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Verzinsung: Lebensversicherung auf der Kippe

Viele Lebensversicherer stehen vor ernsten Probleme. Den Schwachen gehen die Reserven aus. Auch die Kunden sind betroffen. Welche Lebensversicherung gut durch die Krise kommt - und welche nicht.

DüsseldorfDie Karte des Stromnetzes ist groß wie eine Kinoleinwand. Deutschlands Norden leuchtet links, der Süden rechts. Davor, auf 21 Bildschirmen, simulieren Ingenieure des Netzbetreibers Amprion 15 Minuten im Voraus, wo in den 11.000 Kilometer Stromnetz eine Leitung ausfallen und womöglich eine Kettenreaktion ganze Städte in den Blackout reißen könnte. Bezahlt werden die Ingenieure in der Schaltzentrale in Brauweiler bei Köln von Stromkunden, die etwa drei Prozent ihrer Gelder an Amprion überweisen. Von ihrer Arbeit aber profitieren Lebensversicherte.

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Zum Beispiel die der Neue Leben aus Hamburg: Der Versicherer ist an Amprion beteiligt. Vor einem Jahr haben die Neue Leben, die zum Talanx-Konzern gehört, und weitere Versicherer knapp 75 Prozent an Amprion von RWE übernommen, für 700 Millionen Euro. Als Investition ins Stromnetz verzinsen sich die Millionen nun mit etwa sieben Prozent pro Jahr.

Lebensversicherer müssen sich etwas einfallen lassen, wenn sie ihren Kunden noch eine attraktive Rendite bieten wollen. Zehnjährige Bundesanleihen bringen ihnen nur 1,5 Prozent Rendite pro Jahr. Selbst wenn sie dem Bund 30 Jahre Geld borgen, bekommen sie nur 2,3 Prozent. Das reicht nicht. Die Lebensversicherer garantieren Kunden auf eingezahlte Beiträge nach Abzug von Kosten im Durchschnitt 3,2 Prozent Zins.

Die zehn größten Lebensversicherer im Bilanzcheck

  • Allianz

    Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 16,004 Milliarden Euro (absolut), 11,1 Prozent aller Kapitalanlagen

    Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 4,799 Milliarden Euro, 259 Prozent der Überschussbeteiligung

  • Bayern-Versicherung

    Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 1,986 Milliarden Euro (absolut), 9,5 Prozent aller Kapitalanlagen

    Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 561 Millionen Euro (absolut), 268 Prozent der Überschussbeteiligung

  • R+V AG

    Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 2,694 Milliarden Euro (absolut), 7,1 Prozent aller Kapitalanlagen

    Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 1,951 Milliarden Euro (absolut), 318 Prozent der Überschussbeteiligung

  • Württembergische

    Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 1,652 Milliarden Euro (absolut), 6,6 Prozent aller Kapitalanlagen

    Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 609 Millionen Euro (absolut), 285 Prozent der Überschussbeteiligung

  • Axa

    Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 1,218 Milliarden Euro (absolut), 6,1 Prozent aller Kapitalanlagen

    Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 424 Millionen Euro (absolut), 209 Prozent der Überschussbeteiligung

  • Ergo

    Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 1,995 Milliarden Euro (absolut), 5,1 Prozent aller Kapitalanlagen

    Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 593 Millionen Euro, 152 Prozent der Überschussbeteiligung

  • Zurich Deutscher Herold

    Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 1,466 Milliarden Euro (absolut), 5,0 Prozent aller Kapitalanlagen

    Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 373 Millionen Euro (absolut), 146 Prozent der Überschussbeteiligung

  • Debeka

    Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 319 Millionen Euro (absolut), 0,9 Prozent aller Kapitalanlagen

    Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 825 Millionen Euro (absolut), 142 Prozent der Überschussbeteiligung

  • AachenMünchener

    Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): 139 Millionen Euro (absolut), 0,7 Prozent aller Kapitalanlagen

    Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 229 Millionen Euro (absolut), 91 Prozent der Überschussbeteiligung

  • Generali

    Bewertungsreserven (gibt an, wie stark der aktuelle Marktwert der Kapitalanlagen den Buchwert übersteigt): -160 Millionen Euro (absolut), -0,4 Prozent aller Kapitalanlagen

    Bilanzpuffer (freie Rückstellung für Beitragsrückerstattung): 462 Millionen Euro (absolut), 97 Prozent der Überschussbeteiligung

Während Neukunden heute nur noch 1,75 Prozent Mindestverzinsung auf den angelegten Teil ihres Beitrags zugesichert bekommen, steht in etwa jedem vierten der rund 90 Millionen abgeschlossenen Verträge noch ein Garantiezins von vier Prozent – von 1994 bis 2000 hatten sich die Lebensversicherer so weit aus dem Fenster gelehnt.

Jetzt sorgt sich auch schon die Bundesregierung um die Stabilität der Lebensversicherer. In einem Papier des Bundesfinanzministeriums, das dem „Handelsblatt“ vorliegt, wird die Schieflage von Instituten nicht ausgeschlossen. Im Falle einer Inflation bestehe sogar die „Gefahr eines Runs“ - eines Wettlaufs aus den dann unattraktiven Policen.

Es könne nicht ausgeschlossen werden, „dass einzelne Unternehmen künftig in Schwierigkeiten geraten“, heißt es in dem fünfseitigen Protokoll einer Expertenrunde im Finanzministerium. Vor allem für „das schwächste Fünftel“ der Anbieter bestünden bei einer dauerhaft niedrigen Verzinsung von Staatsanleihen erhebliche Risiken.

„Für diese Unternehmen reichen die vorhandenen Kapitalanlagen in dem zugrunde gelegten Szenario ab 2018 nicht mehr aus, um neben den versicherungstechnischen Rücklagen auch die Eigenmittelanforderungen zu decken.“

  • 08.11.2012, 14:34 Uhrder-oekonomiker

    Gut durch die Krise kommt keine einzige. Deshalb wurde im vergangenen Jahr § 89 Versicherungsaufsichtsgesetz beschloßen und verkündet. Eine Vorschrift, die jedem Versicherten den Angstschweiß auf die Stirn treiben muß. Die mit LV ihr Haus finanzieren, sind besonders arme Hunde. Weil das so ist, wird einfach nicht darüber berichtet.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • 08.11.2012, 14:45 Uhrihr

    Ich nehme an, die Rendite der Eigner der Lebensversicherungen stimmt? Oder müssen wir sammeln?

    Ist doch schön, daß nun auch Teile der Rentenversicherungen am Kapitalmarkt gezockt werden müssen, und nicht mehr solidarisch finanzert werden!

  • 08.11.2012, 14:46 Uhrvandale

    Die nächste Krise der Lebensversicherung ist programmiert.

    Anleihen privater Emitenten müssen die Versicherer mit Eigenkapital unterlegen, Europäische Staatsanleihen inkl. Gr nicht. Diese Regel wurde seitens der EU aus gutem Grunde so gestaltet. Für die Versicherer heisst dies, dass diese ein erhebliches Risiko hinsichtlich Staatspleiten eingehen.

    Seit ein paar Jahren treibt die Regierung die Versicherer in "Erneuerbare Energien". Dort erzeugt man hoch subventioniert wertlosen Zufallsstroms mit staatlicher Abnahmegarantie. Da die Staaten Europas sich finanziell übernommen haben, die staatlichen Mittel knapper werden haben einige Staaten diese Subventionen gekürzt, teils auch rückwirkend. Spätestens wenn der Deutsche Staat durch die Alimentierung Südeuropas in eine finanziell herausfordernde Lage gerät, wird man nicht umhin kommen die entsprechenden Gesetze zu ändern und die Subventionen ggf. rückwirkend zu kürzen, oder zu streichen.

    Dann werden die Versicherer und damit auch die Versicherten in eine herausfordernde Situation kommen.

    Vandale

    PS: In der Vergangenheit fielen die Versicherer regelmässig durch ein ungeschicktes pro-zyklisches Anlageverhalten auf. Während der Aktienhausse 1998-2000 erhöhten sie den Aktienanteil drastisch, in der Baisse 2001-2003 verkauften diese dann massiv Aktien.

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