
DüsseldorfDie Lebensversicherer haben schwere Jahre vor sich. Das hat die Ratingagentur Assekurata in einer Umfrage festgestellt. Befragt wurden 69 Unternehmen, nahezu alle, die in diesem Markt wichtig sind. Das Ergebnis ist erschütternd.
„Insgesamt sieht die Branche für sich geringere Wachstumschancen“, stellt die Ratingagentur fest. Insbesondere im konventionellen Geschäft gehe die Erwartung zurück – gemeint ist der Verkauf von klassischen Lebensversicherungen mit einem Garantiezins. Dieses negative Bild zeige sich im Rückgang der Deklarationen, insbesondere der Überschussbeteiligung.
Die Ratingagentur Assekurata hat zum elften Mal ihre Analyse zur Gewinnbeteiligung deutscher Lebensversicherer vorgelegt. 69 Unternehmen nahmen in diesem Jahr teil. Das entspricht einem Marktanteil von 94,14 Prozent.
Die Studie 2013 kann auf der Internetseite www.assekurata.de bestellt werden. Assekurata nimmt bei seinen Berechnungen Musterverträge mit 25 Jahren Laufzeit an.
Alte Zusagen schmerzen: Knapp zwei Drittel der Verpflichtungen deutscher Lebensversicherer müssen mit einem garantierten Zins von mindestens 3,00 Prozent bedient werden. Die durchschnittliche Garantiezinsanforderung der Bestände liegt noch bei 3,15 Prozent.
Wegen des niedrigen Zinsniveaus mussten die Lebensversicherer auch im Jahr 2012 eine zusätzliche Nachreservierung der Verträge mit einem Garantiezins von 4,00 Prozent vornehmen.
Bald sind weitere Nachschläge erforderlich, dafür reicht es, wenn die Zinsen so bleiben wie sie sind. In diesem Fall müssen auch Verträge mit einem Garantiezins von 3,5 Prozent zusätzlich gesichert werden.
Von 66 Gesellschaften senken 58 für 2013 ihre laufende Verzinsung (auch Überschussbeteiligung genannt) gegenüber dem Vorjahr. Kein Unternehmen hebt sie an.
In der privaten Rentenversicherung wird im Durchschnitt eine laufende Verzinsung in Höhe von 3,61 Prozent gewährt. Im Vorjahr lag der Wert bei 3,91 Prozent.
Für einen Mustervertrag einer privaten Rentenversicherung geht die Gesamtverzinsung bei Bewertungsreserven gleich Null um 0,32 Prozentpunkte auf 4,24 Prozent zurück. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Rückgang damit mehr als verdoppelt.
Bei allen untersuchten Produktarten werden durchschnittlich rund 15 Prozent der Überschüsse über die deklarierten Schlussüberschüsse erbracht. Ausnahme ist die Riester-Rente mit rund 13 Prozent. In der Spitze können bei einzelnen Anbietern bis zu 50 Prozent der Ablaufleistungen aus Schlusszahlungen kommen.
Die Bewertungsreserven im Markt haben infolge der Niedrigzinsphase gegenüber dem Vorjahr deutlich zugenommen.
Sowohl für die laufende Verzinsung als auch für die Gesamtverzinsung bei Bewertungsreserven gleich Null gibt es keinen marktweit einheitlichen Zinsträger. Durch die Wahl des Zinsträgers verbessern (32 Unternehmen) und verschlechtern (sieben Unternehmen) sich die Deklarationssätze einzelner Anbieter optisch. Die Kunden sollten sich besser an den illustrierten Beitragsrenditen orientieren.
Für den Mustervertrag einer aufgeschobenen Rentenversicherung stagniert die garantierte Beitragsrendite mit durchschnittlich 0,92 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres und unterschreitet die aktuelle Inflationsrate.
Die Versicherer rechnen den Kunden gerne vor, was raus kommt, wenn die Zinsen so bleiben wie heute. Das ist unverbindlich und nicht mehr als ein Versprechen. Auch daraus lassen sich Beitragsrenditen errechnen. Mit durchschnittlich 3,37 Prozent (Vorjahr 3,65 %) liegen diese auf einem geringeren, „wenngleich gegenüber vergleichbaren Alternativanlagen weiterhin wettbewerbsfähigen Niveau“, urteilt Assekurata.
30-jährige Verträge haben sich effektiv mit durchschnittlich 5,21 Prozent rentiert, 12-jährige Verträge dagegen nur mit 3,45 Prozent.
Kunden, die sich für das Lebensversicherungssparen entscheiden, sollten über einen langen Zeitraum vorsorgen, ihren Vertrag bis zum Ende durchhalten und der Anbieterauswahl einen besonderen Stellenwert beimessen, rät Assekurata.
Der Assekurata-Ausblick für die Entwicklung der Überschussbeteiligung bleibe kritisch. „Die Lebensversicherungsbranche ist im Korsett der politischen Niedrigzinsen eingezwängt“, stellt die Ratingagentur fest. Infolgedessen habe die Absicherung der Garantieverzinsung in den Beständen oberstes Gebot.

Das bedeutet: Der Garantiezins soll auf jeden Fall dauerhaft erwirtschaftet werden. Damit dies absolut sichergestellt werden kann, müssen die Unternehmen zusätzliches Geld zurücklegen. In der Branche nennt man das ein steigendes „Nachreservierungsvolumen“. Diese Rücklage habe sich 2012 deutlich erhöht, stellte Reiner Will, Geschäftsführer der Assekurata in Köln fest.
Nach den Berechnungen von Assekurata mussten die Lebensversicherer zum 31.12.2012 absolut gesehen rund fünf Milliarden Euro bereitstellen. Branchenweit waren der Zinszusatzreserve zum 31.12.2011 erstmals bereits etwa 1,5 Milliarden Euro zugeführt worden. „Aller Voraussicht nach werden die Lebensversicherer in dem derzeitigen politischen Zinsumfeld auch in den nächsten Jahren umfangreiche Beträge in die Zinszusatzreserve einstellen müssen“, erwartet der Branchenkenner Will.
Dafür müssen die Zinsen noch nicht einmal weiter sinken. Es reicht schon, wenn sie auf dem aktuellen Niveau bleiben.
Die jährliche Zinsgutschrift der Lebensversicherer heißt Überschussbeteiligung. Sie setzt sich zusammen aus dem Garantiezins und einem Bonus. Derzeit beträgt der Garantiezins 1,75 Prozent. In alten Verträgen kann er bis zu vier Prozent betragen.
Die Lebensversicherer weisen neben der Überschussbeteiligung gerne noch die Gesamtverzinsung eines Vertrags aus, der im nächsten Jahr ausbezahlt wird. Diese Prozentzahl ist etwas höher, weil der Kunde noch einen Zuschlag aus weiteren Gewinntöpfen der Lebensversicherer erhält - weil er bis zum Ende durchgehalten hat.
Analysten erwarten, dass die Überschussbeteiligung für 2013 weiter sinken wird – von knapp vier Prozent in diesem Jahr auf etwa 3,6 Prozent im nächsten Jahr. Einen Überblick liefert die Ratingagentur Assekurata.
Die Zinsgutschriften der Lebensversicherungen fallen seit mehr als einem Jahrzehnt. Ursache ist der starke Rückgang der Kapitalmarktzinsen.
Der Branchenführer Allianz senkt die Überschussbeteiligung von 4,0 auf 3,6 Prozent und verabschiedet sich damit von der magischen Vier-Prozent-Marke.
Für die klassischen Renten- und Lebensversicherungen von AXA und DBV wird die laufende Verzinsung (Garantieverzinsung plus Zinsüberschussanteil) im kommenden Jahr bei 3,65 Prozent liegen (2012: 3,8 Prozent). Die Gesamtverzinsung 2013 wird einschließlich des Kostenüberschussanteils, des Schlussgewinnanteils und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven im Schnitt 4,4 Prozent erreichen (2012: 4,6 Prozent).
Für Ergo Leben sinkt die Überschussbeteiligung auf 3,2 von 3,8 Prozent, für Victoria Leben auf 3,0 von 3,5 Prozent. Die Gruppe verwaltet mehr als sieben Millionen Verträge. Ähnlich schlecht ist der große Versicherer Zurich mit 3,0 Prozent.
Der mittelgroße, aber sehr kapitalstarke Lebensversicherer senkt die Überschussbeteiligung ebenfalls stark von 3,85 Prozent auf 3,35 Prozent. Der Vorreiter der Branche im Jahr 2012.
Die Kunden des Landeslebenshilfe V.V.a.G. (LLH) erhalten für ihre Guthaben in 2013 eine laufende Verzinsung von 4,25 Prozent und damit eine seit Jahren überdurchschnittlich hohe Überschussbeteiligung. Einschließlich Schlussüberschussbeteiligung werde sich eine Gesamtverzinsung von durchschnittlich 5,0 Prozent ergeben, die damit weiterhin deutlich über dem Marktniveau liegen werde, teilte der Versicherer mit. Noch etwas besser ist Targo mit 4,3 Prozent.
Aus Kundensicht ist das schlecht: Weil die Lebensversicherer mehr Rücklagen bilden müssen, bleibt weniger für die Vertragsinhaber übrig. Will wundert sich daher gar nicht, dass die Überschussbeteiligung branchenweit erneut deutlich gesunken ist. „Die Garantieanforderungen in den Beständen belasten die Rohüberschüsse empfindlich“, erklärte Will. „Die deutliche Absenkung bei der laufenden Verzinsung wird dadurch nachvollziehbar.“

Man muß sich doch nur die von Standard Life völlig fehlkalkulierten Airbag-Tarife anschauen mit den man auf den deutschem Markt Fuß fassen wollte und die man aufgrund der Fehlkalkulierten dann wieder eingestampft hat.
Seitdem überlässt Standard Life den lukrativen BU-Markt lieber wieder deutschen Unternehmen die rechnen können.
Man muß sich doch nur die von Standard Life völlig fehlkalkulierten Airbag-Tarife anschauen, mit den man damals auf den deutschem Markt Fuß fassen, wollte und die man dann aufgrund der Fehlkalkulationen wieder eingestampft hat.
Seitdem überlässt Standard Life den lukrativen BU-Markt lieber wieder deutschen Unternehmen die rechnen können.
Den schwarzen Peter haben allerdings die vielen Altkunden von Standard Life die im Leistungsfall die Nichtleistungsabteilung von Standard Life kennen lernen: Nur weil sie vollständig erwerbsunfähig sind heißt dass für uns doch nicht das sie auch berufsunfähig sind. Wir sehen keinen Grund für weitere Gespräche.
Und dagegen ist selbst die Nürnberger noch eine zahlungswillige Versicherung!

Surprise, surprise - Kapitaldeckung ist wesentlich anfälliger für negative Realzinsen, Staatspleiten und Wechselkursmanipulationen. Also doch wieder die gesetzliche Rente stärken? Die Kosten des "demografischen Wandels" müssen so oder so bezahlt werden. Die private Vorsorge hat lediglich die Arbeitgeber aus ihrer Beteiligung daran entlassen. Angesichts steigender Arbeitsproduktivität und Lohnerhöhungen unter diesem Produktivitätsfortschritt ein Skandal!






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