
DüsseldorfViele Privatpatienten sind empört: Ihr privater Krankenversicherer hat gerade den Beitrag mit einem zweistelligen Prozentsatz erhöht. Vor allem langjährige Kunden fühlen sich gefangen, weil sich ein Versichererwechsel meist nicht lohnt. Verbraucherschützer ermutigen dennoch zum Widerstand: Es gebe verschiedene Wege, um die Prämie beim eigenen Versicherer zu drücken.
Einer, der dies schon aktiv tut, ist Helmut Müller (Name geändert). Die Kölner Central hat ihm dieses Jahr den Beitrag um 50 Prozent erhöht. Nun nutzt er erneut eine "Tarifberatung", weil er innerhalb seines Versicherers wechseln will.
Tarifwechsel lohnt sich
Dazu ist jeder Kunde berechtigt, wie im Paragrafen 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) festgelegt. Allerdings bietet nicht jede Gesellschaft diese Möglichkeit auch aktiv an. Manche versuchen sogar, solche Wechsel zu verhindern, wissen Berater.
Tarifwechsel rechnen sich, stellte Helmut Müller fest. Auf diese Weise senkte er in den vergangenen fünf Jahren seine Versicherungsleistungen immer weiter, "um die immensen Beitragserhöhungen der Central abzufangen". In anderen Fällen verzichteten Altkunden nur auf wenige Leistungen, zahlten dann jedoch zu ihrer Überraschung deutlich weniger. Dass die Beiträge dauerhaft auf niedrigerem Niveau bleiben, ist jedoch nicht garantiert.
Die Krankenversicherung zu wechseln rechnet sich in der Regel nur, wenn der Kunde erst wenige Jahre bei einem Unternehmen privat voll versichert ist. Altkunden, die länger als sieben bis zehn Jahre dabei sind, haben bereits relativ hohe Altersrückstellungen aufgebaut, die sie bei einem Versichererwechsel verlieren würden. Faustformel für die Altersrückstellungen: Wer zehn Jahre privat versichert ist, profitiert von einem Beitragsrabatt von etwa 100 Euro im Monat.
Für die meisten Altkunden rechnet sich am ehesten ein Tarifwechsel beim eigenen Krankenversicherer. Das geht aber nur bei Unternehmen mit vielen Tarifvarianten. Manche Versicherer versuchen auch, solche internen Wechsel zu verhindern. Das Recht dafür hat aber jeder Altkunde. Es ist in Paragraf 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) gesetzlich fixiert. Wenn der Versicherer bockt, helfen externe Berater und Makler im Tarifdschungel.
Der Tarifwechseln innerhalb des Versicherers ist ohne neuerliche Gesundheitsprüfung möglich und die Leistungen sind mitunter fast identisch. Wer schon gewechselt hat und noch mehr sparen will, kann seine zugesagten Leistungen überprüfen und etwa aus dem Einbett- ein Zweitbettzimmer machen.
Eine beliebte Möglichkeit, um Prämien zu sparen ist der Selbstbehalt. Das ist der Eigenanteil des Kunden, den er auf jeden Fall trägt. Ein Selbstbehalt rechnet sich vor allem für Privatpatienten, die keine oder nur geringe Leistungen in Anspruch nehmen, also sehr gesund sind. Die Regel gilt: Je höher der Selbstbehalt, um so niedriger die monatliche Prämie.
Wer bereits vor dem 01.01.2009 privat krankenversichert war, kann in den sogenannten "Standardtarif" gehen. Dies bedeutet im Prinzip eine Versicherung auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenkassen. Die Gefahr: Eventuell müssen Privatpatienten einen großen Teil ihrer ärztlichen Behandlungskosten selbst tragen, warnt die Verbraucherzentrale in Mainz. Denn Standardtarife sehen in der Regel einen Kostenersatz in Höhe des 1,8fachen Gebührensatzes vor. Privatärztliche Behandlungen werden jedoch oftmals mit dem 2,3fachen bis 3,5fachen Satz berechnet.
Wer sich nach dem 31.12.2008 erstmals privat krankenversichert hat, kann in den "Basistarif" gehen. Der Wechsel bedeutet ebenfalls: Leistungen auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenkassen. Der Arzt ist allerdings nicht gesetzlich verpflichtet, Privatpatienten auch zum Satz der gesetzlichen Krankenkassen zu behandeln. Der Beitrag im Basistarif sei maximal so hoch wie der durchschnittliche Höchstsatz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), erklärt die Verbraucherzentrale Mainz. Das seien derzeit ca. 630 Euro.
Oft finden Kunden im Gespräch mit ihrem Versicherer keine befriedigende Lösung. In diesem Fall raten Verbraucherschützer, sich mit einer Beschwerde an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zu wenden. Adresse: Graurheindorfer Str. 108, 53117 Bonn. Der Vorteil: Wenn ein Unternehmen dort häufiger negativ auffällt, schauen die Aufseher vielleicht genauer hin. Bei einem generell hohen Beschwerdeniveau reagiert unter Umständen auch die Politik schneller.
Einige Altkunden klagen immer wieder gegen Beitragserhöhungen. Der Erfolg hängt davon ab, ob man den richtigen Gutachter eingeschaltet hat. Spezialisten können Mängel in den Begründungen des Versicherers erkennen, die ein normaler Kunde nicht sieht. Prozesse ziehen sich jedoch oft lange hin. Zudem gibt es wenige Grundsatzurteile. Denn, wenn ein Versicherer erkennt, dass er verliert, schließt er schnell einen Vergleich. Meistens nehmen die Kunden diesen dann an.
Mehr als 140.000 Kunden in der Privaten Krankenversicherung zahlen derzeit ihre Beiträge nicht. Der Schaden summiert sich bereits auf mehr als eine halbe Milliarde Euro. Manche Unternehmen wie Hanse-Merkur bieten daher bereits für 80 bis 100 Euro Tarife an, die sie insbesondere Kunden anbieten, die Zahlungsprobleme haben. Politisch drängt der PKV-Verband, solche Tarife generell einzuführen. Deren Nachteil: Extrem niedrige Leistungen und sehr hoher Selbstbehalt.
Manche Kunden überlegen wegen saftiger Beitragserhöhungen, ob sie nicht auch ins Lager der Nichtzahler wechseln. Nichtzahler haben im Gegensatz zu früher den Vorteil, dass ihr Versicherer sie nicht mehr rauswerfen kann, ein grundlegender Krankenschutz für Notfälle existiert also weiter. Viele Unternehmen sind zudem nicht in der Lage, ausstehende Beiträge wirksam einzutreiben. Die Zeche bezahlen die Altkunden, deren Beiträge daher zum Teil kräftig erhöht worden sind. Der Nachteil: Die Versicherer können Nichtzahlern den Gerichtsvollzieher auf den Hals hetzen. Das bringt große Unannehmlichkeiten mit sich.
Hilfe beim Tarifwechsel bieten auch Berater und Makler im Internet gegen ein Honorar an. Die Verbraucherzentrale Mainz beurteilt diesen Service skeptisch: "Uns liegen dazu Beschwerden vor, wonach der Vermittler lediglich komplette Leistungsvereinbarungen aus dem Vertrag hat streichen lassen und für die damit verbundene angebliche Beitragsersparnis auch noch ein Honorar verlangt hat."
Auch Helmut Müller will lieber direkt mit der Central verhandeln. Er ist jedoch skeptisch. Ob es überhaupt noch Spielraum für weiteres Abspecken gäbe? Ein Central-Berater rechtfertigte am Telefon erst einmal die saftige Verteuerung seines Kerntarifs, unter anderem mit den vielen Nichtzahlern, versprach dann aber, Angebote zu schicken.
Was könnte das sein? Eine Möglichkeit wäre, den Selbstbehalt zu erhöhen. Müller müsste also selbst mehr bezahlen, wenn er zum Arzt geht, bevor sein Versicherer einspringt. Dies zählt zu den Standardangeboten der Versicherer.
In Deutschland sind neun Millionen Menschen privat voll krankenversichert. Die gesetzliche Konkurrenz, die Krankenkassen, versichert rund 70 Millionen. Insgesamt gibt es gut 40 private Krankenversicherer. Die Produkte werden zum Teil stark über Vermittler vertrieben, die sich gern an den versprochenen Provisionen orientieren.
Der Versicherungsverein aus Koblenz hat mit Abstand die meisten Vollversicherten: 2,1 Millionen. Der größte Teil davon sind Beamte. Die Gesellschaft hat in der Regel die meisten Zugänge pro Jahr, hat eine vergleichsweise einfache Tarifstruktur, bietet keine Billigtarife und ist bekannt für ihre Sparsamkeit.
Die Tochter des Erstversicherers Ergo hatte 2010 durch die Fusion mit der Victoria mehr Beitragseinnahmen als der Konkurrent Debeka, doch nach mit gut 900.000 deutlich weniger Vollversicherte. Experten gehen davon aus, dass die Debeka auch bald gemessen an den Beitragseinnahmen wieder vorn liegt, weil die DKV nicht so stark wachsen dürfte. Das Unternehmen saniert gerade seine Tarifstruktur.
Die Tochter des französischen Versicherers ist durch Fusionen die Nummer drei geworden. Sie liegt mit gut 730.000 Vollversicherten ein gutes Stück hinter der DKV und ist im Gegensatz zur Ergo-Tochter 2010 gewachsen.
Die Krankenversicherung des größten europäischen Versicherungskonzerns verliert seit Jahren Vollversicherte, auch in 2010. Das Geschäftsfeld ist im Kontext des großen Allianz-Konzerns sehr klein, weshalb es immer wieder Gerüchte gibt, der Konzern würde sich lieber ganz auf Zusatzversicherungen im Rahmen einer Bürgerversicherung konzentrieren.
Die Tochter des Generali-Konzerns hat ein großes Problem mit Billigtarifen und Nichtzahlern. In den vergangenen Jahren ist das Unternehmen sehr stark gewachsen und hat daher inzwischen mehr als eine halbe Million Vollversicherte. Doch viele neue Kunden haben nicht das gehalten, was sich der Versicherer von ihnen versprochen hat. Daher muss die Gesellschaft in 2011 mit saftigen Beitragserhöhungen für ihre Altkunden reagieren, um Verluste in den Griff zu bekommen.
Der Versicherungsverein versucht seinen Bestand von rund 470.000 Vollversicherten zu halten und hält auch seine Beitragserhöhungen in Grenzen. Neuer Schwung ist in das Unternehmen gekommen, seit die Krankenversicherung des Deutschen Ring in die Gruppe eintrat. Dieses Unternehmen wächst vergleichsweise stark und ist mit 125.000 Vollversicherten die Nr. 18 der Branche.
Die Tochter des größten Sparkassenversicherers Versicherungskammer Bayern (VKB) hat 2010 Kunden verloren. Knapp 390.000 Vollversicherte schützt das Unternehmen.
Der Dortmunder Versicherungsverein ist stark auf die Krankenversicherung spezialisiert und hat keine Scheu, auch unbequeme Meinungen innerhalb der Branche offensiv zu vertreten. 2010 stagnierte die Zahl der Vollversicherten bei 385.000. Aufgefallen ist der Versicherer in 2011 mit einer Beitragsrückerstattung von 55,3 Millionen Euro.
Der Versicherungsverein sorgt auch in der Krankenversicherung für frischen Wind und profitiert von seiner vergleichsweise schlanken Kostenstruktur. In 2010 stieg die Zahl der Vollversicherten auf 374.000.
Der Versicherer aus Wuppertal versucht seit einigen Jahren, seinen Bestand zu halten, verlor aber in 2010 dennoch weitere Vollversicherte. Gut 300.000 sind es insgesamt.
Die Gesellschaft gehört zum Konzern Alte Leipziger. Zuletzt hat sich das Unternehmen auf die Seite derjenigen geschlagen, die hohe Provisionen in der privaten Krankenversicherung ablehnen. Die Gesellschaft hat 230.000 Vollversicherte.
Traditionell gehört der nicht konzerngebundene Versicherungsverein aus Lüneburg zu den Unternehmen, die kostenbewusst arbeiten. Die gut 200.000 Vollversicherten erhielten über Beitragsrückerstattungen und für kostenbewusstes Verhalten in 2010 insgesamt 68 Millionen Euro gutgeschrieben.
Die Gesellschaft aus Hamburg expandierte in den vergangenen Jahren sehr stark und hat sich auf Billigtarife spezialisiert. Im Gegensatz zu einigen größeren Konkurrenten hat der Versicherer allerdings weniger Probleme mit dieser Klientel. Das Problem der Nichtzahler versucht Hanse-Merkur mit einem eigenen extrem günstigen Tarif in den Griff zu bekommen.
Der Versicherer aus der Nähe von Stuttgart hat ein übersichtliches Tarifwerk und lehnt geschlossene Tarife ab. Für 2012 erhöht er die Beiträge seiner knapp 170.000 Vollversicherten um durchschnittlich 1,2 Prozent. Das ist deutlich weniger als der langjährige Durchschnitt der Branche.
Mit rund 167.000 Vollversicherten ist der Versicherungsverein aus Köln die Nr. 15 unter den gut 40 privaten Krankenversicherern. Die Beiträge seiner insgesamt 600.000 Kunden (Voll- und Zusatzversicherte) hat der Versicherer für 2012 im Schnitt über alle Kunde gerechnet um fünf Prozent erhöht. Da nur 250.000 Kunden betroffen sind, fallen einzelne Anpassungen wesentlich höher aus.
Auch wenn es diese schöne Möglichkeit nach dem Gesetz gibt: Als Versicherter durch eigenes Geschick einen wirklich vorteilhaften Tarifwechsel zu erreichen, ist wegen der Blockadehaltung vieler Gesellschaften sehr unwahrscheinlich. Denn der Versicherte hat keine Möglichkeit nachzuprüfen, ob ihm seine Gesellschaft überhaupt einen geeigneten Tarif vorschlägt oder ob es deren gar mehrere gibt. Spezielle Beratung, bei der auch Profisoftware eingesetzt wird, ist sehr zu empfehlen, wenn diese Beratung auch nicht umsonst ist.
Es gibt für Tarifwechselberatungen einen speziellen Berufsstand: die behördlich zugelassenen Versicherungsberater, die allerdings auch auf die PKV spezialisiert sein sollten. Diese dürfen von Versicherungsgesellschaften keine Provisionen annehmen und sind zur Hilfestellung - anders als Versicherungsmakler - auch rechtlich befugt. Ein Angebot ist z.B. www.optimal.so
Super, darauf habe ich gewartet. Ich bin weder Beamter noch bekomme ich mein Geld von der ARGE weil ich aus irgendeinem Nachbarstaat eingewandert bin und mich hier auf die faule Haut lege, sondern ich muss jeden Tag um 6 Uhr aufstehen und 6 Tage in der woche dafür arbeiten das ich nicht nur mich und meine Familie versorgen und absichern kann sondern auch solche Menschen wie Sie utnerhalten muss. Salut! Sauber! Damit bestätigen Sie die beschissene Integrationspolitik wieder mal und schaden so ganz nebenbei allen anderen ausländischen Mitbürgern. Ich weiß warum ich unter anderem nie mehr an Ausländer vermiete.
Es ist schon erschreckend das man als Beitragszahler für die Nichtzahler zur Kasse gebeten wird. Ich bin seit über 40 Jahren privat versichert und mein Vertrag wurde über etliche Fusionen, Vertragsübertragungen bei unterschiedlichen Versicherungen schon geführt. Ich hatte nie Probleme in der Vergangenheit, aber seit ich bei der AXA gelandet bin, ist es ein Desaster. Nach der Fusion hatte die AXA keine Kapazitäten die Leistungsabrechnungen durchzuführen. Ich mußte Monate lang auf Erstattungen von etlichen Tausend Euro warten - keine Entschuldigung. Im August hatte ich den Beitrag zu spät gezahlt - obwohl ich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Forderung aus Leistungsabrechnung hatte wurde der Anwalt beauftragt. Besser noch, man verrechnete NICHT die volle offene Forderung mit dem Beitrag sondern erzeugte künstlich die Forderungshöhe. Meine Zahlung wurde ohne Registrierung an die Anwälte gegeben und aus aus weiterer Leistungserstattung nochmals 3.600 Euro. Damit waren von mir fast 4.500 Euro "unterwegs". Mein Monatsbeitrag bei der AXA beträgt immerhin 974 Euro. Ich war jedoch erstaunt, das der Beitrag für 2012 für mich gesenkt wird. Trotzdem meine Devise: NIEMALS FREIWILLIG AXA





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