Versucht ein Kunde zurückzurufen, muss er feststellen, dass die von ihm angerufene deutsche Telefonnummer nicht existent ist. Oder er trifft auf völlig ahnungslose Adressaten. Denn die Call-Center sollen auch willkürliche Rufnummern genutzt haben, damit man sie nicht zurückverfolgen kann. Angeblich haben Gökers Mannen sogar schon Telefonnummern von Staatsanwälten genutzt.
Solch ein Call-Center kann einige hundert Datensätze am Tag produzieren, die dann von deutschsprachigen Verkäufern in der Türkei abgearbeitet werden. Die Beratung und der Verkaufsabschluss finden ausschließlich per Telefon statt. Andere türkische Call-Center arbeiten ähnlich, verkaufen die Datensätze dann aber an deutsche Vertriebe zu Preisen zwischen 25 und 40 Euro pro Adresse.
Bei den Gesprächen der Göker-Leute mit Kunden sei es immer nur darum, irgendwie zum Abschluss zu kommen. „Die erzählten dabei die wildesten Geschichten, Gesundheitsfragen wurden bewusst manipuliert und sogar Unterschriften gefälscht“, sagt der Informant.
In einem Interview sprach Mehmet Göker im Juli 2011 auch über die Versicherer. Die Perspektive nach der Pleite der MEG.
Quelle: Interview mit Klaus Stern, Juli 2011, Türkei, im Bayern-Trikot
„Die Versicherer haben immer bekommen, was sie wollten.“
„Mir hat mal ein hochrangiger Mitarbeiter einer großen deutschen Krankenversicherung gesagt, dass viele Versicherungsvorstände und Mitarbeiter Angst haben, wenn wirklich rauskommt, wie das alles abgelaufen ist."
"Ich habe Schuld, ganz klar, aber es wurde auch vieles - fahrlässig ist vielleicht das falsche Wort, aber..."
„Wissen sie, es gab eine Situation. Da hat die MEG eine Million Euro gebraucht. Bar. Dann gab es von mir einen Anruf bei einem Versicherer, am Telefon. Ich sage Hallo Herr Soundso, ich brauche eine Million Euro bis morgen. Da war ich 29, 30. Da sagt: Ja, ja, okay, ich melde mich in einer Stunde. Ich sage: Gut. Anderthalb Stunden später rufe ich an, nein, eine Stunde später rufe ich an, weil kein Rückruf kam. Ich sage: Was ist denn mit der Million? Sagt er: Was denn? Ist doch vor 50 Minuten raus.“
„Können Sie sich jetzt vorstellen, welches Rad da gedreht wurde? Wie viele Menschen kennen Sie, die Sie mal anrufen und sagen: Ich brauche eine! (zeigt den Daumen) Dann rufen Sie eine Stunde später und sagen: Sie wollten mir doch antworten. Er sagt: Machen Sie doch ruhig, Herr Göker, das Geld ist vor 50 Minuten raus. Zwei Stunden später war es auf dem Konto. Eine!“ (zeigt den Daumen)
„Jetzt hat man vielleicht mal annähernd eine Größenordnung, was damals ablief. Auf Zuruf habe ich von Versicherern Millionen bekommen. Keine Unterschrift. Und einige haben davor natürlich Angst. Ja, ist nicht schön?“
Die Bedürfnisse des Kunden seien nicht wichtig. Aus seiner Sicht haben auch die Versicherungsunternehmen hier schlicht versagt. Oder wollten sie es gar nicht wissen? Warum sonst wird das Geschäft ohne große weitere Überprüfung angenommen?
Die Erklärung könnte schlicht sein: Weil sie die zahlreichen Vertriebskanäle am Ende nicht mehr durchschaut haben. Vertriebsvereinbarungen zwischen Göker und den deutschen Versicherungsunternehmen gab es nur zu MEG-Zeiten.
Doch auch ohne diese funktioniert das Geschäft, und zwar über alte Kontakte aus MEG-Zeiten. Schließlich sind die zahlreichen MEG-Verkäufer ja nicht auf einen Schlag aus dem Geschäft ausgeschieden, nur weil es die Firma MEG nicht mehr gab. Sie haben stattdessen das Geschäft auf eigene Faust und womöglich in kleinerem Rahmen durchgezogen.

3. Dass man etws investieren muss, um als Unternehmer Geld zu verdienen ist für jeden der ein solcher sein will, nur logisch. Dann wäre es ethisch auch verwerflich, dass Mc Donalds 1 Mio Franchise Gebühr verlangt, nur dass man eine Filiale eröffnen darf. Außerdem zahlt man für die Nutzung der Produkte und nicht für das Geschäft. Will ich nur das Geschäft betreiben und nicht die Produkte nutzen, könnte ich mich auch nur für einmalig 30 $ registrieren lassen.
4. Dass Herr Göker Talk Fusion macht, dafür kann Talk Fusion nichts. Er hat sich als Geschäftspartner registriert und hat dazu das Recht wie jeder andere. Verstösst er mit seiner Vertriebsstrategie gegen die Statuten, wird ihm gekündigt, wie bereits anderen, die sich nicht an die Ethikstandards gehalten hatten.

Da muss ich mal ganz klar ein paar verdrehte Fakten hier klar stellen:
1. Bei Talk Fusion handelt es sich um ein Unternehmen welches Produkte vertreibt im Direktvetrieb, wies Tupperware oder Avon seit vielen Jahren nicht anders tun.
2. Es handelt sich um qualitativ hochwertige Produkte der Videokommunikation und des Videomarketing, die bereits Auszeichnungen haben und das Unternehmen wurde ethisch zertifiziert.

Es ist mir ein Rätsel, warum dieser Gauner immer noch frei herumläuft. Dank Typen wie Göker, Maschmeyer und anderer Strukkis "genießt" unsere Branche einen misserablen Ruf. Ich für meinen Teil, möchte mit solchen "Beratern" nicht in einen Topf geschmissen werden und nichts zu tun haben. Berichte wie dieser sind für sogenannte "Verbraucherschützer" natürlich ein gefundenes Fressen, um wieder pauschal über das Thema Provisionen herziehen zu können. Ich kann es nicht mehr hören, denn ein seriöser Versicherungsmakler hat mit solchen Geschäftsmodellen nichts zu tun.






29 Kommentare
Alle Kommentare lesen