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Neues Gesetz: Lifting für die Riester-Rente

Die Bundesregierung will bei der privaten Altersvorsorge nachbessern. Während einige Änderungen reine Kosmetik sind, bringen manche tatsächlich Vorteile für die Versicherten. Was das Lifting für Verbesserungen bringt.

Die Bundesregierung verpasst der Riester-Rente einer Verschönerung. Quelle: Getty Images
Die Bundesregierung verpasst der Riester-Rente einer Verschönerung. Quelle: Getty Images

DüsseldorfDie Bundesregierung will die Riester-Rente besser machen. Transparent, kostengünstig, renditestark und einfach. Klingt gut. Und Anleger würden sich über Verbesserungen durchaus freuen. Das Ansehen der Riester-Rente hat in den vergangenen Jahren massiv gelitten, obwohl mittlerweile 15,6 Millionen Deutsche eine solche Zusatzrente abgeschlossen haben.

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Leider ist das schlechte Image in den meisten Fällen berechtigt. Die realistischen Renditen aus den Riester-Verträgen entsprechen sehr häufig nicht den vollmundigen Versprechen von Anbietern und Politikern („Geschenke vom Staat“, „lohnt sich immer“).

Kernpunkte der Riester-Förderung

  • Idee

    Förderung der privaten Altersvorsorge durch jährliche Zulagen und Steuervorteile

    Quelle: LBS

  • Grundzulage

    154 Euro pro Person

  • Kinderzulage

    185 Euro je Kind, geboren vor 2008
    300 Euro je Kind, geboren ab 2008

  • Steuervorteile

    Sparer können ihre Einzahlungen als Sonderausgaben absetzen. Die Auszahlungen der Riester-Rente sind voll steuerpflichtig zum individuellen Steuersatz. Dieser dürfte im Alter jedoch niedriger sein als während des Berufslebens.

  • Voraussetzung

    Für die volle Förderung müssen Einzahlungen in Höhe von vier Prozent des Bruttoeinkommens des Vorjahres vorgenommen.

  • Obergrenze

    Es werden maximal 2.100 Euro Einzahlungen gefördert.

  • Vorteil

    Die geflossenen Zulagen reduzieren die erforderliche eigene Sparleistung.

  • Sozial

    Die Förderung ist unabhängig von der Höhe des eigenen Einkommens.

Nun hat der Bundestag das Altersvorsorgeverbesserungsgesetz beschlossen. Der sperrige Name sollte nicht täuschen: Im Gesetz stecken tatsächlich einige Verbesserungen, die zum 1. Juli 2013 in Kraft treten sollen. Doch – das muss leider vorweg gesagt werden – ob sie so wirklich Gesetz werden, ist unklar. Der Bundesrat hat ein Wörtchen mitzureden. Und da SPD, Grüne und die Linke die Änderungen bislang kritisch sehen, ist die Zustimmung der Länderkammer alles andere als sicher.

An Nachbesserungen bei der Riester-Rente wird aber keine Regierung vorbeikommen, egal wie die Bundestagswahl im September ausgeht. Der Blick auf die jetzt geplanten Änderungen lohnt also. Was bringen die neuen Regeln im Detail? Von reiner Kosmetik bis zu echter Verbesserung ist alles dabei.

Altersvorsorge Der große Riester-Check

Wer bietet die beste Riester-Rente? Versicherungen, Fonds, Bausparkassen und Banken verwirren Sparer mit zahlreichen Vorsorge-Varianten. Welches Produkt für wen geeignet ist und worauf Sparer achten sollten.

Riester-Sparer sollen mehr von ihrem Geld haben. Die Anbieter sollen ihnen künftig weniger für Verwaltung und Provisionen von ihren Sparbeiträgen abziehen dürfen. Außerdem sollen die Kosten schon vor Vertragsabschluss besser sichtbar und damit vergleichbar werden – damit Kunden sich dann gezielt für kostengünstige Anbieter entscheiden können.

Spezielle Beipackzettel, die „Produktinformationsblätter“, sollen den Kunden hier die nötigen Infos bieten. Die Kosten beim Wechsel von einem Riester-Anbieter zu einem anderen sollen künftig auf 150 Euro gedeckelt werden.

Überblick: Das neue Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz

  • Anlass

    Die Regierung begründet die Änderungen bei der Riester-Rente so:
    „Die deutsche Gesellschaft steht, ähnlich wie diejenige anderer Industrieländer, vor starken und nachhaltigen demografischen Veränderungen. Sinkende bzw. dauerhaft niedrige Geburtenraten und eine zunehmende Lebenserwartung werden dazu führen, dass eine wachsende Zahl von Menschen im Rentenalter einer abnehmenden Zahl von Personen im aktiven Erwerbsleben gegenübersteht.“

    Quelle: Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der steuerlichen Förderung der privaten Altersvorsorge (Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz – AltvVerbG)

  • Verbraucher

    10 Jahre nach der Einführung der Riester-Rente und sieben Jahre nach Einführung der Basisrente zeige sich Anpassungsbedarf insbesondere in Hinblick auf den Verbraucherschutz.

  • Ziele

    – Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge
    – Vereinfachung der Eigenheimrente
    – Verbesserung des Erwerbsminderungsschutzes
    – Stärkung der Verbraucher im Markt
    – Verbesserung des Anlegerschutzes

  • Transparenz

    „Zur Erhöhung der Transparenz und der Vergleichbarkeit von geförderten Altersvorsorgeprodukten wird statt der bisherigen vorvertraglichen Informationspflichten ein verpflichtendes Produktinformationsblatt für alle Produktgruppen zertifizierter Altersvorsorgeverträge eingeführt. Dieses Produktinformationsblatt soll dem Verbraucher in gebündelter, leicht verständlicher und standardisierter Form einen Produktvergleich ermöglichen.“

  • Fördergrenzen

    bei der Basisversorgung im Alter:
    – Anhebung der Förderhöchstgrenze von 20 000 Euro auf 24 000 Euro
    – Verbesserung der steuerlich begünstigten Absicherung der Berufsunfähigkeit beziehungsweise verminderten Erwerbsfähigkeit

  • Riester-Rente

    – Verbesserung des Erwerbsminderungsschutzes bei Altersvorsorgeverträgen
    – Meldung bei Übertragungen im Rahmen des Versorgungsausgleichs auch bei ausschließlich ungefördertem Altersvorsorgevermögen
    – Streichung der Bescheinigungspflicht der Erträge (§ 94 Absatz 1 EStG)
    – Verbesserungen bei der Ausgestaltung des genossenschaftlichen Riester-Anlageprodukts

  • Wohn-Riester (1)

    – jederzeitige Kapitalentnahme für selbst genutztes Wohneigentum in der Ansparphase
    – jederzeitige Einmal-Besteuerung des Wohnförderkontos während der Auszahlungsphase
    – Erleichterungen im Hinblick auf die Absicherung der weiteren Geschäftsanteile einer Genossenschaft
    – Flexibilisierung und Verlängerung des Reinvestitionszeitraums

  • Wohn-Riester (2)

    – Zulassung eines Altersvorsorge-Eigenheimbetrags zwischen 75 und 100 Prozent des geförderten Kapitals
    – Absenkung der jährlichen Erhöhung der in das Wohnförderkonto eingestellten Beträge von 2 auf 1 Prozent
    – rechtzeitiger Antrag auf Entnahme des Altersvorsorge-Eigenheimbetrags vor der Auszahlungsphase
    – Einbeziehung eines Umbaus zur Reduzierung von Barrieren in oder an der selbst genutzten Wohnung in die Eigenheimrenten-Förderung

Allgemeine Bewertung: Viele Worthülsen, bislang wenig Inhalt. Informationen und Transparenz schaden nie. Doch genau dort, wo es spannend wird, ducken sich die Politiker erst einmal weg: bei der Kostenbegrenzung. Dass Kunden beim Anbieterwechsel nur noch 150 Euro zahlen sollen, ist ja schön.

  • 08.02.2013, 11:02 UhrKommissar

    Wir brauchen keine stärkere Förderung der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, sondern endlich mal ein Durchgreifen des Aufsichtsamtes bei der Überprüfung der völlig überzogenen Annahmepolitik!!!

    Heute kommt praktisch kein Kunde mehr ab 35 Jahren in eine BU ohne verhängnisvolle Ausschlussklausel, wenn sie/er die Gesundheitsfragen WIRKLICH EHRLICH beantwortet und auch Kleinigkeiten angibt.

    Der Verbraucherschutz soll sich um die wirklich wichtigen Fakten kümmern und sich nicht ständig aufplustern, wenn ein Berater für seine Beratungsleistung entlohnt wird.

    Es sind keineswegs nur Betrüger in der Finanzberatungsbranche unterwegs, um das mal klarzustellen.

  • 08.02.2013, 11:09 UhrRDA

    Wir Steuerzahler fragen uns immer noch, warum Länder wie Norwegen und Schweden die Kapitaldeckung per Staatsfonds organisieren. Ein Großteil der Riesterkosten landet doch in den Verwaltungs- und Vertriebskosten der privaten Versicherer.

    Spannend ist auch die Frage, warum Altersvorsorgebeiträge zur Rentenversicherung nur anteilig als Sonderausgaben zählen, die Entgeltumwandlung für die betriebliche Altersvorsorge sowie die Riesterzahlungen jedoch in voller Höhe.

    Und wir fragen uns schließlich, ob denn die Experten Rürup, Raffelhüschen, Miegel, Riester alle mit ihrem Privatvermögen und ihren Pensionen haftbar sind, wenn sich Deckungsstöcke im Zuge von Inflation, asset meltdowns, Währungskrisen oder Insolvenzen in Luft auflösen.

  • 08.02.2013, 11:22 Uhraufgepasst5

    @Kommissar: Sie haben natürlich recht, es gibt gute und schlechte. Aber in meinem Riester Verkaufs (!) Gespräch (eines führenden Maklers) wurden die Provisionen definitiv unrichtig dargestellt (leider war damals kein Geprächsprotokoll pflicht), daher hätte ich bei korrekter Darstellung den Vertrag nicht abgeschlossen. Und wie mir geht es vielen. Zudem weigert sich der Riester-Anbieter, ein Marktführer in diesem Bereich, mich in kostengünstige Fonds umschichten zu lassen - daher ist auch hinsichtlich der Kundenfreundlichkeit oder Kundenbindung "Ebbe" angesagt. Zudem sollte man gut überlegen, ob man sein Geld in eine indirekte Staatsverwaltung gibt, denn der R-Vertrag ist attraktiv aufgrund steuerlicher Umstände (und selten "vor Steuern"). Wenn daher eine Regierung in 20 Jahren auf die Idee kommt "wir machen alles wieder anders" und man auf das Geld angewiesen ist, dann kann das ganze schnell nach hinten los gehen. Sollten Enteignungsexperten wie die Linke oder die SPD dann zufällig an der Macht sein, so wird die Rente evtl. einfach faktisch beschlagnahmt (das geht natürlich über "Umwege" heisst dann Solidarbeitrag, ist als Steuer getarnt oder ähnlich), wenn man ggf. noch anderes Vermögen aufgebaut hat, dann ist die Rente "weg". Denn das Problem der Alterspyramide ist ungelöst und "wer hat", der muss bezahlen..... (wer sonst?)

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