
Düsseldorf.Die oberste Lobbyistin der Krankenkassen ringt mit dem Vorsitzenden des größten Krankenversicherers um die Meinungshoheit. Es geht um die Zukunft der Krankenversicherung – und um die Gunst der Politik. Die Streitfrage: Sollten neun Millionen Kunden der Privaten Krankenversicherung in die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) eingegliedert werden?
Doris Pfeiffer, die Chefin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, ist dafür. Denn sie hält die private Krankenversicherung dauerhaft nicht für überlebensfähig. "Aus meiner Sicht wird sich das System PKV auf Dauer nicht tragen", sagte Pfeiffer in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Vermutlich bedürfte es daher gar keiner politischen Entscheidung, für oder gegen die PKV.
Private und gesetzliche Krankenversicherung konkurrieren vor allem um Selbstständige und besser verdienende Kunden. Die Privaten haben die Nase vorn, obwohl ihre Beiträge langfristig stärker steigen. Doch die Gesetzlichen repräsentieren mit mehr als 70 Millionen Versicherten nach wie vor die große Masse – entsprechend ist ihr politisches Gewicht. Demgegenüber sind nur neun Millionen Menschen vollständig privat versichert.
Die Krankenkassen werben inzwischen ganz offen um die Abschaffung der Konkurrenz. Jüngstes Beispiel war Jürgen Graalmann, der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes. Sein Credo in einem Welt-Interview: „Die private Krankenversicherung kann nicht so weitermachen wie bisher. Ich halte das Geschäftsmodell der PKV in der Vollversicherung für gescheitert.“ Graalmann nennt dafür vier Gründe.
Die Beiträge in der PKV steigen immer weiter, monieren die Kritiker. In die Schlagzeilen geriet die PKV auch, weil manche Kunden unter extremen Erhöhungen leiden mussten. Zum Teil war die Ursache dafür eine verfehlte Geschäftspolitik der Versicherer und falsche Versprechen von Beratern.
Die Krankenkassen sehen die private Konkurrenz vor einem „immensen Kostenproblem“. Ursache ist: Die PKV-Unternehmen können die Kosten von Arzneimitteln nicht so gut drücken wie die Krankenkassen. Zudem rechnen Ärzte oft für Privatpatienten mehr ab als für Kassenpatienten. Zudem war der Druck, die Kosten im Griff zu halten, bisher geringer als bei den Krankenkassen.
Aus Umfragen schließen die Krankenkassen: Jeder dritte Privatpatient würde gerne zu einer gesetzlichen Krankenkasse wechseln. Vor allem ältere PKV-Kunden haben das Problem, dass sie im Rentenalter wahrscheinlich deutlich mehr als in der GKV zahlen.
SPD und Grüne haben mit einer Einheitsversicherung ein scheinbar attraktives Gegenmodell zur bisherigen Zweiteilung im Gesundheitswesen entworfen. AOK-Manager Graalmann kann damit gut leben, er sähe private und gesetzliche Anbieter dann als gleichberechtigte Wettbewerber.
Debeka-Chef Uwe Laue hält derlei für unsinnig, denn die Privaten ständen besser da. „Es wird Zeit, dass mit gängigen Vorurteilen und Klischees aufgeräumt wird“, erklärte er. „Die PKV ist mit ihrem Aufbau an Reserven für das Alter deutlich besser auf die demografische Entwicklung vorbereitet als die GKV, die dafür keine Reserven hat. Auch vor diesem Hintergrund ist die PKV mehr denn je ein unverzichtbarer Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems.“
Beide setzen damit den Systemstreit fort, der bereits seit Monaten zwischen GKV und PKV tobt. Linke Politiker und Krankenkassen sind die Speerspitze der Kampagne gegen die PKV. Selbst in CDU und FDP mehren sich jedoch inzwischen die Kritiker. Im Vorfeld der nächsten Bundestagswahl zieht sich damit die Schlinge zu: Die PKV kämpft immer verzweifelter ums Überleben. Denn die Anti-PKV-Front will nicht nur an die Rücklagen der Privaten, viele würden die PKV in ihrer heutigen Form am liebsten abschaffen und durch eine Bürgerversicherung für alle ersetzen.
Politiker, Manager und Ökonomen diskutieren seit Monaten über die Zukunft der Krankenversicherung in Deutschland. Einige Auszüge.
Volker Leienbach, PKV-Verband:
„Deutschland hat dank seines Zwei-Säulen-Systems aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung eine auch im internationalen Vergleich hervorragende Gesundheitsversorgung mit kurzen Wartezeiten, freier Arztwahl und medizinischem Fortschritt für alle.“
Der Linken-Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg sagte dem Handelsblatt: „Die Zahlen der Bundesregierung belegen, dass die PKV ihre besten Zeiten hinter sich hat.“ Beiträge und Ausgaben stiegen rasant und deutlich stärker als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Zinsentwicklung bei den Alterungsrückstellungen zeige, dass die PKV nicht demographiefest sei.
FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann fordert "grundlegende Veränderungen" von der Branche. „Ich bezweifle, ob die Vollversicherung in der heutigen Gestalt in der Zukunft noch so bestehen bleiben kann“, sagte er dem „Stern“.
Können die Versicherer überhaupt noch 3,5 Prozent am Kapitalmarkt erwirtschaften?
Professor Jürgen Wasem:
„Im Moment gelingt das noch, weil die Alterungsrückstellungen langfristig angelegt sind. Doch auf Dauer ist das zu bezweifeln, vor allem wenn die Kapitalmarktzinsen so niedrig bleiben wie derzeit. In der Lebensversicherung wurde daher der Garantiezins ja bereits auf 1,75 Prozent gesenkt.“
Jürgen Graalmann, Verbandschef der Krankenkassengruppe AOK:
„Ich halte das Geschäftsmodell der PKV im Bereich der Vollversicherung für gescheitert.“
Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der größten Krankenkasse Barmer GEK:
„Ich bin nicht dafür, die PKV abzuschaffen, sondern für einen fairen Wettbewerb beider Systeme. Allerdings müssen die privaten Krankenversicherer eine Reihe von Problemen angehen."
Uwe Laue, der Vorstandsvorsitzende des mit 2,2 Millionen Vollversicherten größten privaten Krankenversicherers:
"Die PKV ist die bessere Alternative im Gesundheitswesen.“ Laue beklagt eine „Anti-PKV-Propaganda, bei der Einzelfälle ohne Hintergründe und Beweise skandalisiert werden, um ein funktionierendes System Schritt für Schritt kaputt zu reden“.
Die Krankenkassen halten das Geschäftsmodell der PKV für gescheitert. Hat ihr letztes Stündchen bald geschlagen?
Reinhold Schulte, Chef des PKV-Verbandes und des Versicherers Signal Iduna:
„Jedes Jahr wechseln deutlich mehr Menschen aus der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die Private Krankenversicherung als in umgekehrter Richtung. Gegenteilige Behauptungen sind absurd und nachweislich falsch. Wenn einzelne Vertreter gesetzlicher Krankenkassen versuchen, einen anderen Eindruck zu erwecken, ist das nicht seriös.“
Die Krankenkassen verweisen zur Begründung ihrer Haltung immer wieder auf die steigenden Beiträge. Das Problem sei das Geschäftsmodell der PKV: "Wenn man jungen Versicherten niedrige Prämien mit einem scheinbar unbegrenzten Leistungsangebot offeriert, kann das auf Dauer nicht funktionieren", sagte Pfeiffer. Dies mache sich im Zusammenhang mit dem medizinischen Fortschritt, mit Kostensteigerungen und der demografischen Entwicklung zunehmend bemerkbar.

Alle Wissenschaftler, Institutionen und Medien, die ohne Hinterfragen, solche Zahlen veröffentlichen, müssten voll in persönliche Haftung genommen werden und erst dann nochmals dazu befragt werden, wie Sie denn die Risiken der fehlenden Rücklagen der gesetzlichen Krankenversicherung und die Subventionierung durch den Staat hinsichtlich der Versichertenbeiträge bewerten:

Das ist ein alter Hut mit dem GKV-PKV Vergleich der Beratungsfirma Premium Circle.
Ein netter Versuch dieser Firma, die eigenen Vergleichsprogramme der PKV-Tarife wieder medienwirksam ins Gespräch zu bringen.
Das die GKV mehr Leistungen erbringt als 80% der Privaten KV-Tarife ist schlicht und einfach Unsinn. Das braucht man wohl nicht weiter zu kommentieren.
Alle Komforttarife der einzelnen Versicherer leisten selbstverständlich auch für Psychotherapeuten, Hilfsmittel, Anschlussheilbehandlung. Man kann sich natürlich auch die Leistungen der GKV schönreden und auch an einigen "Randpunkten" hochziehen, aber dass das Leistungsniveau insgesamt in der PKV deutlich höher als in der GKV ist, ist denke ich unumstritten.
Einen Punkt halte ich jedoch noch für sehr wichtig:
Wenn sogenannte "Einsteiger-Tarife" dem Kunden angeboten werden, muss DEUTLICH auf das niedrigere Leistungsniveau als in den Komforttarifen der PKV hingewiesen werden. Das sollte immer Bestandteil einer seriösen Beratung sein und wird ja auch in dem Beratungsprotokoll mit dem Kunden festgehalten.
Insofern kann der Kunde in der PKV frei über sein Leistungsniveau und letzlich auch über sein Preisniveau selbst entscheiden.

Immer wenn man nicht weiter weiß werden die demographischen Probleme vorgeschoben.
Da stellt sich bei mir nur die Frage warum ist die Rente bis heute noch nicht auf Kaptaldeckung umgestellt worden.
Vermutlich vertraut man den Spekulanten doch nicht so ganz.
Wer kann schon voraussehen was in 15 jahren ist, wie entwickelt sich das Sozialprodukt.
Hier noch etwas zu dem Thema bessere Leistungen der PKV.
aus Ärzte Zeitung
" Die meisten PKV-Tarife sind schlechter als die gesetzlichen Kassen - diese "gravierende Vorwürfe" eines Ökonomen haben die Politik aufgeschreckt. Die Länder fordern Konsequenzen und wollen der PKV intensiv auf den Zahn fühlen.
CDU-Minister Storm: Fundierte Diagnose stellen.
© Becker&Bredel / dpa
BERLIN (sun). Angesichts anhaltender Kritik am PKV-System hat der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), Andreas Storm (CDU), Konsequenzen gefordert.
"Die Vorwürfe sind gravierend. Jetzt muss geprüft werden, ob sie auch stichhaltig sind", sagte der saarländische Gesundheitsminister der "Ärzte Zeitung".
Daher solle der Sachverständigenrat ein Sondergutachten anfertigen, durch das es mehr Klarheit für die Versicherten geben könnte, forderte Storm.
Storm bezieht sich auf eine aktuelle Studie des Kieler Gesundheitsökonomen Thomas Drabinski und der Frankfurter Beratungsfirma PremiumCircle.
Handlungsbedarf ermitteln
Darin heißt es, dass mehr als 80 Prozent der Tarifsysteme der PKV weniger leisten als die gesetzliche Krankenversicherung.
Viele Versicherungen würden nur eingeschränkt Anschlussheilbehandlungen, Psychotherapien oder wichtige medizinische Hilfsmittel übernehmen. Zudem seien viele Tarife für die Versicherten zu intransparent."






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