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Gerichtsurteil: Rentenversicherungen für Männer werden teurer

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshof könnte die Tarifsysteme der Versicherer revolutionieren. Höhere Prämien diskriminieren Frauen, auch wenn sie von höheren Leistungen profitieren. Männer müssen bald mehr zahlen.

Frauen könnten bei privaten Rentenversicherungen profitieren: Sie könnten in Zukunft die gleichen Beiträge wie Männer zahlen, werden aber in Durchschnitt älter. Quelle: dapd
Frauen könnten bei privaten Rentenversicherungen profitieren: Sie könnten in Zukunft die gleichen Beiträge wie Männer zahlen, werden aber in Durchschnitt älter. Quelle: dapd

LuxemburgDieses Urteil stellt die Grundlagen der Beitragskalkulation der Versicherer auf den Prüfstand. Auch bei der Versicherung sind Frauen und Männer gleich: Anbieter müssen unabhängig vom Geschlecht Unisex-Tarife anbieten. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Dienstag in Luxemburg entschieden (Rechtssache C-236/09). Die bislang übliche Berücksichtigung des Geschlechts als "Risikofaktor" für Versicherungsbeiträge diskriminiere Frauen und sei deswegen ungültig. Die Branche muss bis spätestens 21. Dezember 2012 Unisex-Tarife anbieten.

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"Das Urteil ist ein Erdbeben in der Versicherungswelt", sagt Axel Kleinlein, Inhaber von Math Concepts. Der Diplommathematiker und Aktuar befürchtet steigende Beiträge nach Vorbild der Einführung von Unisex-Tarifen bei den Riesterrenten. Dort gab es nennenswert steigende Beiträge für Männer und nur leicht sinkende bei den Frauen. "Die Versicherer und Aktionäre können die Korken knallen lassen, Verlierer sind die Verbraucher", sagt Kleinlein. Die Risikokalkulation dürfte noch vorsichtiger geschehen. Vor allem Tarife ohne Überschussbeteiligung könnten für die Versicherten weniger attraktiv werden. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie die Gesellschaften die neuen Regeln umsetzen.

Große Anbieter warnen bereits, dass nun die Tarife für alle teurer würden. "Es ist davon auszugehen, dass die Versicherungen teurer werden", sagte Allianz-Deutschland-Chef Markus Rieß auf einer Branchenkonferenz in München. Es sei falsch, Ungleiches gleich zu behandeln. Verbraucherschützer bringen sich bereits in Stellung. „Wenn die Prämien insgesamt erhöht würden, so dient dieses ausschließlich der Gewinnsteigerung, nicht aber dem Ausgleich von vermeintlichen Kosten der Unisex-Tarife“, sagt Hartmuth Wrocklage, Vorstandsvorsitzender beim Bund der Versicherten.

Zwar ist die Gleichbehandlung von Männern und Frauen ein Grundsatz des EU-Rechts, doch bislang gibt es bei Versicherungen Ausnahmeklauseln. So werden Versicherungstarife nach dem statistischen Risiko kalkuliert. Dabei spielt das Geschlecht häufig eine zentrale Rolle. Frauen leben im Durchschnitt länger, weshalb sie bisher höhere Beiträge für private Rentenversicherungen zahlen müssen. Wenn in der Gesamtkalkulation Männer und Frauen demnächst die gleichen Rentenzahlungen erhalten sollen, müssen Frauen weniger zahlen und Männer folglich mehr. "Bei der Risikoleben gibt es den gegenteiligen Effekt", sagt Bianca Boss, Sprecherin des Bundes der Versicherten. Männer müssen wegen ihrer niedrigeren Lebenserwartung bisher höhere Beiträge als Frauen entrichten. Auch das könnte sich ändern.

Umgekehrt bezahlen Frauen weniger für die Kfz-Versicherung, weil sie weniger Unfälle verursachen. Eine solche Ausnahmeregel "läuft der Verwirklichung des Ziels der Gleichbehandlung von Frauen und Männern zuwider und ist daher nach Ablauf einer angemessenen Übergangszeit als ungültig anzusehen", urteilten die Richter. Die EU habe sich das Ziel gesetzt, die Gleichstellung von Frauen und Männern zu fördern.

"Auch weitere Policenarten gehören auf den Prüfstand", sagt Boss. In der Unfallversicherung gibt es bisher etwa bei den Männern die Unterscheidung zwischen risikoreichen und risikoarmen Berufen. Bei Frauen gibt es eine solche Unterscheidung in der Regel nicht. In der KFZ-Versicherung bieten einige Gesellschaften spezielle "Lady-Tarife", die Rabatte gewähren, wenn das Fahrzeug ausschließlich von einer Frau gefahren wird. Nicht betroffen ist die Risterrente. "Dort gibt es schon jetzt Unisex-Beiträge", sagt Boss.

Das Gericht verwies auf die EU-Gleichstellungsrichtlinie von 2004, die geschlechtsneutrale Prämien schon von 2007 an verlange und eine Überprüfung nach fünf Jahren - also Ende 2012 - vorsehe. Ausnahmen seien nur erlaubt, wenn das Geschlecht ein "bestimmender Risikofaktor" ist und dies durch versicherungsmathematische und statistische Daten untermauert werden kann.

  • 01.03.2011, 19:17 UhrAnonymer Benutzer: wone

    Dazu ist es erforderlich, dass Bürger ohne Kinder eine
    höheren Beitragssatz zahlen z. B. 5 %
    Das wäre gerecht: Beispiel ein Ehepar hat keine Kinder,
    dann fallen keine Kosten an. Beide verdienen, damit höheres Einkommen. Beide kommen später volle Rente und damit eine wesentlich höhere Rente als Eltern mit Kinder, die teilweise weniger Arbeiten.

  • 01.03.2011, 16:32 Uhrrs-depot.de

    Zumindest bei der privaten Altersvorsorge gibt es für Männer Alternativen. Denn mit den Unisex-Tarifen bedeutet das bei gleichen monatlichen Einzahlungen am Ende ca. 4-5 Jahre weniger Rentenzahlung. Damit wird jede Rentenversicherung für Männer hinfällig, weil die Auszahlung geringer ist als die Einzahlungen. Also besser selbst vorsorgen z.B. mittels einem Sparplan auf Indexfonds (ETF's).
    Übrigens, bei Riester-Verträgen gelten auch jetzt schon Unisex-Tarife, also sofort alle Verträge beenden, zumindest beitragsfrei stellen lassen und die vorhandenen Alternativen prüfen.

  • 01.03.2011, 12:05 UhrAnonymer Benutzer: Wolle

    Ha, ha, Männer sollen mehr bezahlen.
    Warum werden die Beiträge der Frauen nich einfach gesenkt?!

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