
FRANKFURT. Es wirkt wie der Streit um des Kaisers Bart, doch im winzigen Unterschied von 0,25 Prozentpunkten offenbart sich derzeit das Dilemma der Lebensversicherer. Das Finanzministerium möchte den Garantiezins für die beliebteste private Altersvorsorge der Deutschen, die klassische Lebens- und Rentenversicherung, von 2,25 auf 1,75 Prozent senken. Die Versicherer wollen die Zwei-Prozent-Marke halten. Der Streit könnte das Ende des Verkaufsrenners einläuten. Denn fällt der Garantiezins zu stark, sind wegen der hohen Abschlusskosten in den ersten zehn bis 20 Jahren der Vertragslaufzeit kaum die eingezahlten Beiträge garantiert.
Branche ist gut durch die Finanzkrise gekommen
Worum geht es? Die Finanzkrise hat zwar gezeigt, dass langfristige Zinsversprechen teuer sind. Doch an der deutschen Lebensversicherung ist die Krise scheinbar vorbeigezogen. Anleger haben in den vergangenen zwei Jahren gut 175 Milliarden Euro in die Produkte der Branche gepumpt - kein Wunder bei Anlagerenditen von mehr als vier Prozent. Denn zum Garantiezins kommen noch Gewinnbeteiligungen, aber die sind eben nicht garantiert.
Viele Experten fürchten inzwischen, dass der Boom den Absturz nur verschlimmern könnte. Denn die Lebensversicherer stecken in der Falle. Sinken die Zinsen an den Kapitalmärkten wieder auf zwei Prozent oder darunter, wird es in einigen Jahren schwer, die Garantiezinsen zu erwirtschaften. Im Schnitt muss die Branche 3,4 Prozent schaffen, weil in der Vergangenheit teilweise Versprechen bis zu vier Prozent gegeben wurden. Bei sicheren Wiederanlagezinsen wie derzeit von drei Prozent oder darunter erreicht der eine oder andere Versicherer diese Schwelle schneller als gedacht. Mathematiker wie Axel Kleinlein aus Berlin befürworten daher auch mit Blick auf schwache Versicherer, den Garantiezins auf 1,75 Prozent zu senken.
Noch mehr als eine ausgeprägte Niedrigzinsphase an den Märkten fürchten die Versicherer jedoch stark steigende Inflationsraten. Denn damit gehen höhere Zinsen einher, was oft zu Fluchtbewegungen der Kunden führt - raus aus Versicherungen, rein in Bankprodukte. Die Gefahr dabei: Schwachen Versicherern könnte das Geld ausgehen.
Hauptgrund: Der Garantiezins wirkt wie ein Korsett. Versprochen werden Zinsen für bis zu 70 Jahre. Doch niemand kann solche Zeiträume übersehen. Oskar Goecke von der Fachhochschule Köln sagt daher: "Die hohen Garantieverpflichtungen zwingen die Versicherer zur Anlage in weniger rentable Normalpapiere; anziehende Inflationsraten können dann das Ziel der kapitalgedeckten Altersvorsorge massiv gefährden."
Verbraucherschützer raten von Lebensversicherungen ab
Das Finanzministerium sitzt nun zwischen den Stühlen. Einerseits will man die Stabilität der Branche gewährleisten, andererseits die Anleger schützen. Bis Mitte des Monats überlegen die Beamten. Doch die Tendenz scheint klar: "Ein realistischer Höchstrechnungszins", sprich Garantiezins, sei insbesondere auch im Interesse der Verbraucher, die dann weiterhin verlässlich die Ablaufleistung ihrer Lebensversicherung in ihre Vermögensplanung einkalkulieren könnten, sagt eine Sprecherin des Ministeriums. Es bleibe den Versicherungen ja unbenommen, einen höheren Zins als den Garantiezins zugunsten der Kunden zu erwirtschaften.
Damit spielt das Ministerium den Ball zurück und beschleunigt genauso die brancheninterne Debatte.
Der Versicherungsfachmann Carsten Zielke von Société Générale rät etwa, ganz auf die Garantie zu verzichten. In Frankreich kämen die Versicherer damit auch zurecht. Hochschullehrer Goecke empfiehlt, zeitlich begrenzte Garantien zu entwickeln, etwa für fünf oder zehn Jahre. Dann könnten Versicherer auch wieder stärker in Aktien investieren, was zuletzt wegen des Garantiekorsetts unmöglich war. Deshalb ging der Aufschwung an den Börsen auch an der Branche vorbei.
Der Bund der Versicherten (BdV) rät sogar "bereits seit Jahren von einem Neuabschluss klassischer Kapitallebens- und Rentenversicherungen ab. Aus unserer Sicht sind die Verträge unrentabel, unflexibel und intransparent", sagt Vorstand Torsten Rudnik.
Die Versicherungsmanager kennen alle Schwächen ihrer Produkte genau. Doch sie zögern weiter, die Grundsatzfrage offen anzusprechen: Brauchen Lebensversicherer überhaupt noch Garantien? Ein Branchenkenner beschreibt die Konflikte: "Garantien kosten Geld. Ist der Verbraucher bereit, dafür zu zahlen? Garantien setzen eine bestimmte Anlagenstruktur voraus. Hat jeder Versicherer die Kompetenz dafür?" Das Finanzministerium muss durch seine Entscheidung nun den Spagat zwischen den Interessen leisten. Verbraucher wollen hohe Garantien, die Versicherer Spielraum, damit sie auch die nächste Krise heil überstehen.
bezüglich der unverhältnismäßigen vergütung der vertriebsmitarbeiter und damit der unverschämten ertragsbeschneidung der kunden kann ich dem 1. kommentar nur beipflichten. wenn die versicherer
ihr geschäft nicht gänzlich abwürgen wollen, sollte
dies schleunigst geändert werden. aber wahrscheinlich flüchtet man lieber in die pleite,
als von ganz liebgewonnenen gewohnheiten abzuweichen.
Wenn die Versicherer jetzt rumjammern, sie könnten die Garantiezinsen von bis zu 4% angesichts der aktuell niedrigen Kapitalmarktzinsen nicht mehr schultern, darf man sie ruhig daran erinnern, dass dieses Versprechen in fetten Jahren abgegeben wurde.
Hätten sie die Gelder ihrer Kunden in der Dekade, wo die Umlaufrendite bei 6-9% lag, entsprechend angelegt, statt sie in die gefräßigen Mäuler ihres Vertriebs und ihrer Aktionäre zu stopfen, müssten sie nicht schon nach 2 Jahren Finanzmarktkrise den Offenbarungseid leisten. bin gespannt, wann es zu krachen beginnt.
Die Finanzpolitik des Wohlfahrtstaates macht es erforderlich, dass es für Vermögensbesitzer keine Möglichkeit gibt, sich zu schützen. Dies ist das schäbige Geheimnis, dass hinter der Verteufelung des Goldes durch die Vertreter des Wohlfahrtstaates steht. Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die "versteckte" Einteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es beschützt Eigentumsrechte.
Wenn man das einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer zu verstehen, warum die befürworter des Wohlfahrtstaates gegen den Goldstandard sind. (Allan Greenspan 1966 Gold und Wirtschaftliche Freiheit)





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