_

Lebensversicherung: Das teure Spiel mit den Rückkaufswerten

Wer seine Lebensversicherung vorzeitig kündigt, macht meist ein Verlustgeschäft. Verbraucherschützer kämpfen gegen die Missstände, auch vor Gericht. Die Versicherer hingegen fühlen sich im Recht.

Lebensversicherungen: Wer schnell an sein Geld will, muss Verluste machen, so die Logik der Anbieter. Quelle: gms
Lebensversicherungen: Wer schnell an sein Geld will, muss Verluste machen, so die Logik der Anbieter. Quelle: gms

FRANKFURT. "Hurra, ich bin da!" Die Freude über das erste Kind war 2004 so groß, dass der überglückliche Vater bei seiner Sparkasse gleich eine Lebensversicherung für den Sprössling abschloss. Kostete ihn - zunächst - nur 10 Euro im Monat, das war locker vom Kindergeld zu bestreiten. Entsetzen kam erst auf, als der Vater eine Mitteilung seines Versicherers erhielt.

Anzeige

Die Familie wollte nach fünf Jahren ihr Geld zurück. Inzwischen hatte sie 732,61 Euro an den Sparkassenversicherer VGH überwiesen. Doch zurückzahlen wollte die Gesellschaft nur ein Zehntel dieser Summe: 72,03 Euro. Das ist der sogenannte Rückkaufswert.

Schon das empfand der Vater als Unverschämtheit. Tränen quollen ihm aber aus den Augen, als er sich die Zahlen der VGH genau anschaute. Hatte er doch unterschrieben, dass sich der Beitrag jedes Jahr um zehn Prozent erhöht. Bei der Basis von zehn Euro machte das bisher nicht viel aus. Doch in 55 Jahren sollen er oder besser sein Kind mehr als 3000 Euro im Monat zahlen, um den Vertrag zu erfüllen. Schließlich sollte die Lebensversicherung erst auslaufen, wenn sein Kind 65 Jahre alt wird.

"Eine besonders dreiste Konstruktion", nennt das der erfahrene Versicherungsvermittler Michael Erdmann aus Hildesheim. "In weiten Teilen ist der Verkauf von Lebens- und Rentenversicherungen in die Hände von Banken und Vertriebsorganisationen geraten, die ausschließlich die Abschlussprovision und nicht das Kundenschicksal interessiert", kritisiert er seine Kollegen.

Die extrem lange Laufzeit des Vertrages bringt dem Vater nichts und seinem Kind irgendwann nur miese Renditen, wenn es früher an sein Geld will. Das ist in Deutschland der Normalfall. Derzeit haben die Deutschen mehr als 90 Millionen Verträge bei Lebensversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds. Etwa fünf Prozent davon oder mehr als vier Millionen Stück werden im Jahr gekündigt oder nicht weiter bedient, die Versicherer sprechen von Storno.

Verbraucherschützer gehen davon aus, dass nur ein Viertel aller Lebensversicherungen überhaupt das einmal vereinbarte Ende erreichen. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht, doch die Schätzung entspricht der Erfahrung in Industriegesellschaften: Die Lebensumstände können sich sehr schnell ändern. Ein Berufswechsel, ein Hauskauf, eine Scheidung oder Arbeitslosigkeit - es gibt viele Gründe, warum Menschen plötzlich Geld brauchen und alte Verträge nicht mehr bedienen können. "Die Durchhaltewahrscheinlichkeit von lang laufenden Verträgen tendiert immer mehr gegen Null", sagt Erdmann.

  • 21.07.2010, 12:44 UhrAnonymer Benutzer: Andrew Nettusch

    Das der Rückkauf einer LV in der Regel stets ein Verlustgeschäft für den VN bedeutet, ist nicht nur eine traurige Wahrheit, sondern m.E. auch Aufforderung an die Produktentwicker der VU`s, den geänderten Rahmenbedingungen wie Kurzarbeit,Arbeitslosigkeit, Änderung in der familiären Situation Rechnung zu tragen.
    Unter berücksichtigung des Zinseszinseffektes kann ein Vertrag mit Laufzeit 65 Jahren und einem konstant niedrigem Monatsbeitrag um ca. 25.-€ als eine Art Generationenpolice durchaus Sinn machen, wenn der Vertrag flexibel genug auf Veränderungen eingehen kann.
    So gibt es in vielen Versicherungssparten bereits eine "beitragsbefreiung bei Arbeitslosigkeit", welche m.E. Vorsorgeprodukte äußerst sinnvoll ergänzen würde.
    Ebenso eine Möglichkeit den beitrag variabel an die jeweilige Lebenssituation anzupassen, Zuzahlungen oder Teilauszahlungen zuzulassen. Nach meinem Verständnis führt dies eher zu einer Stabilität bestehender Verträge, da diese nicht mehr gekündigt, bzw. beitragsfrei gestellt werden müßen.
    Letztlich sollen diese Verträge nicht nur den Unternehmen und Vermittlern einen Vorteil bringen, sondern vielmehr ein dringend erforderliches Zubrot zur gesetzlichen Rentenversicherung darstellen, damit die Altersarmut nicht noch mehr zunimmt.Damit dies auch möglich ist, müßen die Verträge , wie bereits erwähnt, flexibel genug auf die Situation des Verbrauchers eingehen können.

  • 01.07.2010, 14:32 UhrAnonymer Benutzer: nils

    Zu Nr. 5, Der Finanzschrauber: bei einer Kapitallebensversicherung ist der Verlust bei Kündigung aber wesentlich größer als bei anderen Anlageformen

  • 30.06.2010, 13:58 UhrAnonymer Benutzer: andre

    das sind ja keine Neuigkeiten. ich empfinde als viel größeren Skandal, dass über 50% aller Verträge storniert werden, mit der Folge, dass sich die Versicherungen die bereits erwirtschafteten Überschüsse einbehalten können und diesen Umstand auch noch bejammern. Ein aus Verbrauchersicht zu bejahender Zweitmarkt existiert ernstlich nicht mehr, da dieser durch die Umtriebe meist dubioser Händler zugrunde gerichtet wurde. Was wirklich benötigt wird ist Transparenz zur realistischen bewertung von KLV-Produkten, wie sie die Analyse-Software KLV-Check bietet. Dann könnte auch ein privater Zweitmarkt entstehen, auf dem Policen für alle beteiligten gewinnbringend gehandelt werden könnten. Die Dummen wären dann endlich einmal die Versicherer und deren Aktionäre selbst.

  • Die aktuellen Top-Themen
IPOs: Facebook-Fiasko schreckt weitere Börsenkandidaten

Facebook-Fiasko schreckt weitere Börsenkandidaten

Das Chaos um den Facebook-Börsengang schreckt offenbar weitere Börsenaspiranten ab. Neben US-Firmen überdenkt nun auch die Formel 1 ihre geplante Notierung in Asien, aus Angst vor einer deutlich niedrigeren Bewertung.

Börse New York: Krisen-Angst lähmt Wall Street

Krisen-Angst lähmt Wall Street

Auch die beste Kauflaune der US-Konsumenten seit Jahren half nicht. Die Händler in New York konzentrieren sich auf die drohende Eskalation der Schuldenkrise in der Euro-Zone. Der Dow tauchte vor Handelsschluss nochmals.

Austritt Griechenlands: Heilsamer Schnitt?

Heilsamer Schnitt?

Der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist kein Tabu-Thema mehr. Doch was wären die Folgen? Zunächst einmal großes Chaos, vermuten Experten. Auf lange Sicht aber könnte der Euro gewinnen.

Ratgeber Versicherung

Existenzbedrohende Risiken zu günstigen Beiträgen absichern: Der Handelsblatt-Online-Ratgeber zum privaten Risikoschutz zeigt, welche Policen Versicherte brauchen, wo gefährliche Deckungslücken bestehen und wie Versicherte die Beiträge senken können. Alle Details zu Berufsunfähigkeit, Haftpflicht, Rechtsschutz, Autos usw. Mehr…

  • Renten-Rechner

    Welches Vermögen und welche Sparraten Sie aufbringen müssen, um eine Rentenlücke zu decken.

  • Ratgeber Versicherungen

    Rundum geschützt: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie sich optimal gegen Risiken absichern

  • Wohnriester-Vergleichsrechner

    Welche Bauspartarife mit Riesterförderung Top sind, zeigt der Vergleichrechner.

  • Immobilien-Wertfinder

    Finden Sie Miete- und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße mit einem interaktivem Tool.

  • Ratgeber Altersvorsorge

    Clever sparen für den Ruhestand: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie eine solide Altersvorsorge planen.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Baugeld-Vergleich

    Die individuell günstigsten Anbieter von Baufinanzierungen im Vergleich.

  • Forward-Darlehen

    Die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung: Bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung.

  • Tilgungsrechner

    Der Rechner zeigt, wie die Restschuld bei Baudarlehen sinkt und wie sich Sondertilgungen auszahlen.

  • Eigenheim-Rechner

    Der Rechner zeigt, welche Raten sich Immobilienkäufer bei Kredit leisten können.

  • Auto-Versicherungsvergleich

    Mit dem Auto-Versicherungsvergleich können günstige Versicherungen suchen aund damit ihre Kosten reduzieren.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen

  • Bausparrechner

    Der Bausparberater hilft den passenden Bausparvertrag zu finden.

  • Finanzierungsplanung

    Der Kassensturz zeigt, wie viel Kredit sich Immobilienkäufer leisten können.

  • Baugeld-Vergleich

    Die individuell günstigsten Anbieter von Baufinanzierungen im Vergleich.

  • Forward-Darlehen

    Die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung: Bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung.

  • Wohnriester-Vergleichsrechner

    Welche Bauspartarife mit Riesterförderung Top sind, zeigt der Vergleichrechner.

  • Eigenheim-Rechner

    Der Rechner zeigt, welche Raten sich Immobilienkäufer bei Kredit leisten können.

  • Notar- und Grundbuchrechner

    Die Nebenkosten machen beim Immobilienkauf einige tausend Euro aus. Wie viel Sie zahlen müssen.

  • Tilgungsrechner

    Der Rechner zeigt, wie die Restschuld bei Baudarlehen sinkt und wie sich Sondertilgungen auszahlen.

  • Zinsentscheidung

    Immobilienbesitzer können ausrechnen, ob sie Kredite kurz- oder langfristig festschreiben sollten.

  • Angebotsvergleich

    Niedrige Zinsen sind nicht alles. Vergleichen Sie die Baugeld-Offerten von mehreren Banken.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen

  • Tagesgeld-Vergleich

    Top-Kondtionen für Tagesgeld, inklusive Gebühren, Einlagensicherung und Abgeltungsteuer.

  • Festgeld-Vergleich

    Der Rechner sucht die höchsten Zinsen für Festgeld für jede Laufzeit und Höhe des Anlagebetrages.

  • Girokonten-Rechner

    Kosten für das Konto ermitteln, inklusive Entgelte für Kreditkarten sowie Dispo- und Guthabenzinsen.

  • Rendite-Rechner

    Der Zins entspricht nicht immer der Rendite. Welche Erträge Anlagen tatsächlich bringen.

  • Ratenkredit-Vergleich

    Die besten Angebote für Ratenkredite vergleichen. Für verschiedenen Bonitätsstufen.

  • Ratgeber Geldanlage

    Die beste Strategie für Ihr Vermögen: Grundlagen, Chancen und Risiken verschiedener Investments.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Depot

    Erstellen Sie ein virtuelles Depot, mit dem Sie Ihre Strategie testen und Kursentwicklungen verfolgen.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen

  • Depot-Contest
Depot-Contest : Wer am meisten aus Geld macht

Wer am meisten aus Geld macht

Welcher Vermögensverwalter ist der beste? Finden Sie es heraus: Wir lassen 30 Profis beim DAB-Depot-Contest gegeneinander antreten.

  • Video

Börsen-News Börse Frankfurt am Abend

Der deutsche Aktienmarkt hat zum Wochenausklang eine Achterbahnfahrt hingelegt. Neue Probleme im hoch verschuldeten Spanien wirkten sich belastend auf das Handelsgeschehen aus.