
DüsseldorfAb 21. Dezember dürfen die Versicherer keine unterschiedlichen Prämien mehr für Männer und Frauen verlangen. Das haben Europa-Richter im sogenannten Unisex-Urteil vorgeschrieben. Oft profitieren von dieser Entscheidung wahrscheinlich die Frauen. In der privaten Krankenversicherung oder in der Berufsunfähigkeitsversicherung dürften sie künftig weniger zahlen, rechneten Experten von MLP aus. In der Risikolebensversicherung ist es dagegen umgedreht: Dieser wichtige Basisschutz für die ganze Familie wird für Männer deutlich günstiger - und zwar nicht erst in einem halben Jahr, sondern ab sofort.
Oft wird nur allgemein von Lebensversicherung gesprochen. Wichtig ist jedoch zu beachten, was genau in dem angebotenen Produkt steckt. Die meisten verbinden mit dem Begriff eine Kapital-Lebensversicherung. Diese Police beinhaltet immer zwei Verträge: eine Risikolebensversicherung zur Absicherung der Angehörigen und einen Sparplan mit einer langen Laufzeit.
Bei der Risikolebensversicherung ist dagegen nur das Risiko des Todes versichert. Das heißt, die Versicherungssumme wird nur ausgezahlt, wenn die versicherte Person stirbt.
Quelle: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
Bei vielen Gesellschaften erfahren die Kunden nicht, wie der Beitrag auf die beiden Verträge in einer Kapitallebensversicherung aufgeteilt wird. Die Auszahlung setzt sich am Ende der Laufzeit aus einer Garantiesumme und einer nicht garantierten Überschussbeteiligung zusammen. Kunden ertragsschwacher Gesellschaften erlebten in den letzten Jahren, dass die Überschüsse bisweilen in Richtung "Null" tendierten.
Eine Risiko-Lebensversicherung ist immer dann erforderlich, wenn der Tod eines Elternteils oder Partners eine finanzielle Lücke reißen könnte, die weder durch Renten noch durch eigenes Vermögen zu schließen wäre. Die Laufzeit kann so vereinbart werden, dass die Versicherung endet, wenn andere Rentenansprüche greifen oder/und die Kinder finanziell auf eigenen Beinen stehen.
Anders als früher können die Beiträge einer Kapital-Lebensversicherung nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden. Bei Verträgen, die ab dem 01.01.2005 neu abgeschlossen wurden, gibt es am Ende der Laufzeit auch keine steuerfreie Auszahlung mehr. Die Kapital-Lebensversicherung sei daher nur noch ganz selten sinnvoll, urteilen Verbraucherschützer.
Eine Kapital-Lebensversicherung kann im Rahmen einer betrieblichen Altersversorgung, zum Beispiel als Direktversicherung, sinnvoll sein. Dann winken dem Versicherten Steuervorteile.
Wer sich nicht sicher ist, ob er die Laufzeit durchhalten kann, sollte keine Kapital-Lebensversicherung abschließen, raten Verbraucherschützer. Denn: Vorher kündigen bedeute Verlust.
Viele Versicherungsvertreter wollen ihren Kunden statt einer Risikolebensversicherung eine Kapital-Lebensversicherung aufschwatzen, warnen die Verbraucherschützer. Grund hierfür sei, dass die Vermittler für diese Verträge wesentlich höhere Provisionen erhalten.
Schutz für Hinterbliebene kann durch eine erheblich günstigere Risikolebensversicherung aufgestockt werden. Aufwand und Ertrag stehen in einem besseren Verhältnis als bei einer Kapital-Lebensversicherung.
Wer vornehmlich sparen möchte, kann besser andere Sparformen als die Kapital-Lebensversicherung wählen. Dort bestehe in der Regel der Vorteil, dass kurzfristig über das eingezahlte Kapital verfügt werden kann, raten Verbraucherschützer. Und dies bei besseren und kalkulierbareren Gewinnen.
Wer sich trotz dargestellter Nachteile für eine kapitalbildende Lebensversicherung entscheidet, sollte die Beiträge jährlich bezahlen. Das spart Zuschläge. Auf eine eingeschlossene Unfalltod-Zusatzversicherung könne verzichtet werden. „Sie ist überflüssig und zu teuer“, urteilen die Verbraucherschützer aus Düsseldorf.
Vereinbaren Sie den Einschluss der Zusatzversicherung "Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit", raten Verbraucherschützer. Im Fall einer Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit zahle dann der Versicherer die Beiträge für den gesamten Vertrag weiter.
Die Versicherer unterscheiden sich in der Risikolebensversicherung weniger durch ihre Leistungen, als vielmehr durch die Höhe des Beitrags. Es lohnt sich also, Preise zu vergleichen.
Dafür dürfte der Direktversicherer Cosmos Direkt sorgen, der ab kommender Woche eine Preisoffensive in dieser Sparte startet. Die Tochtergesellschaft der Generali ist nach eigenen Angaben der Marktführer in dieser Sparte, mit einem Anteil von 18 Prozent. Die Versicherer Hannoversche Leben sowie R+V folgen mit deutlichem Abstand dahinter.
Cosmos-Vorstandschef Peter Stockhorst sagte Handelsblatt Online, dass Männer ab nächster Woche im Schnitt 21 Prozent weniger für eine Risikolebensversicherung bezahlen. Damit nimmt der Direktversicherer das Unisex-Urteil für Männer bereits vorweg. Für Frauen gelten dagegen die aktuellen Tarife noch bis zum Stichtag 21. Dezember. Damit kommen Frauen derzeit noch günstiger weg. Erst ab dem Umstellungstermin zahlten Frauen im Schnitt 16 Prozent mehr für solch eine Versicherung.
Frauen können sich derzeit noch günstiger für den Todesfall versichern, weil sie statistisch betrachtet länger leben als Männer. Das bedeutet für die Versicherer: Deren Risiko, jung zu sterben, ist geringer als bei Männern.
Wegen des Unisex-Urteils müssen die Versicherer nun eine Mischkalkulation vornehmen, weil sie nicht mehr nach dem Geschlecht unterscheiden dürfen. Das heißt für die Risikolebensversicherung: Grundsätzlich sinken die Prämien für Männer, während die für Frauen steigen.
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat den Versicherern untersagt, ihre Tarife weiterhin nach dem Geschlecht zu splitten.
Bislang zahlten Frauen für Rentenversicherungen und in der privaten Krankenversicherung mehr als Männer, weil sie länger leben.
Die Umstellung gilt nur für neue Verträge, nicht für Bestandskunden.
Viele Versicherer hatten sich gewünscht, dass auch die Bestandsverträge an die neuen Unisex-Regeln angepasst werden. In der Krankenversicherung dürfen nämlich Kunden von alten zu neuen Verträgen wechseln.
Die Versicherer dürfen ab dem 21. Dezember 2012 nur noch Unisex-Tarife anbieten.
Vor dem Stichtag gingen die Versicherer mit dem Thema Unisex auf Werbetour, um Kunden zu überzeugen, noch schnell eine für sie günstigere Police abzuschließen.
Es gab im vergangenen Jahr schon Versicherer, die Unisex-Tarife anboten - für die Kunden, die bei den bisherigen Tarifen benachteiligt wurden. Nun gibt es offiziell nur noch Unisex-Tarife - auch wenn die Versicherer nun versuchen, die Geschlechtersortierung über andere Kriterien indirekt weiter vorzunehmen.

Die einzige Versicherung, die für Männer billiger und nicht immer teurer wird ist die Risiko-Lebensversicherung. Damit kassieren die FRAUEN auch noch mal kräftig ab, wenn man den Löffel als Mann abgibt und sie die Prämie kassieren.
Guter Witz auch.

Wie immer berichtet das Handelsblatt, wenn es um Versicherungen geht, sehr oberflächlich oder nicht zeitnah. Hier scheint es in der Redaktion niemanden zu geben, der wirklich sich wirklich ernsthaft mit diesem Thema befasst.
Hier für alle: das Thema UNISEX ist bei allen Versicherungen seit Monaten höchst aktuell, nicht erst ab jetzt, so rechnet z.b. die Allianz schon seit Monaten immer den günstigeren Tarif (geschlechtsspetifisch oder UNISEX). Stichtag ist der 21.12.2012. Danach dürfen die Versicherer nur noch nach dem UNISEX-Tarif berechnen. Einige Versicherer stellen aber bereits jetzt nach und nach die Tarife um und bieten nur noch UNISEX-Tarife an.
Hier mal ein Überblick, wie sich die Beiträge entwickeln:
für Frauen günstiger werden:
Altersrente, Berufsunfähigkeitsvorsorge, Pflegeversicherung, Krankenzusatzversicherung, Risiko-Unfallversicherungen nach dem Seniorentarif
für Frauen teurer werden:
Risikolebensversicherung (z.T. erheblich), Risiko-Unfallversicherung (z.T. erheblich)
analog hierzu werden für Männer günstiger:
Risikolebensversicherung, Risiko-Unfallversicherung
teurer für Männer werden:
Altersrente, Berufsunfähigkeitsvorsorge, Pflegeversicherung (z.T. erheblich), Krankenzusatzversicherung (z.T. erheblich), Risiko-Unfallversicherungen nach dem Seniorentarif

Welcher Mann schließt denn unter diesen Umständen eine private Pflegeversicherung ab, wenn ca. 70 % der Pflegekosten bei Frauen anfallen?
Bei Leistungen zur Erlangung einer Rente sieht es auch schlecht für Männer aus, wenn auch nicht so extrem wie bei der Pflege.
Ach ja, an alle die immer die niedrigen Verdienste der Frauen "feststellen": Die Höhe der gesetzlichen Eintrittsrente in den neuen Bundesländern bei Erst-Rentnern unterscheidet sich praktisch nicht mehr zwischen Mann und Frau.
Sicher, es gibt in TOP-Positionen (deutlich) mehr Männer. Sicher, Hartz IV Bezug in der Altersklasse zwischen 40 – 60 ist bei Männern aber auch deutlich wahrscheinlicher.
Somit kann man dort nicht mehr von deutlichen "Gehalts-Unterschieden" ausgehen....






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