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Prämienvergleich: Privatversicherte in der Beitragsfalle

Ob Krankenkasse oder Versicherer: Die Prämien steigen viel schneller als die Inflationsrate. Mit wie viel Prozent zusätzlich Versicherte jedes Jahr rechnen müssen, wenn sie sich für eines der beiden Systeme entscheiden.

Privatversicherten ergeht es wie Mäusen: Mit günstigen Beiträgen werden sie gelockt - dann schnappt die Beitragsfalle zu.
Privatversicherten ergeht es wie Mäusen: Mit günstigen Beiträgen werden sie gelockt - dann schnappt die Beitragsfalle zu.

DüsseldorfAls 1989 die Mauer fiel, da war für Dieter H. die Welt im Gesundheitswesen noch in Ordnung. Als Angestellter verdiente der 32 Jahre alte Mann gut. In seiner Krankenkasse zahlte er daher umgerechnet mehr als 300 Euro im Monat – den Höchstsatz, der damals galt. Durch den Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) konnte er diesen Beitrag fast halbieren: auf rund 170 Euro im Monat. 

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Heute ist Dieter H. dagegen unzufrieden. Statt 170 Euro zahlt er 22 Jahre später 684,76 Euro. Damit liegt er über dem Höchstsatz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), der in diesem Jahr bei knapp 600 Euro liegt.

„Jeder, der in die PKV geht, muss sich darüber klar sein, dass sich die Prämie in der Restlebenszeit je nach Anbieter verdreifachen oder vervierfachen kann", warnt Karsten George, Versicherungsberater aus Stuttgart. Menschen wie Dieter H. fürchten nun: Wenn diese Entwicklung so weiter geht, dann könnte die Krankenversicherung im Alter unbezahlbar werden. 

Der Grund: In der privaten Krankenversicherung hängt der Beitrag vom gewählten Tarif, also den Leistungen des Versicherers ab. Weniger Beitrag ist meist nur drin, wenn der Versicherte sein Versicherungsniveau senkt oder durch eine Selbstbeteiligung im Zweifel mehr selbst bezahlt.

Die Beitragsspirale in der GKV

  • Die letzten fünf Jahre: 2008 bis 2012

    Schnitt über fünf Jahre: 3,27 Prozent
    GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

    2012: Beitragssteigerung: 3,03%; Höchster Beitrag: 592,88 Euro
    2011: Beitragssteigerung: 2,99%; Höchster Beitrag: 575,44 Euro
    2010: Beitragssteigerung: -1,91%; Höchster Beitrag: 558,75 Euro
    2009: Beitragssteigerung: 6,20%; Höchster Beitrag: 569,63 Euro
    2008: Beitragssteigerung: 6,03%; Höchster Beitrag: 536,4 Euro

  • 2003 bis 2007

    Schnitt über zehn Jahre: 2,7 Prozent
    GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

    2007: Beitragssteigerung: 0,00%; Höchster Beitrag: 505,88 Euro
    2006: Beitragssteigerung: 0,36%; Höchster Beitrag: 505,88 Euro
    2005: Beitragssteigerung: 1,07%; Höchster Beitrag: 504,08 Euro
    2004: Beitragssteigerung: 3,25%; Höchster Beitrag: 498,72 Euro
    2003: Beitragssteigerung: 6,01%; Höchster Beitrag: 483 Euro

  • 1998 bis 2002

    Schnitt über 15 Jahre: 2,28 Prozent
    GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut


    2002: Beitragssteigerung: 1,16%; Höchster Beitrag: 455,62 Euro
    2001: Beitragssteigerung: 1,16%; Höchster Beitrag: 450,38 Euro
    2000: Beitragssteigerung: 0,43%; Höchster Beitrag: 445,21 Euro
    1999: Beitragssteigerung: 1,19%; Höchster Beitrag: 443,29 Euro
    1998: Beitragssteigerung: 3,20%; Höchster Beitrag: 438,07 Euro

  • 1993 bis 1997

    Schnitt über 20 Jahre: 3 Prozent
    GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

    1997: Beitragssteigerung: 2,50%; Höchster Beitrag: 424,5 Euro
    1996: Beitragssteigerung: 4,90%; Höchster Beitrag: 414,15 Euro
    1995: Beitragssteigerung: 2,63%; Höchster Beitrag: 394,82 Euro
    1994: Beitragssteigerung: 3,98%; Höchster Beitrag: 384,7 Euro
    1993: Beitragssteigerung: 11,72%; Höchster Beitrag: 369,97 Euro

  • 1988 bis 1992

    Schnitt über 25 Jahre: 3,18 Prozent
    GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

    1992: Beitragssteigerung: 8,90%; Höchster Beitrag: 331,16 Euro
    1991: Beitragssteigerung: 0,70%; Höchster Beitrag: 304,09 Euro
    1990: Beitragssteigerung: 0,08%; Höchster Beitrag: 01,98 Euro
    1989: Beitragssteigerung: 1,67%; Höchster Beitrag: 301,75 Euro
    1988: Beitragssteigerung: 7,77%; Höchster Beitrag: 296,8 Euro

  • 1983 bis 1987

    Schnitt über 30 Jahre: 3,48 Prozent
    GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

    1987: Beitragssteigerung: 5,12%; Höchster Beitrag: 275,41 Euro
    1986: Beitragssteigerung: 7,22%; Höchster Beitrag: 261,99 Euro
    1985: Beitragssteigerung: 7,49%; Höchster Beitrag: 244,35 Euro
    1984: Beitragssteigerung: 0,47%; Höchster Beitrag: 227,32 Euro
    1983: Beitragssteigerung: 4,61%; Höchster Beitrag: 226,25 Euro

  • 1978 bis 1982

    Schnitt über 35 Jahre: 4,08 Prozent
    GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

    1982: Beitragssteigerung: 8,63%; Höchster Beitrag: 216,28 Euro
    1981: Beitragssteigerung: 6,61%; Höchster Beitrag: 99,1 Euro
    1980: Beitragssteigerung: 7,74%; Höchster Beitrag: 186,75 Euro
    1979: Beitragssteigerung: 7,16%; Höchster Beitrag: 173,33 Euro
    1978: Beitragssteigerung: 8,83%; Höchster Beitrag: 161,75 Euro

  • 1973 bis 1977

    Schnitt über 40 Jahre: 5,72 Prozent
    GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

    1977: Beitragssteigerung: 10,65%; Höchster Beitrag: 148,63 Euro
    1976: Beitragssteigerung: 19,15%; Höchster Beitrag: 134,33 Euro
    1975: Beitragssteigerung: 23,78%; Höchster Beitrag: 112,74 Euro
    1974: Beitragssteigerung: 12,25%; Höchster Beitrag: 91,08 Euro
    1973: Beitragssteigerung: 19,96%; Höchster Beitrag: 81,14 Euro

Im gesetzlichen System der Krankenkassen wird der Beitrag dagegen am Bruttoeinkommen bemessen. Wer mehr verdient, zahlt auch mehr – bis zu einer Höchstgrenze, die jährlich neu festgelegt wird. Der Beitrag ist also vergleichsweise hoch, so lange das Kassenmitglied noch arbeitet. Er sinkt jedoch im Rentenalter, so dass der Kassenkunde dann womöglich weniger zahlt als im Arbeitsleben. 

Genau in diesem Mechanismus liegt die Falle für PKV-Mitglieder: In jungen Jahren ist die PKV wegen niedriger Beiträge und besserer Leistungen meist attraktiv. Im Alter drohen dagegen gerade für Angestellte und Selbstständige höhere Prämien als in der GKV. Vor allem ältere Privatversicherte überlegen daher, ob sie im Alter nicht doch besser im gesetzlichen System aufgehoben sind. Doch der Weg zurück ist steinig. Ob der Aufwand lohnt, sollte daher vorab genau überlegt werden. 

Was also droht in der PKV? Die Zahlen von Dieter H. liefern dafür gutes Anschauungsmaterial, weil sie sich auf einen Angestellten beziehen, also jene Klientel, die gut verdient und meist mit Anfang 30 in die PKV wechselt. Auf rund die Hälfte der neun Millionen PKV-Vollversicherten trifft dies zu.

In einer anderen, privilegierteren Situation ist dagegen die andere Hälfte in der PKV. Denn 47,5 Prozent der PKV-Mitglieder können vom Staat Hilfe erhalten, was den PKV-Beitrag mindert. Beihilfeberechtigt sind in erster Linie Beamte und ihre Familienangehörigen ohne eigenes Einkommen. Der Zuschuss des Dienstherrn liege bei 50 bis 80 Prozent, heißt es auf der Internetseite Cecu.de. Lediglich die Restkosten müssten bei einer PKV abgesichert werden. Diese große Versicherten-Gruppe ist auch im Alter in einer vergleichsweise besseren Situation, weil für Beamte im Ruhestand Sonderbedingungen gelten. Zudem steigen ihre Beiträge nicht ganz so stark wie jene von Angestellten oder auch Selbstständigen, wie die wenigen verfügbaren Zahlen von Analysten zeigen.

Zweiklassenmedizin Der privaten Krankenversicherung droht das Aus

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Zweiklassenmedizin: Der privaten Krankenversicherung droht das Aus

 

  • 20.03.2012, 15:20 UhrAnonymer Benutzer: Hermann.12

    Das Problem liegt in schlechter Beratung begründet.
    Die GKV hat ihren vortei ldarin, dass sie einem alle entscheidungen abnimmt. Mit der Tarif- und Anbieterwahl in der PKV geht man immer auch ein Risiko ein.
    Aber das ist typisch deutsch. Wir neiden höhere Standards anderer, nur wenn es um den Preis dafür geht, sind wir erstaunlich ignorant.
    Konfrontiert mit eigener Großmannssucht ist der Spruch von der Ungerechtigkeit schnell bei der Hand, dabei beklagen wir nur die folgen der selbst eingeklagten eigenen Verantwortung.

    H.

  • 20.03.2012, 13:53 Uhrmondahu

    Die Ärzte werden sich wundern wenn es keine Privatkunden mehr gibt. Zu besichtigen in Frankreich oder Großbritannien. Qualifizierte Facharbeiter verdienen dort mehr.

  • 26.02.2012, 12:47 UhrAnonymer Benutzer: Gefrustet-vom-Systhem

    Ich hätte von einem seriüsen Blatt mehr erwartet, insbesondere eine korrekte Berichterstattung. Denn in der Zeit wo die gelobte GKV nur marginal die Beiträge anhob wurden dutzende Leistungen drastisch gekürzt. Das merkt aber nur der Kranke der diese Leistungen benötigt, wie z.B. eine Stoßwellentherapie... Ich bin in der PKV, seit vielen Jahren. Es gab Höhen und Tiefen wie überall, aber in eine gesetzliche Kasse zurück? Never! Liegt vielleicht an der guten Beratung meines PKV-Maklers, Andreas Hesse. Hier wurden bei Bedarf Tarife geändert oder auch der Versicherer. Nie kam ich mir übervorteilt vor, immer war ich - auch bei extremer Krankheit, mit der Leistung meiner PKV zufrieden. Und überhaupt: Wer hat den das GKV-Systhem zerstört indem Gelder zweckentfremdet wurden? Wer hat den über 400 gesetzliche Kassen auf den Markt gebracht, wo über 400 Vorstände finanziert werden müssen? Unsere Volksvertreter, diejenigen die sich als Beamte nicht um das scheeren müssen woran der "Normalbürger" verzweifelt.... Und zum Schluss, wenn diese Leute alles was bisher funktionierte kaputt gemacht haben, stellen die sich hin und kassieren ihre Pension während unsere Rentner in die Rühre guggen. Was da alles im Sinne von Guttenberg, Wulf, Kohl und Strauss läuft? Darüber wird geschwiegen, Hauptsache lange im Amt für die juristisch einwandfreien Ansprüche! Ich muss mich glaub ich erstmal übergeben...........

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