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Schlechte Prognose für die Lebensversicherung

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Verzinsung von Rentenversicherung auf historischem Tief

So liegt die Verzinsung privater Rentenversicherung auf einem historischen Tiefststand. 2013 sinke die Gutschrift der wichtigsten Tarifart im Neugeschäft auf 3,61 %. Im Vorjahr hatte diese erstmals die Vier-Prozent-Marke unterschritten und bei 3,91 % notiert.

Wie gefährdet sind Lebensversicherungen? Die Antworten der Regierung

  • Lage

    Die Kapitalmärkte beeinflussen entscheidend, ob Lebensversicherer auf mittlere die Risiken tragen können, urteilen Experten aus Politik und Finanzministerium in einer gemeinsamen Sitzung.

    Quelle: Protokoll vom 26. Oktober 2012

  • Risiko (1)

    eine lang Phase mit niedrigen Zinsen, das wären sogenannte japanische Verhältnisse.

  • Problem

    Die Kapitalanlagen der Branchen sind vorwiegend Zinstitel und laufen in der Regel nicht so lang wie die abgeschlossenen Verträge. Damit sinkt die Rendite der Kapitalanlagen schneller als die durchschnittlichen Zinsverpflichtungen gegenüber den Kunden. Gelder aus auslaufenden Schuldverschreibungen können nur zu einem geringeren Zinssatz wieder angelegt werden.

  • Garantiezins

    Der Garantiezins in der deutschen Lebensversicherung ist deutlich gesunken:

    1994: 3,5 %

    1995-6 bis 2000: 4 %

    7/2000 bis 2003: 3,25 %

    2004-2006: 2,75 %

    2007-2011: 2,25 %

    Ab 2012: 1,75 %

     

  • Prognose

    Eine anhaltende Niedrigzinsphase alleine bringt bis 2018 keinen deutschen Lebensversicherer in Schwierigkeiten. Die Unternehmen könnten bis zum Jahr 2025 eine Nettoverzinsung oberhalb des mittleren Rechnungszinses erzielen. Allerdings müssten sie bis zum Jahr 2020 zusätzliche Mehraufwendungen von insgesamt 61 Milliarden Euro für den Aufbau der Zinszusatzreserve leisten.

  • Gefahr

    Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Unternehmen künftig in Schwierigkeiten geraten können.

  • Risiko (2)

    Die Inflationsraten gehen hoch und damit auch die Zinsen. Experten sprechen vom Inflationsszenario.

  • Problem

    In solch einem Umfeld können die Lebensversicherer ihre Überschussbeteiligung nicht schnell erhöhen. Daher könnte es für Kunden attraktiver sein, ihre Lebensversicherung zu kündigen, also zu stornieren. Wenn viele das tun, entsteht ein „Run“.  

  • Teufelskreis

    Da bei hohen Storno-Raten Kapitalanlagen veräußert werden müssen, um die garantierten Rückkaufswerte zu bezahlen, müssen manche Versicherer stille Lasten realisieren. Im Extremfall fehlen dann auch Mittel, um die Verpflichtungen aus den im Bestand verbleibenden Versicherungsverträgen zu erfüllen.

Der Abwärtstrend bei der laufenden Überschussbeteiligung habe sich sogar beschleunigt. So falle die laufende Verzinsung bei den Rentenversicherungen um 0,30 Prozentpunkte gegenüber 0,15 Prozentpunkten im Vorjahr.

Von den Absenkungen seien alle betrachteten Produkte betroffen. Der Durchschnitt der laufenden Verzinsung über alle untersuchten Tarifgenerationen und Produktarten gehe von 3,92 Prozent auf aktuell 3,68 Prozent zurück.

Für Kunden entscheidend sind weniger die Deklarationen der Versicherer, sondern eine andere Kennziffer. „Einen besseren Vergleich ermöglichen Darstellungen von Beitragsrenditen, weil sie eine einheitliche Bezugsgröße haben“, erklärte Will.

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In der Studie 2013 untersuchte Assekurata deshalb wieder sowohl die garantierte als auch die Beitragsrendite anhand einer unverbindlichen Beispielrechnung. Im Ergebnis liegt die Beitragsrendite unter Berücksichtigung aller deklarierten Überschussanteile im arithmetischen Mittel bei 3,37 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 3,65 Prozent.

Eine Trendumkehr sieht Assekurata nicht. „Die Lebensversicherer und ihre Kunden leiden unter der Kapitalmarktsituation, die durch politische Zinsen geprägt ist“, stellte Will heraus. „Deutliche Indikatoren für eine Trendumkehr sind nicht erkennbar.

Was Lebensversicherte wissen sollten

  • Wie hoch ist der Garantiezins?

    1,25 Prozent – so viel (oder wenig) Verzinsung garantieren deutsche Lebensversicherer Neukunden noch ab dem 1.1.2015. Zuvor lag der Garantiezins noch bei 1,75 Prozent (ab 2012) beziehungsweise 2,25 Prozent (ab Juli 2000). Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent, ab 2007 bei 2,25 Prozent.

  • Warum wurde der Garantiezins gesenkt?

    Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig  vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.

  • Wie wirkt die Absenkung auf die Rendite?

    Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Damit liegt die Beitragsrendite bezogen auf den Garantiezins ab 2012 je nach Kostenquote der Versicherer aber deutlich unter 1,75 Prozent. Ein Inflationsausgleich durch den Garantiezins wird gleichzeitig schwerer. Versicherte müssen daher auf eine attraktive Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.

  • Was bestimmt neben dem Garantiezins die Rendite einer Police?

    Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für die Jahre 2012, 2013 und 2014 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung. Die Renditen der Vergangenheit variieren je nach Laufzeit zwischen gut drei Prozent für zwölfjährige Verträge und knapp fünf Prozent für 30jährige Policen.

  • Welche Rolle spielen die Kosten?

    Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. Bei Direktversicherern gehen gut sieben bis acht Prozent der Beiträge dafür drauf, bei vertriebstarken Gesellschaften 12 bis 15 Prozent. Die teuersten Gesellschaften verlangen sogar bis zu 18 Prozent. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.

     

  • Welche Auswirkungen hat die Garantiezinssenkung für Bestandskunden?

    Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.

  • Was hält die Branche von der Senkung?

    Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) wollte die Absenkung unter die psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent verhindern. Die Policen werden unter Renditegesichtspunkten in Zukunft noch weniger attraktiv. Die Branche fürchtet vor allem Probleme beim Verkauf klassischer Policen.

  • Droht in Zukunft eine weitere Senkung?

    Für das Jahr 2015 ist eine weitere Senkung des Garantiezinses im Gespräch. Entschieden ist das aber noch nicht.

  • Ist der Abschluss einer Lebensversicherung noch attraktiv?

    Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.

    Auch für die Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. 

Die Kunden müssen daher weiterhin mit niedrigen Gewinnbeteiligungen beziehungsweise sogar noch weiter sinkenden Renditen rechnen.“ Denn sollte sich der Zins nicht nach oben bewegen, würden die Mittel, die für die Bildung von Zinszusatzreserven benötigt werden, ansteigen.

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  • 09.02.2013, 05:56 UhrSL-Kunde

    Man muß sich doch nur die von Standard Life völlig fehlkalkulierten Airbag-Tarife anschauen mit den man auf den deutschem Markt Fuß fassen wollte und die man aufgrund der Fehlkalkulierten dann wieder eingestampft hat.
    Seitdem überlässt Standard Life den lukrativen BU-Markt lieber wieder deutschen Unternehmen die rechnen können.
    Man muß sich doch nur die von Standard Life völlig fehlkalkulierten Airbag-Tarife anschauen, mit den man damals auf den deutschem Markt Fuß fassen, wollte und die man dann aufgrund der Fehlkalkulationen wieder eingestampft hat.
    Seitdem überlässt Standard Life den lukrativen BU-Markt lieber wieder deutschen Unternehmen die rechnen können.
    Den schwarzen Peter haben allerdings die vielen Altkunden von Standard Life die im Leistungsfall die Nichtleistungsabteilung von Standard Life kennen lernen: Nur weil sie vollständig erwerbsunfähig sind heißt dass für uns doch nicht das sie auch berufsunfähig sind. Wir sehen keinen Grund für weitere Gespräche.
    Und dagegen ist selbst die Nürnberger noch eine zahlungswillige Versicherung!

  • 25.01.2013, 08:08 UhrRDA

    Surprise, surprise - Kapitaldeckung ist wesentlich anfälliger für negative Realzinsen, Staatspleiten und Wechselkursmanipulationen. Also doch wieder die gesetzliche Rente stärken? Die Kosten des "demografischen Wandels" müssen so oder so bezahlt werden. Die private Vorsorge hat lediglich die Arbeitgeber aus ihrer Beteiligung daran entlassen. Angesichts steigender Arbeitsproduktivität und Lohnerhöhungen unter diesem Produktivitätsfortschritt ein Skandal!

  • 24.01.2013, 23:13 Uhrgregorius007

    schon mal VAG §89 gelesen?

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