
DÜSSELDORF. Die Deutschen lieben ihre Lebensversicherung. Jedes Jahr zahlen sie mehr als 80 Milliarden Euro an Beiträgen, jeder Einwohner besitzt im Schnitt 1,2 Verträge - Greise wie Kinder inklusive. Das Hauptargument für die Anlage: Sicherheit bei akzeptabler Rendite.
Ob dieses Argument in Zukunft noch gilt, ist allerdings fraglich. Die Finanzkrise schreibt neue Regeln für die Geldanlage. Zinsprodukte werfen nicht mehr die nötigen Renditen ab. Bankeinlagen und selbst Staatsanleihen bieten auf Sicht nicht mehr die erhoffte Sicherheit. Mögliche Inflationsszenarien sind Gift für das Geschäftsmodell der Branche.
Schon jetzt wirkt das Zinstief. Für dieses Jahr senken fast zwei von drei Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung, darunter Branchengrößen wie Allianz oder R+V Leben. Ein Vergleich des Analysehauses Morgen & Morgen für Handelsblatt Online unter 72 Gesellschaften zeigt: Im Schnitt liegt die laufende Verzinsung nur noch bei 4,05 Prozent. Vor zehn Jahren lag der Satz noch bei mehr als sieben Prozent.
Die laufende Verzinsung bestimmt neben dem Garantiezins maßgeblich die Rendite einer Police. Jedes Jahr legen die Versicherer diese Messgröße neu fest. Um bis zu 0,4 Prozentpunkte geht die Überschussbeteiligung 2011 runter. Nur die Inter erhöht ihre Zinsen, bleibt aber im Marktvergleich mit aktuell 3,75 Prozent am unteren Ende.
Die höchste Überschussbeteiligung bieten Targo mit 4,8 Prozent sowie Europa und Fortis mit jeweils 4,5 Prozent. Am Ende des Marktes liegen der Münchener Verein mit 3,00 Prozent sowie VPV und Öffentliche Berlin mit 3,25 beziehungsweise 3,4 Prozent.
Und selbst mit diesen Sätzen zahlen die Versicherer noch mehr, als sie sich aktuell eigentlich leisten können: "Die meisten Gesellschaften dürften angesichts der niedrigen Zinsen aktuell ihre Reserven angreifen", sagt Martin Zsohar, Geschäftsführer bei Morgen & Morgen. Auch das Kölner Ratinginstitut Assekurata registriert ein massenhaftes Absinken der Verzinsung. Die Branche bezeichnet die Renditen gleichwohl als immer noch "attraktiv".
Die laufende Verzinsung ist aber nicht alles. Jede Gesellschaft kann die Rechengröße, auf die die Überschussbeteiligung draufgeschlagen wird, individuell bestimmen. Manche Versicherer rechnen etwa mit dem Kapital für das Jahr 2010, andere nehmen das Vorjahr als Basis. Einige verwenden abgezinste Varianten, andere nicht. "Je nach Bezugsgröße und je nach Laufzeit kann die Rendite bei gleicher laufenden Verzinsung daher um bis zu 0,6 Prozentpunkte variieren", sagt Zsohar.
@LV-Gegner: 0,1% Rendite? bin kein Freund von KLVs, aber so schlecht kann keine Versicherung sein. Vermutlich Rechenfehler - mal KLV-Check oder zur Not iKV in Excel bemüht?
Fehlende Transparenz, hohe Verwaltungskosten ...
Das Hauptübel bei LV Policen sind fehlende Transparenz, zu hohe Verwaltungskosten und die Starrheit der Laufzeiten.
Eine reine Risikoabsicherung für die Hinterbliebenen und eine separate Geldanlage sind weitaus effizienter.
Es ist das gleiche Spiel wie bei den Rettungsschirmen für banken, nur dass hier die Gewinne in den Holdings realisiert werden und Verluste, wie angeblich schlechte Zinsen, der Versicherte zu tragen hat.
Und der Staat will seine Schulden abbauen??
Wovon werden dann die Versicherungen ihre Zinsen bekommen? Merkt denn keiner, daß unser Wirtschaftssystem auf Sand oder besser Sumpf gebaut ist. Der Staat muß immer Schulden machen, denn sonst gibt es keine Staatsanleihen. Aber wenn man dann mal weiter bohrt: wer bezahlt den letztlich diese ganzen horrendenden Summen an Zinsen: der kleine Mann, denn die Großen zahlen zwar mehr (aber immer noch viel zu wenig!!) Steuern, halten aber auch im Wesentlichen die Staatsanleihen, also bekommen sie ihre Steuern über die Zinsen wieder zurück!





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