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Doku „Versicherungsvertreter“: Mehmet Göker und das Schweigen der Versicherer

Der Film „Versicherungsvertreter“ über Mehmet Göker erreicht ein Millionenpublikum. Doch auch fast vier Jahre nach der MEG-Pleite bleibt die Rolle der Versicherer unscharf. Was der preisgekrönte Film nicht erzählt.

Versicherungsvertreter Mehmet Göker Seine Häuser, seine Autos, seine Vorbilder

Wer ist Mehmet Göker?

Ein Mann, der es in jungen Jahren schaffte, einen riesigen Versicherungsvertrieb aufzubauen. Sein Unternehmen MEG wurde 2009 insolvent, doch Göker überstand die Pleite. Er ist wieder da und schart seine Anhänger um sich. Ganz nach seinem Motto, das er in Facebook verbreitet: "Ob privat oder beruflich: Die Tugenden, die mich mein leben lang begleiten, sind Mut - Zielstrebigkeit - Ordnung - Fleiß - Disziplin - Risikobereitschaft. Und ich höre immer auf mein Herz - denn das hat mich noch nie im Stich gelassen !"

Fotoquelle: Sternfilm / Turbine Medien

So viel Aufmerksamkeit hat noch kein Film über die Versicherungsbranche eingeheimst. Mehr als 20.000 Menschen haben den Streifen von Klaus Stern in bundesdeutschen Kinos angeschaut. Das ist für einen Dokumentarfilm ein hoher Wert.

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Schon die Kurzversion des Films bestaunte ein Millionenpublikum im Fernsehen. Und auch die TV-Erstausstrahlung im WDR am Donnerstagabend dürfte im TV trotz der späten Sendezeit noch viele Zuschauer gefunden haben. 

Ein Verbraucherschützer über Mehmet Göker

  • Der Tester

    Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“.

    Quelle: Rede zur Verleihung des Helmut-Schmidt-Journalistenpreises für den Film „Versicherungsvertreter“. Der Film ist von Klaus Stern aus Kassel gedreht worden.

  • Schwarze Schafe

    „In der Branche gebe es nur vereinzelt schwarze Schafe, möchten uns viele Versicherungsunternehmen gern weismachen. Lustreisen nach Budapest seien wirklich die Ausnahme. Klaus Sterns Verdienst ist es, mit diesem Film über den bankrotten Versicherungsguru Mehmet Göker und seine Kasseler Firma MEG dieses Bild der Branche zu korrigieren.“

  • Schwarzer Leithammel

    „Stern zeigt ganze schwarze Herden, präsentiert einen besonders eindrucksvollen schwarzen Leithammel und zeigt uns die dazugehörigen Schäfer aus den Vorstandsetagen der Assekuranz. Der Preisträger portraitiert einen jungen Versicherungsverkäufer ganz aus der Nähe und zeichnet dabei ein eindrucksvolles Bild der Mechanik der Branche. Der Film über das Kasseler Vertriebsgenie macht unbefangene Zuschauer - selbst uns in der Jury - baff.“

  • Wie sein Vorbild Maschmeyer

    „Göker will reich werden, vor allem aber will er anerkannt werden, wie sein Vorbild Maschmeyer. Der 30jährige handelt so, wie Versicherungsvermittler sich das Agieren eines erfolgreichen Chefs vorstellen: Termine mit Günter Netzer, die spontane Reise der Vertriebstruppe im Ferrari nach Monaco.“

  • Vertreter erkennen sich wieder

    „Klaus Stern filmt unaufgeregt, nicht moralisch, er ist nah dran an seinem Protagonisten, zeigt dessen Kinderstube und auch den Fluchtort nach dem Scheitern, einen türkischen Badeort. Stern hat uns in der Jury überzeugt. Stern ist so nah dran, dass sich auch die Arbeitenden der Branche wieder erkennen.“

  • Vorstände feiern Göker

    „Meine gegelten Versicherungskaufleute folgten gebannt dem Film, vor allem als ihre Vertriebsvorstände Göker, das Genie von Kassel, als den besten Verkäufer privater Krankenversicherungspolicen feiern und Göker viel mehr Geld für die gleiche Arbeit versprechen als sie selbst an der Basis je bekamen. Es geht um etliche tausend Euro für jede vermittelte Krankenversicherung.“

  • Film trifft ins Schwarze

    „In den Monaten Mai und Juni dieses Jahres waren die wichtigsten Lobbyisten der Versicherungsbranche oft damit beschäftigt, Mehmets Gökers Geschichte in die Vergangenheit zu verbannen. Klaus Sterns in jahrelanger Kleinarbeit entstandener Film hatte mitten ins Schwarze getroffen, so etwas dürfe nicht wieder vorkommen, so die Standardansage auf den Kongressen.“

  • Politik schützt die Kunden

    „Hätte es noch eines Beweises für die Relevanz des Films bedurft, hatte ihn zuvor der Gesetzgeber selbst geliefert. Tatsächlich musste der Bundestag im Herbst 2011 neue Regeln für die Vermittlung privater Krankenversicherungen verabschieden. Das Gesetz soll die Kunden vor exzessiven Vertriebsprovisionen, vor - darf man sowas sagen? - durchgeknallten Vertriebsvorständen und letztlich auch die Vertriebsfirmen voreinander schützen. Nach dem Gesetzgeber gerufen hatte die Branche selbst.“

     

Der Film von Stern hat das Bild einer Branche, mit der jeder Deutsche Geschäfte macht, grundlegend verändert. Bisher galt als Gemeingut, was die Versicherungen gerne betonen. Zweifelhafte Vertriebsmethoden, wie etwa Lustreisen nach Budapest, seien die Ausnahme.

Klaus Stern habe dieses Bild mit seinem Film korrigiert, urteilt der Chefredakteur von Finanztest, Hermann-Josef Tenhagen. „Stern zeigt ganze schwarze Herden, präsentiert einen besonders eindrucksvollen schwarzen Leithammel und zeigt uns die dazugehörigen Schäfer aus den Vorstandsetagen der Assekuranz.“

Versicherungsvertreter Das Katz- und Mausspiel des Mehmet Göker

Seit drei Jahren lebt, feiert und arbeitet der Powerverkäufer Mehmet Göker in der Türkei. Aus dem Exil heraus hält er die privaten Krankenversicherer und ihre Vertriebe weiter in Atem – genauso wie den Staatsanwalt.

Versicherungsvertreter: Das Katz- und Mausspiel des Mehmet Göker

Im Film selbst kommen die betroffenen Unternehmen allerdings gar nicht direkt zu Wort. Gerne hätte der Zuschauer erfahren, was denn die großen Versicherer heute zu den Vertriebsmethoden des Mehmet Göker und der Pleite des großen Finanzvertriebs MEG sagen. Ob es ihnen leid tut, dass sie auf vielen Millionen Euro an Verlusten sitzen geblieben sind? Ob sie nun den Verkäufer Mehmet Göker für alle Zeiten ächten? Ob künftig weniger aggressiv um Kunden geworben wird?

Solche Fragen hätte Klaus Stern den Versicherern gerne vor laufender Kamera gestellt. Viele Anfragen stellte er an große Konzerne wie Axa, Central, Inter oder Alte Leipziger. Doch er erhielt nur freundliche Absagen. Geprüft worden sei sein Anliegen immer, doch dann hätten Sprecher schnell auf offene rechtliche Auseinandersetzungen mit Mehmet Göker verwiesen. Der Filmemacher Stern hält diese Absagen für vorgeschoben, wie er Handelsblatt Online sagte.

Worum es im Film „Versicherungsvertreter“ geht

  • Krankenversicherung

    „Wer seine Grenzen nicht kennt, hat auch keine.“ So wird Mehmet Göker zitiert. Der Film erzählt die Geschichte des heute 32 Jahre alten Verkäufers von privaten Krankenversicherungen. Er war aus der Sicht des Filmemacher „ein absoluter Herrscher über ein sektenähnliches Versicherungsimperium“. Der Film zeigt Aufstieg, Fall und Neuanfang des türkischstämmigen Jungunternehmers aus Kassel.

    Quelle: www.versicherungsvertreter-derfilm.de

  • Vom Tellerwäscher zum Millionär

    Der Film ist eine Geschichte von Gier und Größenwahn, er gibt aber einen Einblick in das Geschäftsgebaren privater Krankenversicherer. Göker wollte mehr als „nur einen Krümel vom Kuchen abhaben“: mit 25 hat er mit dem Vertrieb privater Krankenversicherungen am Telefon seine erste Million verdient.

  • Dicke Autos und groteske Rituale

    Die MEG wächst schnell aus kleinen Anfängen. Der Umsatz steigt rasant. Immer neue Mitarbeiter werden angeworben und durch großzügige Provisionen gelockt. Verschwenderische Reisen für die besten Vermittler und Ferraris gehören zu den kleinen Annehmlichkeiten der ranghöheren Mitarbeiter. Die Jubel-Veranstaltungen der Firma wirken selbstherrlich, sind pompös gestaltet und enthalten groteske Rituale.

  • Extrem hohe Provisionen

    Mehmet E. Göker ist der alleinige Herrscher in diesem Imperium, das 2009 über 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Er präsentiert sich als ein hyperaktiver Unternehmer, dem die privaten Krankenversicherer (unter anderem AXA, Allianz, Hallesche und Central) immer absurdere Provisionen zahlen. Bis zu 8.000 Euro kassiert die MEG AG für die Abschluss eines Vertrages. Auf dem Höhepunkt im Jahre 2009 ist die Firma der zweitgrößte Vermittler von privaten Krankenversicherungen in Deutschland.

  • Kult um eine Verkaufsmaschinerie

    Firmenchef Göker ist umgeben von hörigen Gefolgsleuten, die sich auch mal eben das Firmenlogo aufs Handgelenk tätowieren lassen. Göker schafft es, einen Kult um MEG zu erzeugen, dem sich seine Mitarbeiter nur schwer entziehen können. MEG ist nicht nur ein Arbeitgeber, MEG ist für die Leute in der Maschinerie ein Lebensstil. Auch Jahre später schwärmen sie noch davon. Kritiker sehen in MEG dagegen schlicht ein betrügerisches Schneeballsystem.

  • Pleite und Schulden

    Ende 2009 ist der Versicherungsmakler pleite und die Staatsanwaltschaft ermittelt bis heute gegen Göker, unter anderem wegen Untreue, Insolvenzverschleppung und unlauterem Wettbewerb. Das System seines Strukturvertriebs war schon 2007 ins Wanken geraten, als Göker wegen unter anderem wegen Steuerhinterziehung zu 720.000 Euro Geldstrafe verurteilt wurde. Aktuell hat Mehmet Göker 21 Millionen EUR private Schulden.

  • Neuanfang in der Türkei

    Mehmet E. Göker ist nur noch selten in Deutschland, er lebt in der Türkei, wo seine Eltern herkommen. Und er ist wieder aktiv. An der türkischen Ägäisküste lebt und arbeitet er mit über 50 Mitstreitern. Die neue Firma ist formal aber nicht seine eigene, beteuert er. Die „Göker Consulting Group“ gehöre seiner Mutter, er selbst sei dort nur Angestellter.

  • Der Film im Urteil anderer

    „Eine herrlich bösartige Entlarvungs-Doku über das, was man mit Einfallreichtum sowie ein wenig krimineller Energie in unserem Land erreichen kann. (…) Exzellent montiert.“ So urteilt Bild. „Eine köstliche Realsatire – und sehenswert“, stellt Deutschlandradio fest.

    „Göker ist ein extrem leidenschaftlicher Verkäufer. Vor allem seiner selbst. (…) Verwirrend sind die Unschuld und die fast schon relegiöse Überzeugung, mit der das tut. Göker , der zu seinen größten Erfolgszeiten Bilder von seinem Vater, Mahatma Gandhi und Richard Branson über dem Schreibtisch hängen hatte, kann sich und andere die tollsten Dinge einreden.“ Das meinte Josef Engels in der Welt.

     

Unabhängig davon haben Manager, Mitarbeiter und Vermittler in der Versicherungswirtschaft seinen Film stark beachtet. Der Filmemacher erinnert sich noch gut an die ersten Reaktionen, die ihm zugetragen wurden. Mit dem Film habe er der Branche und dem Berufsstand der Vermittler sehr geschadet, hieß es.

Wirklich? Stern kann da nur den Kopf schütteln.

  • 26.02.2013, 13:40 UhrMoneypenny

    das würde mir auch sehr am Herzen liegen!

  • 26.02.2013, 13:34 UhrMoneypenny

    Dieser Film hat mich lebhaft an meine Erfahrungen mit der DVAG erinnert! Eine Erfahrung die finanziell und persönlich dauerhaft "negativ prägend" bleiben wird !

  • 24.02.2013, 12:28 UhrUrdemokrat

    21 Mio sind doch für die Versicherer ein Klacks. Dieses Empörungs-Geschwafel der Foristen zeigt, wie sie willig den Strippen-Ziehern auf den Leim gehen, die von den großen Skandalen ablenken wollen. Warum sonst sollte die betroffenen Versicherer so brav ruhig halten?

    Was wäre wirklich berichtenswert und wird nicht in den Medien (oder von unartigen Dokumentaristen) aufgearbeitet/illustriert?

    !!!--- Die Lüge des "Generationenvertrags" ---!!!

    !!!--- Die Illusion der Schuldenwirtschaft ---!!!

    mit den entsprechenden individuellen und gesellschaftlichen Folgen, Verwerfungen und Perversionen.

    Zum Glück haben wir ja eine Medienszene mit den entsprechenden Entscheidungsträgern, Beratern und weiteren Eliten, die uns vor diesen Themen und den unangenehmen Fragen dazu schützen. Sie haben unser Geld verdient.

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