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Private Krankenversicherer: Vorsicht vor den Billigtarifen

Die privaten Krankenversicherer liefern sich einen harten Kampf um neue Kunden. Dabei versuchen sie vor allem, junge und gesunde Kunden mit Billigtarifen zu locken. Doch der Blick ins Kleingedruckte offenbart Überraschendes: Wenn sich Einsteigerpolicen als Kostenfalle entpuppen.

Sparschwein in einer Arztpraxis: PKV-Versicherte sollten nicht an der falschen Stelle sparen. Quelle: dpa
Sparschwein in einer Arztpraxis: PKV-Versicherte sollten nicht an der falschen Stelle sparen. Quelle: dpa

KÖLN. Die Beitragshöhe ist nach Angaben von Branchenexperten für das Neugeschäft die entscheidende Größe. Gut für die Vermittler, die für jeden Abschluss hohe Provisionen bekommen. Schlecht für die Kunden, denn die sogenannten Einsteigertarife können sich als Kostenfalle entpuppen. Eine neue Untersuchung zeigt, dass viele dieser Tarife weniger bieten als die gesetzliche Krankenversicherung (GKV).

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"Viele private Krankenversicherer verkaufen mittlerweile hauptsächlich Einsteigertarife", sagt Michael Franke, Chef des Hannoveraner Analysehauses Franke und Bornberg. "Der Wettbewerb findet zunehmend über Billigtarife statt." Und das ist aus mehreren Gründen problematisch. Das Unternehmen hat die privaten Einsteigertarife mit den Standardleistungen der gesetzlichen Kassen in einer umfassenden Erhebung unter die Lupe genommen. Ergebnis: Viele Kassenleistungen erhalten die Privatpatienten mit Billigpolicen nicht. Ausgeschlossen sind häufig etwa Kuren oder Reha-Maßnahmen, bestimmte Zahnersatzleistungen, ambulante Psychotherapie oder künstliche Befruchtung. Oft wird auch bei der Erstattung geknausert, oder die Ärztehonorierung ist abgespeckt.

Weil das der Versicherte in der Regel nicht weiß, berechnet der Arzt dann das volle private Honorar, der Versicherer zahlt aber nur den im Kleingedruckten eingeschränkten Satz. "Die Differenz muss dann der Privatpatient zahlen", warnt Franke.

Auch Versicherungsberatern wie Stefan Albers sind derartige Leistungseinschränkungen ein Dorn im Auge. So listen die Anbieter im Gegensatz zu den alten Tarifen in den neuen Angeboten genau auf, was bezahlt wird und in welcher Höhe. "Für den Kunden lässt sich wegen des medizinischen Fortschritts kaum abschätzen, ob dies reicht", sagt Albers. "Da kann man ganz entscheidende Fehler machen."

Das ist das Dilemma des Privatpatienten, der vor allem auf den Preis schielt, was auch auf einer PKV-Veranstaltung gestern in Köln zur Sprache kam. "Die Versicherten legen sich in jungen Jahren fest und müssen sich dann überraschen lassen, ob sie einen guten Versicherer erwischt haben", sagt Martin Albrecht vom Forschungsinstitut Iges. Denn ohne Verluste wechseln können Privatpatienten nur innerhalb des Tarifwerks ihres Versicherers. Wechseln sie zu einem Konkurrenten, geht meist ein Teil ihrer Altersrückstellungen verloren, die vor künftigen Beitragssteigerungen schützen sollen. Zudem prüft der neue Anbieter wieder den Gesundheitszustand und verlangt Zuschläge für Vorerkrankungen oder schließt dafür Leistungen aus.

  • 17.09.2010, 16:22 UhrAnonymer Benutzer: Claus

    Mindestens genauso problematisch finde ich die Geschäftspolitik vieler Anbieter alle paar Jahre neue Tarife aufzulegen.

    Diese neuen Tarife können dann günstiger kalkuliert um so junge und gesunde Neukunden angelockt werden.

    im Ergebnis veralten die beständen in den älteren Tarifen und dies führt bereits mittelfristig zu überproportionalen Prämienerhöhungen.
    Spätestens dann werden diese Tarifgenerationen nicht mehr aktiv vermittelt, was zu einer weiteren Alterung der bestände führt.

    Es gibt jedoch auch andere, wenn auch wenige Anbieter, die seit Jahrzehnten die gleichen Tarife am Markt anbieten.
    Diese sind zwar nicht "billig", aber dafür solider kalkuliert.

    Fazit:
    Nur die Kombination aus solider, zukunftsträchtiger beitragskalkulation und orderntlichen tariflichen Leistungen schützt vor bösen Überraschungen.

  • 16.09.2010, 18:47 UhrAnonymer Benutzer: S.Vogel

    Kommentar zu "Tremel"
    Die Aussage billigtarife seien probelmatisch, ist keine Lobbyarbeit für die PKV, sondern wohl eher für die GKV!!!!
    ich finde die billigtarife allerdings auch problematisch, sie machen nur Sinn, wenn Sie bewußt zum günstigen Einstieg z.b. bei einer Selbständigkeit genutzt werden und ein Optionsrecht haben, aber nach ein paar Jahren sollte man aus diesen Tarifen definitiv raus, einmal aus Gründen der Leistung und Höhe der Altersrückstellung! Leider wird auch nicht wirklich aufgeklärt was diese Tarife nicht leisten, die Kunden denken alles gut, bin ja privat versichert und bei den Rechnungen kommt das große Erwachen!! Und das kann richtig viel Geld sein. ich bin sicher, das 98% aller, die Differenzersparnis nicht angespart hat und dann??
    Falsch ist im Artikel allerdings, das die GKV jeden versichern muss, und die PKV nicht. Seit 1.1.09 muss auch die PKV jeden nehmen, wenn er dem System zuzuordnen ist, also auch wenn krank etc. dafür ist der basistarif ja da! Der Traum von objektiven und korrekten berichten bleibt wohl ein Traum, aber im großen und ganzen ist vieles richtig aus dem Artikel ;-)

  • 15.09.2010, 19:54 UhrAnonymer Benutzer: Tremel

    Ohne beispielrechnungen ist dieser Artikel leider nichts wert. Wenn ein billigtarif weniger als 20 Prozent eines teuren Tarifs kostet, dann ist es höchst fraglich, ob sich die 5.000 bis 10.000 Euro Mehraufwand pro Jahr für einen teuren Tarif tatsächlich mit mehr Leistungen rechtfertigen lassen. Pauschal zu behaupten, billigtarife seien problematisch, ist reine Lobby-Arbeit für die PKV.

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