
FrankfurtIm Kleingedruckten des Versicherungsvertrags kann es der Allianz-Kunde unter dem Punkt "Verwendung der Beiträge" nachlesen: "Im Interesse unserer Kunden legen wir Wert auf eine rentable Kapitalanlage. Eine ausschließliche Fokussierung auf ethische, soziale oder ökologische Belange erfolgt dabei nicht."
Über 90 Millionen Lebensversicherungen haben die Deutschen abgeschlossen. Und für fast alle Verträge gilt: Wenn die Wörter "Umwelt" oder "Soziales" überhaupt auftauchen, dann höchstens so wie beim Marktführer Allianz. Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei Versicherungen, anders als bei Banken oder Fonds, bislang kaum eine Rolle. "Die Versicherungsbranche hinkt hier klar hinterher", sagt Gottfried Baer, Geschäftsführer der Finanzberatung Mehrwert. "Es gibt nur wenige Ausnahmen."
Das Desinteresse besteht auf beiden Seiten: Die Konzerne machen kaum Angebote für nachhaltige Policen. Zugleich schenken Kunden und Umweltschützer dem Treiben der Versicherungskonzerne auch kaum Beachtung.
Dabei gehören die Versicherer zu den größten Anlegern an den Kapitalmärkten. Die Beiträge, die die Lebensversicherungskunden entrichten, investieren die Konzerne in Pfandbriefe, Anleihen, Aktien oder Immobilien. Die deutschen Lebensversicherer haben über 700 Milliarden Euro investiert. Ob das Geld in Biohöfe oder in Rüstungskonzerne fließt, ist meist nicht zu durchschauen.
Trotzdem regt sich kaum Protest, ganz anders als etwa bei den Banken. So fährt die Nichtregierungsorganisation Foodwatch seit Monaten eine Kampagne gegen die Deutsche Bank. Der Vorwurf: Das Institut beteilige sich an der preistreibenden Spekulation mit Agrarrohstoffen. "Die Investmentbanken tragen Mitschuld daran, dass Menschen in den ärmsten Ländern der Welt Hunger leiden und am Hunger sterben", sagt Foodwatch-Chef Thilo Bode.
Auch wegen der Finanzkrise sind viele Bankkunden kritischer geworden, Tausende wechseln zu früher belächelten Öko-Nischeninstituten wie der Umweltbank oder der GLS Bank. "Bei Versicherungen kommt vielen Kunden hingegen gar nicht der Gedanke, dass auch hier Geld nachhaltig angelegt werden kann", sagt Makler Baer.

Vielleicht sollte an dieser Stelle auch einmal erwähnt werden, dass der mittel- bis langfristig orientierte Sparer und Kapitalanleger neben Bank- und Versicherungsangeboten auch mal die Angebote des außerbörslichen Beteiligungsbereichs genauer betrachtet. DAs ist nämlich ein Bereich, der von Banken und Versicheurungen selbst z.B. gerne für die eigene Vermögensverwaltung genutzt wird und der in einzelnen Fällen sogar einen "Ethik-Index" enthält. Dort weiß der Kunde also, wohin das Geld gehen darf und wohin nicht!
Warum sollte der normale Sparer also nicht auch direkt dort renditestark und ethisch korrekt investieren?
Ralf Borchers / www.markt-intakt.de






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