
DüsseldorfEin Handelsblatt-Leser fragte neulich: Mit welchem Produkt erhält ein Sparer mit einem hohen Sicherheitsbedürfnis aktuell eine Verzinsung für sein Kapital, die nur annähernd die genannte durchschnittliche Überschussbeteiligungen der Lebensversicherer erreicht?
In der Frage klang durch, dass so etwas wohl kaum am Markt zu finden sei. Schließlich erreiche die aktuelle Verzinsung einer zehnjährigen Bundesanleihe noch nicht einmal zwei Prozent, während die Versicherer im Schnitt noch Überschussbeteiligungen von knapp vier Prozent veröffentlichen.
Dieser Vergleich hinkt jedoch. Die Überschussbeteiligung einer Lebensversicherung klingt besser als sie tatsächlich ist. Dieser Wert ist nicht gleichzusetzen mit einer Rendite auf die gezahlten Prämien, der Beitragsrendite. Solche Zahlen nennen die meisten Lebensversicherer auch gar nicht. Mit Online-Rechnern wie jenem der FMH Finanzberatung aus Frankfurt können sich Sparer jedoch helfen.
Mit diesen Hilfsmitteln ist ein Renditevergleich von Sparplänen und Lebensversicherungen möglich. Der Check einiger im Internet nachvollziehbarer Angebote lieferte dabei ein pikantes Ergebnis: Ein Sparplan der Deutsche Bank schneidet klar besser ab als die Lebensversicherung der Allianz. Mit anderen Worten: Der Bankenprimus schlägt den Wortführer der Versicherungsbranche.
Ein Anleger zahlt zwölf Jahre lang 100 Euro im Monat. Das ergibt einen Sparbeitrag von 14400 Euro. Der Lebensversicherer nennt dafür zwei Zahlen: Was er garantiert zahlt und was er vielleicht zahlt, wenn die Zinsgutschriften so bleiben wie sie sind. Die Rendite wurde berechnet mit einem Lebensversicherungs-Rechner der FMH Finanzberatung aus Frankfurt. Die Renditen sind dabei vor Steuern, d.h. es wurde ein Steuersatz von 0 angenommen. Das erleichtert den Renditevergleich mit Sparprodukten der Banken.
Die Allianz bietet einen Onlinerechner für eine klassische Lebensversicherung.
Die Ergebnisse für eine Einzahlung von 14400 Euro:
Garantie-Kapital: 13.795 Euro
Garantie-Rendite auf den Beitrag: -0,71 Prozent
Prognostizierter Gesamtwert: 16.485,56 Euro
Prognostizierte Rendite auf den Beitrag: 2,22 Prozent
Die Allianz weist im Internet darauf hin: „Beachten Sie bitte, dass die Höhe der Überschussbeteiligung nicht garantiert werden kann. Sofern in diesem Vorschlag künftige Leistungen einschließlich Überschussbeteiligung dargestellt werden, handelt es sich um unverbindliche Angaben. Hierbei haben wir angenommen, dass die für das Jahr 2010 festgelegten Überschussanteilsätze unverändert bleiben. Die Werte sind trotz der in Euro exakten Darstellung nur als unverbindliches Beispiel anzusehen. Über die Höhe der künftigen Überschussanteilsätze können wir keine Aussagen machen. Die tatsächlichen künftigen Leistungen einschließlich der Überschussbeteiligung (Gesamtleistungen) werden voraussichtlich höher oder niedriger sein als in diesem Vorschlag angegeben. Dies gilt insbesondere auch für die Beteiligung an den Bewertungsreserven.“
Ein Ansparplan mit festem Zinssatz über 12 Jahre ist laut FMH Finanzberatung möglich.
Ergebnis: 17.040,69 Euro
Rendite: 2,75 Prozent
Der Direktversicherer der Generali-Gruppe bietet Berechnungen für Kapitallebensversicherungen an. Das Rechenergebnis für 14.400 Euro an Prämien:
Garantierte Kapitalauszahlung: 14.638 Euro
Garantie-Rendite auf den Beitrag: 0,27 Prozent
Voraussichtliche, einmalige Kapitalauszahlung bei Ablauf inkl. Überschussbeteiligung: 18.152 Euro
Erwartete Rendite auf den Beitrag: 3,77 Prozent
Der Online-Rechner der Hannoversche Leben bietet im Gegensatz zur Konkurrenz keinen eindeutigen Hinweis, ob er den monatlichen Beitrag auch für 12 Jahre gerechnet hat. Dies kann nur indirekt über das eingegebene Alter geschlossen werden. Das Ergebnis:
Garantiertes Guthaben bei Ablauf: 15.367,00 Euro
Garantie-Rendite: 1,07 Prozent
Mögliches Ablaufguthaben: 17.997 Euro
Erwartete Rendite: 3,63 Prozent
Annahme dabei: Überschussbeteiligung auf den Sparanteil von 3,75 Prozent über die ganze Laufzeit
Auf eine Garantie weist der Rechner der Gothaer-Tochter im Ergebnis nicht ausdrücklich hin. Diese heißt hier „Versicherungssumme“.
Versicherungssumme: 14.095,00
Garantie-Rendite: -0,36 Prozent
Gesamtleistung bei Ablauf einschließlich Überschussanteile: 16.262,97 Euro
Prognose-Rendite: 2 Prozent
Hinweis von Asstel dazu: „Das Überschusssystem ist die verzinsliche Ansammlung. Bei der Berechnung der Werte inkl. Überschussbeteiligung haben wir angenommen, dass sich die aktuell festgesetzten Überschusssätze während der gesamten Versicherungsdauer nicht verändern werden. Die tatsächlichen Leistungen werden daher voraussichtlich von den angegebenen Werten abweichen. Steuerliche Abzüge sind bei den genannten Leistungen nicht berücksichtigt.“
Ein Ansparplan mit festem Zins bringt nach 10 Jahren:
Betrag: 14.074,04 Euro
Rendite: 3,13 Prozent
Nach zwölf Jahren ergibt sich dann plus der Sparsumme von 2400 Euro also mindestens ein
Betrag: 16.474,04 Euro
Dabei ist zu berücksichtigen, dass für die letzten zwei Jahre der Laufzeit kein Zins angenommen wurde, was eigentlich unrealistisch ist. Die Rendite könnte also auch in dieser Kombi-Variante in den Bereich von 2,75 Prozent kommen, die der zwölfjährige Deutsche-Bank-Sparplan erreicht. In jedem Fall springt auch auf diese Weise mindestens so viel heraus wie in der Prognose des Lebensversicherers Allianz.
Und auch generell bieten viele Banksparpläne selbst über ein Jahrzehnt eine bessere Kombination von Sicherheit und Rendite als der Klassiker der Altersvorsorge, die Kapitallebensversicherung.
Wie kommt solch ein Ergebnis zustande? Angenommen wurde im Vergleich ein Sparzeitraum von zwölf Jahren und eine monatliche Sparrate von 100 Euro. Das ergibt nach zwölf Jahren eine Sparsumme von 14.400 Euro. Der Zeitraum wurde so lang gewählt, weil es kaum sinnvoll ist, eine Lebensversicherung als Altersvorsorge für kürzere Zeiträume neu abzuschließen.
Es werden mit Blick auf Lebensversicherer verschiedene Zinsbegriffe verwendet. Wenn Verbraucherschützer von "Gesamtverzinsung" sprechen, meinen sie zum Beispiel die Kombination aus Garantieverzinsung und den so genannten Überschüssen aus dem Versicherungsgeschäft, an denen Versicherungsnehmer beteiligt sind. Die Versicherer reden hier auch von „Überschussbeteiligung“, dafür weisen sie jährlich einen Zinssatz aus. Als Gesamtverzinsung wird in der Branche auch die bei Vertragsablauf gezahlte Verzinsung bezeichnet. Darin enthalten sind neben Garantiezins und dem Überschuss zusätzlich eine Beteiligung an den Bewertungsreserven und ein Schlussüberschuss.
Das Problem der Versicherer-Kennzahlen: Sowohl der Garantiezins als auch die Überschussbeteiligung oder Gesamtverzinsung werden nicht auf die gesamte Prämie berechnet, sondern nur auf den Sparanteil in der Prämie. Die Hamburger bezeichnen die Zinsgutschriften der Branche daher auch als „Das Märchen von der Gesamtverzinsung“.
Die Verbraucherschützer aus Hamburg haben für einen sehr lange laufenden Vertrag mit einer Überschussbeteiligung von vier Prozent die Rendite und die Ablaufdaten gerechnet. Solche Verträge werden gerne von der Branche als Altersvorsorge verkauft.
Legt man 100 Euro im Monat an mit 4 Prozent Verzinsung, ergibt das nach 30 Jahren einen Betrag von 68.760 Euro.
Der Kunde zahlt zwar eine Prämie von 100 Euro. Doch tatsächlich wird weniger angelegt, weil die Versicherung Kosten für Abschluss, Verwaltung und Risiko zu Grunde legt, zum Beispiel 80 Euro.
Aus 80 Euro werden in 30 Jahren bei einer Verzinsung von jährlich 4 Prozent 55.008 Euro. Das ist also wegen des Zinseszinseffektes fast 14.000 Euro weniger als wenn die vollen 100 Euro Prämie verzinst würden.
„Die vermeintlich ordentliche Gesamtverzinsung von 4 Prozent sind in Wahrheit nur 2,68 Prozent pro Jahr“, stellen die Verbraucherschützer aus Hamburg aufgrund ihrer Rechnung über 30 Jahre fest.
"Wer sein Geld in den vergangenen 30 Jahren beispielsweise in Bundeswertpapieren angelegt hätte, stünde heute deutlich besser da als ein Verbraucher mit einer Lebensversicherung“, stellen die Verbraucherschützer fest. Nach einer Stichprobe von regulär abgelaufenen Verträgen ergäben sich Renditen von durchschnittlich etwas über drei Prozent pro Jahr - gegenüber Bundeswertpapieren mit durchschnittlich etwas über 6 Prozent in den letzten 30 Jahren.
Zwar gilt die Lebensversicherung generell als ein sicheres Produkt. Doch wer hier sehr vorsichtig ist, muss berücksichtigen, dass die gesamte Rendite grundsätzlich sehr stark von der allgemeinen Entwicklung der Zinsen abhängt. Garantiert wird für neue Verträge ab 2012 nur ein Zins von 1,75 Prozent. Dieser wird jedoch nicht auf den gesamten Beitrag gezahlt, sondern nur auf den Sparanteil.
Das heißt, verzinst wird nur ein Teil der Prämie, die der Kunde zahlt. Der Grund: Der Versicherer zieht vorher seine Kosten ab, bevor er den Zins draufrechnet. Der Kostenabzug ist mal mehr und mal weniger, je nach Unternehmen.
Zum Glück habe ich alle meine Lebensversicherungen vor der Versteuerung der Erträge abgeschlossen, wie auch NICHT bei der Allianz, die die Erträge für die Aktionäre gewährt und nicht für den Sparer ...
Dann sollte man als seriöser Mensch auch die Zahlungen für die fallende RV auch von den Beiträgen in den Sparplan abziehen! Nichts anderes makle ich an. Und dann sieht die Betrachtung aber auf einmal ganz anders aus.
aus der Kenntnis über die hinlänglich bekannten Schwächen von Kapitallebensversicherungen abzuleiten, dass man diese tunlichst kündigen sollte ("nichts wie raus"), ist ein leider weit verbreiteter Trugschluss. Reich werden dadurch abermals nur die "Finanzberater", die bei der "Umschichtung" aufs Neue Provisionen einschieben können.
Merke: Hin und her macht Taschen leer.





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