
Wenn im Laufe des Jahres die Standmitteilungen für die knapp 80 Millionen Lebenpolicen im Briefkasten landen, dürfte sich die Freude der meisten Versicherten in Grenzen halten. Die Gesellschaften senken massenhaft die Zinsen, Versicherte müssen mit teils deutlichen Einbußen rechnen.
Nach einer Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen für Handelsblatt Online sinkt die durchschnittliche Gesamtverzinsung in diesem Jahr von 4,05 auf 3,9 Prozent. Vier Prozent gilt unter Vertriebskreisen als psychologisch wichtige Marke. Die Gesamtverzinsung setzt sich aus laufenden Überschüssen und Garantiezins zusammen und bestimmt maßgeblich die Rendite einer Police. Schon im vergangenen Jahr haben die Gesellschaften ihre Zinsen um durchschnittlich 0,4 Punkte gesenkt.
Aktuell können nur 14 der untersuchten 71 Gesellschaften die Gesamtverzinsung konstant halten. Acht von zehn Versicherer – insgesamt 56 - senken ihre Zinsen. Nur die Deutsche Ärzteversicherung erhöht als einzige Gesellschaft im Vergleich die Verzinsung um fünf Promillepunkte auf leicht überdurchschnittliche 4,05 Prozent.
Die sinkenden Renditen am Markt für sichere Anleihen trifft die Branche hart. "Die meisten Gesellschaften dürften angesichts der niedrigen Zinsen aktuell ihre Reserven angreifen", sagt Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer bei Morgen & Morgen. Auch in naher Zukunft müssen Kunden wegen der aktuellen Niedrigzinsphase mit weiter sinkenden Renditen rechnen. Viele Anleihen, die in der Hochzinsphase vor einigen Jahren abgeschlossen wurden, laufen in der Zukunft aus.
Vor allem Gesellschaften mit einem alten Kundenstamm, der zu hohen Garantiezinsen in der Vergangenheit abgeschlossen hat, müssen sich zur Decke strecken. Zwischen Juni 1994 und 2000 lag der Garantiezins noch bei vier Prozent. Für Neuverträge sank der Satz zum Jahresbeginn von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent.
Besonders hart trifft es in diesem Jahr die Kunden von Arag, HDI Gerling und Oeco Capital. Diese Versicherer senken die Gesamtverzinsung um 0,5 Prozentpunkte. Die Generali senkt immerhin um 0,4 Punkte. Da auch die Marktführer fast komplett ihre Überschüsse senken, dürften die Mehrzahl der Versicherten in diesem Jahr weniger erhalten. Nur noch Targo, Europa, Landeslebenshilfe und Aegeas bieten 4,50 Prozent und mehr.
Kunden mit Kapital oder fondsgebundene Lebenspolicen können ihren Vertrag oft durch eine günstigere Risiko-Lebenspolice ersetzen, empfiehlt der Bund der Versicherten.
Sprechen Sie mit Ihrer Gesellschaft über eine kürzere Laufzeit. Aus steuerlichen Gründen sollte die Police mindestens zwölf Jahre laufen. Bis dahin können Sie die Police beitragsfrei stellen, die Prämie reduzieren oder verlangen, dass für den Beitrag die angesammelten Überschussanteile verwendet werden.
Wer eine Versicherung beitragsfrei stellen lässt, muss wissen, dass danach nichts mehr verändert werden darf.
Leider muss ich insgesamt der ganzen Sache noch etwas hinzufügen, wobei die meisten Kommentare korrekt sind: eine KLV schliesst man einfach nicht ab, wenn man vorsorgen möchte, aber das Ding für 12 Jahre abzuschliessen und 4% erwarten, das grenzt an .... ja, Dummheit, sorry! Eigentlich kann man nach der Zeit froh sein das eingezahlte Geld wieder zu kriegen....
Ihren Beitrag in allen Ehren. Ich bin 20 Jahre Kunde einer großen Versicherung.
Meine Erfahrung:
(1) Der Aktienkurs dieser Versicherung erreichte im Jahre 2000 den Höhepunkt. Seit dem um ca. 80 % gefallen!
(2) Flexibilität: In der Praxis nicht gegeben.
Es gibt eine Flexibilität bei "neuen Tarifen". Alte Tarife werden "geschlossen". Beispiel: Bei älteren fondsgebundenen Policen sind ETFs nicht zugelassen, nur bei neuen Tarifen.
Was erschreckend ist: Neukunden werden besser behandelt wie langjährige, zuverlässige Altkunden.
Alte Tarife werden konsequent "Ab-Geerntet", wie man das im Markting nennt.
Mein Tipp: Den Vetreter reden lassen, mitschreiben und dann sich wirklich Alles schriftlich bestätigen lassen! Viel Spass.
Leider muss ich mich mittlerweile über viele Artikel zum Thema Kapitalanlage, Vorsorge und verwandten Themen seitens des Handelsblattes sehr wundern. Auch dieser Artikel ist sehr oberflächlich und teilweise schlecht recherchiert.
1.Zum einen wird mit keinem Satz erwähnt, mit welchem Produkt ein Anleger/Sparer/Bürger mit einem hohen Sicherheitsbedürfnis aktuell eine Verzinsung für sein Kapital erhält, dass unter Berücksichtigung der Sicherheitsinteressen eine Verzinsung anbietet, die nur annähernd die genannte durchschnittliche Überschussbeteiligungen der Lebensversicherer erreicht. An dieser Stelle sei nur die aktuelle Verzinsung einer zehnjährigen Bundesanleihe erwähnt, die aktuell noch nicht einmal zwei Prozent erreicht.
2. Es ist interessant das im Bild zum Artikel wie bereits erwähnt drei Versicherer erscheinen die unter dieser Firmierung schon nicht mehr aktiv sind.
3. Dann wird undifferenziert die gesamte Branche über einen kam geschoren, ohne auf die Ausgangssituationen der einzelnen Gesellschaften hinzuweisen. Als positiv hervorgehoben werden als Gipfel dann auch Anbieter, die die Konstanz ihrer Überschussbeteiligung in einem dafür nicht geeigneten Kapitalmarktumfeld durch einen Aufbrauch ihrer Reserven erkaufen und somit ihre langfristige Zukunftsfähigkeit aufs Spiel setzen.
4. Die Zitate des Verbraucherschutzes zum Thema Flexibiltät und steuerliche Behandlung finde ich nur noch erschreckend. Eine seriöse Gesellschaft bietet die gewünschte Flexibilität. Und aus steuerliche Gründen kann es sowohl im Hinblick auf eine Kapitalauszahlung als auch auf eine Verrentung des Vertrages im Verglich zu anderen Anlagen steuerlich vorteilhaft sein. Hier kommt es auf den Einzelfall an.
Soweit meine Anmerkungen, für die Zukunft bitte etwas besser recherchieren und das HB nicht auf das Niveau eines Boulevardblattes bringen, sondern wie eigentlich in der Vergangenheit gewohnt eine andere Berichterstattung bieten und sich abheben





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