
Düsseldorf.Die oberste Lobbyistin der Krankenkassen ringt mit dem Vorsitzenden des größten Krankenversicherers um die Meinungshoheit. Es geht um die Zukunft der Krankenversicherung – und um die Gunst der Politik. Die Streitfrage: Sollten neun Millionen Kunden der Privaten Krankenversicherung in die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) eingegliedert werden?
Doris Pfeiffer, die Chefin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, ist dafür. Denn sie hält die private Krankenversicherung dauerhaft nicht für überlebensfähig. "Aus meiner Sicht wird sich das System PKV auf Dauer nicht tragen", sagte Pfeiffer in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Vermutlich bedürfte es daher gar keiner politischen Entscheidung, für oder gegen die PKV.
Private und gesetzliche Krankenversicherung konkurrieren vor allem um Selbstständige und besser verdienende Kunden. Die Privaten haben die Nase vorn, obwohl ihre Beiträge langfristig stärker steigen. Doch die Gesetzlichen repräsentieren mit mehr als 70 Millionen Versicherten nach wie vor die große Masse – entsprechend ist ihr politisches Gewicht. Demgegenüber sind nur neun Millionen Menschen vollständig privat versichert.
Die Krankenkassen werben inzwischen ganz offen um die Abschaffung der Konkurrenz. Jüngstes Beispiel war Jürgen Graalmann, der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes. Sein Credo in einem Welt-Interview: „Die private Krankenversicherung kann nicht so weitermachen wie bisher. Ich halte das Geschäftsmodell der PKV in der Vollversicherung für gescheitert.“ Graalmann nennt dafür vier Gründe.
Die Beiträge in der PKV steigen immer weiter, monieren die Kritiker. In die Schlagzeilen geriet die PKV auch, weil manche Kunden unter extremen Erhöhungen leiden mussten. Zum Teil war die Ursache dafür eine verfehlte Geschäftspolitik der Versicherer und falsche Versprechen von Beratern.
Die Krankenkassen sehen die private Konkurrenz vor einem „immensen Kostenproblem“. Ursache ist: Die PKV-Unternehmen können die Kosten von Arzneimitteln nicht so gut drücken wie die Krankenkassen. Zudem rechnen Ärzte oft für Privatpatienten mehr ab als für Kassenpatienten. Zudem war der Druck, die Kosten im Griff zu halten, bisher geringer als bei den Krankenkassen.
Aus Umfragen schließen die Krankenkassen: Jeder dritte Privatpatient würde gerne zu einer gesetzlichen Krankenkasse wechseln. Vor allem ältere PKV-Kunden haben das Problem, dass sie im Rentenalter wahrscheinlich deutlich mehr als in der GKV zahlen.
SPD und Grüne haben mit einer Einheitsversicherung ein scheinbar attraktives Gegenmodell zur bisherigen Zweiteilung im Gesundheitswesen entworfen. AOK-Manager Graalmann kann damit gut leben, er sähe private und gesetzliche Anbieter dann als gleichberechtigte Wettbewerber.
Debeka-Chef Uwe Laue hält derlei für unsinnig, denn die Privaten ständen besser da. „Es wird Zeit, dass mit gängigen Vorurteilen und Klischees aufgeräumt wird“, erklärte er. „Die PKV ist mit ihrem Aufbau an Reserven für das Alter deutlich besser auf die demografische Entwicklung vorbereitet als die GKV, die dafür keine Reserven hat. Auch vor diesem Hintergrund ist die PKV mehr denn je ein unverzichtbarer Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems.“
Beide setzen damit den Systemstreit fort, der bereits seit Monaten zwischen GKV und PKV tobt. Linke Politiker und Krankenkassen sind die Speerspitze der Kampagne gegen die PKV. Selbst in CDU und FDP mehren sich jedoch inzwischen die Kritiker. Im Vorfeld der nächsten Bundestagswahl zieht sich damit die Schlinge zu: Die PKV kämpft immer verzweifelter ums Überleben. Denn die Anti-PKV-Front will nicht nur an die Rücklagen der Privaten, viele würden die PKV in ihrer heutigen Form am liebsten abschaffen und durch eine Bürgerversicherung für alle ersetzen.
Politiker, Manager und Ökonomen diskutieren seit Monaten über die Zukunft der Krankenversicherung in Deutschland. Einige Auszüge.
Volker Leienbach, PKV-Verband:
„Deutschland hat dank seines Zwei-Säulen-Systems aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung eine auch im internationalen Vergleich hervorragende Gesundheitsversorgung mit kurzen Wartezeiten, freier Arztwahl und medizinischem Fortschritt für alle.“
Der Linken-Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg sagte dem Handelsblatt: „Die Zahlen der Bundesregierung belegen, dass die PKV ihre besten Zeiten hinter sich hat.“ Beiträge und Ausgaben stiegen rasant und deutlich stärker als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Zinsentwicklung bei den Alterungsrückstellungen zeige, dass die PKV nicht demographiefest sei.
FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann fordert "grundlegende Veränderungen" von der Branche. „Ich bezweifle, ob die Vollversicherung in der heutigen Gestalt in der Zukunft noch so bestehen bleiben kann“, sagte er dem „Stern“.
Können die Versicherer überhaupt noch 3,5 Prozent am Kapitalmarkt erwirtschaften?
Professor Jürgen Wasem:
„Im Moment gelingt das noch, weil die Alterungsrückstellungen langfristig angelegt sind. Doch auf Dauer ist das zu bezweifeln, vor allem wenn die Kapitalmarktzinsen so niedrig bleiben wie derzeit. In der Lebensversicherung wurde daher der Garantiezins ja bereits auf 1,75 Prozent gesenkt.“
Jürgen Graalmann, Verbandschef der Krankenkassengruppe AOK:
„Ich halte das Geschäftsmodell der PKV im Bereich der Vollversicherung für gescheitert.“
Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der größten Krankenkasse Barmer GEK:
„Ich bin nicht dafür, die PKV abzuschaffen, sondern für einen fairen Wettbewerb beider Systeme. Allerdings müssen die privaten Krankenversicherer eine Reihe von Problemen angehen."
Uwe Laue, der Vorstandsvorsitzende des mit 2,2 Millionen Vollversicherten größten privaten Krankenversicherers:
"Die PKV ist die bessere Alternative im Gesundheitswesen.“ Laue beklagt eine „Anti-PKV-Propaganda, bei der Einzelfälle ohne Hintergründe und Beweise skandalisiert werden, um ein funktionierendes System Schritt für Schritt kaputt zu reden“.
Die Krankenkassen halten das Geschäftsmodell der PKV für gescheitert. Hat ihr letztes Stündchen bald geschlagen?
Reinhold Schulte, Chef des PKV-Verbandes und des Versicherers Signal Iduna:
„Jedes Jahr wechseln deutlich mehr Menschen aus der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die Private Krankenversicherung als in umgekehrter Richtung. Gegenteilige Behauptungen sind absurd und nachweislich falsch. Wenn einzelne Vertreter gesetzlicher Krankenkassen versuchen, einen anderen Eindruck zu erwecken, ist das nicht seriös.“
Die Krankenkassen verweisen zur Begründung ihrer Haltung immer wieder auf die steigenden Beiträge. Das Problem sei das Geschäftsmodell der PKV: "Wenn man jungen Versicherten niedrige Prämien mit einem scheinbar unbegrenzten Leistungsangebot offeriert, kann das auf Dauer nicht funktionieren", sagte Pfeiffer. Dies mache sich im Zusammenhang mit dem medizinischen Fortschritt, mit Kostensteigerungen und der demografischen Entwicklung zunehmend bemerkbar.

Laue hält die Erfolgsstory der Debeka dagegen. Für rund ein Viertel aller Privatversicherten in Deutschland, 2,2 Millionen Menschen, werde sich im kommenden Jahr an den Beiträgen nichts ändern, verspricht Laue für die größte private Krankenversicherung Deutschlands, die Debeka. Darüber hinaus würden sich 2013 die Beitragszahlungen für nahezu 100.000 ältere Debeka-Versicherte verringern.
Damit widerlege der Marktführer in der PKV einmal mehr die Aussagen von politischen Gegnern des Systems, so Laue. Diese behaupteten immer wieder, die Beiträge der Versicherten würden ausufern und die PKV sei aus diesem Grund nicht mehr tragbar.
Die PKV verfügt weit über 150 Milliarden Euro an Alterungsrückstellungen. Mit dem Geld soll der Beitragsanstieg im Alter gedämpft werden. Die Summe entspreche etwa 15.000 Euro je Versicherten und deckt nach Berechnung der AOK-Studie nur rund 600 Euro Mehrausgaben pro Jahr je Versicherten ab – für Senioren ab dem 65. Lebensjahr.
„Ohne Ausgleich durch Prämienanpassung fehlen der PKV laut Modellrechnung je Versicherten etwa 2.700 Euro pro Jahr an Altersrückstellungen.“ Um den prognostizierten Fehlbetrag auszugleichen, seien etwa 4 Prozent Prämiensteigerungen pro Jahr notwendig
Die AOK bilde keinerlei Vorsorge für die steigende Lebenserwartung und die steigenden Gesundheitsausgaben ihrer Versicherten, reagierte der PKV-Verband auf die These. Angesichts der kapitalgedeckten Vorsorge sei es „schon dreist, dass die AOK Spekulationen über zukünftige Kosten des System-Wettbewerbers anstellt“.
Hauptgrund für steigende Prämien sind die stark steigenden Kosten im Gesundheitswesen. In der PKV spielen auch die Vertriebskosten eine große Rolle. Um neue Kunden zu finden, zahlen die Versicherer an ihre Vermittler hohe Provisionen.
Die AOK-Studie kalkuliert die Kosten für den medizinischen Fortschritt so: Die Ausgaben für Leistungen an die Versicherten steigen pro Jahr um 4,4 Prozent. Das entspricht über 51 Jahre einer Steigerung von 900 Prozent. Die dafür notwendigen zusätzlichen Alterungsrückstellungen beliefen sich auf etwa 1.670 Euro pro Versicherte je Jahr
Die Lebenserwartung der Krankenversicherten dürfte weiter steigen. Die AOK-Studie geht davon aus, dass die Lebenserwartung in 40 Jahren 7 Jahre höher ist. Dies entspreche zusätzlichen rund 200 Euro pro Versicherten je Jahr.
Die Zinsen sind niedrig und könnten niedrig bleiben. Derzeit kalkuliert die PKV noch mit einem Rechnungszins, der meist 3,5 Prozent beträgt. Realistischer wären 2,5 Prozent, nimmt die AOK-Studie an. Das entspreche rund 30 Euro pro Versicherten je Jahr an zusätzlichen Kosten.
Wenn die Alterungsrückstellungen mit niedrigeren Zinsen kalkuliert würden, entgingen der PKV Zinsen. Diesen Effekt kalkuliert die AOK-Studie mit rund 800 Euro je Versicherten und Jahr.
Die Gründe für die Beitragsstabilität bei der Debeka: Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit ist die Gesellschaft vor allem ihren Kunden verpflichtet, sie hat keine Aktionäre, die eine Ausschüttung erhalten wollen. Die Debeka verweist zudem auf eine nachhaltige und solide Tarifpolitik. Billigtarife, mit denen junge Selbstständige geködert werden, gehören nicht zum Sortiment des Marktführers. Außerdem seien die Versicherungsleistungen der Debeka, also die Kosten, nur moderat angestiegen. Ein Grund dafür ist die hohe Zahl an Beamten, die bei der Debeka versichert sind.
„Wir können bereits heute sagen, dass im kommenden Jahr fast alle Versicherten von stabilen Krankenversicherungsbeiträgen profitieren werden", sagt Laue daher. Sollte wieder über massive Beitragsanpassungen in der PKV berichtet werden, so treffe dies für rund ein Viertel aller Privatversicherten in Deutschland, nämlich die Debeka-Mitglieder, definitiv nicht zu.
Damit reagiere Laue auch auf die seit Monaten laufende kritische Berichterstattung über die PKV, bei der Erhöhungen einzelner Tarife bei wenigen Unternehmen auf die gesamte Branche übertragen und hochstilisiert würden. Diese Anpassungen beträfen tatsächlich aber nur einen Bruchteil der über neun Millionen Privatversicherten.
Die GKV-Lobby in Berlin sieht dies anders, die Krankenkassen sind jedoch gespalten. So sagte Christoph Straub, der Chef der größten Krankenkasse Barmer GEK, im Interview mit dem Handelsblatt: „Ich bin nicht dafür, die PKV abzuschaffen, sondern für einen fairen Wettbewerb beider Systeme.“ Allerdings müssten die privaten Krankenversicherer eine Reihe von Problemen angehen. Die Kosten des medizinischen Fortschritts die PKV genauso wie die GKV treffen.
Im Zuge der Finanzkrise ist schon öfter über eine Absenkung des Rechnungszinses in der PKV spekuliert worden. Der Grund: Die privaten Krankenversicherer verzinsen ihre Altersrückstellungen mit 3,5 Prozent. Die Rendite für Bundesanleihen liegt deutlich darunter.
Die Kapitaldeckung in der PKV ruht auf drei Säulen
- den Alterungsrückstellungen, die mit der Prämie gezahlt werden und die mit 3,5 Prozent verzinst werden;
- den Zinserträgen, die der Versicherer über die Mindestverzinsung hinaus am Kapitalmarkt erwirtschaftet und zum größten Teil den Kunden gutschreibt;
- einem zehnprozentigen Zuschlag, der separat angelegt wird und der Beitragssteigerungen im Alter abfedern soll.
Insgesamt haben die PKV-Versicherten bis Ende des vergangenen Jahres 170 Milliarden Euro an Alterungsrückstellungen angespart. Davon entfallen 146 Milliarden Euro auf die Krankenversicherung und 24 Milliarden Euro auf die Pflegeversicherung.
In der PKV werden generell von allen über den Rechnungszins hinausgehenden Kapitalerträgen (Überzins) 90 Prozent den Versicherten gutgeschrieben. Zudem sind 80 Prozent des Rohüberschusses der Unternehmen der Rückstellung für Beitragsrückerstattung zuzuführen.
Seit Januar 2000 wird für Neukunden in der Privaten Krankenversicherung vom 22. bis zum 61. Lebensjahr ein sogenannter 10-Prozent-Zuschlag berechnet. § 12a Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) besagt: Die Zinserträge der Unternehmen, die über den jeweils geltenden Rechnungszins (überwiegend 3,5 Prozent) hinausgehen, kommen zu 90 Prozent den Versicherten zugute. Hiervon ist ein Teil für die über 65-jährigen Versicherten bestimmt. Dieses Geld ist innerhalb von drei Jahren zur Vermeidung oder Begrenzung von Prämienerhöhungen oder zur Prämienermäßigung zu verwenden, heißt es im Zahlenbericht des PKV-Verbandes.
Der Rechnungszins in der PKV ist seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesenkt worden. Damit bewiesen die Krankenversicherer eine größere Stabilität als die Lebensversicherer, deren Garantiezins zuletzt von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent gesenkt worden war, zeitweise aber auch schon bei vier Prozent lag.
Die private Krankenversicherungsbranche hat im Jahr 2009 eine Nettoverzinsung von 4,27 Prozent erreicht. Die gut 40 Unternehmen lagen also deutlich über dem Rechnungszins von 3,5 Prozent.
Die Alterungsrückstellungen für die Versicherten erhöhten sich bis Ende 2010 um 8,7 Prozent auf gut 158 Milliarden Euro. Mit einer Nettoverzinsung von 4,23 Prozent habe die Branche den Rechnungszins von 3,5 Prozent sicher bedient, erklärte der Verband.
In den Unterlagen des PKV-Verbandes finden sich keine Angaben darüber, wie sich der Rechnungszins im Jahre 2011 entwickelt hat. Die FTD berichtete: Die Branche habe zurzeit keine Probleme, die 3,5 Prozent zu verdienen, wie PKV-Verbandsvorsitzender Reinhold Schulte sagt. Er ist auch Vorstandschef der Signal Iduna. 2011 seien es im Schnitt rund vier Prozent gewesen.
Im Oktober 2010 erklärte der PKV-Verband: „Es gibt keine Überlegungen des PKV-Verbandes, den in der Kalkulationsverordnung festgelegten Höchstrechnungszins zu senken. Wir haben auch keinerlei Hinweise, dass die dafür zuständige Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) etwa beabsichtigen würde, den Rechnungszins in der Kalkulationsverordnung abzusenken.
Die Allianz Private Krankenversicherung plädierte 2011 nach einem Bericht der Ärzte Zeitung für eine allgemeine Absenkung des Rechnungszinses in der privaten Krankenversicherung (PKV). Das liege im Interesse der Kunden und deshalb der gesamten Branche, sagte Vorstand Christian Molt bei der Fachkreistagung Krankenversicherung der Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte in Köln. "Eine moderate Absenkung des Rechnungszinses wäre sinnvoll. Wir sollten diesen Weg in der Branche gehen."
Künftig könnte der Rechnungszins für die Alterungsrückstellungen, der seit Jahren bei 3,5 Prozent liegt, für neue Verträge gesenkt werden. Das sagte laut einem Bericht der FTD Reinhold Schulte, Vorsitzender des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV), 2012 bei der Jahrestagung in Berlin. Führende PKV-Manager räumen dem Bericht zufolge inzwischen ein, dass viele Gesellschaften nicht mehr lange in der Lage sein werden, den Rechnungszins von 3,5 Prozent zu verdienen.
Die Krankenkassen seien allerdings besser in der Lage, über Verträge mit den Akteuren im Gesundheitswesen, Qualität und Preise von Leistungen zu definieren. Außerdem habe die PKV das Problem, dass sich das Zinsniveau für ihre Alterungsrückstellungen verringert, weil die Renditen am Kapitalmarkt niedriger sind als in der Vergangenheit. „Für sinnvoll halte ich daher eine Debatte darüber, wie GKV und PKV angenähert werden können“, sagte Straub. „Wir wollen einen Versicherungsmarkt, der einheitliche Regeln für alle Beteiligten bietet und allen Unternehmen sowohl in der Vollversicherung wie in der Zusatzversicherung offen stehen sollten.“

Doch was würde es kosten, wenn die PKV tatsächlich in der GKV aufginge? GKV-Chefin Pfeiffer rechnet nach eigenen Worten nicht mit einer zusätzlichen Belastung für die rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten, wenn sich eine Regierung entscheiden sollte, die rund neun Millionen PKV-Versicherten in die GKV zu integrieren. "Allerdings rechne ich auch nicht mit einer üppigen Entlastung", sagte sie.
Schnitt über fünf Jahre: 3,27 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut
2012: Beitragssteigerung: 3,03%; Höchster Beitrag: 592,88 Euro
2011: Beitragssteigerung: 2,99%; Höchster Beitrag: 575,44 Euro
2010: Beitragssteigerung: -1,91%; Höchster Beitrag: 558,75 Euro
2009: Beitragssteigerung: 6,20%; Höchster Beitrag: 569,63 Euro
2008: Beitragssteigerung: 6,03%; Höchster Beitrag: 536,4 Euro
Schnitt über zehn Jahre: 2,7 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut
2007: Beitragssteigerung: 0,00%; Höchster Beitrag: 505,88 Euro
2006: Beitragssteigerung: 0,36%; Höchster Beitrag: 505,88 Euro
2005: Beitragssteigerung: 1,07%; Höchster Beitrag: 504,08 Euro
2004: Beitragssteigerung: 3,25%; Höchster Beitrag: 498,72 Euro
2003: Beitragssteigerung: 6,01%; Höchster Beitrag: 483 Euro
Schnitt über 15 Jahre: 2,28 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut
2002: Beitragssteigerung: 1,16%; Höchster Beitrag: 455,62 Euro
2001: Beitragssteigerung: 1,16%; Höchster Beitrag: 450,38 Euro
2000: Beitragssteigerung: 0,43%; Höchster Beitrag: 445,21 Euro
1999: Beitragssteigerung: 1,19%; Höchster Beitrag: 443,29 Euro
1998: Beitragssteigerung: 3,20%; Höchster Beitrag: 438,07 Euro
Schnitt über 20 Jahre: 3 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut
1997: Beitragssteigerung: 2,50%; Höchster Beitrag: 424,5 Euro
1996: Beitragssteigerung: 4,90%; Höchster Beitrag: 414,15 Euro
1995: Beitragssteigerung: 2,63%; Höchster Beitrag: 394,82 Euro
1994: Beitragssteigerung: 3,98%; Höchster Beitrag: 384,7 Euro
1993: Beitragssteigerung: 11,72%; Höchster Beitrag: 369,97 Euro
Schnitt über 25 Jahre: 3,18 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut
1992: Beitragssteigerung: 8,90%; Höchster Beitrag: 331,16 Euro
1991: Beitragssteigerung: 0,70%; Höchster Beitrag: 304,09 Euro
1990: Beitragssteigerung: 0,08%; Höchster Beitrag: 01,98 Euro
1989: Beitragssteigerung: 1,67%; Höchster Beitrag: 301,75 Euro
1988: Beitragssteigerung: 7,77%; Höchster Beitrag: 296,8 Euro
Schnitt über 30 Jahre: 3,48 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut
1987: Beitragssteigerung: 5,12%; Höchster Beitrag: 275,41 Euro
1986: Beitragssteigerung: 7,22%; Höchster Beitrag: 261,99 Euro
1985: Beitragssteigerung: 7,49%; Höchster Beitrag: 244,35 Euro
1984: Beitragssteigerung: 0,47%; Höchster Beitrag: 227,32 Euro
1983: Beitragssteigerung: 4,61%; Höchster Beitrag: 226,25 Euro
Schnitt über 35 Jahre: 4,08 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut
1982: Beitragssteigerung: 8,63%; Höchster Beitrag: 216,28 Euro
1981: Beitragssteigerung: 6,61%; Höchster Beitrag: 99,1 Euro
1980: Beitragssteigerung: 7,74%; Höchster Beitrag: 186,75 Euro
1979: Beitragssteigerung: 7,16%; Höchster Beitrag: 173,33 Euro
1978: Beitragssteigerung: 8,83%; Höchster Beitrag: 161,75 Euro
Schnitt über 40 Jahre: 5,72 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut
1977: Beitragssteigerung: 10,65%; Höchster Beitrag: 148,63 Euro
1976: Beitragssteigerung: 19,15%; Höchster Beitrag: 134,33 Euro
1975: Beitragssteigerung: 23,78%; Höchster Beitrag: 112,74 Euro
1974: Beitragssteigerung: 12,25%; Höchster Beitrag: 91,08 Euro
1973: Beitragssteigerung: 19,96%; Höchster Beitrag: 81,14 Euro
Bei einer solchen Reform wäre nach Einschätzung der GKV-Verbandschefin allerdings "ein großes Rad zu drehen", mit vielen verfassungsrechtlichen Fragen, dem Schutz von Einlagen und Unternehmen. Entweder seien dann lange Übergangsfristen notwendig oder der Druck sei so groß, weil zum Beispiel ein Crash zu befürchten sei. "Das könnte so laufen wie bei den Banken: Irgendwann kommt der Hilfeschrei und dann ist die Frage, wie man das politisch löst", sagte Pfeiffer.
Politisch wird derzeit verstärkt über eine Abkehr vom System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung debattiert. Die Branche steht derzeit insbesondere wegen steigender Prämien unter Druck. Die SPD plädiert für die Einrichtung einer Bürgerversicherung, an der sich die private Krankenversicherung beteiligen können soll.
Wie stark die Prämie in der privaten Krankenversicherung steigen, ist heftig umstritten. Die Angaben von Analysten, öffentlichen Stellen und der Branche schwanken zwischen drei und neun Prozent pro Jahr. Das jeweilige Ergebnis hängt dabei stark vom Betrachter und der Rechenmethode ab.
Quelle: AOK-Studie „Krankenversicherungsmarkt der Zukunft“
Die Finanzaufsicht Bafin führt seit über einem Jahrzehnt eine Statistik über die Beitragsentwicklung der gut 40 privaten Krankenversicherer. Grundlage sind Angaben der Unternehmen. Bisher war diese Statistik unbekannt. Auf eine Anfrage der Linken im Bundestag ergab sich im April 2012: 5,2 Prozent Steigerung pro Jahr im Zeitraum 2000 bis 2010.
Die Branche ist mit Angaben über die Beitragsentwicklung sehr zurückhaltend. Gemeinhin beziehen sich die Manager auf Berechnungen von Analysten. In der PKV-Publik Ausgabe 03/2012 ist ein Wert von 3,3 Prozent pro Jahr genannt.
In der Branche stark beachtet wird der Map-Report. Dessen Berechnungen beruhen aber nur auf einem Teil der Branche, und zwar jenen Unternehmen, die an den Analysten Daten liefern. 5,3 Prozent pro Jahr berechnete der Map-Report für den Zeitraum 1997 bis 2008. Für den Zeitraum 1994 bis 2007 sind es 5,1 Prozent. Als Quelle dafür nennt die AOK-Studie das IGES Gutachten.
Die Analysten von Morgen & Morgen kommen auf 4,2 bis 5,0 Prozent pro Jahr. Die Basis für diese Berechnung sind einzelne Tarifsteigerungen gerechnet für alle Tarife im Zeitraum 1998 bis 2007. Als Quelle nennt die AOK-Studie das IGES Gutachten.
Die AOK-Studie „Krankenversicherungsmarkt der Zukunft“ berechnet die Steigerung der Prämie je Versicherter zwischen 1997 und 2007 auf 4,1 Prozent. Dabei wurden neue Tarife,
Selbstbehalte, Leistungskatalogänderungen nicht berücksichtigt. Quelle dafür: PKV-Zahlenbericht sowie eigene Berechnungen der Studienschreiber
Für einen männlichen Angestellten, 32 Jahre alt und die Ehefrau, 28 Jahre, versichert ab 1993, berechnete der Map-Report eine Beitragssteigerung von 4,1 - 7,5 Prozent pro Jahr. Quelle: IGES Gutachten
Für einen männlichen Angestellten, 32 Jahre alt und die Ehefrau, 28 Jahre, versichert ab 1993, berechnete der Map-Report in den Neukundentarifen eine Beitragssteigerung von 6,1 bis 8,9 Prozent pro Jahr.
Quelle: IGES Gutachten
Die Analysten von Morgen & Morgen haben für die günstigsten Tarife im Zeitraum von 1998 bis 2007 folgende Beitragssteigerung pro Jahr errechnet: 2,5 bis 3,3 Prozent
Quelle: IGES Gutachten
Die Analysten von Morgen & Morgen haben für die günstigsten Tarife im Zeitraum von 1998 bis 2007 folgende Beitragssteigerung pro Jahr errechnet: 4,9 - 5,3 Prozent
Quelle: IGES Gutachten
GKV: alle 32 Jahre, Steigerungsrate 2,2 Prozent pro Jahr
PKV: alle 17 Jahre, Steigerungsrate 4,1 Prozent pro Jahr
Zum Vergleich das BIP: alle 29 Jahre, bei einer Steigerungsrate von 2,4 Prozent
Quelle: Prognose in der AOK-Faktensammlung
Auf keinen Fall dürfe es so sein, dass die Mitglieder der gesetzlichen Versicherung für die Privatversicherten aufkommen müssten, die über viele Jahre günstige Prämien gezahlt hätten, warnte Pfeiffer. "Da wäre schon eher der Steuerzahler gefragt. Aber auch das halte ich für bedenklich."
Neben den neun Millionen Bürgern mit einer privaten Vollversicherung verfügen laut PKV-Verband rund 21 Millionen Deutsche über eine private Krankenzusatzversicherung.

Alle Wissenschaftler, Institutionen und Medien, die ohne Hinterfragen, solche Zahlen veröffentlichen, müssten voll in persönliche Haftung genommen werden und erst dann nochmals dazu befragt werden, wie Sie denn die Risiken der fehlenden Rücklagen der gesetzlichen Krankenversicherung und die Subventionierung durch den Staat hinsichtlich der Versichertenbeiträge bewerten:

Das ist ein alter Hut mit dem GKV-PKV Vergleich der Beratungsfirma Premium Circle.
Ein netter Versuch dieser Firma, die eigenen Vergleichsprogramme der PKV-Tarife wieder medienwirksam ins Gespräch zu bringen.
Das die GKV mehr Leistungen erbringt als 80% der Privaten KV-Tarife ist schlicht und einfach Unsinn. Das braucht man wohl nicht weiter zu kommentieren.
Alle Komforttarife der einzelnen Versicherer leisten selbstverständlich auch für Psychotherapeuten, Hilfsmittel, Anschlussheilbehandlung. Man kann sich natürlich auch die Leistungen der GKV schönreden und auch an einigen "Randpunkten" hochziehen, aber dass das Leistungsniveau insgesamt in der PKV deutlich höher als in der GKV ist, ist denke ich unumstritten.
Einen Punkt halte ich jedoch noch für sehr wichtig:
Wenn sogenannte "Einsteiger-Tarife" dem Kunden angeboten werden, muss DEUTLICH auf das niedrigere Leistungsniveau als in den Komforttarifen der PKV hingewiesen werden. Das sollte immer Bestandteil einer seriösen Beratung sein und wird ja auch in dem Beratungsprotokoll mit dem Kunden festgehalten.
Insofern kann der Kunde in der PKV frei über sein Leistungsniveau und letzlich auch über sein Preisniveau selbst entscheiden.

Immer wenn man nicht weiter weiß werden die demographischen Probleme vorgeschoben.
Da stellt sich bei mir nur die Frage warum ist die Rente bis heute noch nicht auf Kaptaldeckung umgestellt worden.
Vermutlich vertraut man den Spekulanten doch nicht so ganz.
Wer kann schon voraussehen was in 15 jahren ist, wie entwickelt sich das Sozialprodukt.
Hier noch etwas zu dem Thema bessere Leistungen der PKV.
aus Ärzte Zeitung
" Die meisten PKV-Tarife sind schlechter als die gesetzlichen Kassen - diese "gravierende Vorwürfe" eines Ökonomen haben die Politik aufgeschreckt. Die Länder fordern Konsequenzen und wollen der PKV intensiv auf den Zahn fühlen.
CDU-Minister Storm: Fundierte Diagnose stellen.
© Becker&Bredel / dpa
BERLIN (sun). Angesichts anhaltender Kritik am PKV-System hat der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), Andreas Storm (CDU), Konsequenzen gefordert.
"Die Vorwürfe sind gravierend. Jetzt muss geprüft werden, ob sie auch stichhaltig sind", sagte der saarländische Gesundheitsminister der "Ärzte Zeitung".
Daher solle der Sachverständigenrat ein Sondergutachten anfertigen, durch das es mehr Klarheit für die Versicherten geben könnte, forderte Storm.
Storm bezieht sich auf eine aktuelle Studie des Kieler Gesundheitsökonomen Thomas Drabinski und der Frankfurter Beratungsfirma PremiumCircle.
Handlungsbedarf ermitteln
Darin heißt es, dass mehr als 80 Prozent der Tarifsysteme der PKV weniger leisten als die gesetzliche Krankenversicherung.
Viele Versicherungen würden nur eingeschränkt Anschlussheilbehandlungen, Psychotherapien oder wichtige medizinische Hilfsmittel übernehmen. Zudem seien viele Tarife für die Versicherten zu intransparent."






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