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Lebensversicherung: Geiz ist geil

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Einige Versicherer geben nur noch drei Prozent


Dieses Glaubensbekenntnis, dass sie Gutes für die Menschen tun, tragen die Lebensversicherer seit jeher vor sich her. Doch angesichts der dahin schmelzenden Gutschriften, zweifeln immer mehr Kunden an diesen Aussagen. Die wichtige Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung, also die jährliche Zinsgutschrift, fällt ja nun ganz deutlich in Richtung drei Prozent. Die ersten Lebensversicherer haben die Marke sogar schon erreicht.

Lebensversicherung 2014

Nur wenige Lebensversicherer weisen überhaupt noch eine Überschussbeteiligung von vier Prozent oder mehr aus. Dazu zählen zur Talanx gehörende Targo, die Landeslebenshilfe aus Lüneburg und die Nürnberger. Überraschend ist, dass einige vertriebsstarke Versicherer bereits die Marke von drei Prozent schon oder fast erreicht haben.

Dazu gehören neben den beiden Branchengrößen Zurich und Ergo auch die beiden großen Sparkassenversicherer Versicherungskammer Bayern und SV Sparkassenversicherung aus Stuttgart.

Was Lebensversicherte wissen sollten

  • Wie hoch ist der Garantiezins?

    1,25 Prozent – so viel (oder wenig) Verzinsung garantieren deutsche Lebensversicherer Neukunden ab dem 1.1.2015. Zuvor lag der Garantiezins noch bei 1,75 Prozent (ab 2012) beziehungsweise 2,25 Prozent (ab Juli 2000). Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent, ab 2007 bei 2,25 Prozent.

  • Warum wurde der Garantiezins gesenkt?

    Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig  vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.

  • Wie wirkt die Absenkung auf die Rendite?

    Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Damit liegt die Beitragsrendite bezogen auf den Garantiezins ab 2012 je nach Kostenquote der Versicherer aber deutlich unter 1,75 Prozent. Ein Inflationsausgleich durch den Garantiezins wird gleichzeitig schwerer. Versicherte müssen daher auf eine attraktive Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.

  • Was bestimmt neben dem Garantiezins die Rendite einer Police?

    Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für die Jahre 2012, 2013, 2014 und 2015 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung.

  • Welche Rolle spielen die Kosten?

    Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.

     

  • Welche Auswirkungen hat die Garantiezinssenkung für Bestandskunden?

    Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.

  • Was hält die Branche von der Senkung?

    Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt zur Absenkung des garantiezinses auf 1,25 Prozent: „Sie sollten ihre Entscheidung, ob sie in Form einer Kapitallebensversicherung, einer privaten Rentenversicherung oder einer Riester-Rente die immer wichtiger werdende ergänzende Altersversorgung betreiben, nicht von der Höhe des „Garantiezinses“ abhängig machen. Vielmehr bleibt die Lebensversicherung auch nach einer möglichen Absenkung des „Garantiezinses“ attraktiv. Sie kombiniert neben Sicherheit und Rendite auch Risikoschutz und die Möglichkeit einer lebenslangen Rente, egal wie alt man wird.“

  • Droht in Zukunft eine weitere Senkung?

    Das steht erst einmal nicht zur Debatte, kann aber langfristig angesichts des niedrigen Zinsniveaus nicht ausgeschlossen werden.

  • Ist der Abschluss einer Lebensversicherung noch attraktiv?

    Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.

    Auch für die Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. 

Nahezu jede Versicherung, die bisher ihre Überschussbeteiligung mitgeteilt hat, nahm eine Reduzierung vor. Nur ganz wenige halten diesen Satz noch stabil, wie ein Überblick auf der Internetseite der Ratingagentur Assekurata zeigt. Und selbst wenn einer aktuell nicht senkt, dann müssen Kunden in den nächsten Jahren mit Senkungen rechnen. Denn keiner in der Branche kann sich dem langfristigen Abwärtstrend bei den Zinsen entziehen.

 

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  • 02.01.2013, 12:15 Uhragenda2020

    mit solchen Meldungen macht ihr das ganze Geschäft kaputt, die wollten noch viele Verträge abschließen und die Provision kassieren!

  • 02.01.2013, 12:45 UhrSchuischel

    Wo gibts sonst über 3% bei gleicher Sicherheit? Ein anderer Kommentator schrieb mal, warum ihr nicht lobt und schreibt, dass bei durch die EZB verantworteten Nullzinsen die Versicherer sich gut schlagen und immerhin 3,x% anbieten können? Warum lautet die Schlagzeile nicht: "Versicherer trotzen schwierigem Marktumfeld." Schalten die Versicherer zu wenig Anzeigen in dem HB?

  • 02.01.2013, 12:48 UhrRainer

    Ist es jetzt irgendwann mal gut? Muss die Presse denn nun seit Monaten JEDEN TAg davon berichten damit sich die Leute, die sowas nie eine Lebensversicherung hatten, über diese "bösen Kapitalisten" aufregen können? Und eines vermisse ich jedes Mal: Alternativen wo man denn woanders derzeit mehr als 3,6% bekommt. Diese Form des Journalismus hat für mich jedenfalls nicht viel mit Seriösität zu tun, eher mit populistischem Marktgeschrei.

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