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Berufsunfähigkeits-Policen: „Ein Fake, ein einziger Blödsinn“

exklusivViele Deutsche können sich wegen hoher Kosten nicht vor Berufsunfähigkeit schützen. Die Bundesregierung möchte das ändern. Doch Experten halten die Pläne für untauglich. Womit Versicherte jetzt rechnen müssen.

Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg. Fotoquelle: Franke und Bornberg / Neuenhausen
Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg. Fotoquelle: Franke und Bornberg / Neuenhausen

DüsseldorfViele Handwerker haben einen harten Job. Irgendwann machen der Rücken oder die Gelenke nicht mehr mit. Maurer oder Maler werden deshalb viel schneller berufsunfähig als Mathematiker oder Ingenieure.

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Gerade für Handwerker wäre daher eine Berufsunfähigkeitsversicherung eine feine Sache. Doch oft bekommen Menschen in Berufen mit starker körperlicher Belastung gar keinen vernünftigen Schutz. Und wenn eine Versicherung doch dazu bereit ist, dann ist der Vertrag oft so teuer, dass viele ihn gar nicht erst abschließen.

Berufsunfähigkeit Überschätzen Sie ihre Versicherung nicht!

Eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit ist nicht so unentbehrlich wie behauptet.

An diesem Problem möchte die Regierung gerne etwas ändern. Deshalb plant sie, den Abschluss von Berufsunfähigkeitspolicen stärker zu fördern. Doch nach Ansicht von Experten wird das nun denkbar falsch umgesetzt.

Die Folge könnte sein: Denen, die solch eine Versicherung brauchen, bringt die neue Förderung wohl nichts. „Die Vorschläge sind ein Fake, ein einziger Blödsinn“, schimpft dementsprechend Michael Franke, der Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg GmbH in Hannover.

Berufsunfähigkeit Die gefährlichsten Berufe Deutschlands

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„Die im Gesetzentwurf gestellten Anforderungen verhindern das wichtigste Ziel: die Verfügbarkeit geförderter Vorsorge für möglichst viele Verbraucher, insbesondere für Verbraucher mit erhöhter Invalidisierungswahrscheinlichkeit“, sagt der Branchenkenner.

Er hat eine Stellungnahme zum Entwurf des Gesetzes zur Verbesserung der steuerlichen Förderung der privaten Altersvorsorge (Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz – AltvVerbG) verfasst. Doch ob seine Kritik gehört wird? Da hat er wenig Hoffnung.

Extreme Prämien: Berufsunfähigkeitsversicherung

  • Beispiel

    Zahlbeitrag für eine Berufsunfähigkeitsrente von 1.500 Euro
    Quelle: Franke und Bornberg

  • Bemessungsgrundlage

    ein Mathematiker mit einem Zahlbeitrag von 70,68 Euro pro Monat

  • Günstig

    ein Diplom-Ingenieur zahlt nicht viel mehr: 77,45 Euro

  • Finanzierbar

    ein Personalfachwirt käme auf 83,95 Euro

  • Machbar

    Auch ein technischer Zeichner gehört zu einer Berufsgruppe, die noch weniger als 100 Euro zahlt: 99,53 Euro

  • Ein Drittel mehr

    Bürokauffrauen zahlen überraschend viel: 106,67 Euro

  • Teure Übersetzung

    Dolmetscher kommen auf 115,50 Euro

  • Schlecht versichert

    Sozialversicherungsangestellte zahlen fast doppelt so viel wie ein Mathematiker: 132,10 Euro

  • Doppelter Beitrag

    Elektriker kommen auf 151,71 Euro

  • Keine Prozente

    Von Winzer verlangen Versicherer sogar 172,20 Euro

  • Dreifacher Beitrag

    Richtig teuer wird es für Schlosser: 208,02 Euro

  • Vierfacher Beitrag

    Nichts gegen Maler; die sogar das Vierfache eines Mathematiker zahlen: 280,07 Euro

  • Mehr als das Fünffache

    Keine Chance auf eine bezahlbare Berufsunfähigkeitsversicherung dürften Maurer haben: 395,61 Euro sind mehr als fünf Mal soviel wie beim Mathematiker.

Schon heute sei die Berufsunfähigkeitsversicherung für körperlich Tätige kaum mehr bezahlbar, stellt Franke fest. Nun komme die Regierung mit Vorgaben, die willkürlich erschienen und in die falsche Richtung gingen. Was die Regierung nun festschreiben wolle, biete ein Großteil der angebotenen Berufsunfähigkeitsversicherungen bereits, so Franke.

  • 14.01.2013, 15:42 UhrDerBernd

    Im Gemüsemarkt achtet man auf Wettbewerb. Das kg ist geeicht und die Kartoffeln sind in Güteklassen eingeteilt, so dass der Verbraucher Preis und Leistung vergleichen kann, um das für ihn beste Angebot auszuwählen.

    Warum gibt es das nicht im Finanz- und Versicherungsmarkt?

    Man hat den Eindruck das Parlament unterstützt das Schummeln der Großkonzerne. Kein Verbraucherschutz, keine Förderung des Wettbewerbs stattdessen Branchen- und Klientelpolitik, Vorteilsgewährung - wie den Fürsten vor 1000 Jahren.

  • 14.01.2013, 16:28 UhrKommissar

    Die Kritik von Herrn Franke ist absolut berechtigt, sollte aber m. E. noch um den Punkt der katastrophalen Annahmepolitik der Gesellschaften ergänzt werden.

    Der extreme Wettbewerb hat nachweislich in den vergangenen Jahren zu immer günstigeren Prämien und besseren Bedingungen geführt, leider um den Preis der Tatsache, dass fast niemand mehr den Schutz ohne Ausschlussklausel bekommt, wenn sie/er bei den Gesundheitsfragen bei der Wahrheit bleibt.

    Allerwelts-Allergie wie Heuschnupfen führt schnell zum generellen Ausschluss Atemwegserkrankungen, ein leichhtes Zwacken im Rücken so gut wie immer zum Ausschluss Wirbelsäulenerkrankungen.

    Bei 40-jährigen beträgt die Wahrscheinlichkeit, normal versichert zu werden, ungefähr 10%.

  • 14.01.2013, 20:31 UhrWelcher_Versicherung_vertrauen

    Die Regierung sollte unbedigt eine Statistik pflegen und veröffentlichen, die Anzahl von Auszahlungen im Leistungsfall der einzelnen Versicherungen anzeigt, im Vergleich zu den verweigerte Auszahlungen bei einer Berufsunfähigkeit, um eine Orientierung bei der Wahl eines Anbieters zu erhalten.

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