2. Teil: Klassische Rentenpolicen
Was von Ihrer Altersvorsorge übrig bleibt

Das Zinstief lastet schwer auf den Altersvorsorge-Sparern. Doch wie karg fällt die private Vorsorge im Alter tatsächlich aus? Eine Analyse zeigt Rentenhöhen und Renditen für neue Policen. Die Ergebnisse alarmieren. 
  • 10

DüsseldorfSpätestens seit dem 1. Januar können Altersvorsorge-Sparer die Augen nicht mehr vor der Niedrigzinsrealität verschließen. Seit dem Jahreswechsel garantieren Lebensversicherer den Neukunden bei klassischen Policen nur noch einen Zins von 1,25 Prozent auf ihren Sparanteil, der den monatlichen Beiträgen abzüglich der anfallenden Kosten entspricht. Wie hart die Garantiekürzung die Versicherten in der Praxis trifft, hat das unabhängige Analysehaus Morgen & Morgen (M&M) für Handelsblatt Online ausgerechnet.  

Neukunden, die ab sofort jeden Monat 100 Euro in eine klassische Rentenpolice einbezahlen, müssen im Marktschnitt 23 Jahre sparen, um bei einem Garantiezins von 1,25 Prozent im Plus zu landen. „Erst nach 23 Jahren garantieren die Versicherer in diesem Fall eine positive Rendite“, sagt Joachim Geiberger, Geschäftsführer von Morgen & Morgen. „In den Jahren 1994 bis 2000, als der Garantiezins noch vier Prozent betrug, erzielten Sparer bereits nach weniger als 12 Jahren einen garantierten Beitragserhalt“.

Natürlich bieten die Versicherer mehr als den Garantiezins. Bis dato markiert die garantierte Beitragsrendite das Worst-Case-Szenario – die Mindestrendite, auf die Sparer in jedem Falle zählen können, sollten alle Überschüsse ausbleiben. Das ist bislang noch nie passiert. Doch die Luft wird auch hier immer dünner.

Aktuell erzielen Versicherer im Branchendurchschnitt noch eine laufende Verzinsung von 3,15 Prozent. In den vergangenen drei Jahren sank diese aber mit schöner Regelmäßigkeit um rund 20 bis 30 Basispunkte. „Vor dem Hintergrund des niedrigen Garantiezinses kommt der Überschussbeteiligung eine besondere Bedeutung zu“, sagt Lars Gatscke vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Weil die Neuanlage kaum mehr Zinsen einbringt und Versicherer mit den Überschüssen auch Reserven bilden müssen, schmilzt die Überschussbeteiligung dahin. Die führenden Analysehäuser gehen davon aus, dass der sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzt.

Weil es innerhalb des Kollektivs immer weniger zu verteilen gibt, verlieren klassische Lebenpolicen für renditebewusste Sparer an Attraktivität. Wie karg die Renditen in der Praxis ausfallen und mit welchen absoluten Renten die Versicherten im aktuellen Niedrigzinsumfeld rechnen können, zeigt jetzt eine aufwendige Studie. Das Analysehaus Morgen & Morgen hat für Handelsblatt Online ausgewertet, wie stark das Zinstief auf Neuverträge von klassischen Rentenpolicen und Fondspolicen durchschlägt.

Kommentare zu " 2. Teil: Klassische Rentenpolicen: Was von Ihrer Altersvorsorge übrig bleibt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Lebensversicherung war schon früher Unsinn, aber wenigstens gedeckt durch die damals hohen Renditen, von denen der Sparer wenigsten irgendwann einen Teil gesehen hat. Jetzt ist sie nur noch Irrsinn.

    Richtig ist die Geldanlage in Aktien, und zwar direkt oder allenfalls über ETF. Das wird aber aufgrund der Lobbyarbeit der Versicherer politisch bestraft. Die Lebensversicherung ist steuerbegünstigt, bei der Aktienanlage muss jeder Ertrag, der mit zuvor schon versteuertem Einkommen erzielt wird, mit >25% versteuert werden, und zwar auch dann, wenn der Nominalertrag mal gerade die Inflation ausgleicht. Das ist modernes Raubrittertum!

    Die Politiker sollen nicht von privater Vorsorge quatschen, sonderen diese an der richtigen Stelle unterstützen. Aber die bedienen lieber die Interessen der Versicherungslobby und der daran hängenden Schmarotzer.

    Der Feind des einfachen Bürgers sind die Politiker in Berlin, die uns mit Euro, Negativzins, Lobbygefälligkeiten und konfiskatorischen Steuern in die Altersarmut treiben!

  • Dann muss man nur noch für sich überlegen, welcher Berater es wohl grundsätzlich ehrlicher mit einem meint: ein Vermittler der Provisionen kassiert oder ein Honorarberater, der frei von Provisionsinteressen ist.

    Last but not least: Fondskosten reduzieren und Versicherer wählen, er keine Aktionärsinteressen berücksichtigen muss.

  • 2. Eine Rendite oberhalb der Inflation ist nur mit einer fondsgebundenen Altersvorsorge möglich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%