DüsseldorfDie Zinsgutschriften in der Lebensversicherung sinken 2013 noch stärker als erwartet. Im Schnitt zahlen die Unternehmen vermutlich eine Überschussbeteiligung von weniger als 3,6 Prozent. Das sind rund 0,3 Prozentpunkt weniger als im Vorjahr.
Aufgrund der Daten von 65 Anbietern ergibt sich nach Berechnungen von Handelsblatt Online derzeit ein Durchschnittswert von 3,55 Prozent. Im Vorjahr waren es in dieser Gruppe noch 3,83 Prozent - ein Wert, der noch nahe an der magischen Marke von vier Prozent liegt.
Die jährliche Zinsgutschrift der Lebensversicherer heißt Überschussbeteiligung. Sie setzt sich zusammen aus dem Garantiezins und einem Bonus. Derzeit beträgt der Garantiezins 1,75 Prozent. In alten Verträgen kann er bis zu vier Prozent betragen.
Die Lebensversicherer weisen neben der Überschussbeteiligung gerne noch die Gesamtverzinsung eines Vertrags aus, der im nächsten Jahr ausbezahlt wird. Diese Prozentzahl ist etwas höher, weil der Kunde noch einen Zuschlag aus weiteren Gewinntöpfen der Lebensversicherer erhält - weil er bis zum Ende durchgehalten hat.
Analysten erwarten, dass die Überschussbeteiligung für 2013 weiter sinken wird – von knapp vier Prozent in diesem Jahr auf etwa 3,6 Prozent im nächsten Jahr. Einen Überblick liefert die Ratingagentur Assekurata.
Die Zinsgutschriften der Lebensversicherungen fallen seit mehr als einem Jahrzehnt. Ursache ist der starke Rückgang der Kapitalmarktzinsen.
Der Branchenführer Allianz senkt die Überschussbeteiligung von 4,0 auf 3,6 Prozent und verabschiedet sich damit von der magischen Vier-Prozent-Marke.
Für die klassischen Renten- und Lebensversicherungen von AXA und DBV wird die laufende Verzinsung (Garantieverzinsung plus Zinsüberschussanteil) im kommenden Jahr bei 3,65 Prozent liegen (2012: 3,8 Prozent). Die Gesamtverzinsung 2013 wird einschließlich des Kostenüberschussanteils, des Schlussgewinnanteils und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven im Schnitt 4,4 Prozent erreichen (2012: 4,6 Prozent).
Für Ergo Leben sinkt die Überschussbeteiligung auf 3,2 von 3,8 Prozent, für Victoria Leben auf 3,0 von 3,5 Prozent. Die Gruppe verwaltet mehr als sieben Millionen Verträge. Ähnlich schlecht ist der große Versicherer Zurich mit 3,0 Prozent.
Der mittelgroße, aber sehr kapitalstarke Lebensversicherer senkt die Überschussbeteiligung ebenfalls stark von 3,85 Prozent auf 3,35 Prozent. Der Vorreiter der Branche im Jahr 2012.
Die Kunden des Landeslebenshilfe V.V.a.G. (LLH) erhalten für ihre Guthaben in 2013 eine laufende Verzinsung von 4,25 Prozent und damit eine seit Jahren überdurchschnittlich hohe Überschussbeteiligung. Einschließlich Schlussüberschussbeteiligung werde sich eine Gesamtverzinsung von durchschnittlich 5,0 Prozent ergeben, die damit weiterhin deutlich über dem Marktniveau liegen werde, teilte der Versicherer mit. Noch etwas besser ist Targo mit 4,3 Prozent.
Damit unterbieten die rund 100 deutschen Lebensversicherer sogar noch die ohnehin schon pessimistischen Erwartungen von Analysten. Diese hatten im Vorfeld Werte von 3,6 bis 3,7 Prozent vorhergesagt. Dass sich diese Prognose nicht bewahrheitete, lag vor allem an einigen Unternehmen, die mit extrem niedrigen Überschussbeteiligungen von weniger als 3,5 Prozent überraschten.
Dazu zählten in diesem Jahr die Lebensversicherer Alte Leipziger und Ergo. Sie setzten den Trend. Wenn sich solche Unternehmen vorwagen, dann werden erfahrungsgemäß auch andere Vorstände mutiger. Zudem ist den ersten Unternehmen immer die größte Aufmerksamkeit gewiss. Wer später meldet oder sogar auf eine Pressemitteilung verzichtet, fällt selbst mit schlechten Zahlen nicht mehr so stark auf.
Warum schreiben die Lebensversicherer ihren Kunden immer weniger gut? Das wichtigste Argument ist bei allen der Zinstrend. An den seit langem sinkenden Zinsen kommt kein Lebensversicherer vorbei. Wer sich frühzeitig mit langlaufenden Anleihen eingedeckt hat, kann Niedrigzinsen länger aushalten. Wer vom Geld der Kunden eher kürzer laufende Anleihen gekauft hat, muss früher auf die niedrigen Zinsen reagieren und seine jährliche Zinsgutschrift womöglich schneller senken als anderen.
Bei der Nettoverzinsung werden sämtliche Erträge und Aufwendungen aus Kapitalanlagen berücksichtigt. In die Berechnung einbezogen sind somit auch Erträge und Verluste aus dem Abgang von Kapitalanlagen sowie die Abschreibungen auf Wertpapiere. Diese Kennzahl kann daher relativ starken Schwankungen unterworfen sein. Die Berechnung der Nettoverzinsung erfolgt nach den Empfehlungen des LV-Verbandes.
Abschlusskosten entstehen im Zusammenhang mit dem Neugeschäft. In der Regel sind die Kosten kalkulatorischer Bestandteil des Versicherungsprodukts, die der Versicherungsnehmer (zumindest teilweise) im Rahmen seiner Prämie trägt.
Diese Kostenquote beinhaltet die Kostenpositionen des Jahresabschlusses, die nicht unmittelbar dem Neugeschäft zuzuordnen sind. Hieraus lässt sich erkennen, wie hoch die Kostenbelastung in Relation zu den eingenommenen Beiträgen ist.
Der freien RfB (Rückstellung für Beitragsrückerstattung) kommt die Bedeutung einer Pufferfunktion zur Glättung der jährlichen Gewinnbeteiligung zu. Die freie RfB in Prozent der Deckungsrückstellung ist ein Indikator für die Höhe dieses „Puffers“ in Relation zur gesamten Deckungsrückstellung der Versicherten im Geschäftsjahr.
Die Zuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB in Prozent der gebuchten Bruttobeiträge und Nettoerträge aus Kapitalanlagen) gibt Aufschluss darüber, wie groß der Anteil der Erträge ist, der der Versichertengemeinschaft in Form von Überschüssen zugute kommt.
Das Wachstum eines Versicherungsunternehmens wird hier an drei Größenpositionen gemessen: Entwicklung der Beiträge (50%), Entwicklung der Kapitalanlagen (25%) und Entwicklung der Versicherungssummen (25%).
Das Storno erfasst die Verträge der kapitalbildenden Tarife (Kapital- und Rententarife), die vorzeitig - also vor Vertragsablauf - gekündigt oder beitragsfrei gestellt werden. Es lässt einen Rückschluss auf die Qualität der Beratung, der Tarife und der Vertriebswege zu.
Die modifizierte Eigenmittelquote ist ein Maßstab dafür, in welchem Umfang ein Lebensversicherer Risiken durch die Eigenmittel Eigenkapital und Schlussüberschussanteil-Fonds (SÜAF) abdecken kann. Hierfür wird eine Quote gebildet, welche die Summe dieser beiden Eigenmittel der Deckungsrückstellung gegenüberstellt.
Die Reservequote zeigt, wie groß der Anteil der so genannten Stillen Reserven in Prozent der gesamten Kapitalanlagen zum Bilanzstichtag war. Die Stillen Reserven ergeben sich im Wesentlichen aus abgeschriebenen bzw. zum Niederstwert angesetzten Buchwerten (z. B. Grundstücke, Aktien und Investmentfondsanteile) gegenüber ihren zum Stichtag ermittelten und angesetzten Marktwerten. Die Bewertungsreserve wurde erstmals im Bilanzjahrgang 1997 in den Geschäftsberichten ausgewiesen. Seit dem Bilanzjahrgang 2007 sind auch die Stillen Reserven in den zu Nennwert bilanzierten Kapitalanlagen angabepflichtig und sind entsprechend integriert. Quelle: Morgen & Morgen
Doch nicht nur die Finanzmärkte sind Schuld - jedenfalls aus der Sicht der Akteure. Einer, der gerne Klartext spricht und zutiefst von dem Produkt überzeugt ist, hat weitere Schuldige ausgemacht: Uwe Laue, der Vorstandsvorsitzende des Versicherungsverein Debeka. Da ist etwa die Politik, die der Branche Lasten aufbürdet, wie die Beteiligung der Versicherten an den sogenannten Bewertungsreserven.

Na ja, Hauptsache die Dividenden für die Aktionäre werden nicht gekappt, denn das wäre ja nochmal schöner....!

und wieder begteiligt sich das HB an einer Desinformationskampagne zugunsten seiner Anzeigen-Kunden und zu Lasten seiner Leser. Wir wollen doch mal klarstellen: nicht die Politik, sondern das BVG hat die Beteiligung der Versicherten an den Bewertungsreserven der Konzerne durchgesetzt. Wohlgemerkt handelt es sich bei den stillen Reserven um Vermögen, das ausschließlich mit Kundengeldern aufgebaut wurde. Die zweite Fehlinformation ist die, dass quasi Verbraucherschützer die Lebensversicherung kaputt geredet hätten. Dabei ist hinlänglich bekannt, dass klassische oder Fondsgebundene LV-Produkte völlig intransparente, unflexible, extrem teure und damit renditeschwache Finanzprodukte sind. Es steht jedem Kunden frei, sich davon selbst zu überzeugen.
Mein Tipp: das kostenlose http://klv-check.de/lite
In Wahrheit werden Lebensversicherer von der Politik nur deswegen in Samthandschuhen angefasst, weil sie die willigsten Abnehmer von Staatsanleihen waren.

So ist es: Das Handelsblatt berichtet schon seit mittlerweilen einigen Jahren auf recht anrüchiger Weise. Oft wird der Verbraucherschützer-"Papst" Niels Nauhauser zitiert, der anscheinend die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Aber auch Anlegeranwälte geben mittlerweile häufig einen zum Besten. Ich habe übrigens mein Wirtschaftswoche- und HB-Abo bereits gekündigt, weil ich dieses tendenziöse Gehabe und die Werbemaßnahmen für Anlergerkanzleien nicht mehr ertragen konnte.






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