
FRANKFURT. Der Anstieg der Pensionsverpflichtungen hat 2009 die Erträge der extern gemanagten Pensionsvermögen großer deutscher Firmen wettgemacht. Dies ergeben Auswertungen der Geschäftsberichte der Dax-Unternehmen durch Unternehmensberatungen. Die Rentenlasten der Unternehmen sind ähnlich wie Ende 2008 im Mittel zu zwei Dritteln mit externen Vermögen gedeckt. Vor allem wegen der deutlich gesunkenen Kapitalmarktzinsen sind die Pensionsverpflichtungen der Dax-Firmen 2009 um 14 Prozent gestiegen und betrugen laut der Unternehmensberatung Towers Watson (TW) 214 Milliarden Euro. Die Beratungsgesellschaft Mercer ermittelte 216 Milliarden Euro.
Firmen setzen Pensionslasten in ihren Bilanzen mit einem Barwert an, für den sie künftig fällige Betriebsrenten mit Hilfe eines Rechnungszinses abdiskontieren. Dieser Zins, der sich aus der Rendite langfristiger hochwertiger Firmenbonds zusammensetzt, ist 2009 um 0,6 Prozentpunkte gefallen. Für Thomas Jasper, Chef-Berater bei Towers Watson Deutschland, ist das eine "Normalisierung" nach dem krisenbedingten Zinsanstieg 2008.
Unternehmen finanzieren ihre Betriebsrenten grundsätzlich auf zwei Wegen. Vor allem größere Firmen lagern Vermögen in Treuhandgesellschaften (Contractual Trust Arragements, CTA) oder Pensionsfonds aus, um die Rentenzahlungen besser kalkulieren zu können und bilanzielle sowie steuerliche Vorteile mitzunehmen. Die meisten Unternehmen finanzieren ihre Betriebsrenten allerdings intern und nutzen das Rentenvermögen operativ. Viele Firmen mischen die Systeme, wie die unterschiedlichen Deckungsgrade zeigen.
Das Vermögen, das die Firmen zur Finanzierung der Betriebsrenten in Treuhandgesellschaften und Pensionsfonds ausgelagert hatten, wuchs 2009 im gleichen Ausmaß wie die Pensionslasten. Es stieg um gut 14 Prozent auf rund 140 Milliarden Euro. Dafür sind vor allem Anlageerträge und neues Kapital der Firmen von knapp 9 Milliarden Euro verantwortlich.
Dank der höheren Erträge konnten die Dax-Unternehmen den Deckungsgrad der Verpflichtungen mit Pensionsvermögen bei 65 Prozent (Mercer) bzw. 66 Prozent (TW) nahezu halten. "Die Entwicklung der Pensionsvermögen hat ein weiteres Absinken des Deckungsgrades verhindert. 2007 lag er noch bei 71 Prozent. Der Vermögensverlust infolge der Finanzmarktkrise ist jedoch deutlich geringer als zunächst befürchtet", sagt Thomas Hagemann von Mercer. Die Dax-Unternehmen hatten 2008 ihren Anteil in den stark im Wert schwankenden Aktien deutlich auf unter ein Viertel reduziert und ihren Anteil in Anleihen auf gut 60 Prozent hochgefahren. Diese Struktur haben die Firmen laut TW im Durchschnitt beibehalten. Allerdings hätten viele Firmen ihre Aktienquote wieder erhöht, andere dagegen ihre Vermögensseite mit Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten stärker auf die Fälligkeit von Rentenzahlungen abgestimmt, sagt Jasper. Insgesamt hatte TW für 2009 mit einer stärkeren Belastung des Eigenkapitals durch Pensionspläne gerechnet. Nicht durch Vermögen gedeckte Pensionslasten müssen in der Bilanz mit Eigenkapital unterlegt werden.
Die Manager der Pensionseinrichtungen kritisieren die starken zinsbedingten Schwankungen der Pensionslasten. "Eine längerfristige Betrachtung der sehr langfristigen Verpflichtungen in der Bilanz wäre sehr hilfreich", sagt Peter Hadasch, Vorstand der Nestlé Pensionskasse. Er schlägt vor, einen geglätteten statt einen stichtagsbezogenen Rechnungszins zu verwenden. Dann könnte man die Aktienquote erhöhen und längerfristig höhere Erträge erzielen, sagen Experten.





