HamburgDie deutschen Lebensversicherer können sich langfristige Renditeversprechen nach Ansicht der Hanse-Merkur angesichts niedriger Zinsen auf Dauer nicht mehr leisten. "Wir werden den Garantiezins nicht über eine lange Zeit durchhalten können", sagte Vorstandschef Fritz Horst Melsheimer der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Niedrigzinsphase werde die Versicherungsbranche noch lange Zeit begleiten. Der Chef des Hamburger Versicherers brachte Lebensversicherungen mit einem befristeten Garantiezins ins Gespräch. Womöglich reiche eine Zusage für die ersten zehn Jahre, sagte er.
Die jährliche Zinsgutschrift der Lebensversicherer heißt Überschussbeteiligung. Sie setzt sich zusammen aus dem Garantiezins und einem Bonus. Derzeit beträgt der Garantiezins 1,75 Prozent. In alten Verträgen kann er bis zu vier Prozent betragen.
Die Lebensversicherer weisen neben der Überschussbeteiligung gerne noch die Gesamtverzinsung eines Vertrags aus, der im nächsten Jahr ausbezahlt wird. Diese Prozentzahl ist etwas höher, weil der Kunde noch einen Zuschlag aus weiteren Gewinntöpfen der Lebensversicherer erhält - weil er bis zum Ende durchgehalten hat.
Analysten erwarten, dass die Überschussbeteiligung für 2013 weiter sinken wird – von knapp vier Prozent in diesem Jahr auf etwa 3,6 Prozent im nächsten Jahr. Einen Überblick liefert die Ratingagentur Assekurata.
Die Zinsgutschriften der Lebensversicherungen fallen seit mehr als einem Jahrzehnt. Ursache ist der starke Rückgang der Kapitalmarktzinsen.
Der Branchenführer Allianz senkt die Überschussbeteiligung von 4,0 auf 3,6 Prozent und verabschiedet sich damit von der magischen Vier-Prozent-Marke.
Für Ergo Leben sinkt die Überschussbeteiligung auf 3,2 von 3,8 Prozent, für Victoria Leben auf 3,0 von 3,5 Prozent. Die Gruppe verwaltet mehr als sieben Millionen Verträge. Ähnlich schlecht ist der große Versicherer Zurich mit 3,0 Prozent.
Der mittelgroße, aber sehr kapitalstarke Lebensversicherer senkt die Überschussbeteiligung ebenfalls stark von 3,85 Prozent auf 3,35 Prozent. Der Vorreiter der Branche im Jahr 2012.
Der kleine Lebensversicherer zahlt im fünften Jahr in Folge eine stabile Gesamtverzinsung von 4,9 Prozent. Dieser Satz setze sich zusammen aus einer laufenden Überschussbeteiligung von 4,0 Prozent sowie einem Schlussüberschuss von 0,9 Prozent.
Die Lebensversicherer der DEVK trotzen dem historisch niedrigen Zinsniveau: Für das Jahr 2013 schütten sie eine Überschussbeteiligung in Höhe von 4,0 Prozent aus. Im Vorjahr waren es 4,1 Prozent
Die Gesamtverzinsung für das Jahr 2013 wurde auf 3,6 Prozent festgelegt (Vorjahr: 3,75 Prozent). Die Überschussbeteiligung, die niedriger sein dürfte, teilte der Versicherer nicht mit.
Die Kunden des Landeslebenshilfe V.V.a.G. (LLH) erhalten für ihre Guthaben in 2013 eine laufende Verzinsung von 4,25 Prozent und damit eine seit Jahren überdurchschnittlich hohe Überschussbeteiligung. Einschließlich Schlussüberschussbeteiligung werde sich eine Gesamtverzinsung von durchschnittlich 5,0 Prozent ergeben, die damit weiterhin deutlich über dem Marktniveau liegen werde, teilte der Versicherer mit. Noch etwas besser ist Targo mit 4,3 Prozent.
Die Gesamtverzinsung der Provinzial Rheinland sind im Vergleich zum Vorjahr um 0,15 Prozent auf insgesamt 4,1 Prozent (inkl. Schlussüberschuss und Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven). Die darin enthaltene laufende Verzinsung liege bei 3,4 Prozent, teilte der Sparkassenversicherer aus Düsseldorf mit.
Entgegen dem Trend in der Lebensversicherungsbranche hält die Heidelberger Lebensversicherung AG für das Jahr 2013 die Überschussbeteiligung konstant auf dem Vorjahresniveau von 4,0 Prozent. Aufgrund der Spezialisierung auf fondsgebundene Produkte sei das Unternehmen nur im geringen Umfang von der aktuellen Niedrigzinsphase betroffen.
Die Stuttgarter Lebensversicherung a.G. bietet eine laufende Verzinsung von 4,0 Prozent (Vorjahr 4,2 Prozent). Zusammen mit der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven und den Schlussüberschussanteilen ergebe sich für 2013 eine Gesamtverzinsung von 4,81 Prozent (errechnet nach Assekurata-Modellfall, Laufzeit 25 Jahre).
Für die klassischen Renten- und Lebensversicherungen von AXA und DBV wird die laufende Verzinsung (Garantieverzinsung plus Zinsüberschussanteil) im kommenden Jahr bei 3,65 Prozent liegen (2012: 3,8 Prozent). Die Gesamtverzinsung 2013 wird einschließlich des Kostenüberschussanteils, des Schlussgewinnanteils und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven im Schnitt 4,4 Prozent erreichen (2012: 4,6 Prozent).
Die Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. legt ihre laufende Verzinsung für das Jahr 2013 auf 3,65 Prozent (2012: 4,05 Prozent) fest.
Die Nürnberger Lebensversicherung und die Nürnberger Beamten Lebensversicherung halten ihre Überschussbeteiligung stabil bei vier Prozent. Auch für 2012 und 2011 galten diese Werte. Dies ergibt sich aus der Assekurata-Überschussstudie 2013.
Der Garantiezins ist den Versicherern schon länger ein Dorn im Auge. Denn er steht bei Vertragsabschluss für die gesamte Laufzeit des Vertrages fest - doch den Versicherern fällt es schwer, Anlagen zu finden, die über eine so lange Zeit sichere Renditen abwerfen.
Mit 1,75 Prozent ist die maximal erlaubte Garantie für viele Kunden ohnehin nicht mehr so attraktiv. Der Rest der Gesamtverzinsung, die Überschussbeteiligung, kann jedes Jahr neu festgelegt werden. Der Garantiezins lag auch schon deutlich höher - bis zu vier Prozent. Doch diese Altverträge sind heute ein Problem für die Branche.
Auch Hanse-Merkur schraubt die Zinsen für ihre Lebensversicherungskunden für das nächste Jahr weiter herunter. Die Gesamtverzinsung werde auf etwa vier Prozent sinken, kündigte Melsheimer an. Die genaue Höhe soll der Vorstand am Montag beschließen.
Zuletzt lag die Verzinsung einschließlich Schlussüberschuss und ausgeschütteter Bewertungsreserven im Schnitt bei 4,5 Prozent. Marktführer Allianz hatte die Gesamtverzinsung der Sparanteile um 0,3 Punkte auf 4,2 Prozent gesenkt. Bei der zur Münchner Rück gehörenden Ergo schrumpft die Gesamtverzinsung auf 3,55 (2012: 4,15) Prozent.
Bei Europa beträgt die Beitragsrendite 5 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,35 Prozent.
(Quellen: Morgen & Morgen, BVI, Map-Report, Allianz)
Bei Cosmos Direkt beträgt die Beitragsrendite 4,50 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,05 Prozent.
Bei Targo beträgt die Beitragsrendite 4,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,60 Prozent.
Bei Huk beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.
Bei der Öffentlichen Braunschweig beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,80 Prozent.
Bei der Allianz beträgt die Beitragsrendite 3,80 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.
Bei Rheinland beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,60 Prozent.
Bei Universa beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,50 Prozent.
Bei der Öffentlichen Berlin beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,30 Prozent.
Bei der VPV Lebensversicherungs AG beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,25 Prozent.
Beim Münchener Verein beträgt die Beitragsrendite 2,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 3 Prozent.
Die Gesamtverzinsung ist wichtig für Kunden, deren Verträge im nächsten Jahr auslaufen. Die Versicherer geben diesen Zinssatz derzeit gerne an, weil er häufig noch um die vier Prozent liegt. Daneben achten Kunden, deren Verträge noch weiter laufen, auf die sogenannte Überschussbeteiligung. Diese wird Jahr für Jahr den Verträgen gutgeschrieben.
Waren es im Schnitt der Branche in diesem Jahr noch knapp vier Prozent, so tendiert die Überschussbeteiligung für 2013 deutlich in Richtung drei Prozent. Die Ursache ist der langfristige Verfall der Kapitalmarktzinsen, der auch an den Versicherer über kurz oder lang nicht spurlos vorüberzieht. Die Euro-Schuldenkrise und der Wertverfall von Staatsanleihen südeuropäischer Länder belasten die Finanzbranche. Dazu kommen verschärfte Eigenkapitalvorschriften.
Bei der Nettoverzinsung werden sämtliche Erträge und Aufwendungen aus Kapitalanlagen berücksichtigt. In die Berechnung einbezogen sind somit auch Erträge und Verluste aus dem Abgang von Kapitalanlagen sowie die Abschreibungen auf Wertpapiere. Diese Kennzahl kann daher relativ starken Schwankungen unterworfen sein. Die Berechnung der Nettoverzinsung erfolgt nach den Empfehlungen des LV-Verbandes.
Abschlusskosten entstehen im Zusammenhang mit dem Neugeschäft. In der Regel sind die Kosten kalkulatorischer Bestandteil des Versicherungsprodukts, die der Versicherungsnehmer (zumindest teilweise) im Rahmen seiner Prämie trägt.
Diese Kostenquote beinhaltet die Kostenpositionen des Jahresabschlusses, die nicht unmittelbar dem Neugeschäft zuzuordnen sind. Hieraus lässt sich erkennen, wie hoch die Kostenbelastung in Relation zu den eingenommenen Beiträgen ist.
Der freien RfB (Rückstellung für Beitragsrückerstattung) kommt die Bedeutung einer Pufferfunktion zur Glättung der jährlichen Gewinnbeteiligung zu. Die freie RfB in Prozent der Deckungsrückstellung ist ein Indikator für die Höhe dieses „Puffers“ in Relation zur gesamten Deckungsrückstellung der Versicherten im Geschäftsjahr.
Die Zuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB in Prozent der gebuchten Bruttobeiträge und Nettoerträge aus Kapitalanlagen) gibt Aufschluss darüber, wie groß der Anteil der Erträge ist, der der Versichertengemeinschaft in Form von Überschüssen zugute kommt.
Das Wachstum eines Versicherungsunternehmens wird hier an drei Größenpositionen gemessen: Entwicklung der Beiträge (50%), Entwicklung der Kapitalanlagen (25%) und Entwicklung der Versicherungssummen (25%).
Das Storno erfasst die Verträge der kapitalbildenden Tarife (Kapital- und Rententarife), die vorzeitig - also vor Vertragsablauf - gekündigt oder beitragsfrei gestellt werden. Es lässt einen Rückschluss auf die Qualität der Beratung, der Tarife und der Vertriebswege zu.
Die modifizierte Eigenmittelquote ist ein Maßstab dafür, in welchem Umfang ein Lebensversicherer Risiken durch die Eigenmittel Eigenkapital und Schlussüberschussanteil-Fonds (SÜAF) abdecken kann. Hierfür wird eine Quote gebildet, welche die Summe dieser beiden Eigenmittel der Deckungsrückstellung gegenüberstellt.
Die Reservequote zeigt, wie groß der Anteil der so genannten Stillen Reserven in Prozent der gesamten Kapitalanlagen zum Bilanzstichtag war. Die Stillen Reserven ergeben sich im Wesentlichen aus abgeschriebenen bzw. zum Niederstwert angesetzten Buchwerten (z. B. Grundstücke, Aktien und Investmentfondsanteile) gegenüber ihren zum Stichtag ermittelten und angesetzten Marktwerten. Die Bewertungsreserve wurde erstmals im Bilanzjahrgang 1997 in den Geschäftsberichten ausgewiesen. Seit dem Bilanzjahrgang 2007 sind auch die Stillen Reserven in den zu Nennwert bilanzierten Kapitalanlagen angabepflichtig und sind entsprechend integriert. Quelle: Morgen & Morgen
Melsheimer verweist darauf, dass Lebensversicherungs-Kunden vielfach die über Jahrzehnte eingegangenen Verträge nicht mehr durchhalten. Ihnen solle es erleichtert werden, Lebensversicherungen auszusetzen. "Wir werden zum Prinzip einer Einmalversicherung kommen müssen, wie sie im angelsächsischen Raum üblich ist."
Geschäftlich läuft es bei der Hanse-Merkur rund. Melsheimer stellte für dieses Jahr ein prozentual zweistelliges Wachstum der Beitragseinnahmen in Aussicht. Der Überschuss werde voraussichtlich um ein Fünftel wachsen. "Wenn uns die Kapitalmärkte nicht noch einen Strich durch die Rechnung machen, werden wir 2012 einen Rekordüberschuss erwirtschaften."

Der Garantiezins ist den Versicherern ein Dorn im Auge? Im Gegenteil: Der Garantiezins ist die Lebensversicherung der Lebensversicherung und somit - auch bei einer Höhe von 1,75% noch der einzige Grund, warum es sinnvoll ist, überhaupt noch eine Versicherung abzuschließen. Wer einen Vergleich haben möchte, braucht sich ja nur einmal die Abwärtsspirale bei der Entwicklung der fondsgebundenen Lebensversicherung anzuschauen!

Die Dow Jones Gold RAtio war 1980 bei 800 Gold zu 800 Dow . Im Moment ist der Dow Jones bei 13.000. Wenn Gold also bei 13.000 Dollar und der Dow auch dort ist , sollte man vielleicht Gold verkaufen....

...die diskussion ist nicht zielführend. meines erachtens liegt es lange zurück und begründet sich in der struktur der vericherungen. vielleicht sollte sich einmal jemand ansehen, was über jahrzehnte, an vertrieb, aktionäre und institutionelle anleger geflossen ist. hmi, ist ja nur ein jungstes beispiel dafür. ich persönlich habe vor vielen jahren eine lv bei der schweizerischen lv abgeschlossen, was mir damals als sinnvoll erschien, war es doch eine versicherung auf gegenseitigkeit, was übrigens von dem versicherungsvertreter auch als argument angeführt wurde. seit sich die nachfolgeorganisation swiss life dann in eine AG gewandelt hat sind die leistungen immer schlechter geworden...ein schelm wer böses dabei denkt....für mich liegen hier die versäumnisse, die jetzt einmal wieder auf dem rückender kunden ausgetragen werden....vielleicht sollte einmal in der ri htug weitergedacht werden, an den aktuellen marktbedingungen kann ja nun einmal nichts verändert werden....






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