
DüsseldorfSeit Sommer hat sich so manches Geldinstitut auf leisen Sohlen vom Gratis-Girokonto verabschiedet und wieder auf Gebühren umgestellt. „Den Anfang machte die Santander Bank, die HypoVereinsbank zog nach sowie diverse kleinere Sparkassen“, hat Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, beobachtet.
Der Rückzug vom Nulltarif liege bei Filialbanken klar im Trend. Dafür haben reine Online-Banken eine Art Gegenoffensive gestartet, um unzufriedene Kunden abzufischen. Sie zahlen derzeit bis zu 100 Euro Prämie für jeden Neukunden - das kostenlose Girokonto gibt es sowieso.
Das Wiedereinführen von Gebühren für Konten, die oft jahrelang kostenfrei waren, habe viele Verbraucher auf die Palme gebracht, berichtet Oelmann. „In unseren Beratungsstellen machten Unzählige ihrem Ärger Luft.“
Finanztest und die FMH-Finanzberatung aus Frankfurt haben bei den Banken die Dispo-Zinsen erfragt oder ermittelt.
"Der Durchschnittszins von 11,76 Prozent liegt zwar gut einen halben Prozentpunkt unter der Vorjahresuntersuchung, aber immer noch zu hoch. Denn die Zinsen, zu denen sich die Banken Geld leihen können, sind stärker gesunken als die Zinsen, zu denen die Kunden ihr Konto überziehen dürfen."
"Die Dispozinsen sanken zum Quartalsende im Schnitt nur um 0,28 Prozentpunkte."
Die Banken verdienen heute an Überziehungen deutlich mehr als früher. Vergleicht man zum Beispiel einen Schnitt der Dispo-Zinsen mit dem Referenzzins, dem Euribor für drei Monate, so ergeben sich in den vergangenen vier Jahren im Schnitt Gewinnmargen von über 10 Prozentpunkten. Vor der Jahrtausendwende waren es dagegen mal sieben Prozentpunkte oder weniger, ermittelte die FMH-Finanzberatung.
Deutsche Skatbank, DAB bank AG, PSD Bank Westfalen-Lippe eG, VR-Bank Uckermark-Randow
Quelle: FMH Finanzberatung, Finanztest
Sparkasse Leipzig, Frankfurter Sparkasse, Berliner Volksbank, Berliner Bank, Deutsche Bank AG
Sparkasse Hannover, Mainzer Volksbank, Wiesbadener Volksbank, Santander Bank
Commerzbank: 13,24 Prozent, Sparkasse Langen-Seligenstadt: 13,5 Prozent
Volksbank Stendall, Volksbank Eisenberg, Sparkasse Göttingen, Stadtsparkasse Hameln
VR-Bank Aalen, Sparkasse Elbe-Elster, Raiffeisenbank Fischenich-Kendenich, Targobank
Manche Überziehungen über das vereinbarte Soll hinaus werden von den Banken geduldet. Sie verlangen dafür jedoch höhere Zinsen. In der Spitze ermittelte die FMH Finanzberatung für geduldete Überziehungen Werte von bis zu 18,75 Prozent.
„Die Sensibilität für Bankgebühren nimmt bei den Bürgern zu“, betont auch Kerstin Backofen von Stiftung Warentest. Der Großteil der Kunden habe allerdings noch gar nicht mitgekriegt, dass er fürs Konto bald wieder zahlen soll, ist Oelmann überzeugt.
Denn die Umstellung macht sich unterschiedlich bemerkbar, je nach Filialbank. Mal wird das kostenfreie Kontomodell ganz abgeschafft und auf kostenpflichtige Alternativen verwiesen, mal an neue Guthabengrenzen, Mindesteingänge oder -umsätze gekoppelt.
Die PSD Bank Nürnberg fordert Dispozinsen in Höhe von 8,1 Prozent und ist damit der einzige Top-10-Anbieter über acht Prozent.
Bei der DKB Deutsche Kreditbank liegen die Dispozinsen bei 7,9 Prozent.
Die PSD Bank Hessen Thüringen Giro Direkt verlangt Dispozinsen in Höhe von 7,77 Prozent.
Die Direktbank 1822direkt verlangt Dispozinsen in Höhe von 7,74 Prozent. Auch die PSD Bank Niederbayern-Oberpfalz und die PSD GiroDirekt und die PSD Bank RheinNeckarSaar Giro Direkt liegen hier.
Bei der PSD Bank Kiel liegen die Dispozinsen bei 7,71 Prozent.
Die DKB Deutsche Kreditbank verlangt Dispozinsen in Höhe von 7,90 Prozent.
Bei der PSD Bank Braunschweig muss der Kunde Dispozinsen in Höhe von 7,45 Prozent zahlen.
Die PSD Bank Berlin-Brandenburg verlangt Dispozinsen in Höhe von 6,99 Prozent. Bei der PSD Bank Westfalen-Lippe sind es 7 Prozent.
Bei der DAB Bank (Direktbank) liegen die Dispozinsen bei 6,95 Prozent.
Die niedrigsten Dispozinsen gibt es bei der Deutschen Skatbank (Direktbank). Hier liegen die Zinsen bei 5,25 Prozent.
Beispiel Santander: Das spanische Bankhaus, das seine Kunden von der schwedischen SEB-Bank übernahm und offenbar als erstes an der Gebührenschraube drehte, überraschte die Inhaber des Gratis-Kontos Giro4free mit folgendem Schreiben: „Glückwunsch. Ab sofort nutzen Sie GiroStar 1 Jahr kostenfrei!“ Die Angeschriebenen brauchten „nichts weiter zu unternehmen“, außer nach einem Jahr für den Wechsel von „free“ zu „Star“ monatlich 5,99 Euro zu zahlen.
„All die, die den Brief als Werbeaktion wegwarfen, kriegen die Kostenpflicht erst in ein paar Monaten mit“, erläutert Oelmann. Andere Geldinstitute hätten die anstehenden Veränderungen wenigstens klar formuliert und nicht als Marketingaktion verpackt.

Anhand der Kommentare habe ich den Eindruck, daß die
Bankenlobby aktiv ist!
Zur rechtlichen Seite hat das LG Mönchengladbach unter dem
AZ.: O 62/12 festgestellt, daß eine einseitige Änderung der Vertragsbedingungen nicht rechtmäßig ist.

Ich würde den Sparkassen und Volksbanken vorschlagen, einfach ein kostenloses Konto ohne Mindestgeldeingang einzuführen, bei dem aber für jede beleghafte Buchung (d. h. schriftliche Einreichung einer Überweisung o. ä., Bareinzahlung ohne Automat) ein Entgelt zu zahlen ist und max. 5 Geldabhebungen im Monat kostenlos sind (wie bei den PSD-Banken) - ganz ohne geht es nicht, irgendwie müssen die Personalkosten und sonstige Kosten ja gedeckt werden. So kann eine Abwanderung zu den Direktbanken verhindert werden. Wenn die meisten Kunden allerdings sowieso nicht zu den Direktbanken wechseln, ist dies nicht nötig, wäre aber moderner und kundenfreundlicher.
Für die Deutsche Bank und Commerzbank gilt das nicht, bei denen gibt es ja die norisbank und comdirect bank als Direktbanken in Form eines Tochterunternehmens.

...Sie haben darüber hinaus vergessen, die GEZ zu erwähnen... ...auch ist sicherlich eine besondere "Leistung" der Versicherer darin begründet, daß z.B. Versicherungsbeiträge, die unterjährig gezahlt werden, bei gleicher "Gegenleistung" einen Ratenzahlungszuschlag von bis zu 6% haben können... ...aber manchem Beitragszahler scheint es noch immer zu gut zu gehen...






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