
DüsseldorfDie privaten Krankenversicherer kämpfen politisch ums Überleben – gegen die Krankenkassen und die Befürworter einer Bürgerversicherung. Daher verbreiten sie in diesen Tagen gerne Erfolgsmeldungen. „Wir können bereits heute sagen, dass im kommenden Jahr fast alle Versicherten von stabilen Krankenversicherungsbeiträgen profitieren werden", sagt etwa Uwe Laue, der Vorstandsvorsitzende der Debeka Versicherungsgruppe. „Es ist sogar davon auszugehen, dass wir für rund 100.000 ältere Versicherte die Beiträge leicht senken können.“
Die Debeka ist der Marktführer in der privaten Krankenversicherung (PKV). 2,2 der knapp neun Millionen Privatpatienten sind bei dem Versicherungsverein. Doch nicht jeder der mehr als 40 privaten Krankenversicherer steht so gut wie die Debeka da, die besonders viele Beamte versichert.
„Ich gehe davon aus, dass die Beiträge um etwa 7 bis 10 Prozent steigen werden“, sagt Ozan Sözeri von WIDGE.de, einem Beratungsunternehmen, das bei Tarifwechseln in der PKV hilft. „In einzelnen Tarifen sind mir jedoch schon Erhöhungen von 30 Prozent und mehr bekannt. Und das gilt wieder nur für das Neukundengeschäft – von den Bestandskunden gar nicht zu reden. Diese Informationen werden von den Versicherungsgesellschaften bekanntermaßen zurückgehalten.“
Das Negativbeispiel der vergangenen zwölf Monate war der Versicherer Central, der zur Generali-Gruppe gehört. Das Unternehmen hatte zeitweise wie verrückt Policen an Angestellte und Selbstständige verkauft, sich dabei jedoch mit Billigtarifen verhoben, weil diese höhere Kosten als gedacht verursachten.
Auch aus Kundensicht waren diese Einsteigerpolicen oft ein schlechtes Geschäft. Denn die später offerierten Tarife lassen viele Wünsche offen, weil niedrige Preise eben auch schlechte Leistungen bedeuten. Auf längere Sicht ist es für preisbewusste PKV-Mitglieder daher günstiger, wenn sie nicht nur auf den Preis achten, sondern auch auf Leistungen, die etwas über dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liegen sollten.
Seit 2011 gelten neue Voraussetzungen für den Wechsel in die PKV. Arbeitnehmer müssen mit ihrem Einkommen mindestens ein Jahr lang die so genannte Jahresarbeitsentgelt-Grenze in Höhe von 49.500 Euro.
Die Höhe der Beiträge richtet sich neben dem Alter und dem Geschlecht vor allem nach den Vorerkrankungen. Wer sich privat versichern möchte, sollte daher nicht zu lange warten. Laut Verbraucherzentrale NRW ist der Wechsel für Männer ab 46 Jahren und für Frauen jenseits der 37 meist nicht mehr ratsam. Versicherte sollten in jedem Falle alle im Antrag abgefragten Erkrankungen angeben. Verschwiegene Vorerkrankungen können zu einem Rücktritt im Leistungsfall führen.
Bei der Gesetzlichen Krankenversicherung ist der Beitrag vom Bruttoeinkommen abhängig. Wer mehr verdient, zahlt auch mehr. Anders in der PKV: Der zu Beginn günstige Beitrag kann unabhängig von den Einkünften steigen. Im Schnitt verteuerten sich die Beiträge in den vergangenen zehn Jahren um rund fünf Prozent pro Jahr.
Das lässt sich nur individuell ermitteln. Tendenziell sind Alleinstehende, kinderlose Eheleute, die beide berufstätig sind und Beamte Kandidaten für einen Wechsel.
Lockvogeltarife mit schwachen Leistungen zu Dumpingpreisen sollten Interessenten meiden. Dort drohen hohe Beitragssteigerungen und Deckungslücken.
Die beste Police für alle gibt es nicht, auch nicht den besten Versicherer. Die passende Police lässt sich nur individuell ermitteln. Ebenso, ob der private oder gesetzliche Schutz die bessere Wahl ist. Verbraucherzentralen und Versicherungsberater helfen bei der Auswahl. Ratings wie beispielsweise das Beitragsstabilitätsrating von Morgen & Morgen bieten zusätzlich eine Entscheidungshilfe.
Der Wechsel zu einem privatem Anbieter will gut überlegt sein. Eine Rückkehr zur gesetzlichen Kasse ist nur dann möglich, wenn die Versicherungspflicht neu entsteht. Das ist der Fall, wenn Kunden versicherungspflichtig werden, etwa mit einem Gehalt unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze von 49.500 Euro. Wer älter als 55 Jahren alt ist und in den vergangenen fünf Jahren privat versichert war, kann in der Regel nicht mehr zurück. Bezieher von Arbeitslosengeld II wechseln automatisch zur GKV, auch wenn sie älter als 55 Jahre sind.
Der Nachwuchs ist beim privaten Schutz im Gegensatz zur GKV nicht gratis mitversichert. Kinder brauchen eigene, beitragspflichtige Verträge. Das macht die GKV für Eltern tendenziell interessanter.
Die Folge der verfehlten Verkaufsstrategie bei Central: In zahlreichen Fällen stiegen die Beiträge der eigenen Kunden zuletzt heftig. Kein Wunder also, dass besonders viele Versicherte dem Unternehmen jüngst den Rücken kehrten. Auch wenn zuletzt wieder mehr Ruhe eingekehrt ist, auch zum Ende dieses Jahres kursieren bereits wieder Fälle, in denen Belastungssteigerungen von rund 30 Prozent vorgerechnet werden.
Solch eine hohe Zahl überrascht, weil Central die Kunden eigentlich nicht erneut mit deutlich zweistelligen Beitragssteigerungen verärgern will. Um dieses Versprechen zumindest formal zu halten, griffen die Beitragsstrategen zu einem Trick: Der Versicherer verteilt diese höhere Belastung auf drei verschiedene Töpfe und auf verschiedene Zeiträume.
Nur ein Teil davon ist die eigentliche Beitragserhöhung. Im Beispiel: gut 20 Euro mehr im Monat oder weniger als zehn Prozent. Der zweite ist der Selbstbehalt, der natürlich nur greift, wenn der Kunde entsprechend viele Arztrechnungen einreicht: auf den Monat umgerechnet geht es hier um gut 10 Euro. Ganz raffiniert ist eine dritte Kompomente: eine „zeitlich befristete Gutschrift“ von fast 50 Euro. Diese gilt jedoch nur für ein Jahr und nur für einen ganz bestimmten Tarif. Wenn der Versicherer im nächsten Jahr diese Gutschrift nicht ausdrücklich noch einmal bestätigt, steigt der Beitrag automatisch um diese Summe.
Zählt man sofortige und verschobene Beitragserhöhung sowie den höheren Selbstbehalt zusammen, ergibt sich ein Plus von rund 85 Euro – bezogen auf einen alten Beitrag von 285,21 Euro. Das entspricht einem Plus von rund 30 Prozent. Der Maklerservice Fonds-Finanz verbreitete den Fall.
Für den Versicherer hat solch eine verzögerte Beitragserhöhung den Vorteil, dass er in diesem Jahr öffentlich vergleichsweise gut dasteht. Denn wenn die offiziellen Beitragserhöhungen unter zehn Prozent bleiben, dann bewegt sich das Unternehmen vielleicht am oberen Ende des Branchenschnitts. Dieser liegt zwischen vier und sieben Prozent pro Jahr – je nach Berechnungsmethode und Datenanbieter.
Central müsste damit nicht erneut solche zweistelligen Ausreißer in der Beitragsentwicklung einzelner Tarife ausweisen, wie das im vergangenen Jahr offenbar nicht zu vermeiden war. „Ihre Kunden erhalten die BAP voraussichtlich Ende November/Anfang Dezember“, warnt der Maklerservice seine Vermittler aber schon mal vorab.
Die Beitragssteigerung in der PKV ist umstritten. Das Problem: Es gibt keine verlässlichen Zahlen der Branche. Ein Überblick über verschiedene Berechnungen von Experten.
Die Ergebnisse hängen von den Berechnungsmethoden ab. Wichtig: In den meisten Fällen handelt es sich um Durchschnitte, die natürlich sowohl nach oben wie nach oben vom Mittelwert abweichen können.
Angestellte bezahlen eher überdurchschnittlich mehr, Beamte eher unterdurchschnittlich.
Laut Morgen & Morgen stiegen die Beiträge für Neuverträge dieses Jahr um 4,4 Prozent. Männer zahlen überproportional mehr:
2006: 4,54%
2007: 4,91%
2008: 4,55%
2009: 5,37%
2010: 5,62%
2011: 5,67%
2012: 5,24%
Bei weiblichen Versicherten fallen die Steigerungen in diesem Jahr deutlich niedriger aus.
2006: 3,87 %
2007: 4,29 %
2008: 3,46 %
2009: 3,94 %
2010: 4,20 %
2011: 4,29 %
2012: 3,87 %
Schnitt über 12 Jahre: 4,1 Prozent
2012: 1,98%
2011: 4,95%
2010: 6,97%
2009: 1,23%
2008: 2,71%
2007: 4,89%
2006: 3,37%
2005: 2,77%
2004: 6,86%
2003: 5,28%
2002: 4,51%
2001: 3,65%
Schnitt über sechs Jahre: 4,18 Prozent
Schnitt Angestellte: 4,8 Prozent
2011: 4,17%
2010: 6,75%
2009: 2,23%
2008: 3,72%
2007: 2,74%
2006: 5,46%
Schnitt über fünf Jahre: 2,88 Prozent
2010: Prämie: 2706,10 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 5,67%
2009: Prämie: 2560,94 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 1,54%
2008: Prämie: 2522,20 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 1,66%
2007: Prämie: 2480,91 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 2,69%
2006: Prämie: 2415,99 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 2,87%
Quelle: Zahlenbericht der PKV
Schnitt über zehn Jahre: 4 Prozent
2005: Prämie: 2348,64 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 2,60%
2004: Prämie: 2289,15 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 5,95%
2003: Prämie: 2160,60 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 7,73%
2002: Prämie: 2005,53 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 5,32%
2001: Prämie: 1904,22 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 4,00%
Schnitt über 15 Jahre: 3,73 Prozent
2000: Prämie: 1831,05 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 3,55%
1999: Prämie: 1768,28 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 3,67%
1998: Prämie: 1705,69 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 3,07%
1997: Prämie: 1654,88 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 2,32%
1996: Prämie: 1617,42 Euro: Veränderung zum Vorjahr: 3,27%
Schnitt: 2,2 Prozent
Angenommen, die Beiträge bei einem Unternehmen steigen tatsächlich stark. Was werden die Vermittler dann wohl tun? Wer klug ist und Geld verdienen möchte, spricht seinen Kunden an, ob er nicht vielleicht angesichts der aktuellen Beitragsentwicklung lieber in ein anderes PKV-Unternehmen wechseln möchte. Denn dann verdient er erneut eine satte Provision.
In der PKV ist solch eine Abwerbung von einem in ein anderes Unternehmen absolut üblich. Insider sprechen auch von Umdeckung. Ganz sauber ist das oft nicht, insbesondere wenn solche Umdeckungen vorrangig in die Wege geleitet werden, um Provisionen zu generieren. Diese gehen ja zulasten des Kunden, der sie mit seinen ersten Beiträgen zahlt.
Wie stark Umdeckungen in der gesamten PKV verbreitet sind, zeigt der Zahlenbericht des Verbandes. Darin sind auf Seite 28 die Wanderungsbewegungen der Versicherten beschrieben. So schlossen zum Beispiel im Jahre 2010 rund eine halbe Million Menschen eine private Krankenversicherung neu ab. Nur rund 228.000, also weniger als die Hälfte davon entfallen auf Übertritte in die PKV. Das heißt, diese Kunden kommen aus der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Der Rest entfällt – abgesehen von Neugeborenen – auf Wechsel innerhalb der PKV.
Mit anderen Worten: Etwa die Hälfte des Vermittlungsgeschäfts in der PKV entfällt auf Kunden-Veränderungen zwischen Versicherern innerhalb des Systems. Welche Gesellschaft zuletzt am beliebtesten war, hat die Zeitschrift für das Versicherungswesen erfasst. Dies ist möglich, weil neuerdings Altersrückstellungen bei einem Wechsel mitgenommen werden dürfen. Denn der alte Grundsatz, wonach Altersrückstellungen lebenslang bei einem Versicherer bleiben, gilt seit einigen Jahren nicht mehr.
Der mit Abstand beliebteste Krankenversicherer innerhalb der Branche ist danach 2011 Hanse-Merkur aus Hamburg gewesen. Ein Jahr zuvor war es noch Central – genau jenes Unternehmen, das im Jahre 2011 seine Strategie korrigieren musste – auch zulasten seiner Kunden. Die Folge: Kein PKV-Unternehmen verlor im vergangenen Jahr so viele Alterungsrückstellungen – und damit vermutlich auch Kunden – wie die Central. Starke Verlierer im Branchenvergleich waren 2011 außerdem Axa, Allianz, Bayrische Beamtenkasse und Barmenia.
Das Problem dieser Umdeckungen innerhalb der PKV: Diese Bewegungen verursachten für die Branche insgesamt keinerlei Mehrwert, sondern nur Kosten, mahnt der Branchenexperte und ehemalige PKV-Ombudsmann Arno Surminski. „Denn jeder Wechsel muss mit Provisionen bezahlt werden.“ Dadurch kannibalisiere sich die Branche selbst. Deshalb sollte die PKV überlegen, ob bei Wechseln innerhalb des Systems nicht generell auf Provisionen verzichtet wird. Zwar findet er die Möglichkeit, die Gesellschaft zu wechseln, grundsätzlich gut. Doch: „Es sollte keine Belohnung dafür geben, dass der Vertrieb diesen Wechsel fördert.“
Interessant ist: Hier redet ein der PKV gewogener Insider den Unternehmen ins Gewissen. Ob es hilft? Und zu mehr Kundenfreundlichkeit führt?
Umdeckungen sind in der Versicherungsbranche verpönt. Es geht um die Auflösung eines Vertrages und den Abschluss eines neuen Vertrages im eigenen Kundenstamm, wobei sich der Versicherungsschutz nicht wesentlich ändert. Bei Vermittlern sind solche Umdeckungen beliebt, weil sie dadurch hohe Provisionen erhalten – mit einem vergleichsweise geringen Aufwand.
Seit 2009 nehmen Versicherte ihre Altersrückstellungen bei einem Wechsel innerhalb der privaten Krankenversicherung mit. Diese Zahlen sind in den Statistiken der Versicherer nachvollziehbar. Dadurch lässt sich dann auch erkennen, in welche Gesellschaften die Vermittler in der PKV am liebsten vermitteln und aus welchen Gesellschaften sie gerade Kunden abziehen.
Der alte Grundsatz, wonach Alterungsrückstellungen lebenslänglich beim Versicherer bleiben und im Alter des Versicherten eingesetzt werden, um den Versicherungsschutz bezahlbar zu halten, gilt seit einigen Jahren nicht mehr, stellt der ehemalige PKV-Ombudsmann und Branchenexperte Arno Surminski in der Zeitschrift für Versicherungswesen fest.
Das sind jene Gesellschaften, in die Vermittler PKV-Kunden gerne hineinziehen, um erneut eine Provision einzunehmen an einem Kunden, den sie schon kennen.
Quelle: Versicherungsjournal, Zeitschrift für Versicherungswesen
Die Hallesche hat 2011 fünf Millionen Euro an Altersrückstellungen in der PKV erhalten, aber nur drei Millionen Euro abgegeben.
Der Marktführer Debeka, der regelmäßig die meisten PKV-Neukunden an sich zieht, ist auch bei Vermittlern beliebt, die ihre Kunden woanders unterbringen wollen. 5,2 Millionen Altersrückstellungen flossen aus der Branche an die Gesellschaft, nur 2,4 Millionen Euro gingen weg.
Der Dortmunder Versicherer Continentale hat sich auf private Krankenversicherungen spezialisiert. 8,5 Millionen Euro an Altersrückstellungen sind ein stolzes Ergebnis – bei Abgängen von 3,9 Millionen Euro.
Der Deutsche Ring gehört zur Signal-Iduna-Gruppe. Der Versicherungsverein ist in der PKV in den vergangenen Jahren besonders beliebt geworden, was sich in einem Saldo bei den Altersrückstellungen zeigt: 5,5 Millionen Euro. Das bedeutet aufgeschlüsselt: 8 Millionen Euro erhalten – und 2,5 Millionen Euro abgegeben.
Die mit Abstand beliebteste Gesellschaft bei Vermittlern, die schnell Geld verdienen möchte, ist Hanse-Merkur aus Hamburg. 29,8 Millionen Euro an Altersrückstellungen flossen 2011 aus der Branche in das Unternehmen. Mehr als bei den vier Nächstplatzierten zusammen. Nur 4,2 Millionen Euro gab die Gesellschaft ab. Das entspricht einem Saldo von 25,6 Millionen Euro. Die zehn nächsten Gesellschaften in der Rangliste kommen noch nicht einmal zusammen auf diese Summe.
Aus diesen Gesellschaften haben die Vermittler besonders gern PKV-Kunden abgezogen (Saldo der abgeflossenen und zugeflossenen Altersrückstellungen:
1. Central
2. Barmenia
3. Allianz
Zweifel daran kommen auf, wenn man auf eine zweite Möglichkeit schaut, die PKV-Prämie zu senken: den Tarifwechsel innerhalb des eigenen Unternehmens. Dieses Tarifwechselrecht ist gesetzlich fixiert, doch das heißt nicht, dass es auch in jedem Fall angewendet wird.
So klagen Versicherungsvermittler, dass einzelne Versicherer immer häufiger den Wechsel in bestimmte Tarife ablehnen. So beruft sich ein Versicherer sogar auf die Finanzaufsicht Bafin als Begründung, dass „Tarifwechsel in geschlossene Tarife nicht möglich sind“, wie aus Unterlagen hervorgeht, die Handelsblatt Online vorliegen. Gemeint sind damit PKV-Tarife, die nicht mehr aktiv von Vermittlern verkauft werden.
Ab Juli 2012 seien drei private Krankenversicherer plötzlich dazu übergegangen, Tarifwechselwilligen den Wechsel in einen bereits geschlossenen Tarif zu verweigern, sagt Harald Leissl, Vorstand von Beitragsoptimierung24, einer Gesellschaft die bei Tarifwechseln berät. Als Begründung diene dabei jedes Mal ausschließlich die Tatsache, dass der Tarif bereits geschlossen sei. Dies widerspreche dem Gesetz, da das Tarifwechselrecht dort in dieser Richtung nicht eingeschränkt sei. Bislang lägen bereits neun Fälle bei Beitragsoptimierung vor.
Eine Sprecherin der Bafin stellt demgegenüber auf Anfrage von Handelsblatt Online klar, dass der Versicherer eine Fehlinformation verbreitet. Der Wechselanspruch des Versicherungsnehmers setze voraus, dass der „Zieltarif“ gleichartigen Versicherungsschutz bietet. Gleichartig seien die Tarife, wenn sie gleiche Leistungsbereiche umfassen und der Versicherungsnehmer in diesen Tarifen versicherungsfähig sei.
Die Sprecherin: „Der Umstand, dass der Zieltarif noch „geöffnet“ sein muss, wird im Gesetz nicht verlangt. Der Versicherer sollte darum – sofern die weiteren gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind - auch Anträge auf Wechsel in einen „geschlossenen“ Tarif annehmen.“
Auch Branchenexperten wie der Versicherungsmathematiker Peter Schramm wundern sich über diese Einschränkung des Wechselrechts, das vor allem den Politikern besonders wichtig ist. Er hält dies für widersinnig: Ein Kunde in einem geschlossenen Tarifsystem hätte dann keinen Rechtsanspruch mehr auf Wechsel in andere Tarife des gleichen geschlossenen Tarifsystems, zum Beispiel nicht mehr auf den Tarif mit höherem Selbstbehalt, oder auf Wechsel vom Einbettzimmertarif in den preiswerteren Zweibett- oder Mehrbettzimmertarif des gleichen geschlossenen Tarifsystems, so Schramm.
Die Motivation, Geld einzusparen, sollte bei der Entscheidung für eine private Krankenversicherung (PKV) nicht die Hauptrolle spielen.
Quelle: Franke & Bornberg
Wer sich neu für eine private Krankenversicherung entscheidet, sollte das unter dem Leistungsgesichtspunkt tun und dabei höchstens für einen zeitlich eng umrissenen Übergangszeitraum einen Einsteigertarif in Erwägung ziehen.
Schildern Sie Ihrem Berater Ihre Anforderungen und Vorstellungen für die passende Krankenversicherung. Diese Vorstellungen und auch die Gründe, die gegebenenfalls für die Wahl eines Einsteigertarifes sprechen sollten Sie am besten schriftlich festhalten.
Lassen Sie sich genau aufzeigen, mit welchen Leistungseinschränkungen gegenüber der GKV und den „normalen“ PKV-Tarifen Sie bei der Wahl des Einsteigertarifes rechnen müssen.
Lassen Sie sich an verschiedenen Beispielen erläutern, wie sich die Wahl eines Einsteigertarifes auswirkt, zum Beispiel bei einer schweren Erkrankung oder bei Zahnersatz-Behandlungen.
Lassen Sie sich als Vergleichsmöglichkeit ein alternatives Angebot mit einem „echten“ PKV-Tarif machen.
Wenn Sie sich für einen Einsteiger-Tarif entscheiden: Wählen Sie nur einen Tarif, bei dem eine Option zur Umstellung auf einen „normalen“ PKV-Tarif ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich ist. Lassen Sie sich über die Modalitäten zur Umstellung und die möglichen Zeitpunkte umfassend aufklären.
Auch wenn eine Umstellung in einen höherwertigen Tarif zunächst teurer wird: Auf lange Sicht fahren Sie mir einem beitragsstabileren Tarif wesentlich besser und profitieren natürlich zusätzlich vom höheren Erstattungsniveau. Auch wenn Sie keine Wechseloption geltend machen können: Bitten Sie Ihren Versicherer, Ihnen ein Angebot für einen „echten PKV-Tarif“ zu erstellen.
Zudem beinhalte der Paragraph 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) auch den Anspruch auf vollständige Anrechnung der Alterungsrückstellung beim Wechsel, erklärt Schramm weiter. Daher könnte der Versicherer innerhalb geschlossener Tarife zwar freiwillig Wechsel außerhalb des Paragraphen 204 VVG zulassen. Doch möglich wäre dabei, die Alterungsrückstellung zu kürzen, eine Risikoprüfung nicht nur für die Mehrleistungen vorzunehmen und Riskozuzschläge oder Leistungsausschlüsse nach Belieben zu verlangen, oder den Antrag nach Risikoprüfung auch ganz abzulehnen.
Den Gedanken, wie sehr die Versicherten dann der Willkür ihres Versicherers ausgesetzt wären, kann man noch weiterspinnen: Wenn ein Versicherer das Neugeschäft ganz einstellt, dann hätte kein Kunde jemals mehr ein Tarifwechselrecht nach § 204 VVG, so Schramm.
Soweit der Versicherer außerhalb § 204 VVG dann einen Wechsel freiwillig erlaube, wäre der Kunde zudem einer dabei vorgenommenen Kürzung seiner Alterungsrückstellung sowie einer völligen Neubeurteilung seines Risikos mit Risikozuschlägen und Ausschlüssen ausgeliefert, erklärt Schramm.
Eine Erklärung hat Schramm für die Argumentation des Versicherers: Dass die Bafin es beim betreffenden Versicherer nicht mehr bemängele, heiße nur, dass die Aufsicht solch ein Verhalten nicht als einen solchen Misstand beurteilt habe, der ein Eingreifen der Aufsicht erfordert hätte.
Private und gesetzliche Krankenversicherung konkurrieren vor allem um Selbstständige und besser verdienende Kunden. Die Privaten haben die Nase vorn, obwohl ihre Beiträge langfristig stärker steigen. Doch die Gesetzlichen repräsentieren mit mehr als 70 Millionen Versicherten nach wie vor die große Masse – entsprechend ist ihr politisches Gewicht. Demgegenüber sind nur neun Millionen Menschen vollständig privat versichert.
Die Krankenkassen werben inzwischen ganz offen um die Abschaffung der Konkurrenz. Jüngstes Beispiel war Jürgen Graalmann, der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes. Sein Credo in einem Welt-Interview: „Die private Krankenversicherung kann nicht so weitermachen wie bisher. Ich halte das Geschäftsmodell der PKV in der Vollversicherung für gescheitert.“ Graalmann nennt dafür vier Gründe.
Die Beiträge in der PKV steigen immer weiter, monieren die Kritiker. In die Schlagzeilen geriet die PKV auch, weil manche Kunden unter extremen Erhöhungen leiden mussten. Zum Teil war die Ursache dafür eine verfehlte Geschäftspolitik der Versicherer und falsche Versprechen von Beratern.
Die Krankenkassen sehen die private Konkurrenz vor einem „immensen Kostenproblem“. Ursache ist: Die PKV-Unternehmen können die Kosten von Arzneimitteln nicht so gut drücken wie die Krankenkassen. Zudem rechnen Ärzte oft für Privatpatienten mehr ab als für Kassenpatienten. Zudem war der Druck, die Kosten im Griff zu halten, bisher geringer als bei den Krankenkassen.
Aus Umfragen schließen die Krankenkassen: Jeder dritte Privatpatient würde gerne zu einer gesetzlichen Krankenkasse wechseln. Vor allem ältere PKV-Kunden haben das Problem, dass sie im Rentenalter wahrscheinlich deutlich mehr als in der GKV zahlen.
SPD und Grüne haben mit einer Einheitsversicherung ein scheinbar attraktives Gegenmodell zur bisherigen Zweiteilung im Gesundheitswesen entworfen. AOK-Manager Graalmann kann damit gut leben, er sähe private und gesetzliche Anbieter dann als gleichberechtigte Wettbewerber.
Nicht bei jedem Gesetzesverstoß sei die Schwelle zu aufsichtsrechtlichem Einschreiten überschritten, erklärt Schramm. Die Bafin müsse auch die verfassungsgemäße Gewaltenteilung beachten. Hier wären gegebenenfalls die ordentlichen Gerichte zuständig, um über ein Tarifwechselrecht im Einzelfall zu urteilen, so der Versicherungsmathematiker Schramm.
Die Finanzaufsicht hat das Tarifwechselrecht im Blick und ist bereit, einzelne Fälle zu prüfen, wie eine Sprecherin sagte. Allerdings sehen die Experten aus Bonn noch eine Gefahr, die insbesondere mit geschlossenen Tarifen in der PKV verbunden sein könnte. Der Wechsel in solch einen Tarif sei meist für den Versicherungsnehmer ungünstig und werde erfahrungsgemäß nur in äußerst selten Einzelfällen gewünscht. Denn wenn ein Versicherer einen Tarif für Neuzugänge schließe, biete er den „Neuzugängen“ einen neuen Tarif an.
Die Prämie des „geschlossenen Tarifs“ werde in der Regel höher sein als die von den Neuzugängen geforderte. Es bestehe darum die Gefahr der Vergreisung des Tarifes. Das heißt: Es wären in diesem Tarif relativ viele ältere Versicherte, die vielleicht häufiger als jüngere Versicherte zum Arzt gehen – was wiederum die Krankheitskosten in diesem Tarif in die Höhe triebe. Um den Folgen der Vergreisung zu entgehen, habe der Gesetzgeber den Versicherungsnehmern die Möglichkeit geboten, in den neuen (regelmäßig günstigeren) Tarif zu wechseln, sofern dieser gleichartiger Versicherungsschutz biete, erklärt die Bafin-Sprecherin.
Viele PKV-Versicherte wollen in einen günstigeren Tarif, wie Tarifwechselberater immer wieder feststellen. Sie haben aus dem Wunsch ein Geschäft gemacht und verdienen daran gut. Denn je größer die Einsparung des Kunden ist, umso höher die Provision des Beraters.
„Sozialpolitiker, Verbraucherschützer und gesetzliche Krankenkassen haben einen Feldzug zur Abschaffung der PKV gestartet und zu diesem Zweck die Medien instrumentalisiert“, kritisiert der Versicherungsexperte Arno Surminski in der Zeitschrift für das Versicherungswesen. „Offenbar soll die Bevölkerung in einer Art Vorwahlkampf für die nächste Bundestagswahl auf die von SPD und Gründen geforderte Bürgerversicherung eingestimmt werden.“ Er findet die Untergangsszenarien ungerechtfertigt und nennt dafür sechs Gründe.
Es wäre nicht das erste Mal, dass das Ende der PKV eingeläutet wird. Seit dem zweiten Weltkrieg gab es immer wieder Konstellationen, in denen kein Pfifferling auf die PKV gegeben wurde. Ihr Überleben als reiner Zusatzversicherer war oft schon beschlossene Sache.
Die PKV ist für gewisse Bevölkerungsgruppe unverzichtbar. Zu ihren Verbündeten zählen Mediziner, die auf Privatpatienten angewiesen sind, weil sie von GKV-Leistungen allein kaum eine Praxis unterhalten können.
Fast die Hälfte der Privatversicherten gehört zur Gruppen der Beamten. Sie sind mit der jetzigen Regelung (Beihilfe plus Privatversicherung) gut bedingt und haben keine Neigung in eine Einheitsbürgerversicherung zu wechseln.
Altersrückstellungen sind eine Errungenschaft, die sich die anderen Systeme zum Vorbild nehmen sollten: Kapital ansparen in jungen Jahren, um aus diesen Mitteln die höheren Gesundheitskosten im Alter abzufangen.
Im Bereich der Altersrückstellungen funktioniert die PKV im Bereich der Gesundheitskosten wie die Lebens- und Rentenversicherung bei der Altersvorsorge. Jeder Zugriff auf die Altersrückstellungen verstößt gegen die Eigentumsgarantie des Grundgesetzes.
Das Nebeneinander von GKV und PKV hat große Vorteile für die Krankenversicherten in ihrer Gesamtheit. Der Wettbewerb der Systeme zwingt Privatunternehmen und Kassen, sich verstärkt um ihre Versicherten zu kümmern, sie möglichst nicht zu enttäuschen.
Dieses Prinzip klingt gut, hat jedoch einen großen Nachteil: Der Berater könnte versucht sein, seine Provision zu maximieren, indem er minderwertige Tarife anbietet. Bei diesen spart der Kunde zwar viel Geld im Monat, doch auf der anderen Seite hat er auch schlechtere Leistungen in dem neuen PKV-Tarif.
Trotz dieser Gefahr kann es lohnend sein, über einen Tarifwechsel nachzudenken. Als Helfer bieten sich dafür womöglich auch Berater an, die für ihre Dienste ein Honorar verlangen statt einer Provision. Diese Versicherungsberater sind oft sehr spezialisiert, raten aber gelegentlich auch ganz von einem Tarifwechsel ab.

Also ich, der privat versichert ist, kann die Erhöhung nur bestätigen. Es ist ja nicht so, dass die Beiträge ( in meinem Fall gleich mal um fast 60,00 €; übrigens der Name der Gesellschaft: DKV) anheben,nein, gleichzeitig werden die Bedingungen auch noch verschlechtert. So ist zum Beispiel in meinem Fall die jährliche Selbstbeteiligung um 40,00 € gestiegen. Also erzählt nichts von "pauschalen Aussagen" oder "Stimmungsmache" Das System ist einfach korrupt. Wie kann es sein, dass man von steigenden Kosten spricht und die Vorstände sich dabei neue Säcke für die horrenten Gehälter besorgen müssen. Einfach nur ein lachhafter Kommentar. Wahrscheinlich gehörst Du auch zu dem Haufen.

Das Grundproblem zwischen PKV und GKV ist doch der Kampf von Umlage gegen Vorsorge. Da kann man politisch mit Verträgen und Tarifen drumherum docktern, viele Vermittler oder auch Wasserköpfe beschäftigen oder eben nicht. Im Kern bleibt die Frage, essen wir den Gewinn von heute auch heute schon auf, oder sorgen wir mit unserer Lebensleistung für später vor. Jeder Ökonom wird da eine klare Antwort finden, Politiker, die nach 4 Jahren wiedergewählt werden wollen, eine andere. Dabei ist es wohl unerheblich, ob die Vorsorgeinstitution privat oder staatlich-treuhänderisch organisiert ist, wenn gesichert werden kann, daß Politiker nicht an das Geld herankönnen (um natürlich gute Taten für uns alle zu tun, ganz klar). Solange wir gesellschaftlich nicht auf Vorsorge umschalten, ist es wohl unumgänglich erstmal privat vorzusorgen, um wenigstens einen Teil an Sicherheit zu erlangen.

Fortsetzung:
Dann doch lieber ein gewachsenes und respektvolles Nebeneinander von GKV und PKV, mit einem medizinischen Standard, um den uns die ganze Welt beneidet.






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