
DüsseldorfDas liebste Sparprodukt der Deutschen dürfte auch im nächsten Jahr weniger attraktiv werden. Laut Ratingagentur Standard & Poors dürfte die Überschussbeteiligung im nächsten Jahr um 20 Basispunkte auf einen Wert zwischen 3,6 Prozent und 3,7 Prozent senken.
Die Ratingagentur erklärt, dass ein solcher Schritt die Gesellschaften sicherer machen würde. „Das würde die Finanzstärke der Branche verbessern und es den Gesellschaften einfacher machen, ihre Garantien nachhaltig zu erfüllen“, erklärte die Ratingagentur. Wenn angeschlagene Gesellschaften den wichtigen Zinssatz nicht senken würden, hält S&P negative Ratingschritte für möglich. „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Versicherer auch in einem mittelfristig anhaltenden Niedrigzinsumfeld ihre Garantien erfüllen können“, sagte S&P-Experte Christian Badorff.
Seit dem dem 1. Januar 2012 liegt der Garantiezins nur noch bei 1,75 Prozent. Das ist ein Rekordtief. Bis Ende des vergangenen Jahres lag der Satz noch bei 2,25 Prozent. Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent, ab 2007 bei 2,25 Prozent.
Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.
Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Real liegt der Garantiezins ab dem nächsten Jahr je nach Kostenquote der Versicherer zwischen 1,2 bis 1,4 Prozent. Damit dürfte die garantierte Summe in Zukunft unterhalb der Inflationsrate liegen. Versicherte müssen daher auf die Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.
Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für 2012 und 2013 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung, darunter Branchengrößen wie Allianz. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung. Die Renditen variieren je nach Laufzeit, unter dem Strich können Kunden in der Regel nicht einmal vier Prozent per Anno rechnen.
Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. Bei Direktversicherern gehen gut sieben bis acht Prozent der Beiträge dafür drauf, bei vertriebstarken Gesellschaften 12 bis 15 Prozent. Die teuersten Gesellschaften verlangen sogar bis zu 18 Prozent. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.
Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.
Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) wollte die Absenkung unter die psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent verhindern. Lebenpolicen werden unter Renditegesichtspunkten in Zukunft noch weniger attraktiv. Die Branche fürchtet vor allem Probleme beim Vertrieb. Kurzfristig dürfte die Zahl der die Abschlüsse aber steigen. Die Vermittler dürften die baldige Absenkung als Verkaufsargument nutzen und hoffen auf eine Sonderkonjunktur für vor allem in den letzten Monaten des Jahres.
Eher nicht. Ratingagenturen wie Assekurata oder Morgen & Morgen rechnen nicht mit einer weiteren Absenkung. In den nächsten Jahren könnte der Garantiezins bei steigenden Zinsen sogar tendenziell wieder steigen - aber nur, wenn auch die Zinsen am Kapitalmarkt wieder steigen.
Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil sein. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.
Auch für Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten.
Ebenfalls Problematisch: Bei einer Verrentung ist die von den Versicherern angenommene Lebenserwartung enorm hoch – und die monatliche Rente deshalb niedrig. Eine zwanzig Jahre alte Frau soll laut Sterbetafel aktuell im Schnitt hundert Jahre alt werden.
Eine weitere Senkung der Überschussbeteiligung wäre keine Überraschung. "Lebensversicherungskunden müssen in Zukunft sicherlich mit sinkenden Überschussbeteiligungen rechnen", sagt der Vorstandsvorsitzende beim Bund der Versicherten (BdV), Axel Kleinlein. Grund zur Panik gebe es aber nicht, betont Lars Gatschke, Versicherungsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Vor allem Altkunden sollten nicht vorzeitig kündigen, sondern durchhalten. Ein Ausstieg bringe nur noch mehr Verluste.
Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale empfiehlt dagegen, jeden Vertrag auf den Prüfstand zu stellen. Unzählige Versicherte müssen um ihr Finanzpolster fürs Alter bangen.
Die Versicherer haben in den vergangenen Jahren nicht nur den Garantiezins abgesenkt, sondern auch die Überschussbeteiligung. Nach einer Analyse des Ratinghauses Morgen & Morgen senkten acht von zehn Gesellschaften zum Jahreswechsel ihre Überschussbeteiligungen. Im Schnitt beträgt die durchschnittliche Gesamtverzinsung laut Morgen & Morgen nur noch 3,9 Prozent nach 4,1 Prozent im Vorjahr. Die Gesamtverzinsung setzt sich aus laufenden Überschüssen und Garantiezins zusammen und bestimmt maßgeblich die Rendite einer Police. Schon im vergangenen Jahr haben die Gesellschaften ihre Zinsen um durchschnittlich 0,4 Punkte gesenkt.
Nicht nur die Zinssenkung ist ein Problem des Produktes. Überschüsse und Garantien können nur wirken, wenn die Gesellschaften die Kosten im Griff haben. Viele Versicherer haben in den vergangenen Jahren zwar teils erheblich Sparprogramme gefahren. Trotzdem sind die Sätze bei vielen Gesellschaften immer noch immens hoch. Für Abschluss und Verwaltung gehen bei Direktversicherern gehen gut vier bis sechs Prozent der Beiträge dafür drauf, bei vertriebsstarken Gesellschaften acht bis zehn Prozent. Die teuersten Gesellschaften verlangen laut Morgen & Morgen sogar bis zu 15 Prozent.

Eine gute Alternative zur Kündigung ist auf jeden Fall auch der Verkauf der Police auf dem Zweitrmarkt. Dort bekommt man mehr ausgezahlt, als von der Versicherung bei Kündigung und ein Rest-Versicherungsschutz bleibt sogar erhalten.

Mit Inkrafttreten des GKV-Modernisierungsgesetz zum 01.01.2004 wurden schlagartig und ohne Übergangsfristen alle Auszahlsummen auf Direktversicherungen beitragspflichtig zur Kranken- und Pflegeversicherung. Auch Altverträge, bei deren Vertragsabschluss diese Ertragsschmälerung um 16 bis 20 % nicht vorgesehen und auch nicht vorhersehbar war, waren/sind davon betroffen.
Die betroffenen Versicherten, laut verschiedener Angaben bundesweit schätzungsweise 6 Millionen Menschen, sehen dies als grobe Verletzung des Vertragsrechts durch den Gesetzgeber und riesigen Vertrauensverlust in die Glaubwürdigkeit der Politik. Immer mehr von ihnen fordern deshalb die Zurücknahme der Beitragspflicht für Altverträge, die vor dem 01.01.2004 abgeschlossen wurden.
Für alle Betroffenen gilt, dass Kapitalauszahlungen aus einer betrieblichen Lebensversicherung (Direktversicherung) auch RÜCKWIRKEND in der Krankenversicherung und Pflegeversicherung als Versorgungsbezug voll beitragspflichtig sind.
Eine Beispielrechnung: Bei einer Kapitalabfindung von 60.000 Euro wird für zehn Jahre ein fiktives monatliches Einkommen von 500 Euro der Beitragsbemessung zugrunde gelegt (1/120 der Auszahlung). Bei einem Beitragssatz von 12,3 Prozent (IKK) sind dann zehn Jahre lang monatlich 61,50 Euro für die Krankenversicherung fällig, sofern die Beitragsbemessungsgrenze nicht überschritten ist.
Dazu kommen noch 9,75 Euro Pflegeversicherungsbeitrag (1,95 Prozent Beitragssatz von monatlich 500 Euro) und 4,50 Euro Zusatzbeitrag (0,9 Prozent zusätzlicher Beitrag für Zahnersatz und Krankengeld); macht also insgesamt 75,75 Euro pro Monat. Bei zehn Jahren Laufzeit sind das 9.090 Euro an Beitragszahlungen.
Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass die Gebetsmühle über die Sinnhaftigkeit privater Altersvorsorge in erster Linie den Versicherungsunternehmen (Profit) und dem Staat nützt.

Nicht nur die Versicherer bangen, sondern auch die Versicherungsnehmer. Die Lobbyisten der Versicherer haben nämlich durchgesetzt, dass die BaFin die Auszahlung gänzlich untersagen darf (Paragraph 89 VAG).
Kritiker behaupten, dass es der staatlich legalisierte, organisierte Betrug sei.






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