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Die Maschen der Neinsager: Versichert und verkauft

Vor kurzem hat eine Insiderin bei Handelsblatt Online ausgepackt, wie Versicherer ihre Kunden bei Schadenfällen systematisch übervorteilen. Nun zeigen wir Ihnen die dreistesten Fälle - und wie Sie sich wehren können.

DüsseldorfFußball ist kein Klostersport. Diese Thekenweisheit musste ein bayerischer Kicker auf schmerzhafte Weise am eigenen Leibe erleben. Beim Versuch den Ball wegzuschlagen, sprang er rund 1,20 Meter in die Höhe. Als er wieder auf dem Rasen landete, zog er sich einen schweren Bruch am Schienenbein zu, der zu einem Dauerschaden führte.

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Dass der Unfall kein Unfall sei, musste der Sportler von seinem Versicherer lernen. Trotz Unfallpolice wollte die Gesellschaft nicht zahlen. Der Unfallversicherer lehnte eine Regulierung des Schadens ab, weil es sich nicht um ein plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis handeln sollte. Der Versicherte musste bis vors Oberlandesgericht München ziehen, um zu seinem Recht zu kommen (Az. 25 U 5554/10).

Die lapidare Begründung der Richter: Der Versicherungsnehmer konnte nicht erwarten, dass er sich beim Aufprall verletzten würde. Daher beherrschte er den Vorgang nicht. „Wenn der Betroffene bemerkt, dass die Versicherung sich auf solche juristischen Formalien wie in diesem Fall zurück zieht, sollten sich die Kunden kompetenten Rat suchen,“ rät der Rechtsanwalt Tobias Strübing von der Berliner Kanzlei Wirth.

Anwältin für Versicherungsrecht „Fair würde ich keinen Versicherer nennen“

Beatrix Hüller war Sachbearbeiterin in einer Versicherung.

Anwältin für Versicherungsrecht: „Als fair würde ich keinen Versicherer bezeichnen“

Sind Ablehnungen von Leistungen in der Versicherungswirtschaft nur eine notwendige Begleiterscheinung? Oder steckt System dahinter? Der Streit darüber tobt zwischen den Lobbyisten und den Kritikern der Branche. Als der NDR Anfang September seinen aufsehenerregenden Film „Die Neinsager“ gesendet hatte, reagierte der Branchenverband GDV denn auch prompt.

„Es gibt keine Strategie der Versicherer, bei berechtigten Schadenansprüchen Leistungen zu verhindern oder auf die lange Bank zu schieben – im Gegenteil“, lautete die Gegenrede der Versicherer auf einen Film, der viele aufgewühlt hatte und wie eine Pauschalanklage gegen die Branche wirkte.  

Auch Versicherer hätten ein Interesse an zügiger Regulierung und spielten nicht auf Zeit, so der GDV. Die Versicherer seien überdies durch das Versicherungsvertragsgesetz nicht zuletzt verpflichtet, Schäden möglichst rasch zu regulieren.

Sorgfältige Prüfung von Schadenfällen sei überdies im Interesse aller Versicherten. Zu unberechtigten Leistungsauszahlungen dürfe es nicht kommen, egal um welche Versicherung es sich handelt. Denn jede Leistung trage das Versichertenkollektiv.

Neinsager? Die Versicherer wehren sich gegen den Stempel

  • Die Vorwürfe

    „Die Vorwürfe sind massiv, sie zielen auf die gesamte Versicherungsbranche: „Perfide Tricks“ werfen die Reporter in der ARD-Sendung „Die Nein-Sager“ vom 4. September den Versicherungen vor. Sie würden „verzögern und verschleiern“ und strategisch Ansprüche von Versicherten ablehnen.“

    Quelle: GDV

  • Die Klarstellung

    Der GDV stellt klar: „Es gibt keine Strategie der Versicherer, bei berechtigten Schadenansprüchen Leistungen zu verhindern oder auf die lange Bank zu schieben – im Gegenteil."

    Auch Versicherer hätten ein Interesse an zügiger Regulierung und spielten nicht auf Zeit. Die Versicherer seien durch das Versicherungsvertragsgesetz nicht zuletzt verpflichtet, Schäden möglichst rasch zu regulieren.

  • Die Auszahlungen

    Im Jahr 2011 haben die deutschen Lebensversicherer pro Tag 231 Millionen Euro an ihre Kunden ausgezahlt. Im gesamten Jahr waren es insgesamt 85 Milliarden Euro. Die Schaden- und Unfallversicherer leisteten für ihre Kunden im selben Jahr 43,8 Milliarden Euro, das sind jeden Tag 120 Millionen Euro.

  • Die Sorgfalt

    Sorgfältige Prüfung von Schadenfällen sei im Interesse aller Versicherten. Versicherungen seien gegenüber der Versichertengemeinschaft verpflichtet, dass es nicht zu unberechtigten Leistungsauszahlungen kommt – egal um welche Versicherung es sich handelt. Denn jede Leistung trage das Versichertenkollektiv. Aus diesem Grund müsse jeder Versicherer genau prüfen, ob ein Anspruch berechtigt ist.

  • Die Leistung

    Die Prüfung geschehe nicht willkürlich, sondern auf der Grundlage gesetzlicher Bestimmungen und des vereinbarten Versicherungsvertrages, erklären die Versicherer. Liege ein Leistungsfall vor, erhalte der Versicherte wie im Vertrag vereinbart die Leistung.

  • Was tun bei Konflikten?

    Bei Meinungsverschiedenheiten mit ihrem Versicherer hätten Kunden immer die Möglichkeit, sich auch an den Versicherungsombudsmann zu wenden, rät der Branchenverband. Der Versicherungsombudsmann sei als neutrale Schlichtungsstelle allgemein anerkannt, auch bei Verbraucherschützern. Im Jahr 2011 sind beim Ombudsmann 17.733 Beschwerden eingegangen – bei insgesamt über 457 Millionen Versicherungsverträgen. Demnach beschwerte sich jeder 25.000ste Kunde beim Ombudsmann.

  • Beispiel Autoversicherung

    In der FTD erklärte GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen: "Die Fakten sind eindeutig, die Regulierungsgeschwindigkeit in der Branche ist nicht zurückgegangen." Als Beispiel nannte er die Autohaftpflichtversicherung: Fast drei Viertel aller Fälle werden nach seinen Angaben noch im Jahr der Meldung erledigt. "Das sind zugegebenermaßen vor allem die kleinen und mittleren Sachschäden", sagte Hoenen. "Aber auch in der Berufshaftpflichtversicherung im Heilwesen, die oft für schwere Personenschäden leistet, ist im Schnitt die Hälfte der Gesamtleistung nach fünf Jahren ausgezahlt, ein weiteres Drittel des Aufwands schon als Vorschuss gezahlt."

Aus diesem Grund müsse jeder Versicherer genau prüfen, ob ein Anspruch berechtigt ist. Dies geschehe nicht willkürlich, sondern auf der Grundlage gesetzlicher Bestimmungen und des vereinbarten Versicherungsvertrages. Liege ein Leistungsfall vor, erhalte der Versicherte wie im Vertrag vereinbart die Leistung, ist sich der GDV sicher.

Die Kritiker der Branche bezweifeln solche Aussagen. Hans-Peter Schwintowski, Professor für Versicherungsrecht in Berlin, nennt Schätzungen, die in der Branche kursieren. Danach lehnen die Versicherer in manchen Bereichen bis zu 60 Prozent der Leistungsfälle ab.

Ähnliche Zahlen schätzte auch die Fachanwältin Beatrix Hüller in einem Interview mit Handelsblatt Online – aufgrund eigener Erfahrungen. Schwintowski sieht eine Ursache dafür im Verkaufsverhalten. Es sei in der Branche bekannt, dass es eine größere Anzahl Versicherer gebe, die ihre Tarife in der Berufsunfähigkeitsversicherung günstig kalkulieren, um den Einstieg für Kunden zu erleichtern.

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Wenn es dann jedoch später zu einer Leistung kommt, würden sie bis zu 60 Prozent der Leistungsfälle ablehnen. Im Branchenschnitt seien es wohl eher 30 Prozent. Dies funktioniere, weil die Betroffenen in der Regel nicht klagten, glaubt Schwintowski.

  • 06.09.2013, 12:22 UhrKOH

    Herr Rolliinger der verantwortliche bei der GDV und gleichzeitig Vorstand der R+V versäckelt wiedermal die Kunden. Die R+V ist als Hartliner in der Branche bekannt und selbst ich muss seit 4 JAHREN mittels Prozess gegen die R+V meine Schadenregulierung erkämpfen. Danke liebe R+V: Meine Mitarbeiter sind alle entlassen, meine Firma zerstört und ich Insolvent!! Ihre schönen Argumente können Sie das WC runterspülen. Zeigen Sie doch mal Transaprent auf wie es KMU-Schadenregulierungen aussieht. Da verhält es sich
    jedoch so das dass zerstören von Existenzen und Arbeitsplätzen dem Begriff Schadenregulierungsgewinn nicht standhalten kann. Keinem Betrüger steht aus Vortäuschung fremdes Geld zu welches das Kollektiv trägt. Aber Versicherer die Unternehmen als Versicherungsbetrüger in den Medien öffentlich denuzieren wie Sie Herr Rollinger und dies mittels verschwägerte Journalistin ihres GSR Gogg ist schwer kriminell!! Was denken Sie, sehr geehrter Herr Rollinger, Vorstand der R+V, nach Verlust meines Geschäfts, nach Verlust aller sozialen Kontakte durch Rufmord als Betrüger und mit Eintritt der Insolvenz nach 2 jährigem Kampf und Verlust aller Ersparnisse... was denken Sie, Herr Rollinger wie tief man noch fallen kann? Eines versichere ich Ihnen: NIEMALS SO TIEF WIE SIE! cu KOH

  • 26.06.2013, 18:12 Uhrmakler

    Da ich gerade das FFF für das Unfallprodukt gelesen habe, noch der Kommentar um welche Unfallversicherung es sich handelt VHV.

    Es ist aber wohlgemerkt bei diesem Versicherer die einzige Sparte, mit der es im Schadenfall häufig Probleme gibt.

  • 26.06.2013, 14:50 Uhrmakler

    Ich bin auch seit 15 Jahren im Geschäft, davon fast 8 als Makler. Es ist auffällig, das einige Gesellschaften, die übrigens wachsende Gewinne haben (bei gleichen Vertragszahlen), immer häufiger Schäden gerade im Bereich der Unfallversicherung um Monate oder Jahre verzögern oder ganz verweigern.
    Ich habe bei meinen Kunden in den vergangenen Jahren größere Schadenfälle im Bereich Unfall gehabt. Davon wurden von einigen Gesellschaften überhaupt keine Schwierigkeiten gemacht, darunter die Interrisk, die Inter z.B. - bei einer Gesellschaft (Maklerassekuranz) gab es bei 3 von 4 Fällen Probleme: angefangen mit sehr spät in Auftrag gegebener Begutachtung über ungerechtfertigte Kürzungen in Auszahlungen mit der Begründung man wolle später nochmal begutachten (5 Stellige Summe) bis zur vollständigen Ablehnung in meiner eigenen Familie. D.h. zwei von vier Fällen liegen kurz vor Gericht oder sind in Klage und das nach mehr als zwei Jahren nach dem versicherten Ereignis. Das kann nicht der Stein des Weisen sein. Zumal die Gewinne dieser Gesellschaft marküberdurchschnittlich steigen. Liegt das vielleicht an einer vor einigen Jahren eingeführten Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter?

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