Wenn die Rente immer kleiner wird und die Steuer immer höher, macht Altersvorsorge keinen Spaß. Doch ein Polster zu schaffen, ist auch heute noch möglich – trotz steuerlicher Hürden und volatiler Kapitalmärkte. Wichtig ist, dass der Sparer alle staatlichen Geschenke einstreicht und sein Geld vernünftig anlegt.
Wer als Rentner einen gesicherten Lebensabend genießen möchten, wird um eine sorgfältig geplante Altersvorsorge nicht herumkommen.
DÜSSELDORF. Die vergangenen Wochen haben ein gutes Beispiel für anlegertypisches Fehlverhalten geliefert. Die heftigen Korrekturen an den Aktienmärkten haben viele Sparer in die Flucht geschlagen, Investmentfonds haben dramatische Abflüsse erlebt. Anschließend sind die Anleger nicht mehr eingestiegen und haben die neue Rally verpasst. Pech gehabt? Mehr als das – systematische Fehler in der Geldanlage können Sparer zum Renteneintritt an die Armutsschwelle bringen. Außerdem macht es deutlich mehr Spaß, wenn das Vermögen merkbar wächst.
Doch kein Geld-Thema ist so komplex wie der langfristige Vermögensaufbau und die Altersvorsorge. Derzeit ist das Umfeld besonders schwierig. Mehr als zehn Prozent hat der Dax von Mitte Juli bis Mitte August abgegeben, inzwischen hat er allerdings fast alles bereits wieder aufgeholt. „Profis haben im Gegensatz zu den Privatanlegern längst schon wieder ihre Aktienpositionen aufgestockt“, sagt Vermögensberater Tom Friess vom VZ-Vermögenszentrum in München.
Auch wer festverzinsliche Wertpapiere im Depot hat, erlebte eine Achterbahnfahrt. Am 6. Juli lag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bei 4,67 Prozent, am 10. September war sie auf 4,064 Prozent abgerutscht, inzwischen hat sie sich wieder auf gut 4,4 Prozent erholt. Entsprechend ist der Kurs erst nach oben geschnellt und hat dann wieder nachgegeben. Ähnlich unruhig ist die Lage an den Devisenmärkten. Der Dollar, der unter dem Zinsdruck leidet, hat rasant an Wert verloren. Ein Euro kostet jetzt mehr als 1,40 Dollar. Die Hypothekenkrise in den USA, die die Turbulenzen ausgelöst hat, schwelt weiter. „Frühestens in einem Jahr sind alle Folgen sichtbar“, sagt Ökonom Joseph Stiglitz von der Columbia Universität. Er hält eine Rezession für möglich.
Zum unsicheren Marktumfeld kommt die Abgeltungsteuer, die ab Januar 2009 alle Kapitalerträge generell mit 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer belastet, auch die Kursgewinne. Das vielfältige Produktangebot – von neuen Dachfonds über die Sofortrente bis hin zu Fondssparplänen, Leibrenten und der Direktversicherung über den Betrieb – gibt vielen Sparern den Rest. „Viele sind derzeit verunsichert und machen gar nichts“, sagt Nomrosky. „Das Geld wandert höchstens noch auf ein Tagesgeldkonto.“
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Daneben bleiben die bescheiden verzinste Kapitallebensversicherung, das Sparbuch und der Geldmarktfonds die Favoriten der Deutschen. Die Aktiensparquote ist auf weniger als zehn Prozent abgesackt, zwei Drittel aller abhängig Beschäftigten lassen sich die Steuergeschenke der Riester-Rente entgehen. Das steuerfreie Sparen über den Betrieb – die Entgeltumwandlung – ignorieren gar rund 90 Prozent aller Beschäftigten. Gerade diese Sparformen sind aber eine Gelegenheit, dem Staat wieder Geld abzuknöpfen.
Wer riestert, kassiert entweder hohe Zulagen oder kann einen gewissen Geldbetrag steuerfrei anlegen. Die Entgeltumwandlung ist allein schon wegen der Steuerstundung bis zum Renteneintritt lukrativ. Über viele Jahre kann der Anleger die gesparten Steuern für sich arbeiten lassen und vom Zinseszinseffekt profitieren. Meist bietet der Rentenvertrag über den Betrieb auch günstigere Abschlusskosten. Im Alter, wenn die erzielte Rente voll zu versteuern ist, ist der Steuersatz obendrein meist niedriger. „Die Entgeltumwandlung haben viel zu wenige Anleger im Blickfeld“, sagt Friess.
Fehler macht jeder Sparer. Doch das finden Experten nicht so dramatisch. Hauptsache, es kommt ein wenig System in die Anlage. Dazu gehört, Geschenke vom Staat nicht verfallen zu lassen und einen gewissen Teil des Vermögens auch in Aktien zu stecken. Die US-Amerikaner etwa investieren rund die Hälfte ihres Vermögens in Aktien. Selbst wenn Aktien stärker schwanken, sollten Anleger bedenken, dass nach einer Korrektur immer auch wieder eine Erholung kommt.
