehr konsequent sicherheitsorientiertem Riestern mittels Banksparplänen und eine Tendenz zur Sachwertanlage durch Investitionen in selbstgenutzte Immobilien über das Wohn-Riestern.“ Da stellt sich die Frage: Sind Lebensversicherungen nicht mehr sicher? Werden diese Produkte überhaupt noch gebraucht? Und wenn ja, in welcher Form?
All das sehen natürlich auch die Strategen der Allianz. Doch anstatt auf die Argumente der Kritiker einzugehen, etwa die Kritik an zu hohen Kosten, entwickeln sie ihre Sicht in fünf Thesen.
So fragen sie gleich zu Beginn provozierend: „Eine Welt ohne Lebensversicherung“?
Manche dürften sich über die Frage freuen. Denn schon lange wettert die Verbraucherzentrale Hamburg gegen das Produkt und beantwortet die Frage der Allianz – ungefragt - eindeutig: „Um es klar zu sagen: Wer eine Kapitallebens- oder private Rentenversicherung abschließt, hat schon verloren. Denn drei von vier Kunden müssen später aussteigen."
Weiter heißt es: „Und niemand weiß, ob er dazu gehört. Bei Ausstieg wird der Verlust nur offenbar. Das schlechte Geschäft ist also programmiert. Nicht der Ausstieg oder das Aufgeben kostet also Milliarden, sondern der Abschluss.“ Auch Bund der Versicherten rät: „Finger weg von Kapitallebensversicherungen lautet die Devise – abgesehen von wenigen Ausnahmen.“
Ein Anleger zahlt zwölf Jahre lang 100 Euro im Monat. Das ergibt einen Sparbeitrag von 14400 Euro. Der Lebensversicherer nennt dafür zwei Zahlen: Was er garantiert zahlt und was er vielleicht zahlt, wenn die Zinsgutschriften so bleiben wie sie sind. Die Rendite wurde berechnet mit einem Lebensversicherungs-Rechner der FMH Finanzberatung aus Frankfurt. Die Renditen sind dabei vor Steuern, d.h. es wurde ein Steuersatz von 0 angenommen. Das erleichtert den Renditevergleich mit Sparprodukten der Banken.
Die Allianz bietet einen Onlinerechner für eine klassische Lebensversicherung.
Die Ergebnisse für eine Einzahlung von 14400 Euro:
Garantie-Kapital: 13.795 Euro
Garantie-Rendite auf den Beitrag: -0,71 Prozent
Prognostizierter Gesamtwert: 16.485,56 Euro
Prognostizierte Rendite auf den Beitrag: 2,22 Prozent
Die Allianz weist im Internet darauf hin: „Beachten Sie bitte, dass die Höhe der Überschussbeteiligung nicht garantiert werden kann. Sofern in diesem Vorschlag künftige Leistungen einschließlich Überschussbeteiligung dargestellt werden, handelt es sich um unverbindliche Angaben. Hierbei haben wir angenommen, dass die für das Jahr 2010 festgelegten Überschussanteilsätze unverändert bleiben. Die Werte sind trotz der in Euro exakten Darstellung nur als unverbindliches Beispiel anzusehen. Über die Höhe der künftigen Überschussanteilsätze können wir keine Aussagen machen. Die tatsächlichen künftigen Leistungen einschließlich der Überschussbeteiligung (Gesamtleistungen) werden voraussichtlich höher oder niedriger sein als in diesem Vorschlag angegeben. Dies gilt insbesondere auch für die Beteiligung an den Bewertungsreserven.“
Ein Ansparplan mit festem Zinssatz über 12 Jahre ist laut FMH Finanzberatung möglich.
Ergebnis: 17.040,69 Euro
Rendite: 2,75 Prozent
Der Direktversicherer der Generali-Gruppe bietet Berechnungen für Kapitallebensversicherungen an. Das Rechenergebnis für 14.400 Euro an Prämien:
Garantierte Kapitalauszahlung: 14.638 Euro
Garantie-Rendite auf den Beitrag: 0,27 Prozent
Voraussichtliche, einmalige Kapitalauszahlung bei Ablauf inkl. Überschussbeteiligung: 18.152 Euro
Erwartete Rendite auf den Beitrag: 3,77 Prozent
Der Online-Rechner der Hannoversche Leben bietet im Gegensatz zur Konkurrenz keinen eindeutigen Hinweis, ob er den monatlichen Beitrag auch für 12 Jahre gerechnet hat. Dies kann nur indirekt über das eingegebene Alter geschlossen werden. Das Ergebnis:
Garantiertes Guthaben bei Ablauf: 15.367,00 Euro
Garantie-Rendite: 1,07 Prozent
Mögliches Ablaufguthaben: 17.997 Euro
Erwartete Rendite: 3,63 Prozent
Annahme dabei: Überschussbeteiligung auf den Sparanteil von 3,75 Prozent über die ganze Laufzeit
Auf eine Garantie weist der Rechner der Gothaer-Tochter im Ergebnis nicht ausdrücklich hin. Diese heißt hier „Versicherungssumme“.
Versicherungssumme: 14.095,00
Garantie-Rendite: -0,36 Prozent
Gesamtleistung bei Ablauf einschließlich Überschussanteile: 16.262,97 Euro
Prognose-Rendite: 2 Prozent
Hinweis von Asstel dazu: „Das Überschusssystem ist die verzinsliche Ansammlung. Bei der Berechnung der Werte inkl. Überschussbeteiligung haben wir angenommen, dass sich die aktuell festgesetzten Überschusssätze während der gesamten Versicherungsdauer nicht verändern werden. Die tatsächlichen Leistungen werden daher voraussichtlich von den angegebenen Werten abweichen. Steuerliche Abzüge sind bei den genannten Leistungen nicht berücksichtigt.“
Ein Ansparplan mit festem Zins bringt nach 10 Jahren:
Betrag: 14.074,04 Euro
Rendite: 3,13 Prozent
Nach zwölf Jahren ergibt sich dann plus der Sparsumme von 2400 Euro also mindestens ein
Betrag: 16.474,04 Euro
Dabei ist zu berücksichtigen, dass für die letzten zwei Jahre der Laufzeit kein Zins angenommen wurde, was eigentlich unrealistisch ist. Die Rendite könnte also auch in dieser Kombi-Variante in den Bereich von 2,75 Prozent kommen, die der zwölfjährige Deutsche-Bank-Sparplan erreicht. In jedem Fall springt auch auf diese Weise mindestens so viel heraus wie in der Prognose des Lebensversicherers Allianz.
Die Allianz kontert mit dem Hinweis, dass die Kritiker einige Zusammenhänge wohl noch nicht richtig verstanden hätten. Dazu zähle etwa „die Bedeutung der langfristig orientierten Lebensversicherungsunternehmen am Kapitalmarkt“. Ob wohl so viele Bundesbürger eine Lebensversicherung abschließen, weil die Versicherer so gewaltige Summen an den Finanzmärkten anlegen? Die Praxis zeigt: Die meisten Kunden werden in der Praxis eher mit großartigen, aber unverbindlichen Beispielrechnungen gelockt.
Noch ein weiteres Argument hat die Allianz: „die Tatsache, dass Lebensversicherungen wohl das bedeutendste Instrument zur Absicherung der sogenannten biometrischen Risiken sind.“ Gemeint sind damit: (vorzeitiger) Tod, Langlebigkeit, Berufsunfähigkeit, Unfalltod, Unfallinvalidität, schwere Erkrankungen und Pflegefall.
in Euro
Die Verbraucherschützer stellen diesen Punkt allerdings gar nicht in Abrede, sie empfehlen nur: Sparen einerseits und Absicherung solcher Risiken ganz einfach zu trennen. So lautet ein weit verbreiteter Tipp vom BdV: „Trennen Sie den Versicherungsschutz für Ihre Angehörigen im Fall Ihres Todes und die Geldanlage für Ihre eigene Altersvorsorge. Schließen Sie für den Todesfall eine Risikolebensversicherung ab. Ein vergleichbarer Versicherungsschutz für den Todesfall kostet meist nur etwa sieben Prozent des Beitrages zur Kapitallebensversicherung. Die verbleibenden 93 Prozent sollten Sie selbst anlegen.“
Die Allianz dagegen erklärt: „Gäbe es auf der Welt keine Lebensversicherungen mehr, gäbe es auch keine finanzielle Absicherung von Angehörigen im Todesfall mehr.“ Solche Aussagen könnten Verbraucher verwirren, weil sie sehr allgemein gehalten sind. Wie der Rat der Verbraucherschützer belegt, geht es ja gar nicht um die Frage „Lebensversicherung – ja oder nein?“. Es geht nur darum, die richtige, sprich günstige und passende Risiko-Versicherung auszuwählen.
Damit nicht genug. Ein Grund fällt der Allianz noch ein: „Auch sind Lebensversicherungen häufig der Schlüssel für die Verwirklichung des Traums vom Eigenheim. Ende des Jahres 2011 gab es in Deutschland immerhin über 1,9 Millionen Bausparrisikoversicherungen und rund 2,9 Millionen Restschuldversicherungen, die den Erwerb einer Immobilie oft erst ermöglichten.“
Auch Verbraucherschützer wissen, dass so manche Bank den Immobilienkredit an eine Restschuldversicherung knüpft. Dagegen könne man sich wehren, berichtet der WDR unter Berufung auf die Verbraucherzentrale Hamburg: „Sehr viele Kreditverträge mit verbundenen Restschuldversicherungen haben Formfehler. Diese Formfehler helfen den Kunden, aus dem Vertrag auszusteigen, ihn zu widerrufen, sogar wenn er schon vollständig abgezahlt ist. Und das bedeutet eine erhebliche Verringerung der Bankforderungen gegen ihn.“
Bei Europa beträgt die Beitragsrendite 5 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,35 Prozent.
(Quellen: Morgen & Morgen, BVI, Map-Report, Allianz)
Bei Cosmos Direkt beträgt die Beitragsrendite 4,50 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,05 Prozent.
Bei Targo beträgt die Beitragsrendite 4,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,60 Prozent.
Bei Huk beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.
Bei der Öffentlichen Braunschweig beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,80 Prozent.
Bei der Allianz beträgt die Beitragsrendite 3,80 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.
Bei Rheinland beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,60 Prozent.
Bei Universa beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,50 Prozent.
Bei der Öffentlichen Berlin beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,30 Prozent.
Bei der VPV Lebensversicherungs AG beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,25 Prozent.
Beim Münchener Verein beträgt die Beitragsrendite 2,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 3 Prozent.
Im übrigen gilt, wie oben beschrieben: Risiko- und Kapitallebensversicherung sind zwei völlig verschiedene Produkte. „Eine Risikolebensversicherung ist immer dann dringend erforderlich, wenn der Tod eines Elternteils oder Partners eine finanzielle Lücke reißen könnte, die weder durch Renten noch durch eigenes Vermögen zu schließen wäre“, erläutert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
Die Laufzeit könne so vereinbart werden, dass die Versicherung endet, wenn andere Rentenansprüche greifen oder/und die Kinder finanziell auf eigenen Beinen stehen. Deshalb warnen die Verbraucherschützer aus Düsseldorf: „Vorsicht Vertreter: Viele Versicherungsvertreter wollen ihren Kunden statt einer Risikolebensversicherung eine Kapitallebensversicherung aufschwatzen, mit der gleichzeitig Geld angespart werden soll.“
Anteil der 60-64 Jährigen in ihrer Altersklasse,
die einer Beschäftigung nachgehen
Grund hierfür sei, dass die Vermittler für diese Verträge wesentlich höhere Provisionen erhalten. Für die Sicherung der Altersvorsorge gebe es allerdings rentablere Möglichkeiten.
Die Versicherer lassen gerne hochrangige Experten auf die Bühne, um ihre Argumente vorzutragen. Einer davon ist Michael Heise, der Chefvolkswirt der Allianz: „Lebensversicherungsunternehmen sind weltweit wichtige Akteure am Kapitalmarkt und tragen durch ihre langfristig ausgerichtete Anlagepolitik zur Stabilisierung der Kapitalmärkte bei. Außerdem haben die Unternehmen durch ihre konservative Anlagepolitik viele Kunden in der Krise vor hohen Verlusten bewahrt“, stellt er fest.
Die Bedeutung der Lebensversicherungsunternehmen am Kapitalmarkt werde deutlich, so die Allianz, wenn man sich die Höhe der angesparten Kapitalanlagen vor Augen halte: Ende des Jahres 2011 verwalteten die Lebensversicherungsunternehmen in Deutschland Geld in Höhe von 743 Milliarden Euro. In der EU insgesamt belief sich die Summe auf rund 5.400 Milliarden Euro. Damit seien die Anbieter wichtige institutionelle Teilnehmer am Kapitalmarkt, die durch ihre langfristig ausgerichtete Anlagepolitik, die letztlich die Fristigkeit ihrer Verbindlichkeiten widerspiegelt, zur Stabilisierung der Finanzmärkte beitrügen.
Wer mag das bestreiten? Doch sind das Gründe für Verbraucher, um heute eine Lebensversicherung neu zu kaufen? Es sind wohl eher Fakten, mit denen Eindruck gemacht werden soll. Oder Gründe, um keine Angst um das Geld zu haben, das derzeit von den Unternehmen verwaltet wird.
Es werden mit Blick auf Lebensversicherer verschiedene Zinsbegriffe verwendet. Wenn Verbraucherschützer von "Gesamtverzinsung" sprechen, meinen sie zum Beispiel die Kombination aus Garantieverzinsung und den so genannten Überschüssen aus dem Versicherungsgeschäft, an denen Versicherungsnehmer beteiligt sind. Die Versicherer reden hier auch von „Überschussbeteiligung“, dafür weisen sie jährlich einen Zinssatz aus. Als Gesamtverzinsung wird in der Branche auch die bei Vertragsablauf gezahlte Verzinsung bezeichnet. Darin enthalten sind neben Garantiezins und dem Überschuss zusätzlich eine Beteiligung an den Bewertungsreserven und ein Schlussüberschuss.
Das Problem der Versicherer-Kennzahlen: Sowohl der Garantiezins als auch die Überschussbeteiligung oder Gesamtverzinsung werden nicht auf die gesamte Prämie berechnet, sondern nur auf den Sparanteil in der Prämie. Die Hamburger bezeichnen die Zinsgutschriften der Branche daher auch als „Das Märchen von der Gesamtverzinsung“.
Die Verbraucherschützer aus Hamburg haben für einen sehr lange laufenden Vertrag mit einer Überschussbeteiligung von vier Prozent die Rendite und die Ablaufdaten gerechnet. Solche Verträge werden gerne von der Branche als Altersvorsorge verkauft.
Legt man 100 Euro im Monat an mit 4 Prozent Verzinsung, ergibt das nach 30 Jahren einen Betrag von 68.760 Euro.
Der Kunde zahlt zwar eine Prämie von 100 Euro. Doch tatsächlich wird weniger angelegt, weil die Versicherung Kosten für Abschluss, Verwaltung und Risiko zu Grunde legt, zum Beispiel 80 Euro.
Aus 80 Euro werden in 30 Jahren bei einer Verzinsung von jährlich 4 Prozent 55.008 Euro. Das ist also wegen des Zinseszinseffektes fast 14.000 Euro weniger als wenn die vollen 100 Euro Prämie verzinst würden.
„Die vermeintlich ordentliche Gesamtverzinsung von 4 Prozent sind in Wahrheit nur 2,68 Prozent pro Jahr“, stellen die Verbraucherschützer aus Hamburg aufgrund ihrer Rechnung über 30 Jahre fest.
"Wer sein Geld in den vergangenen 30 Jahren beispielsweise in Bundeswertpapieren angelegt hätte, stünde heute deutlich besser da als ein Verbraucher mit einer Lebensversicherung“, stellen die Verbraucherschützer fest. Nach einer Stichprobe von regulär abgelaufenen Verträgen ergäben sich Renditen von durchschnittlich etwas über drei Prozent pro Jahr - gegenüber Bundeswertpapieren mit durchschnittlich etwas über 6 Prozent in den letzten 30 Jahren.
Dass Lebensversicherer wichtig sind, verkennen auch die Kritiker der Branche gar nicht. Ihnen geht es darum, dass Lebensversicherer weniger Geld für eigene Zwecke abzweigen und am Ende mehr an die Kunden zahlen. Und dass sie flexibler werden, wie es ja auch bereits in der Branche diskutiert wird. Schließlich sind Lebensversicherungen ökonomisch betrachtet „langlebige Vertrauensgüter, deren entscheidende Nutzenstiftung – sofern überhaupt beurteilbar oder eintreffend – erst nach vielen Jahren zu erwarten ist“, wie der Wissenschaftler Andreas Oehler sagt. Oft erst nach Jahrzehnten. Das sind extrem lange Zeiträume, die keiner überblicken kann.
Darüber hinaus verwalten auch andere Teile der Finanzbranche große Summen, Fonds zum Beispiel. Und es ist völlig normal an den Finanzmärkten, dass Anleger ihr Geld von einem zum anderen verlagern, wenn sie mit der Rendite nicht mehr zufrieden sind. Bei Kapitallebensversicherungen ist dieses Umschichten jedoch unerwünscht. Wer es trotzdem tut, also vor Vertragsende kündigt, muss mit Verlusten rechnen.
Das Problem dabei beschreibt der Wissenschaftler Oehler so: „Es bestehen zumindest grundlegende Zweifel, ob Verbraucher definitiv im Klartext vor Vertragsschluss wissen, welche Verluste entstehen, wenn ein Vertrag vorzeitig endet.“ So fehle zum Beispiel eine klare Aussage dazu, welcher Betrag in Euro verloren geht, wenn man nach ein, zwei, fünf, zehn oder nach 15 Jahren kündige.
http://www.vzhh.de/versicherungen/151190/Oehler_Studie_Handout.pdf
Keine Woche vergeht, in der Versicherer nicht herausstellen, wie wichtig sie für die Gesellschaft sind. Auch die Allianz natürlich nicht: „Eine weitere wichtige gesellschaftliche Dimension liegt darin, dass Lebens- und Rentenversicherungen Schutz gegen Altersarmut bieten.“
in Prozent
Die Probleme sind seit langem bekannt und werden seit mehr als einem Jahrzehnt intensiv diskutiert: Hohe Staatsverschuldung; viele Berufstätige, die in den nächsten 20 Jahren Rentner werden; Einschnitte in das Rentensystem; und immer mehr Menschen, die immer älter werden. Deshalb trommeln die Politiker regelmäßig, dass die Deutschen mehr für das Alter vorsorgen sollten, wenn sie nicht im Alter verarmen oder auf den gewohnten Lebensstandard verzichten wollen.
Die Versicherer nutzen diese Argumente seit Jahren, um immer wieder über ihre Vermittler viele Versicherungsprodukte zu verkaufen. Mit Hinweisen, wie diesen etwa von der Allianz: „Dass die Welt insgesamt altert, zeigen eindrucksvoll die folgenden Zahlen: Kamen statistisch gesehen im Jahre 1950 bereits 2,3 über 60-jährige auf ein Neugeborenes, so werden für das Jahr 2050 knapp 16 über 60-jährige auf ein Neugeborenes prognostiziert. Damit ist dann jeder fünfte Erdenbürger über 60 Jahre alt.“
Die folgenden Euro-Beträge für verschiedene Produkte von Versicherungen, Banken, Bausparkassen und Fonds wurden anhand üblicher Provisionssätze und marktgängiger Anlagesummen berechnet. Die Rangliste liefert einen Anhaltspunkt über die Bedeutung der jeweiligen Provisionsart für Vermittler.
Quelle: www.monero.de, Vermittler, Finanzunternehmen, eigene Berechnungen
Sachversicherung
11,25 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Haftpflichtversicherung
Sachversicherung
45 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Hausratversicherung
Krankenzusatzversicherung
90 Euro für eine Zahnzusatzversicherung
Sachversicherung
200 Euro für einen Fünf-Jahresvertrag in der Hausratversicherung
Bausparvertrag
325 Euro für einen Vertrag mit einer Bausparsumme von 25.000 Euro
Fondsanlage
450 Euro für ein Investment mit einer Anlagesumme von 10.000 Euro
Lebensversicherung
1440 Euro für einen Vertrag mit einem Monatsbeitrag von 100 Euro, Laufzeit 30 Jahre
Immobilienfinanzierung
1500 Euro für einen Vertrag mit einer Kreditsumme von 200.000 Euro
Krankenversicherung
2100 Euro für eine PKV-Vollversicherung mit einem Monatsbeitrag von 350 Euro
Unternehmerische Beteiligungen
3000 Euro für einen geschlossenen Fonds mit einer Anlagesumme von 30.000 Euro
Das Ziel solcher Informationen in Hochglanzprospekten: Die Menschen sollen Angst bekommen und Geld sparen, am besten mit einer Versicherung. Das gelang sogar während der Finanzkrise noch grandios, weil viele Anleger zeitweise sogar Lebensversicherungen als einmalige Gelegenheit entdeckten. Andererseits: Immer weniger scheuen sich davor, mehrere Jahrzehnte ihr Geld an eine Lebensversicherung weg zu geben. Das heißt, die Branche verkauft immer weniger von jenen Verträgen, die sie einst groß gemacht haben. Das ehemalige Brot- und Buttergeschäft mit dem kleinen Sparer bricht langsam, aber sicher weg.
Erfahrene Sparer wissen: Eine Kapitallebensversicherung ist nur eine Variante, um für das Alter vorzusorgen. Zwölf Tipps zum Sparen hat die Verbraucherzentrale Hamburg zusammengestellt. Einer davon: „Klassische Sparformen bevorzugen.“ Beim Sparen mit Tages- oder Festgeld, Sparbuch, Sparbrief oder Banksparplänen machten Verbraucher keine Fehler. Bei Anlagebeträgen bis zu einer Größenordnung von rund 20.000 Euro oder 40.000 Euro (für Verheiratete) müssten Sie sich auch keine Gedanken „wegen der Steuern“ machen. Sie lägen mit Ihren Erträgen im Rahmen der Freibeträge.
Wer bereits eine größere Summe als Festgeld angelegt habe und das Risiko nicht scheuen, für den kämen kommen auch Aktienfonds mit der Option auf eine höhere Rendite als Sparform in Betracht. Empfehlenswert seien Exchange-Traded-Funds (ETFs). Hier sparen Anleger eine Menge Kosten.
Lebens- und Rentenversicherungen seien für viele Bereiche in der Gesellschaft wichtig, stellt die Allianz fest. Das zeige sich auch in den hohen Summen, die den Versicherungsunternehmen weltweit von Kunden anvertraut werden. Im vergangenen Jahr beliefen sich die weltweit einbezahlten Lebensversicherungsprämien umgerechnet auf mehr als 1,7 Billionen Euro.
Ratenanpassung jeweils am 1. Juli in %
( mit der Maus über die Grafik fahren)
Das sei eine Summe, die in etwa dem Bruttosozialprodukt Großbritanniens entsprach. Jeder Bundesbürger habe im Jahre 2011 durchschnittlich 1.042 Euro für Lebensversicherungen ausgegeben. Klingt viel, ist aber wenig im Vergleich: Ein US-Amerikaner habe umgerechnet 1.270 Euro und ein Japaner sogar 2.183 Euro für Lebensversicherungen abgezweigt.
Die unausgesprochene Botschaft in solchen Zahlen: Was für Amerikaner und Japaner gut ist, kann doch für Deutsche nicht schlecht sein. Man könnte auch vermuten: Amerikaner und Japaner sind in der privaten Altersvorsorge schon viel weiter als die Deutschen.
Klar: Das gibt der Vergleich nicht her, doch warum wird er dann so oft gezogen? Und auch in zahlreichen Varianten? In Japan seien die durchschnittlichen Ansprüche gegenüber Lebensversicherungen pro Kopf mit umgerechnet 17.407 Euro mehr als doppelt so hoch – die Gesamtsumme aller Forderungen betrug Ende vergangenen Jahres umgerechnet 2.207 Milliarden Euro.
Dagegen nähmen sich die 764 Milliarden Euro der deutschen Haushalte „nahezu bescheiden“ aus. Auch in den sogenannten Schwellenländern fänden Lebensversicherungen immer mehr Verbreitung - zur Absicherung biometrischer Risiken und als Form der Vermögensbildung.
In China, einem der am raschesten wachsenden Lebensversicherungsmärkte weltweit, machten Ansprüche aus Lebensversicherungsverträgen inzwischen bereits knapp elf Prozent des gesamten Finanzvermögens der privaten Haushalte aus.
Wer so viel Geld einsammelt, könnte doch auch mal großzügig sein, sagen sich die Verbraucherschützer. Sie stellen jedoch das Gegenteil fest. „Mauern, Abwimmeln, Vertrösten - So reagieren die Versicherer.“ Zig-Tausende Verbraucher hätten jetzt ihre Ansprüche bei ihren Versicherern angemeldet. Geld sei bislang aber noch nicht geflossen.
Es geht um gekündigte Lebens- und Rentenversicherungen und die Frage, ob die Versicherer ihren Ex-Kunden mehr Geld auszahlen müssen. Mitte Oktober habe der Bundesgerichtshof Klauseln zur Kündigung, Beitragsfreistellung und zum Stornoabzug des Versicherers Generali (Aktenzeichen IV ZR 202/10) gekippt, erklären die Verbraucherschützer aus Hamburg.. Bereits im Juli war ein ähnliches Urteil zu Klauseln rund um Kündigung, Beitragsfreistellung und zum Stornoabzug des Versicherers Deutscher Ring (Aktenzeichen IV ZR 201/10) ergangen.
Die Entscheidungen hätten Signalwirkung für die ganze Branche, weil die streitigen Klauseln von fast allen Versicherern verwendet würden. Konkret ging es um Lebens- und Rentenversicherungsverträge, die seit Sommer/Herbst 2001 abgeschlossen und seither gekündigt oder beitragsfrei gestellt wurden.
Die Verbraucherschützer raten daher: Wenn der Versicherer sage, er brauche noch Zeit, um das Urteil und die Auswirkungen zu prüfen, sollten die Verbraucher in vier Wochen erneut nachhaken. Wenn der Versicherer sage, der Verbraucher habe keinen Anspruch, solle er den Fall individuell durch die Verbraucherschützer prüfen lassen.
Einige Versicherer gäben zu erkennen, dass sie den Ansprüchen der Kunden folgen werden und stellten eine Neuberechnung in Aussicht. „Also: Nicht abwimmeln lassen!“, raten die Verbraucherschützer. Wer seinen Vertrag allerdings schon vor 2008 gekündigt hat, kann schlechte Karten haben: Der Anspruch auf Erstattung könnte sich verjährt haben. Hier gelte es dann, im Einzelfall nochmals zu prüfen, heißt es in einem ZDF-Beitrag.
Bei einer langfristigen Finanzplanung ist die Inflation ein wesentlicher Faktor. „100 Euro sind in 20 Jahren bei einer angenommenen jährlichen Inflationsrate von zwei Prozent nur noch 67 Euro wert“, rechnet Finanzexperte Siebold vor.
„Steigt die Inflationsrate auf drei Prozent, sind es nur noch rund 55 Euro.“ Nach 30 Jahren seien 100 Euro bei zwei Prozent Teuerung nur 55 Euro und bei drei Prozent nur rund 41 Euro wert, so der Experte. Einen Inflationsschutz bieten nach Expertenansicht Sachwerte wie Aktien oder Immobilien.
Die Deutschen scheuen das Risiko, doch das kann bei der Altersvorsorge unangenehme Folgen haben. „Viele Deutsche fühlen sich mit Bar- und Festgeld sowie mit sicheren Rentenpapieren wohl“, sagt Finanzplaner Christian Siebold.
„Aber wirklich riskant ist es, langfristig nicht auch chancenorientierte Investments beizumischen, damit die Rendite stimmt“, meint der Fachmann. Experten empfehlen Aktien, Anleihen und Fonds als chancenorientierte Anlagen. Auch alternative Investments wie Private Equity (außerbörsliche Beteiligungen), Rohstoffe oder Hedge-Fonds können ein Baustein des langfristig orientierten Altersvorsorgeportfolios sein.
Wer sich für ein Produkt entscheidet, sollte sich die Details genau anschauen. Private Rentenversicherungen bieten Flexibilität, die Einzahlungen lassen sich anpassen.
Wird aber beispielsweise die Riester-Rente nicht hoch genug bespart, zahlt der Staat auch nicht die volle Förderung. Grundsätzlich sollten Verbraucher unabhängigen Rat einholen und dafür auch Geld investieren.
In einer ersten Reaktion reagierte der Branchenverband GDV vergleichsweise zurückhaltend auf das Thema. In dem Verfahren sei es um Fragen von grundsätzlicher Bedeutung gegangen - für die Kündigung von Lebensversicherungsverträgen, die zwischen 2001 und 2007 abgeschlossen wurden. Wesentliche Punkte der Entscheidung beträfen die Verrechnung der Abschlusskosten sowie die Rückkaufswerte einschließlich Stornoabschlag bei Lebensversicherungen.
Mit zunehmender Alterung der Gesellschaft werde durch den Anstieg der Lebenserwartung einerseits und der Abnahme der Geburtenraten andererseits der Bedarf an kapitalgedeckter betrieblicher und privater Vorsorge künftig weiter steigen, ist Allianz-Chefvolkswirt Heise sicher.
Und er fügt hinzu: „Die Menschen brauchen in unsicheren Zeiten ein verlässliches Produkt. Daher gehe ich fest davon aus, dass aller Kritik zum Trotz Lebens- und Rentenversicherungen langfristig wichtige Bausteine der privaten Vorsorge bleiben werden“, endet Heise. Diese Produkte seien „wichtig, sicher und rentabel.“
Die Allianz räumt dabei ein: Ohne Zweifel schmälere die derzeitige Niedrigzinsphase die Renditen der Versicherungsnehmer. Hinzu komme erschwerend, dass die Anlagevorschriften für Lebensversicherungsunternehmen entsprechend streng seien.
So hatten die deutschen Unternehmen Ende 2011 weniger als vier Prozent ihrer gesamten Kapitalanlagen in Aktien angelegt. Genau diese konservative Anlagepolitik habe die Kunden deutscher Lebensversicherer aber im Jahr 2008 vor hohen Verlusten bewahrt, wie sie zum Beispiel die Kunden der weitaus stärker in Aktien investierten Lebensversicherungsunternehmen in Großbritannien hinnehmen mussten.
Was die Rendite angehe, so dürfe man nicht außer Acht lassen, dass auch alle anderen Anlageprodukte – die im Gegensatz zur Lebensversicherung keine Absicherung gegen die Risiken des Lebens böten – betroffen seien und weniger Verzinsung böten.
Bei der Nettoverzinsung werden sämtliche Erträge und Aufwendungen aus Kapitalanlagen berücksichtigt. In die Berechnung einbezogen sind somit auch Erträge und Verluste aus dem Abgang von Kapitalanlagen sowie die Abschreibungen auf Wertpapiere. Diese Kennzahl kann daher relativ starken Schwankungen unterworfen sein. Die Berechnung der Nettoverzinsung erfolgt nach den Empfehlungen des LV-Verbandes.
Abschlusskosten entstehen im Zusammenhang mit dem Neugeschäft. In der Regel sind die Kosten kalkulatorischer Bestandteil des Versicherungsprodukts, die der Versicherungsnehmer (zumindest teilweise) im Rahmen seiner Prämie trägt.
Diese Kostenquote beinhaltet die Kostenpositionen des Jahresabschlusses, die nicht unmittelbar dem Neugeschäft zuzuordnen sind. Hieraus lässt sich erkennen, wie hoch die Kostenbelastung in Relation zu den eingenommenen Beiträgen ist.
Der freien RfB (Rückstellung für Beitragsrückerstattung) kommt die Bedeutung einer Pufferfunktion zur Glättung der jährlichen Gewinnbeteiligung zu. Die freie RfB in Prozent der Deckungsrückstellung ist ein Indikator für die Höhe dieses „Puffers“ in Relation zur gesamten Deckungsrückstellung der Versicherten im Geschäftsjahr.
Die Zuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB in Prozent der gebuchten Bruttobeiträge und Nettoerträge aus Kapitalanlagen) gibt Aufschluss darüber, wie groß der Anteil der Erträge ist, der der Versichertengemeinschaft in Form von Überschüssen zugute kommt.
Das Wachstum eines Versicherungsunternehmens wird hier an drei Größenpositionen gemessen: Entwicklung der Beiträge (50%), Entwicklung der Kapitalanlagen (25%) und Entwicklung der Versicherungssummen (25%).
Das Storno erfasst die Verträge der kapitalbildenden Tarife (Kapital- und Rententarife), die vorzeitig - also vor Vertragsablauf - gekündigt oder beitragsfrei gestellt werden. Es lässt einen Rückschluss auf die Qualität der Beratung, der Tarife und der Vertriebswege zu.
Die modifizierte Eigenmittelquote ist ein Maßstab dafür, in welchem Umfang ein Lebensversicherer Risiken durch die Eigenmittel Eigenkapital und Schlussüberschussanteil-Fonds (SÜAF) abdecken kann. Hierfür wird eine Quote gebildet, welche die Summe dieser beiden Eigenmittel der Deckungsrückstellung gegenüberstellt.
Die Reservequote zeigt, wie groß der Anteil der so genannten Stillen Reserven in Prozent der gesamten Kapitalanlagen zum Bilanzstichtag war. Die Stillen Reserven ergeben sich im Wesentlichen aus abgeschriebenen bzw. zum Niederstwert angesetzten Buchwerten (z. B. Grundstücke, Aktien und Investmentfondsanteile) gegenüber ihren zum Stichtag ermittelten und angesetzten Marktwerten. Die Bewertungsreserve wurde erstmals im Bilanzjahrgang 1997 in den Geschäftsberichten ausgewiesen. Seit dem Bilanzjahrgang 2007 sind auch die Stillen Reserven in den zu Nennwert bilanzierten Kapitalanlagen angabepflichtig und sind entsprechend integriert. Quelle: Morgen & Morgen
Die Renditefrage ist besonders umstritten zwischen Verbraucherschützern und der Branche. So entgegnet etwa der Verbraucherschützer Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten, der Branche auf die Frage: Ist die private Altersvorsorge über den Aufbau von Kapital attraktiver ist als die gesetzliche Rente und das Umlagesystem? „Nein, ich sehe beide auf dem gleichen Feld: Das Umlagesystem und die Kapitaldeckung landen in einer Liga.“ Das Argument, der Aufbau von Kapital sei in der Altersvorsorge effizienter als die Umlage, könne er als Mathematiker nicht nachvollziehen. „Die Versicherungswirtschaft bleibt im Moment den Beweis schuldig, dass sie Altersvorsorge besser kann.“
Das Problem: Lebensversicherungen locken gern mit Beispielrechnungen, die sich gut anhören. Doch diese Prognosen sind unverbindlich und eigentlich nicht das Papier wert, auf dem sie ausgedruckt wurden. Denn so wie sich die Zinsen ändern, können sich auch Beispielrechnungen ändern.
Sicher haben die Versicherten nur den Garantiezins in der Lebensversicherung. Doch der ist von ehemals vier Prozent auf inzwischen nur noch 1,75 Prozent gesunken. Doch selbst diesen Satz erhalten Vorsorgesparer unter dem Strich nicht, weil der Lebensversicherer vorher seine Kosten abzieht. Im Extrem kann es daher passieren, dass ein Vertrag nach zwölf Jahren weniger bringt, als vorher eingezahlt worden war.
Die Versicherer verweisen gerne darauf, dass sie ja regelmäßig mehr bezahlen als den Garantiezins, die sogenannte Überschussbeteiligung, die derzeit noch bei rund vier Prozent im Branchenschnitt liegt. Auch hier gibt es jedoch einige Haken zu beachten.
Auch bei diesen Zahlen drücken die Kosten für den Versicherer und den Vertrieb auf die Rendite. Wichtig ist daher: Verbraucher sollten nicht auf die gern genannte Überschussbeteiligung schauen, sondern die von Analysten errechnete Beitragsrendite.
Hier gilt: In der Vergangenheit haben die Versicherer stattliche Renditen geliefert. Doch niemand weiß, ob ihnen das künftig auch gelingt. Zudem schlagen in der aktuellen Niedrigzinsphase die Kosten des Versicherers in besonderem Maße zu Buche. Deshalb setzt hier auch häufig die Kritik der Verbraucherschützer an.
Verbraucherschützer Axel Kleinlein warnt zudem: Bei Renditeangaben der Versicherer aus der Vergangenheit sei zu berücksichtigen, dass darin Hochzinsphasen enthalten sind. „Es ist unredlich, heute mit Zahlen aus den 1990er-Jahren zu argumentieren.“ Nur weil eine Lebensversicherung früher hohe Gutschriften hatte, heiße das nicht, dass künftig ebenso viel drin sein könne.

Kann mir bitte jemand erklären warum eine Fondsgebundene Lebensversicherung nicht im BGH Urteil berücksichtigt wird?

Ich hoffe,dass ich meine Kapitallebensversicherungen noch bis zu deren Ende bedienen kann,denn etwas Besseres als eine vorzeitige Kündigung kann den Versicherungen nicht passieren.Wer auf seine Versicherung sauer ist,der sollte sie auf keinen Fall damit strafen,dass er früher aussteigt,sondern damit,dass er seinen Vertrag erfüllt.
Wenn all die alten Verträge,die noch steuerfrei abgeschlossen wurden ausgezahlt werden und keine neuen nachfolgen,dann wird sich die Branche warm anziehen müssen.

Bitte denken!
Ich bin auch kein großer Anhänger von Lebensversicherungen, aber zwei Punkte sind doch bei diesen Vergleichen mit anderen Anlagemöglichkeiten dringend zu beachten (und da ist die Verbraucherzentrale genau so unredlich):
1. Ein Vergleich mit einem Steuersatz von 0 macht keinen Sinn. Welcher Anleger hat den? Und ein nennenswerter Steuersatz kann ein Versicherungsprodukt deutlich attraktiver machen.
2. Eine Kapitallebensversicherung enthält eine Versicherungsleistung und eine Sparleistung. Ein Sparplan hat nur eine Sparleistung. Nur die Rendite zu vergleichen, ist also nicht in Ordnung, da man bei der Versicherung ja noch ein anderes Produkt dazubekommt. Dessen Wert muss man noch berücksichtigen.
Also, bitte selbst mal nachdenken - und weder der Propaganda der einen noch der anderen Seite blind nachlaufen. Gilt auch und gerade für Journalisten!






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