
DüsseldorfDer Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg (Linke) ist alarmiert. Er erhält viele Briefe und E-Mails von älteren Privatpatienten, die sich ihre private Krankenversicherung (PKV) nicht mehr leisten können. Viele Wechsler können nicht mehr zurück und klagen nun, sie seien sich der Tragweite ihrer Entscheidung nicht bewusst gewesen.
Genauso wie die Kunden weiß auch der Gesundheitsexperte zu wenig über die PKV, in der rund neun Millionen Deutsche voll krankenversichert sind, darunter viele Beamte und gut verdienende Angestellte. Die Masse der Deutschen, rund 70 Millionen, ist hingegen gesetzlich versichert bei den Krankenkassen.
Weinberg stellte der Regierung 28 Fragen, um wichtige Wissenslücken zu schließen. Schließlich seien steigende Beiträge, sinkende Zinsen und die stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen große Herausforderungen für die Branche. Doch die Antworten der Regierung haben ihn ernüchtert: „Die Bundesregierung schützt die PKV, wo sie nur kann“, urteilt er.
Der Grund für das harsche Urteil: Auf einen Teil seiner Fragen hat die Regierung nur recht allgemein geantwortet. In anderen Bereichen weiß die Regierung überraschend wenig oder gar nicht Bescheid. Bei einem Teil der Fragen verweigerte sie sogar schlicht die Auskunft.
Der Grund für die Datenverweigerung: Die angefragten Informationen gebe es zwar zum Teil, doch sie müssten geheim gehalten werden. Meist führt die Regierung als Begründung dafür die Konkurrenzsituation unter den privaten Versicherern an. Dafür gibt es zwar eine gesetzliche Grundlage, den Paragraphen 84 des VAG (Versicherungsaufsichtsgesetz). Doch das ist eine Regel, die Weinberg für fragwürdig hält und die geändert werden sollte, zumal ein Teil der angeblich geheimen Informationen ohnehin in der Branche kursiert.
Auch andere Branchenexperten wie Manfred Poweleit beklagen regelmäßig die „Datenverweigerer“ in der PKV-Branche. So beteiligten sich am letzten Rating seines Map-Report nur 17 der 48 privaten Krankenversicherer, also weniger als die Hälfte der Anbieter. Immerhin kamen zwei Krankenversicherer hinzu, die sich bisher nicht an seinem Rating beteiligt hatten.
Alle Analysten in der Branche haben das Problem, dass die Versicherer nicht besonders auskunftsfreudig sind, ein verlässlicher Marktüberblick also schwierig ist. Und wenn sie sich doch Experten öffnen, verlangen sie oft, dass brisante Informationen geheim bleiben.
Die Beitragssteigerung in der PKV ist umstritten. Das Problem: Es gibt keine verlässlichen Zahlen der Branche. Ein Überblick über verschiedene Berechnungen von Experten.
Die Ergebnisse hängen von den Berechnungsmethoden ab. Wichtig: In den meisten Fällen handelt es sich um Durchschnitte, die natürlich sowohl nach oben wie nach oben vom Mittelwert abweichen können.
Angestellte bezahlen eher überdurchschnittlich mehr, Beamte eher unterdurchschnittlich.
Laut Morgen & Morgen stiegen die Beiträge für Neuverträge dieses Jahr um 4,4 Prozent. Männer zahlen überproportional mehr:
2006: 4,54%
2007: 4,91%
2008: 4,55%
2009: 5,37%
2010: 5,62%
2011: 5,67%
2012: 5,24%
Bei weiblichen Versicherten fallen die Steigerungen in diesem Jahr deutlich niedriger aus.
2006: 3,87 %
2007: 4,29 %
2008: 3,46 %
2009: 3,94 %
2010: 4,20 %
2011: 4,29 %
2012: 3,87 %
Schnitt über 12 Jahre: 4,1 Prozent
2012: 1,98%
2011: 4,95%
2010: 6,97%
2009: 1,23%
2008: 2,71%
2007: 4,89%
2006: 3,37%
2005: 2,77%
2004: 6,86%
2003: 5,28%
2002: 4,51%
2001: 3,65%
Schnitt über sechs Jahre: 4,18 Prozent
Schnitt Angestellte: 4,8 Prozent
2011: 4,17%
2010: 6,75%
2009: 2,23%
2008: 3,72%
2007: 2,74%
2006: 5,46%
Schnitt über fünf Jahre: 2,88 Prozent
2010: Prämie: 2706,10 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 5,67%
2009: Prämie: 2560,94 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 1,54%
2008: Prämie: 2522,20 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 1,66%
2007: Prämie: 2480,91 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 2,69%
2006: Prämie: 2415,99 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 2,87%
Quelle: Zahlenbericht der PKV
Schnitt über zehn Jahre: 4 Prozent
2005: Prämie: 2348,64 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 2,60%
2004: Prämie: 2289,15 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 5,95%
2003: Prämie: 2160,60 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 7,73%
2002: Prämie: 2005,53 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 5,32%
2001: Prämie: 1904,22 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 4,00%
Schnitt über 15 Jahre: 3,73 Prozent
2000: Prämie: 1831,05 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 3,55%
1999: Prämie: 1768,28 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 3,67%
1998: Prämie: 1705,69 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 3,07%
1997: Prämie: 1654,88 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 2,32%
1996: Prämie: 1617,42 Euro: Veränderung zum Vorjahr: 3,27%
Schnitt: 2,2 Prozent
Auch wenn die Reaktion der Bundesregierung auf die Fragen von Weinberg unbefriedigend ist, so zeigen die Antworten dennoch, wo es hakt. Denn die Regierung offenbart durch ihr Schweigen, was die Branche nicht preisgeben möchte und Privatpatienten lieber nicht wissen sollten. Es geht dabei in den meisten Fällen um Informationen, die es Kunden und auch Beratern erleichtern würde, die Angebote der privaten Krankenversicherer besser zu vergleichen und zu beurteilen.
Die zehn Geheimnisse der PKV und was dahinter steckt.

Einverstanden, eine steuerfinanzierte Krankenkasse wie zur Zeit nur für Bedürftige. Alle anderen können sich privat versichern!

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PKV für Besserverdiener, und für die Mehrheit die GKV. Solange wir in Deutschland Beitragsbemessungsgrenzen haben, bleibt es für die Mehrheit „unsolidarisch“ Viele der PKV Versicherten, waren oder sind „Selbständig“ tätig, haben deshalb auch zusätzlich viel mehr Möglichkeiten sich legal „Arm“ zu rechnen. Ich plädiere deshalb für eine Art Schweizermodell. Alle Einkunftsarten werden zur Berechnung herangezogen. Denn im Zweifel, die Reichen brauchen den Staat nicht, die können sich aus ihrem Vermögen ja selbst helfen, egal ob geerbt oder einfach durch die Möglichkeiten im internationalen Steuerwettbewerb sich Vorteile gesichert haben diese ganz legal ausnutzen. Die Armen aber brauchen die Hilfe des Staates, welcher für den fairen Ausgleich zu sorgen hat.






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